Dream Chaser

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Dream Chaser
Dream Chaser bei Rollversuchen im Juli 2013
Orbiter
Organisation Sierra Nevada Corporation
Orbit suborbital, orbital
Länge 9 m
Spannweite 7 m
nutzbares Volumen 16 m³
Masse 9.000 kg
Besatzung 7
Trägerrakete Atlas V(402) (geplant)
Ariane 5 (geplant)

Der Dream Chaser (deutsch: Traumjäger) ist ein geplanter, als Lifting Body entworfener Raumgleiter des Unternehmens SpaceDev, das mittlerweile von der Sierra Nevada Corporation übernommen wurde. Dream Chaser wurde durch das Programm CCDev der NASA für bemannte Raumflüge gefördert, ohne einen abschließenden Auftrag erhalten zu haben, soll aber zukünftig Fracht zur Internationalen Raumstation (ISS) bringen, genau wie das Dragon-Raumschiff und der Cygnus-Raumtransporter.

COTS[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dream Chaser, angekoppelt an die ISS. (künstlerische Darstellung)

Das Commercial-Orbital-Transportation-Services-Programm (COTS) der NASA sah vor, die Entwicklung privater Transportkapazitäten für Fracht in eine Niedrige Erdumlaufbahn zur ISS zu fördern, so dass die Versorgung der ISS durch Privatunternehmen sichergestellt werden sollte. Der Betrieb der ISS war bis einschließlich 2020 vertraglich vereinbart und soll bis 2024 verlängert werden.[1] Seit das Shuttle-Programm 2011 eingestellt wurde, kann die NASA keinen Besatzungsaustausch und keine Frachtflüge mehr selbst durchführen. Mit dem Dream Chaser wollte die Firma diese Aufgaben bis mindestens 2024 wahrnehmen. SNC bewarb sich vergeblich um eine Förderung durch COTS.

CCDev[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sierra Nevada Corporation erreichte aber eine Förderung der Entwicklung des Dream Chaser durch das Commercial Crew Development-Programm (CCDev) der NASA, das ergänzend zur Entwicklung von Frachtkapazitäten durch COTS die Entwicklung von sicherem Personentransport zu ISS fördern sollte. Näheres siehe im Hauptartikel.

Die Sierra Nevada Corporation hatte am 26. September 2014 Einspruch gegen die Auftragsvergabe an Boeing und SpaceX eingelegt,[2] da das Dream-Chaser-Angebot nicht berücksichtigt wurde, obwohl es preislich unter dem von Boeing lag. Dies führte am 3. Oktober 2014 zu einer bis zum 5. Januar befristeten Einstellung der Aufträge[3], die jedoch überraschend am 9. Oktober 2014 wieder aufgehoben wurde, so dass die Arbeiten bei Boeing und SpaceX fortgeführt werden konnten.[4]

NASA-Auftrag: Fracht- statt Personentransport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl SNC sich bei der Förderung der Entwicklung von Frachkapazitäten (COTS) vergeblich beworben hatte und Förderung durch das Programm für Personentransport (CCDev) erhalten hatte, vergab die NASA die Aufträge den konkreten Personentransport an Boeing und SpaceX, nicht an SNC.

Am 14. Januar 2016 gab die NASA aber bekannt, dass sie ihm Rahmen der zweiten Runde des Commercial Resupply Services-Programmes die Sierra Nevada Corporation als drittes Unternehmen mit Frachtflügen zur ISS beauftragt hat. Mit dem Dream Chaser sollen zwischen 2019 und 2024 mindestens sechs Versorgungsflüge zur ISS stattfinden.[5] Es sollen bis zu 5,5 t Fracht zur Station transportiert werden können.[6][7] Die ESA soll den ersten Andockadapter (International Berthing and Docking Mechanism - IBDM) fertigen.[8]

Spezifikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dream Chaser soll vertikal vom Boden aus starten. Als Trägerrakete ist eine modifizierte Version der Atlas V vorgesehen. Der Dream Chaser wird sechs bis acht Personen oder Fracht transportieren können. Das Design des Dream Chaser basiert auf dem Prototyp HL-20, der Ende der achtziger Jahre als Versorgungsfahrzeug für die geplante US-Raumstation Freedom projektiert wurde. HL-20 wiederum geht auf einen sowjetischen Entwurf des BOR vom Anfang der 1980er Jahre zurück.[9]

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Triebwerkstests wurden erfolgreich absolviert. Am 17. Dezember 2010 wurde mit dem Abwurf eines 1:7-Modells des Dream Chasers und der anschließenden Landung nach einer Gleitflugphase ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung erfolgreich erfüllt.

