Progress

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Dieser Artikel behandelt den Raumschiffstyp Progress; zu weiteren Bedeutungen siehe Progress (Begriffsklärung).
Progress M1-10
Nahaufnahme des aktiven Andockstutzens eines Progress-M-Raumschiffs
TORU-Andockkontrollsystem im Swesda-Modul – wird im Falle eines Problems mit der automatischen Kopplung, wie zum Beispiel bei Progress M-05M, zur manuellen Kopplung der Progress-Schiffe an die ISS verwendet

Progress (russisch Прогресс für Fortschritt) ist ein russischer, von Sojus abgeleiteter unbemannter und nichtwiederverwendbarer Raumtransporter, der Mitte der 1970er-Jahre vom OKB-1 Koroljow (Experimental-Konstruktionsbüro-1, heute RKK Energija) zur Versorgung von Raumstationen der Saljut-Serie entwickelt wurde. Später wurde mit Progress auch die Raumstation Mir angeflogen. Heutzutage starten die Progress-Transporter zur Internationalen Raumstation (ISS). Als Träger dient die Sojus-Rakete.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Progress besteht grundsätzlich aus drei Modulen: Der aus dem Sojus-Orbitalmodul abgeleiteten unter Druck gesetzten Frachtsektion (Progress GO = Gruzovoi otsek /russ. Грузовой отсек) mit Luftschleuse, der Tanksektion (Progress OKD = Otsek komponentov dozapravki/russ.Отсек компонентов дозаправки) und dem Servicemodul (Progress PAO = Priborno-agregatniy otsek/russ. Приборно-агрегатный отсек) mit den Triebwerken und der Energieversorgung für Progress.

Progress hat keine Rückkehrkapsel und wird nach dem Betanken der Raumstation sowie dem Ausladen der Fracht mit Müll beladen, um damit in der Erdatmosphäre zu verglühen. Um nicht für jede Probenrückführung von der Mir eine Sojus starten zu müssen, wurde das Rückkehrmodul VBK-Raduga, (VBK für Vozvrashchaemaya ballisticheskaya kapsula /russ. Возвращаемая баллистическая капсула) entwickelt, das etwa 150 kg Nutzlast zurück zur Erde transportieren kann.

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Progress dient zurzeit als Nachschubtransporter für die Internationale Raumstation. Pro Jahr werden durchschnittlich vier Transporter gestartet.

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte der 1970er-Jahre wurde eine unbemannte Frachtvariante der Sojus 7K-T entwickelt, welche den Namen Progress bekam. Der erste Start erfolgte am 20. Januar 1978 zur Raumstation Saljut 6. In den 1980ern wurde mit Progress M eine neue Variante des Frachtschiffs entworfen, diese basierte nun auf dem Sojus-T-Raumschiff und wurde zum ersten Mal 1989 zur Mir gestartet. Später wurde Progress M auf der ISS eingesetzt. 2000 folgte mit Progress M1 eine weitere Modifikation des Schiffs, diesmal wurde die Treibstoffladekapazität des Frachters erhöht. Zurzeit wird die ISS von Progress-M-Raumschiffen versorgt, Progress-M1-Tanker werden nur bei Bedarf eingesetzt.

Am 26. November 2008 wurde ein Progress-Raumschiff der neuen Version Progress M-01M (GRAU-Index: 11F615A60) gestartet. Diese besitzt anstelle des bisherigen analogen Flugsteuerungssystems Argon-16 dreifach redundante digitale Flugsteuerungssysteme ZWN-101 (mit RISC 3081 Prozessor[1]) und ein miniaturisiertes Radiotelemetriesystem MBITS. Die neuen Systeme erlauben eine schnellere und effizientere Flugsteuerung und sparen 75 kg an Masse ein.[2]

Der 44. Flug (Flug 44P) verunglückte am 24. August 2011 und stürzte ab, woraufhin weitere Starts von Sojus-Raketen bis zur Klärung der Absturzursache ausgesetzt wurden.[3]

Am 30. Oktober 2011 startete die nächste Progress erfolgreich und erreichte die Internationale Raumstation.

Progress[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Länge: 7,48 m
  • Maximaler Durchmesser: 2,72 m
  • Masse: 7.020 kg
  • Nutzlast: 2.315 kg, davon maximal 975 kg Treibstoff
  • Erstflug: 20. Januar 1978 (Progress 1 zu Saljut 6)
  • Letzter Flug: 5. Mai 1990
  • Anzahl geglückte Starts: 42, davon
    • 12 zu Saljut 6
    • 12 zu Saljut 7
    • 18 zur Mir
  • Energieversorgung: Akkumulatoren

