Sacro Monte di Ghiffa

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Wallfahrtskirche

Der Sacro Monte di Ghiffa (oder Sacro Monte der Heiligen Dreieinigkeit) gehört zur Gruppe der präalpinen Sacri Monti, die 2003 in die Liste des „Weltkulturerbes“ aufgenommen wurde. Zwischen dem Ende des 16. und der Mitte des 17. Jh. wurde ein Plan für die Erweiterung des alten Oratoriums Santissima Trinità und für den Bau eines Sacro Monte auf dem waldigen Hügel mit einem bezaubernden Ausblick auf den Lago Maggiore ausgearbeitet. Weitere Baumaßnahmen wurden zwischen der Mitte des 17. und dem 18. Jh. ausgeführt. In seinem gegenwärtigen Zustand umfasst der Sacro Monte außer der Wallfahrtsstätte drei Kapellen, die unterschiedlichen biblischen Themen gewidmet sind, und den eleganten Laubengang des Kreuzweges.

Die Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sacro Monte di Ghiffa liegt an den waldigen Hängen des Monte Cargiago oberhalb des Ortes Ronco in 360 m Höhe und bietet eine herrliche Aussicht auf den Lago Maggiore. Vor dem Bau des Sacro Monte gab es hier ein Gotteshaus, das dem religiösen Glauben der lokalen Bevölkerungen sehr lieb war.

Hierüber liegen wenige historische Nachrichten vor, die als sicher gelten können. Sehr wahrscheinlich ist der Glaube zurückzuweisen, dass bereits im 4. Jh., zur Zeit der Evangelisierung durch die hll. Julius und Julian, eine Kapelle an dem Ort stand, wo sich heute die Wallfahrtsstätte befindet.

Sicher ist das Vorhandensein – als einstiger architektonischer Kern der Wallfahrtsstätte – eines romanischen Oratoriums aus dem 12. oder 13. Jh. Die Stätte wurde im Lauf der Zeit erweitert, um dem wachsenden Zustrom der Gläubigen Herr zu werden. Das erste historische Dokument, das eine Kirche erwähnt, stammt von 1591; es wurde beim Pastoralbesuch des damaligen Bischofs von Novara, Monsignore Cesare Speciano abgefasst. Aus der Beschreibung der Kirche, die der hl. Dreieinigkeit geweiht war, lässt sich schließen, dass sie dem Raum entsprach, den das erste Joch der jetzigen Wallfahrtskirche einnimmt. Über dem Altar befand sich ein noch vorhandenes Fresko mit dem dreimal wiederholten Bild Christi an einem Tisch: ein Dreieinigkeitssymbol, das „drei gleiche und unterschiedliche Personen“ evoziert. Dieses Bild, dem wundertätige Kräfte beigemessen werden, genießt eine große Verehrung.

Das Gotteshaus stand wahrscheinlich bereits unter dem Schutz des alten Ordens der Trinitarier, die sich für die Verbreitung des Kultes der Hl. Dreieinigkeit einsetzten.

Der Bau einer neuen Wallfahrtsstätte erfolgte zwischen 1605 und 1617, als mit dem Beitrag der lokalen Bevölkerung der Hauptkörper des Gebäudes gebaut wurde. Das Projekt stand unter der Schirmherrschaft des Bischofs von Novara Carlo Bascapè, der für die Bedeutung bekannt ist, die er der Entwicklung des Systems der präalpinen Sacri Monti beimaß.

Zwischen 1646 und 1659 wurde das Projekt der Wallfahrtsstätte mit dem Bau des Glockenturms und weiteren Einrichtungsarbeiten fertiggestellt. In derselben Zeit begann der Bau der Kapellen, aus denen der Sacro Monte bestehen sollte.

