Rheingau-Gymnasium

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Rheingau-Gymnasium Schöneberg
Foto
Schulform Gymnasium (7. bis 12. Klasse)
Schulnummer 07Y03
Gründung 1906
Adresse

Schwalbacher Straße 3/4

Ort Berlin-Friedenau
Land Berlin
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 28′ 14″ N, 13° 19′ 20″ OKoordinaten: 52° 28′ 14″ N, 13° 19′ 20″ O
Schüler 658 (Stand: 2017)
Lehrkräfte 67 (+ 8 Referendare)
Leitung Bert Minske
Website www.rheingau-gymnasium.de

Das Rheingau-Gymnasium Schöneberg (kurz: RGS) ist eine gymnasiale Oberschule im Berliner Ortsteil Friedenau. Ein besonderes Wahrzeichen ist die alte und wertvolle Walcker-Orgel, die in der Schulaula steht, eine ähnliche wird beispielsweise im Berliner Dom noch benutzt. Der Name des Gymnasiums ist abgeleitet von der parallel zum Gebäude verlaufenden Rheingaustraße und dem in der Nähe liegenden Rheingauviertel. Es gibt darüber hinaus eine Partnerschule mit dem gleichen Namen im Rheingau. Die Schule feierte im September 2006 ihr 100. Jubiläum und ist nach der Friedrich-Bergius-Oberschule die zweitälteste noch bestehende Lehranstalt Friedenaus.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schule befindet sich als dreigeschossiger Bau auf einem U-förmigen Grundriss und mit hoch aufragendem Turm im Berliner Ortsteil Friedenau (Bezirk Tempelhof-Schöneberg) auf dem Grundstück Schwalbacher Straße 3/4, Homuthstraße 1–5, Rheingaustraße 9 und Wiesbadener Straße 80/81, nicht weit entfernt vom U-Bahnhof Friedrich-Wilhelm-Platz. Hinter der Schule befindet sich ein Sportplatz mit Fußballfeld, zwei Sprunggruben, 50-Meter-Bahn und Kugelstoßfeld, der jedoch nicht der Schule, sondern einem Friedenauer Sportverein gehört, allerdings von den Schülern während der Schulzeit benutzt werden kann.

Geschichte der Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Gründung als Realschule zum zweiten Friedenauer Gymnasium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infolge rasch steigender Schülerzahlen in der aufstrebenden Gemeinde Friedenau beschloss im März 1905 die Gemeindevertretung die Errichtung einer Realschule. Diese sollte vorerst unter dem Dach des 1903 erbauten Friedenauer Gymnasiums (heute: Friedrich-Bergius-Oberschule am Perelsplatz) aufgebaut werden. Ostern 1906 konnte die erste Klasse der Realschule eröffnet werden. Aufgrund zukünftig weiterhin wachsender Schülerzahlen erfolgte der Beschluss eine selbstständige Schule unter der Leitung von Rudolf Schröder in einem eigenen Gebäude zu gründen.

Der im Jahr 1908 begonnene Bau des neuen Schulgebäudes nach dem Entwurf des Gemeindebaurats Hans Altmann wurde 1910 abgeschlossen. Der Schulleiter setzte sich mit seinem Vorschlag durch, keine reine Realschule in dem neuen Haus unterzubringen, sondern ein Reformrealgymnasium mit Realschule zu begründen. Diese neue Schulform setzte den Schwerpunkt auf die modernen Sprachen und hatte eine mathematisch-naturwissenschaftliche Orientierung, womit sie sich grundlegend vom humanistisch-altsprachlichen Gymnasium unterschied. Außerdem waren die Unterrichtsinhalte der gleichaltrigen Gymnasiasten und Realschüler identisch, sodass zum Vorteil der Realschüler ein späterer Wechsel der Schulform möglich wurde. Damit war im Westen des heutigen Ortsteils Friedenau das zweite Gymnasium entstanden. Erst 1926 erhielt die Schule den Namen Rheingauschule.

Während des Zweiten Weltkriegs war auf dem markanten Turm ein Flakgeschütz installiert.

Bis 1948 war die Rheingauschule nur Jungen vorbehalten. Als Pendant wurde in 200 Metern Entfernung in der Goßlerstraße ein Gymnasium für Mädchen, das Königin-Luise-Mädchen-Lyzeum (heute: Paul-Natorp-Gymnasium) errichtet.