Progress M[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Progress M-55 angedockt am Pirs-Modul
  • Länge: 7,23 m
  • Maximaler Durchmesser: 2,72 m
  • Masse: 7.450 kg
  • Nutzlast: 2.350 kg, davon maximal 1.200 kg Treibstoff
  • Erstflug: 23. August 1989 (Progress M 1 zur Mir)
  • Letzter Flug: 24. Juli 2009 (Progress M 67 zur ISS, Deorbit 27. September 2009)
  • Energieversorgung: Solarzellen und Akkus

Progress M1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Progress M1-4 kurz vor dem Andocken an die ISS
  • Länge: 7,2 m
  • Maximaler Durchmesser: 2,72 m
  • Masse: 7.150 kg
  • Nutzlast: 2.230 kg, davon maximal 1.950 kg Treibstoff
  • Erstflug: 1. Februar 2000 (Progress M1-1 zur Mir)
  • Energieversorgung: Solarzellen und Akkus

Progress M-M[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Progress M-03M an der ISS
  • Länge: 7,2 m
  • Maximaler Durchmesser: 2,72 m
  • Masse: 7.150 kg
  • Nutzlast: 2.425 kg
  • Erstflug: 26. November 2008 (Progress M-01M zur ISS)
  • Energieversorgung: Solarzellen und Akkus

Progress MS[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die weiterentwickelten Progress-MS-Raumschiffe unterscheiden sich unter anderem durch das neue Annäherungs- und Kopplungssystem Kurs-NA und einem zusätzlichen Mikrometeoritenschutz von der bisherigen Version. Der Erstflug erfolgte am 21. Dezember 2015 (Progress MS-1 zur ISS).[4]

Die MS-Version verfügt über ein verbessertes Rendezvous-System Kurs-NA, das die Zuverlässigkeit und Sicherheit des Docking-Manövers verbessern soll. Bei diesem ersetzt die neue AO-753A-Antenne die bisherige 2AO-VKA und drei AKR-VKA-Antennen, das Paar von 2ASF-M-VKA-Antennen wurde beibehalten. Das neue Flugsteuerungssystem SUD nutzt anstelle von Signalen der Bodenstationen die GLONASS-Navigationssatelliten zur Bestimmung der Bahn und erlaubt so eine autonome Flugbahn-Messung. Das EKTS-Kommunikationssystem, welches das ältere Kvant-B-System ersetzt, ermöglicht die verbesserte Echtzeitkommunikation mit der Bodenstation über die Lutsch-5-Datenrelaissatelliten. Mit allen drei verfügbaren Lutsch-Satelliten kann die Kommunikation mit der Bodenkontrolle zu 83 Prozent in der Umlaufbahn aufrechterhalten werden. Trotz Verfügbarkeit der Relaissatelliten wird die direkte Kommunikation zu den Bodenstationen immer noch für die Kontrolle der Raumsonde und die Telemetrie verwendet. Weitere Änderungen sind ein digitales Videosystem, welches das bisherige analoge ersetzt, eine LED-Beleuchtung, neue Sensoren und ein elektrisches Backup für das Dockingsystem.[5] An der Außenseite wurden Transportmechanismen zur Freisetzung von CubeSats installiert. Bis zu vier Startcontainer für diese Kleinsatelliten können in jedem Außenfach installiert werden.[6]

Progress-MS kann bis zu 1.800 kg Trockenfracht, 420 kg Wasser, 50 kg Luft oder Sauerstoff und 850 kg Treibstoff transportieren. Beim Rückflug kann das Raumschiff mit 1.000 bis 1.600 kg Müll und 400 kg flüssiger Abfälle beladen werden.[6]

  • Länge: 7,23 m
  • Maximaler Durchmesser: 2,72 m
  • Startmasse: 7.200 kg
  • Nutzlastgröße: 6,6 m³
  • Spannweite: 10,6 m

Vergleich mit anderen Weltraumtransportern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Transporter Progress ATV HTV Space Shuttle mit MPLM Dragon Cygnus
Startkapazität 2,3 t 7,7 t 6,0 t 9 t 3,3 t 3,5 t [7]
Landekapazität 9 t 2,5 t
Fähigkeiten Frachttransport
Reboost
Treibstofftransfer
VBK-Raduga
Frachttransport
Reboost
Treibstofftransfer
Frachttransport
Transport von ISPR
Transport von Außenlasten
Frachttransport
Transport von ISPR
Transport von Außenlasten
Stationsaufbau
Reboost
bis zu 7 Raumfahrer
Frachttransport
Transport von ISPR
Transport von Außenlasten
Frachttransport
Transport von ISPR
Träger Sojus Ariane 5 H-2B Space Shuttle Falcon 9 Antares / Atlas 5
Startkosten
Grobe Angaben
65 Mio. USD[8] 600 Mio. USD[9] 300–320 Mio. USD[10][11] 1,5 Mrd. USD[12] 133 Mio. USD[13] 240 Mio. USD[14]
Einsatzzeitraum seit 1978 2008–2015 seit 2009 2001–2011 seit 2012 seit 2014

Flugzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Progress M 16M (Juli 2012), Progress M 17M (Oktober 2012) und Progress M 18M (Februar 2013) wurde eine drastisch verkürzte Flugzeit zur Raumstation ISS von ungefähr 6 Stunden gegenüber etwa 50 Stunden bei früheren Flügen erreicht. Die drei Flüge waren Tests für die neuen Bahnen, die ab 2013 für die bemannten Raumschiffe des Typs Sojus angewandt werden.

