Erlinsbach AG

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AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Erlinsbachf zu vermeiden.
Erlinsbach
Wappen von Erlinsbach
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Aarauw
BFS-Nr.: 4005i1f3f4
Postleitzahl: 5018
UN/LOCODE: CH ERL
Koordinaten: 643293 / 250433Koordinaten: 47° 24′ 12″ N, 8° 0′ 44″ O; CH1903: 643293 / 250433
Höhe: 420 m ü. M.
Fläche: 9,86 km²
Einwohner: 4096 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 415 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
17,4 % (31. Dezember 2016)[2]
Website: www.erlinsbach.ch
Ansicht von Erlinsbach AG (vorne) und Erlinsbach SO (hinten)

Ansicht von Erlinsbach AG (vorne) und Erlinsbach SO (hinten)

Karte
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Erlinsbach (schweizerdeutsch: ˈæːrliʃˌpɑχ)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Aarau im Schweizer Kanton Aargau. Das Dorf liegt westlich der Bezirkshauptstadt Aarau am Erzbach. Der Bach bildet zugleich die Grenze zu Erlinsbach SO im Kanton Solothurn.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nördliche Gemeindegrenze erstreckt sich dem Hauptkamm des Faltenjuras entlang, zwischen der Wasserflue (866 m ü. M.) im Nordosten und der Geissflue (963 m ü. M.) im Nordwesten. Ein Nebengipfel der Geissflue, der Geissfluegrat, ist mit einer Höhe von 908 Metern die höchste Erhebung des Kantons Aargau. Zwischen Wasserflue und Geissflue liegt die Salhöhe; dieser 779 Meter hohe Passübergang führt ins Tal des Bruggbachs, einem Seitental der Sissle.[4]

Brücke über den Erzbach, Grenze zwischen dem aargauischen und dem solothurnischen Erlinsbach

Südlich der Salhöhe entspringt der Erzbach. Kurz nach der Einmündung des Zwiselbachs zwängt er sich durch eine enge Klus zwischen der Egg (776 m ü. M.) im Osten und dem Gugen (805 m ü. M.) im Westen, die zur südlichsten Kette des Faltenjuras gehören. Im weiteren Verlauf bildet der Erzbach auf einer Länge von mehr als vier Kilometern die Kantonsgrenze, bis kurz vor der Mündung in die Aare. Der Erzbach trennt auch das aargauische vom solothurnischen Erlinsbach. Beide Gemeinden bilden zusammen eine zusammenhängende Siedlung mit rund 6500 Einwohnern. Unterhalb der Wasserflue befindet sich der Weiler Hard (675 m ü. M.), in der Erzbachklus der Weiler Breitmis (475 m ü. M.).[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 986 Hektaren, davon sind 524 Hektaren mit Wald bedeckt und 124 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 908 Metern auf dem Geissfluegrat, der tiefste auf 370 Metern im Südosten unweit der Aare.

Nachbargemeinden sind Oberhof im Norden, Küttigen im Osten, Aarau im Südosten, Erlinsbach SO im Westen und Kienberg im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelne Funde deuten auf eine Besiedlung des Erzbachtals während der Bronzezeit und der Herrschaft der Römer hin. Im Jahr 1173 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung von Arnlesbah, als Kaiser Friedrich Barbarossa, der sich damals in Basel aufhielt, dem Stift Beromünster seine Besitzungen bestätigte. Der Ortsname geht auf das althochdeutsche Arinlinesbah zurück und bedeutet «Bach des Arinlin».[3] Im Mittelalter übten die Herren von Kienberg, die den Habsburg unterstellt waren, die hohe Gerichtsbarkeit aus. 1351 traten die Kienberger ihre Rechte und Güter an das Kloster Königsfelden in Windisch ab. Bis Ende des 14. Jahrhunderts bestand auf dem heutigen Gemeindegebiet die Siedlung Edliswil, die allerdings nicht mehr lokalisiert werden kann.

Die hohe Gerichtsbarkeit kam 1417 an die Stadt Aarau und 1454 an die Johanniterkommende in Biberstein. Um 1500 entstand der Weiler Hard. Im Jahr 1535 zwang die Stadt Bern die Johanniter zum Verkauf ihrer Besitzungen. Solothurn hatte in der Zwischenzeit die westliche Seite des Tals erworben. Nachdem Bern 1528 zur Reformation übergetreten war, wurde der Erzbach eine konfessionelle Grenze, da Solothurn katholisch blieb. Das aargauische Erlinsbach besass damals keine eigene Kirche. Da Bern das Recht besass, in der Kirche im solothurnischen Teil von Erlinsbach den Pfarrer einzusetzen, versuchte es nach 1528 dort einen reformierten Pfarrer einzusetzen. Dies führte zu langwierigen Streitereien im Dorf, die erst 1565 durch den Bau der reformierten Kirche entschärft werden konnten. Der Wynigervertrag regelte 1665 die endgültige politische Teilung zwischen Bern und Solothurn. Oft spuckten sich Katholiken und Reformierte gegenseitig an; daraus entstand der Spottname «Speuz» (Spucke) für Erlinsbach, der heute noch im Alltag und besonders während der Fasnacht verwendet wird.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Erlinsbach gehört seither zum Kanton Aargau. 1910 wurde das Lungensanatorium auf der Barmelweid eröffnet, die heutige kantonale Rehabilitationsklinik. Ab den 1980er Jahren begannen die Erlinsbacher beider Kantone, ihre jahrhundertelangen Gegensätze abzubauen und enger miteinander zu kooperieren. So wurde zum Beispiel eine gemeinsame Kreisschule eröffnet, in der heute die Schulkinder aus beiden Gemeinden unterrichtet werden. Auch Feuerwehr und Zivilschutz werden gemeinsam geführt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reformierte Kirche

