Rossebändiger (Berlin)

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Rossebändiger vor dem Portal IV des Berliner Schlosses

Die Rossebändiger sind zwei Bronzeplastiken des deutschbaltischen Bildhauers Peter Clodt von Jürgensburg. Sie standen seit 1842 vor dem Portal IV des Berliner Schlosses, wo sie mit den Pferdeplastiken am Alten Museum korrespondierten. Im Jahr 1945 wurden die Rossebändiger in den Kleistpark versetzt.

Berliner Schloss und Lustgartenterrasse um 1900, im Hintergrund links die Rossebändiger

Geschichte und Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der Nordfassade des Berliner Schlosses wurde 1846 die Lustgartenterrasse fertiggestellt. Sie bestand aus einem größeren Westteil mit der Adlersäule und einem kleineren Ostteil mit den Rossebändigern. Die rund vier Meter hohen Bronzeplastiken sind Meisterwerke des russischen Bildhauers deutschbaltischer Abstammung Peter Clodt von Jürgensburg und waren Geschenke des russischen Zaren Nikolaus I. an den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. Dieser ließ sie 1842 vor dem Portal IV des Schlosses aufstellen, wo sie mit den Monumentalplastiken Kastor und Pollux von Christian Friedrich Tieck sowie Löwenkämpfer und Amazone von Albert Wolff auf bzw. vor dem Alten Museum korrespondierten. Wegen ihres Motivs nannte der Berliner Volksmund die Rossebändiger scherzhaft „Gebremster Fortschritt“ und „Beförderter Rückschritt“.

Alexander von Humboldt und Christian Daniel Rauch waren an der Wahl des Standorts beteiligt und von der Wirkung der Rossebändiger begeistert.[1] Der letzte Schlossbaumeister Albert Geyer schrieb: „Die prächtigen Kunstwerke, im Maßstab gut passend, gereichen der Schloßterrasse und damit dem Schlosse zur Zierde“.[2] Nachdem die Bronzeplastiken den Zweiten Weltkrieg ohne Schäden überstanden hatten, wurden sie 1945 in den Kleistpark versetzt, wo dessen Gartenarchitekt Georg Pniower sie als „zu klein und nur ein Notbehelf“[3] bezeichnete.

Im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldtforum wird über eine Rückkehr der Rossebändiger diskutiert. Dafür sprechen sich laut einer repräsentativen Umfrage von Infratest dimap 44 % der Deutschen und 51 % der Berliner[4], der Chef des Fördervereins Berliner Schloss Wilhelm von Boddien[5], der ehemalige Chef der Stiftung Berliner Schloss Manfred Rettig, der stellvertretende Landeskonservator a. D. Klaus von Krosigk[6] sowie die CDU Berlin[7] aus.

Weitere Rossebändiger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Clodt von Jürgensburg wiederholte die beiden Rossebändiger 1843 für die Anitschkow-Brücke in Sankt Petersburg und 1846 für den Palazzo Reale in Neapel. Zar Nikolaus I. soll über den Bildhauer gesagt haben: „Der Mann erschafft edlere Pferde als jeder preisgekrönte Hengst.“ In Russland gelten die Rossebändiger auf der Anitschkow-Brücke als Wahrzeichen von Sankt Petersburg.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Rossebändiger (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zum Streit um die Rückkehr der Skulpturen in das Schlossumfeld: Alexander von Humboldt wäre begeistert! In: Berliner Schloss. 15. September 2016, abgerufen am 16. November 2019.
  2. Albert Geyer: Die Geschichte des Schlosses zu Berlin (1443–1918). Nicolai Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-89479-628-0, S. 75.
  3. Georg Pniower: Rund um den Kleistpark. In: Garten und Landschaft. Band 60, Nr. 5, 1950, S. 12.
  4. Hildburg Bruns: Umfrage: Hälfte der Berliner ist gegen Einheitsdenkmal. In: B.Z. online, 28. Mai 2017, abgerufen am 25. Februar 2018.
  5. Manuela Blisse: Fünf Fürsten, zwei Rossebändiger und ein Brunnen. In: Welt online, 8. Juni 2015, abgerufen am 25. Februar 2018.
  6. https://www.ghb-online.de/13-static-content/allgemein/271-wie-viel-moderne-brauchen-wir-vor-dem-schloss.html
  7. Starkes Berlin – Das Regierungsprogramm der CDU Berlin 2016–2021. S. 45