Dream Chaser, an einem Hubschrauber hängend

Im Mai und August 2013 wurden im Dryden Flight Research Center/USA Rolltests mit einem 1:1-Prototypen unternommen.[10][11] Am 26. Oktober 2013 erfolgte der erste freie Flug bei einem Abwurftest von einem Hubschrauber. Bei der Landung rutschte der unbemannte Dream Chaser auf der Landebahn entlang und wurde beschädigt, da das linke Fahrwerk nicht ausfuhr.[12][13]. Bei dem Prototyp wurde das Fahrwerk eines Kampfjets vom Typ Northrop F-5E Tiger verwendet [14].

Im Dezember 2013 initiierte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) das DC4EU-Projekt (Dream Chaser for European Utilization), in dem untersucht werden soll, ob und wie Europa die Dream Chaser Technologie nutzen könnte.[15]

Im Januar 2014 schloss sich die Europäische Weltraumorganisation (ESA) dem DC4EU-Projekt an. Die ESA möchte bei einem "europäisierten" Dream Chaser die Startmöglichkeiten mit der Ariane 5 prüfen. Um ihn in der Nutzlastverkleidung der Rakete unterzubringen, müssten zumindest die Flügellängen des Dream Chaser etwas reduziert werden.[16] Spätere Konzepte zeigten an den Rumpf anklappbare Flügel.

Im November 2015 gab SNC bekannt, dass Anfang 2016[veraltet] ein weiterer Testflug innerhalb der Atmosphäre mit dem ETA (engineering test article) auch Eagle genannten Prototypen stattfinden soll. Parallel dazu wird bereits ein Raumfahrzeug für die Orbitalen Tests (orbital vehicle) gefertigt.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dream Chaser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Obama Administration Extends International Space Station until at Least 2024. Website des Weißen Hauses, 8. Januar 2014, abgerufen am 19. Mai 2014 (englisch).
  2. Sierra Nevada protests to GAO over loss of NASA space-taxi contract. Denver Post, 26. September 2014, abgerufen am 6. Oktober 2014 (englisch).
  3. So Sierra Nevada protested NASA space-taxi contract, but what's next? Denver Post, 3. Oktober 2014, abgerufen am 6. Oktober 2014 (englisch).
  4. Commercial Crew: Entwicklung geht weiter! Raumfahrer.net, 29. Oktober 2014, abgerufen am 30. Oktober 2014 (deutsch).
  5. Stephen Clark: NASA splits space station cargo deal three ways. Spaceflight Now, 14. Januar 2015, abgerufen am 3. Februar 2016 (englisch).
  6. NASA splits space station cargo deal three ways. spaceflightnow.com, 14. Januar 2016, abgerufen am 15. Januar 2016 (englisch).
  7. Orbital, Sierra Nevada, SpaceX Win NASA Commercial Cargo Contracts. spacenews.com, 14. Januar 2016, abgerufen am 15. Januar 2016 (englisch).
  8. http://spacenews.com/europe-to-invest-in-sierra-nevadas-dream-chaser-cargo-vehicle/ abgerufen am 22. Januar 2016
  9. Jim Hodges: The Dream Chaser: Back to the Future. NASA, abgerufen am 29. Mai 2016 (englisch).
  10. NASA-Pressemitteilung: "Dream Chaser Wings and Tail Installed, Rolls Through Ground Tests"; Fri, 12 July 2013 4:02:15 PM EDT [1]; abgerufen am 14. Juli 2013
  11. Roland Rischer: Dream Chaser erreicht weiteren Meilenstein. Raumfahrer.net, 24. August 2013, abgerufen am 3. September 2013 (deutsch).
  12. Günther Glatzel: Dream-Chaser-Modell bei Test beschädigt. Raumfahrer.net, 28. Oktober 2013, abgerufen am 28. Oktober 2013 (deutsch).
  13. Günther Glatzel: Dream-Chaser-Testdetails. Raumfahrer.net, 30. Oktober 2013, abgerufen am 17. November 2013 (deutsch).
  14. Stephen Clark: Dream Chaser damaged by crash landing in California. spaceflightnow.com, 26. Oktober 2013, abgerufen am 7. Januar 2015 (englisch).
  15. Doug Messier: German Space Agency Funds Study on Uses of Sierra Nevada’s Dream Chaser. In: Parabolic Arc, 16. Dezember 2013. Archiviert vom Original am 6. Januar 2014. 
  16. Stephen Clark: Europe eyes cooperation on Dream Chaser space plane. In: Spaceflight Now, 8. Januar 2014. Archiviert vom Original am 9. Januar 2014. Abgerufen am 9. Januar 2014. 
  17. Dream Chaser preparing for second free-flight test and first orbital test. spaceflightnow.com, 16. Oktober 2015, abgerufen am 19. Oktober 2015 (englisch).