Man kennt nicht mit Sicherheit des Zeitpunkt, zu dem das Projekt eines Sacro Monte konzipiert wurde, ebenso wenig wie die Struktur, die er hätte annehmen sollen: auf jeden Fall ist anzunehmen, dass diese Struktur wahrscheinlich über die Möglichkeiten der verfügbaren finanziellen Mittel hinausging.[1]

Drei Kapellen wurden errichtet und alle drei in der Nähe der Wallfahrtsstätte: die der Krönung der Jungfrau von 1647, die Johannes‘ des Täufers von 1659 und die sogenannte Kapelle Abrahams, die etwas weiter unten zwischen 1703 und 1722 entstand.

Ohne dass deshalb die Anbetung der Dreieinigkeit nachließ, muss man annehmen, dass die thematische Zentralität der Passion Christi auf den Andachtswegen 1752 dazu führte, dass am Platz der Wallfahrtsstätte ein eleganter Laubengang mit 14 Bogen errichtet wurde, der für die Stationen des Kreuzweges bestimmt war. Er wurde wenige Jahre später an der Nordseite durch den Bau einer mit Fresken bemalten Kapelle abgeschlossen, die als Oratorium diente und der Schmerzensreichen Madonna geweiht war.

Die plastischen Darstellungen des Kreuzweges unter dem Laubengang stammen aus dem Jahr 1930 und haben die vorherigen und mittlerweile verschlissenen Fresken aus dem 19. Jh. ersetzt.

Die architektonischen Strukturen erfuhren danach keine nennenswerten Änderungen mehr.

Im Lauf des 18. Jh. entstand an einer Seite der Kirche das „Haus des Klausners“ (Casa del Romito), eine bescheidene Wohnung für den Pater der Trinitarier, der die Stätte beaufsichtigte (das Haus wurde 1929 mit der Statue des Christus im Garten von Gethsemane in eine Kapelle umgewandelt).

Die Wallfahrtsstätte verfiel dann nach und nach im Lauf des 19. Jh., bis die Gemeindeverwaltung von Ghiffa 1985 ein Projekt zur Restaurierung und Aufwertung der Stätte bewilligte. Nach einer Vereinbarung mit der Region Piemont kam es zur Einrichtung des Sondernaturschutzgebietes des Sacro Monte der hl. Dreieinigkeit. 1988 wurde auf Kosten der Region ein Plan zur Restaurierung der Gebäude und ihrer Einrichtungen verabschiedet. Durch dieses Projekt war es möglich geworden, den Sacro Monte di Ghiffa in die Gruppe der präalpinen Sacri Monti im Piemont und in der Lombardei aufzunehmen, die zum Weltkulturerbe im Jahre 2003 erklärt wurden.

Künstlerisches Profil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sacro Monte von Ghiffa zeigt eine einheitliche Physiognomie dank der glücklichen Synthese, die um die Wallfahrtsstätte herum zwischen Natur und Architektur geschaffen wurde.

Zum Ausgleich der rustikalen Strenge der Wallfahrtsstätte tragen der Laubengang des Kreuzwegs und vor allem die beiden eleganten Barock-Kapellen mit achteckigem Grundriss bei, die sich am Platz erheben. Es handelt sich wie gesagt um die Kapelle der Krönung der Jungfrau mit einer schönen Vorhalle, die sich auf einigen zutage tretenden Felsen erhebt, und um die Kapelle Johannes‘ des Täufers mit dem ringförmigen Laubengang.

Die dritte sogenannte Abrahamskapelle, die etwa hundert Meter weiter unten liegt, hat einen kreuzförmigen Grundriss und weist interessante architektonische Lösungen auf. So wie sie sich unter die Bäume mischt, bekommt man eine Vorstellung davon, wie der Andachtsweg am waldigen Abhang hätte aussehen können.

Wenig oder nichts weiß man von den Terrakotta-Statuen innerhalb der Kapellen. Mit ihrer naiven Sprache, die sich ohne künstlerischen Anspruch ausdrückt, verleiten sie zu der Annahme, dass es sich um Arbeiten lokaler Handwerker handelt. Die Anzahl der plastischen Dekorationen lässt die Volumen der Kapellen fast zu groß erscheinen.