Heutige Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute wird das Rheingau-Gymnasium, wie auch das Paul-Natorp-Gymnasium, selbstverständlich von Jungen und Mädchen besucht. Des Weiteren kooperieren die beiden Nachbarschulen eng miteinander. In der Regel besucht jeder Schüler der Oberstufe jeweils einen Leistungskurs auf seiner Schule und einen auf der anderen, sodass die entsprechenden Kurse mit Schülern des Rheingau- und des Paul-Natorp-Gymnasiums durchmischt sind und für die Schüler die Möglichkeit gegeben ist, die Fächer mit dem größten Interesse auch tatsächlich miteinander zu kombinieren.

Das Rheingau-Gymnasium wurde mehrmals umgebaut und renoviert. So wurden 2001/2002 sämtliche Toiletten und Lehrräume renoviert. Die ARD finanzierte 2003 eine neue Cafeteria und erhielt so die Erlaubnis für Dreharbeiten der Doku-Soap Sabine. Der gesamte Schulhof wurde bis 2006 neu gestaltet, des Weiteren entstanden für Rollstuhlfahrer ein – alle Teile der Schule erschließender – Aufzug sowie behindertengerechte Zugänge.

Im September 2012 wurde die Schule von Rheingau-Oberschule in Rheingau-Gymnasium umbenannt. Durch den Zusatz Schöneberg bleibt die Abkürzung RGS weiterhin erhalten.

Seit 2012 wird jährlich das Schulfest OpenRheingau veranstaltet. Am 8. September 2012 fand es erstmals statt. Neben einem Bühnenprogramm auf dem Hof war es unter anderem möglich sich den Turm der Schule anzuschauen. Am 7. September 2013 folgte das zweite OpenRheingau, am 27. September 2014 das dritte.[1]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der trutzige Turm der Rheingau-Oberschule

Im Ostflügel ist im Erdgeschoss die Turnhalle untergebracht, darüber die zweigeschossige Aula mit Bühne und Orgel auf der Empore. Im West- und im Nordflügel sind die Klassen- und Fachräume sowie die Verwaltung untergebracht. Der Westflügel ist zweibündig mit Mittelflur angelegt und zum Hof und zur Straße orientiert, der Nordflügel dagegen einbündig mit einem Flur an der Nordseite gebaut, die Klassen- und Fachräume liegen zum Hof hin. In den Gebäudeecken sind die beiden Haupttreppenhäuser mit den Hallen angeordnet, von denen aus Schüler und Lehrer sich in die Flure verteilen. Die Halle vor der Aula ist räumlich besonders prächtig mit vier zentralen Säulen ausgestaltet, auf denen der Kern des Turmbaus ruht. In den Kopfbauten der beiden Seitenflügel befinden sich zwei weitere Nebentreppen, die die Klassen im Westflügel und die Turnhalle mit der Aula im Ostflügel zusätzlich erschließen.

Die Schule hat drei Eingänge: Im Hof befindet sich am Westflügel ein zweigeschossiger Vorbau mit dem Haupteingang, über dem zwei überlebensgroße Figuren – Martin Luther und Johann Wolfgang von Goethe darstellend – in die Wand eingelassen sind. Ebenfalls am Westflügel, zur Schwalbacher Straße gelegen, befindet sich ein Aufgang mit einer Wendeltreppe. Dabei ist es allerdings nicht möglich ins Erdgeschoss zu gelangen, dafür über einen Abgang direkt in das Untergeschoss. Im Winkel zwischen Nord- und Ostflügel bildet ein weiterer Eingang den Aufgang zur Aula, die zusätzlich durch ein prächtiges Doppelportal an der Homuthstraße zugänglich ist, das mit Porträtköpfen von Künstlern, Dichtern und Musikern geschmückt ist.

An drei Straßen wird der Dreiflügelbau mit dem Schulhof von einer Einfriedung aus Natursteinpfeilern und einem Zaun umschlossen, eine barock einschwingende Toranlage in der Mittelachse der Anlage öffnet den Zugang zum Schulhof. Die Schule besitzt eine symmetrische Anlage, ist durch viele zusätzliche Bauteile, vor allem durch den Hauptturm, durch Quergiebel, Nebentürme und Vorbauten bereichert, und erscheint als vielgestaltige, malerische Gebäudegruppe, die außerdem durch figürliche Bauplastik reich geschmückt ist. Der Bauschmuck stammt von dem Bildhauer Richard Kuöhl.

Das Gebäude wird in der Berliner Denkmalliste unter der Nummer 09066311 geführt.

