Rohr AG

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AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Rohrf zu vermeiden.
Rohr
Wappen von Rohr
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Aarauw
Politische Gemeinde: Aaraui2
Postleitzahl: 5032
Koordinaten: 648967 / 25061147.40458.08734376Koordinaten: 47° 24′ 16″ N, 8° 5′ 14″ O; CH1903: 648967 / 250611
Höhe: 376 m ü. M.
Einwohner: 3313 (31. Dez. 2009)
Ausländeranteil: 23.0 % (31. Dez. 2009)
Reformierte Kirche Rohr

Reformierte Kirche Rohr

Karte
Rohr AG (Schweiz)
Rohr AG
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Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2010

Rohr ist ein Dorf im Schweizer Kanton Aargau und seit der Fusion mit Aarau ein Stadtteil des Kantonshauptorts. Bis 2009 war Rohr eine eigenständige Einwohnergemeinde im Bezirk Aarau. Die Ortschaft liegt zwischen den Flüssen Aare und Suhre.

Geographie[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet erstreckt sich über die flache Auenlandschaft an der Aare und einen schmalen Streifen der etwas höher gelegenen, im Eiszeitalter abgelagerten Schotterterrasse südlich davon. Die markante Geländestufe von 15 Meter Höhe zeigt deutlich ehemalige Prallhänge der vor Jahrhunderten noch frei in der Ebene mäandrierenden Aare an. Zwischen dem Fluss und der Dorfsiedlung ist das Gelände noch heute von zahlreichen kleinen Wasserläufen durchzogen, früheren Seitenarmen der Aare. Die Flurnamen Schachen, Rohrer Schachen, Lehenschachen, Rohrer Giessen und Aareschächli kennzeichnen die ursprüngliche Auenlandschaft. Der Rohrer Schachen bewahrt besonders gut die Spuren des Landschaftswandels in einer Flussaue. Im Teilen des Auengebiets, im Südosten und im Osten ist das Gemeindeareal bewaldet. Die Aare ist von der Suhremündung an beim Bau des Kraftwerks Rupperswil mit einem Damm auf ein höheres Stauziel angehoben worden und liegt jetzt höher als das südlich davon liegende Schachengebiet. Im Rohrer Schachen ist der Damm bei den Erneuerungsarbeiten an der Auenlandschaft der Aare kürzlich auf einigen hundert Metern Länge zurückversetzt worden, um dem Flussbett in diesem Bereich wieder eine etwas freiere Dynamik zu lassen.[1]

Das rund zwei Kilometer lange Strassendorf liegt etwa einen Kilometer vom Fluss entfernt auf der Landschaftsterrasse.

Die Suhre bildete in ihrem untersten Abschnitt früher die Grenze zu Aarau. Der Grenzverlauf zu Buchs folgt nach Grenzbereinigungen der kantonalen Autobahn T 5 und ein kurzes Stück der Eisenbahnlinie Aarau-Lenzburg. Die Siedlungsgebiete von Rohr, Aarau und Buchs sind als Agglomeration zusammengewachsen.[2]

Die Fläche der ehemaligen Gemeinde betrug 340 Hektaren, davon waren 134 Hektaren bewaldet und 78 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt lag 380 Metern im Suretwald, die tiefste Stelle auf 358 Metern am Aareufer.

Seit der Fusion der Gemeinde Rohr mit Aarau stösst das Dorfgebiet noch an Biberstein im Norden, Rupperswil im Osten, Buchs im Süden und Küttigen im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Verschiedene Funde deuten darauf hin, dass die Gegend bereits vor rund 3000 Jahren während der Bronzezeit schwach besiedelt war. Während der Römerzeit führte die Römerstrasse von Vindonissa nach Aventicum durch das Gebiet von Rohr; im Suretwald östlich des Dorfes ist ein kurzes, 4 bis 7 m breites Teilstück erhalten geblieben, dessen Fortsetzung gegen Nordosten wegen der Landschaftserosion durch die Aare seit dem Mittelalter zerstört ist.[3]

Die erste urkundliche Erwähnung von Rore erfolgte im Jahr 1027. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen ze Rore, was «beim Schilf» bedeutet und die Lage des Dorfes am Rande eines ausgedehnten Feuchtgebietes kennzeichnet.[4]

Graf Ulrich von Lenzburg bestätigte im Jahr 1036 die Zugehörigkeit des Dorfes zu den Herrschaftsgütern des Stifts Beromünster. Seit der Lenzburger Erbschaft lag Rohr 1173 im Herrschaftsbereich der Grafen von Kyburg. Nachdem diese ausgestorben waren, wurden die Habsburger im Jahr 1264 die neuen Landesherren.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau. Rohr gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau; administrativ war es dem Amt Lenzburg zugeteilt. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und richteten die Helvetische Republik ein. Rohr gehört seither zum Kanton Aargau.