Nur zwei Statuen – diejenigen, die Jesus und Johannes den Täufer am Jordan darstellen – befinden sich der Kapelle Johannes‘ des Täufers.

Einfach und naiv ist die Darstellung der Krönung der Jungfrau mit Engelfiguren, die fast wie Atlanten aussehen und die Figuren des Christus und des Gottesvaters tragen, während sie der Jungfrau die Krone aufsetzen. Sehr reizvoll ist ringsum die Präsenz von Statuen in acht Wandnischen, die als stumme Zeugen der Krönung beiwohnen: es handelt sich um eine ungewöhnliche Kombination von Figuren aus der Bibel und der Kirchengeschichte: Jesaja, die Prophetin Anna, Gregor der Große, der Hl. Hieronymus, der Hl. Augustin, Thomas von Aquin, Daniel und David.

Reizvoll ist vor allem die Szene der Begegnung Abrahams mit drei Engeln in der dritten Kapelle, die in der Genesis erzählt wird und von Augustinus als Anspielung auf das Mysterium der Dreieinigkeit ausgelegt wird (Tres vidit, unum adoravit). Sie verweist direkt auf das ikonographische Thema, das in gewissem Sinn als Leitmotiv des Sacro Monte di Ghiffa fungiert, nämlich die Darstellung der Dreieinigkeit.

Hierzu wurde bereits an das Fresko aus dem 16. Jh. erinnert, das sich in der Wallfahrtsstätte erhalten hat, das das dreimal wiederholte Antlitz Christi bezeichnenderweise unterhalb der Kreuzigungsszene zeigt. Der Umstand, dass nach der Restaurierung des Antependiums (18. Jh.) am Altar kürzlich ein weiteres identisches Christusantlitz - unterhalb der anderen drei Antlitze und dargestellt mit der Dornenkrone auf dem Schweißtuch der Veronika - gefunden wurde, lässt die ikonographische Reflexion über das Dreifaltigkeitsthema am Sacro Monte di Ghiffa noch interessanter erscheinen.

Das Naturschutzgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das von der Region Piemont verwaltete Sondernaturschutzgebiet des Sacro Monte der hl. Dreieinigkeit von Ghiffa erstreckt sich über die Hänge des Monte Cargiago vom Ort Ronco bis zum Gipfel in 714 m Höhe und hat eine Waldfläche von ca. 200 Hektar. Zahlreiche Pfade führen durch das Naturschutzgebiet, wobei man auch auf einige charakteristische Votivkapellen trifft.

Gleich oberhalb des Sacro Monte besteht das Ökosystem des Waldes aus gemeinen Waldkiefern und Weymouthskiefern (Ergebnis nicht lange zurückliegender Aufholzungen) und einem halbnatürlichen Habitat aus Kastanien und Stieleiche, das sich über das ganze Schutzgebiet erstreckt. Nach oben hin, wo die Felsen zutage treten, erscheinen andere Eichenarten: Flaumeichen und TraubeneicheTraubeneichen. In der Nähe von Geländeeinschnitten und Wasserläufen herrschen Erlen (Schwarz- und Grau-Erlen) vor.

Bibliographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • AA.VV., Sacro Monte di Ghiffa. Arte e storia della SS. Trinità, Milano, 2000
  • AA.VV., L'iconografia della SS. Trinità nel Sacro Monte di Ghiffa. Contesto e confronti, Ente di gestione della Riserva Naturale Speciale del Sacro Monte della SS. Trinità di Giffa, 2008

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "Iconografia della SS. Trinità nel Verbano – Cusio – Ossola", in AA.VV.. Sacro Monte di Ghiffa. Arte e storia della SS. Trinità, Milano, 2000

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 45° 57′ 49″ N, 8° 36′ 54″ O