Aktuelle Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 658 Schülerinnen und Schüler kommen aus fast allen Bezirken Berlins. Das Kollegium besteht derzeit (Stand: Oktober 2017) aus 67 Lehrkräften. Zudem gibt es neun Referendare, die ebenfalls einzelne Klassen und Kurse unterrichten.

Schwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Besonderheit bietet das Rheingau-Gymnasium seit dem Schuljahr 1999/2000 ab der siebten Jahrgangsstufe einen musikbetonten Zug an. Schüler dieses Zugs erhalten in den Klassen 7 und 8 verstärkten theoretischen und praktischen Musikunterricht. Danach ist es möglich, das Wahlpflichtfach, den Leistungskurs Musik und den Ensemble-Kurs weiterführend zu belegen. Weitere musikalische AGs runden das Angebot ab.

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schüler der Sekundarstufe I können sowohl Englisch als auch Französisch als erstes Fremdsprache besitzen. Dabei gab es seit dem 14. September 2012 einen Konflikt zwischen der Schule und dem Bezirksamt, das bekannt gab, dass ab dem Schuljahr 2013/2014 in die 7. Klassen keine Schüler mit erste Fremdsprache Französisch aufgenommen werden dürfen. Nach Protesten seitens der Eltern wurde es am 2. Oktober 2012 dem Gymnasium erlaubt für vier weitere Jahre jene Schüler in die siebten Klassen aufzunehmen.

Als dritte Fremdsprache stehen Spanisch oder Latein zur Verfügung, die ab der 8. Klasse als Wahlpflichtfach verbindlich für drei Jahre gewählt werden können. In der Sekundarstufe II besteht zudem die Möglichkeit, wie auch bei Englisch und Französisch, Spanisch oder Latein als Leistungs- oder Grundkurs zu wählen. Aufgrund mangelnden Interesses wird derzeit (Stand: März 2014) kein Leistungskurs Latein angeboten. Die Grundkurse Latein und Spanisch sowie der Leistungskurs Spanisch finden jahrgangsübergreifend in der 11. und 12. Klasse statt.

Als weitere Leistung können das Cambridge Certificate in Advanced English und das Latinum erhalten werden. Während für das Cambridge Certificate der Besuch einer zusätzlichen AG nötig wird, erhält man das Latinum nach Besuch des Lateinunterrichtes von Klasse 8 bis Klasse 12 (4. Semester).

Weitere Fächer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außerdem kann man in der 9. und 10. Klasse und in der Sekundarstufe II Informatik (LK/GK) belegen, Politikwissenschaft (LK/GK), Philosophie und Psychologie (beide bisher nur als GK) zudem in der Sekundarstufe II. Im Wahlpflichtbereich werden neben klassischen Fächern wie Mathematik, Biologie, Geschichte, Kunst und Musik auch die an der Schule selbst entwickelten Fächer Klimaschutz, Naturwissenschaft und Filmanalyse angeboten.

Die Walcker-Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1997 wurde die eigene, aus dem Jahr 1910 stammende Orgel der Firma E. F. Walcker aufwendig restauriert. Diese pneumatische Orgel hat zwei Manuale (acht und fünf Register) und ein Pedal (drei Register). Bei einer pneumatischen Orgel werden die Spielbewegungen mit Druckluft übertragen anstatt mechanisch. In Berlin gibt es nur noch eine einzige weitere pneumatische Orgel, die sich im Berliner Dom befindet.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frühlings-/Weihnachtsmusikabend
  • Lounge-Konzert
  • OpenRheingau (seit 2012)
  • Premiere der Theater-AG
  • Soirée française (seit 1999)

Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schule beteiligt sich an dem „Modellversuch Ethik – Philosophie – Religion“, am „Projekt pädagogische Schule“ und am „Modellvorhaben eigenverantwortliche Schule“.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rheingau-Gymnasium ist bei Filmproduzenten beliebt. Mehrere deutsche Filmproduktionen, unter anderem die RTL-Seifenoper Gute Zeiten, schlechte Zeiten, ein Werbespot des TV-Senders VIVA, zwei Szenen für den Film Sie hat es verdient mit Veronica Ferres, Bushidos Film Zeiten ändern dich, die Folge Querschläger der Krimiserie Kommissarin Heller sowie der Film Die Neue mit Iris Berben wurden hier gedreht. Verschiedene Szenen des Films Der Stinkstiefel spielen rund um das Gymnasium, unter anderem auf dem Hof der Schule.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sabine Ludwig: Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft! Das Rheingau-Gymnasium ist der zentrale Ort des Romans.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schulbrief vom 2. Juli 2014