Zusammen mit Buchs war Rohr seit dem Mittelalter Teil der Gemeinde Suhr. Die Bewohner der beiden Dörfer forderten die Schaffung selbständiger Gemeinden. Am 30. Januar 1810 erfolgte schliesslich die Aufteilung der alten Grossgemeinde Suhr in drei neue Gemeinden. 1946 trennte sich der Pfarrkreis Buchs-Rohr von der alten Pfarrei Suhr und bildete eine neue Kirchgemeinde. 1950 entstand in Buchs die reformierte Kirche, 1959 auch die Kirche in Rohr.

Noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Rohr eine landwirtschaftlich geprägte Gemeinde. Mit der zunehmenden Bedeutung Aaraus als Wirtschaftsstandort wandelte sich Rohr zur Wohngemeinde. Innerhalb von hundert Jahren hat sich die Bevölkerungszahl fast verfünffacht. Im Juli 2005 begannen offizielle Verhandlungen über die Eingemeindung von Rohr in die Stadt Aarau. Bei der Volksabstimmung am 24. Februar 2008 stimmte die Gemeinde einer Fusion zu, die somit per 1. Januar 2010 vollzogen werden konnte.[5]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des ehemaligen Gemeinde- und heutigen Stadtteilwappens lautet: «In Weiss auf grünem Dreiberg drei schwarze Rohrkolben an grünen beblätterten Stängeln.» Von 1833 bis 1947 waren vier statt drei Rohrkolben abgebildet. Auf Anraten der kantonalen Wappenkommission änderte der Gemeinderat die Schildfarbe von Gelb zu Weiss, um Verwechslungen mit dem Familienwappen der Rohr von Lenzburg auszuschliessen.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1764 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000
Einwohner 129 257 389 595 950 1480 2181 2459 2183 2391 2652

Am 31. Dezember 2008 lebten 3263 Menschen in Rohr, der Ausländeranteil betrug 22,5 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 49,4 % reformiert. 28,0 % römisch-katholisch, 4,8 % muslimisch und 1,5 % christlich-orthodox; 1,6 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 87,9 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 3,4 % Italienisch, 2,4 % Serbokroatisch, 0,8 % Französisch, je 0,6 % Englisch und Spanisch.[9]

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Rohr gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 560 Arbeitsplätze, davon 1 % in der Landwirtschaft, 38 % in der Industrie und 61 % im Dienstleistungsbereich.[10] Es gibt kein dominierendes Unternehmen, sämtliche Betriebe sind KMU. Das wirtschaftliche Leben ist stark auf Aarau ausgerichtet.

Die Ebene in der Flussniederung dient etwa zur Hälfte als Kulturland der Landwirtschaft.

Im Eiholz am Ostrand des Stadtgebiets liegt das Unterwerk, von wo aus der Strom aus dem Kraftwerk Rupperswil-Auenstein mit mehreren Hochspannungsleitungen verteilt wird.

Verkehr[Bearbeiten]

Rohr liegt an der nationalen Hauptstrasse 5 im Abschnitt zwischen Aarau und Brugg. Die Strasse hat im Aargau die kantonale Bezeichnung K 244. Am Dorfrand von Rohr verläuft die vierspurige Schnellstrasse T 5, die von Aarau zum Anschluss Aarau-Ost der Autobahn A1 bei Hunzenschwil führt. Von Rohr nach Buchs verläuft die Verbindungsstrasse K 469. Auf einer schmalen, im Zweiten Weltkrieg gebauten und beim Bau des Kraftwerks Rupperswil um etwa einen Meter angehobenen Brücke überquert eine Nebenstrasse die Aare bei Biberstein.

Eine Stadtbuslinie des Busbetriebs Aarau verbindet Rohr mit dem Bahnhof Aarau.

Die Neue Staffeleggstrasse (K 107) verläuft von der Schnellstrasse T 5 bei Aarau am westlichen Rand des Gebiets von Rohr zur neuen Aarebrücke. Von dort aus führt sie durch einen Tunnel bei Kirchberg östlich von Küttigen zur Staffelegg-Passstrasse. Die Bauarbeiten der 3,1 Kilometer langen Verbindungsstrasse begannen im Juli 2004, die Eröffnung erfolgte im Dezember 2010.[11]

Von der Suhremündung an führt ein kantonaler Wanderweg über den Damm auf der rechten Seite der Aare entlang.

Bildung[Bearbeiten]

Der Stadtteil verfügt über vier Kindergärten und zwei Schulhäuser, in denen die Primarschule, die Realschule und die Sekundarschule unterrichtet werden. Die Bezirksschule kann in Buchs besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Stettler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 21). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1948. DNB 366495623.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dokumentation zum Auenlandschaftsprojekt
  2. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1089, Swisstopo
  3.  Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 195.
  4.  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 357–158.
  5. Gemeinden fusionieren landauf und landab. Tages-Anzeiger, 24. Februar 2008, abgerufen am 31. Dezember 2009.
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen Kanton Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 255.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 11. Oktober 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 12. Oktober 2012.
  11. Die neue Staffeleggstrasse ist eröffnet. Aargauer Zeitung, 7. Dezember 2010, abgerufen am 16. Januar 2012.