„Das Verfahren wurde möglich, da die Flugbahn der Internationalen Raumstation seit 2012 diesen Manövern besser angepasst werden kann. Insbesondere die Umlaufzeit lässt sich dadurch so regulieren, dass es etwa im Dreitagesabstand jeweils einen Überflug der Station über Kasachstan gibt, bei dem die Bahnebene den Startplatz schneidet, wenn die Station etwa 30 Grad voraus ist.“

Günther Glatzel: raumfahrer.net[15]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Wiedereintrittsmanöver werden die Raumtransporter so abgebremst, dass nicht vollständig verglühende Trümmerteile in einem Areal im südlichen Pazifik niedergehen.[16][17] Dieses Gebiet wird polemisch als „Friedhof der Raumschiffe“ bezeichnet, unter anderem versanken in diesem Meeresgebiet Überreste von mehr als 60 Raumfrachtern und auch etwa 40 Tonnen der ausgedienten Raumstation Mir.[18][19]

Progress M-34[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Juni 1997 kollidierte aufgrund eines Fehlers beim Andocken das Progress M-34-Versorgungsraumschiff mit der Raumstation Mir. Das beschädigte Modul Spektr wurde undicht und musste versiegelt werden, durch Schäden an den Solarpaneelen des Moduls fiel ein Drittel der Energieversorgung aus. Die Probleme an Bord konnten zwei Monate später bei einem Besatzungsaustausch behoben werden.

Progress M-27M[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Progress M-27M

Am 28. April 2015 wurde von Baikonur der Versorgungsflug 59P zur ISS mit dem Transporter Progress M-27M gestartet. Dies war der 150. Start eines Progress-Moduls. Wegen eines Fehlers bei der Abschaltung der dritten Stufe oder beim Abtrennen des Raumtransporters wurde der erforderliche Orbit nicht erreicht. Der Transporter konnte nicht unter Kontrolle gebracht werden und verglühte am 8. Mai in der Erdatmosphäre.[20]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Progress – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Novosti-Kosmonavtiki: SOYUZ TMA AND PROGRESS M-01M WITH MODIFIED CONTROL SYSTEM
  2. Anatoly Zak, Alain Chabot: Progress M-M cargo ship. 4. Februar 2011, abgerufen am 13. Juni 2013 (englisch).
  3. AFP: Russische Behörden legen Starts von Sojus-Raketen vorläufig auf Eis. 25. August 2011.
  4. FliegerRevue April 2014, S.9, Modernere Sojus- und Progress-Kapseln
  5. russianspaceweb.com: Progress-MS cargo ship, abgerufen am 28. Januar 2016
  6. a b spaceflight101.com: Progress MS – Spacecraft & Satellites, abgerufen am 28. Januar 2016
  7. Orbital ATK: [1] (englisch)
  8. Bernd Leitenberger: Progress
  9. Spaceflight Now: Fourth ATV attached to Ariane 5 launcher (englisch)
  10. Spaceflight Now: Space station partners assess logistics needs beyond 2015 (Memento vom 4. Dezember 2009 im Internet Archive) (englisch)
  11. majirox news JAXA Wants ¥¥¥¥¥ for 2020 Rocket (englisch)
  12. Roger Pielke Jr.'s Blog: Space Shuttle Costs: 1971-2011 (englisch)
  13. Nasa Spaceflight.com: SpaceX and Orbital win huge CRS contract from NASA (englisch)
  14. gizmag: The swan flies: Successful launch of Cygnus/Antares ISS supply mission (englisch)
  15. Progress-M 18M gestartet und gleich angekoppelt auf: raumfahrer.net vom 13. Februar 2013, abgerufen am 13. Februar 2013
  16. Russland versenkte ausgedienten Raumtransporter im Pazifik derstandard.at
  17. Progress Spacecraft Will Sink In Pacific space-travel.com
  18. Weltraumschrott – "Mir" landete im Pazifik spiegel.de
  19. ISS-Raumfrachter im "Friedhof der Raumschiffe" versenkt derstandard.at, abgerufen am 30. Oktober 2011
  20. Roskosmos: РОСКОСМОС: ТГК «ПРОГРЕСС М-27М» ПРЕКРАТИЛ СУЩЕСТВОВАНИЕ. 8. Mai 2015, abgerufen am 8. Mai 2015 (russisch).