Die Kirche von Erlinsbach entstand im Jahr 1565. Das im spätgotischen Stil errichtete rechteckige Bauwerk mit Käsbissenturm steht am Südhang eines vorgelagerten Hügelsporns, inmitten des Friedhofs. Es ist die erste Kirche auf dem Gebiet des heutigen Kantons Aargau, die ohne Chor erbaut wurde. Die Kirche, die in den Jahren 1964/65 vergrössert wurde, bildet zusammen mit dem Pfarrhaus (1565) und der Pfarrscheune (1765) eine Baugruppe.[5]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Durch weissen Schrägfluss geteilt von Gelb mit schwarzem Schräglinksbalken und von Blau mit fünfstrahligem weissen Stern.» Das erste Gemeindewappen zeigte in Blau einen weissen Schrägfluss, oben mit drei sechsstrahligen weissen Sternen, unten mit einem grünen Dreiberg. In heraldischer Hinsicht konnte dieses Wappen nie überzeugen und wurde 1948 durch das heute verwendete ersetzt. Der Schräglinksbalken erinnert an die Herren von Kienberg.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1764 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 433 523 930 1161 1383 1679 1940 2690 3046 3281 3286 3580

Am 31. Dezember 2016 lebten 4096 Menschen in Erlinsbach, der Ausländeranteil betrug 17,4 %. Bei der Volkszählung im Jahr 2000 waren 48,5 % reformiert, 29,1 % römisch-katholisch, 1,8 % christlich-orthodox und 3,8 % muslimisch; 0,9 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 90,3 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 2,7 % Serbokroatisch, 1,7 % Italienisch, 0,9 % Albanisch, 0,7 % Französisch, 0,6 % Türkisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Aarau zuständig. Erlinsbach gehört zum Friedensrichterkreis Kirchberg, der die Gemeinden Biberstein, Densbüren, Küttigen und Erlinsbach umfasst.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klinik Barmelweid

Erlinsbach ist eine Wohngemeinde ohne Industriebetriebe. Die meisten Erwerbstätigen pendeln in die Nachbarstadt Aarau. Die Gemeinde verfügt über eine grössere Anzahl von Landwirtschaftsbetrieben, vor allem im Weiler Hard und auf verschiedenen Aussenhöfen. Auf einigen Hektaren der Gemeindefläche wird Weinbau betrieben. Drei Kilometer nordwestlich des Dorfzentrums, auf einer Höhe von 770 Metern, befindet sich die Klinik Barmelweid mit 130 Betten.[10] Auf halbem Weg dorthin befindet sich das früher bekannte Heilbad Laurenzenbad, das heute ein Pflegeheim mit 60 Betten ist. Insgesamt gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 820 Arbeitsplätze, davon 7 % in der Landwirtschaft, 8 % in der Industrie und 85 % im Dienstleistungsbereich.[11]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erlinsbach liegt an der südlichen Anfahrt zur Salhöhe, über die man nach Frick und Gelterkinden gelangt. Eine weitere wichtige Strasse führt in Richtung Olten. Das Dorf wird durch zwei Buslinien erschlossen: Linie 2 des Busbetriebs Aarau verkehrt von der Barmelweid über Erlinsbach und den Bahnhof Aarau nach Rohr, Linie 571 der Gesellschaft BOGG erreicht über Niedergösgen oder Lostorf den Bahnhof Olten. Auf der Salhöhe endet die Postautolinie aus Richtung Gelterkinden.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde bildet zusammen mit Erlinsbach SO einen Zweckverband zum Betrieb einer grenzübergreifenden Kreisschule, in welcher alle Kindergärten, Primarschulen (bis und mit 6. Schuljahr) und die Oberstufenzüge der Real- und Sekundarschule zusammengefasst sind. Diese Schule untersteht Aargauischem Recht. Unterrichtet wird nach Aargauer Lehrplan. Die nächste Bezirksschule und die Kantonsschule (Gymnasium) befinden sich in Aarau.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Boner: Erlinsbach: Ein Rückblick in die Vergangenheit. Erlinsbach: Gemeindekanzlei, 1973.
  • Michael Stettler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 21). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1948. DNB 366495623.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2016. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2017, abgerufen am 4. März 2017 (PDF, 779 kB).
  2. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2016. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2017, abgerufen am 4. März 2017 (PDF, 779 kB).
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 146–148.
  4. a b Landeskarte der Schweiz, Blatt 1089, Swisstopo
  5. Michael Stettler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen. Birkhäuser Verlag, Basel 1948, S. 144–146.
  6. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 152.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  10. Klinik Barmelweid
  11. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.