Wielton

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wielton SA
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN PLWELTN00012
Gründung 1996
Sitz Wieluń, PolenPolen Polen
Leitung Paweł Szataniak (Aufsichtsrat)[1]
Mariusz Golec (Vorstand)[2]
Mitarbeiter ca. 2.250 (2017)
Umsatz 584 Mio. (139 Mio. , 2014)[3]
Branche Nutzfahrzeugbau
Website www.wielton.pl
Wielton GmbH
Logo
Rechtsform Kapitalgesellschaft
Gründung 2016[4]
Sitz Weilerswist, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Marek Kotowski (Geschäftsführer)[5]
Branche Nutzfahrzeugvertrieb
Website www.wielton.de
Ein Kofferauflieger von Wielton an einer Zugmaschine von MAN.
Präsentation am Messestand von Wielton auf der Bauma 2016.
Moderner Sattelkipper von Wielton in konischer Bauweise.
Planenauflieger von Wielton mit seitlich geöffneter Schiebegardine.
Individualisierter Planenauflieger von Wielton mit Sonderausstattung.

Wielton ist ein polnischer Hersteller von Aufliegern, Anhängern und Aufbauten für Lastkraftwagen sowie Traktoren. Das Unternehmen zählt zu den zehn größten Herstellern von unmotorisierten Nutzfahrzeugen weltweit und nimmt unter den Mitbewerbern in Europa den dritten Platz ein, wo es in zahlreichen Ländern Marktführer ist.[6][7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmerische Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach 1989 kam es im Zuge des politischen Umbruchs in Polen zu einer rapiden Liberalisierung der polnischen Wirtschaft. Durch die positive Entwicklung der Industrie und des Dienstleistungssektors entstand im Güterkraftverkehr eine enorme Nachfrage nach unmotorisierten Nutzfahrzeugen in standardisierten Maßen. In der Folge begannen die beiden Ingenieure Ryszard Prozner und Krzysztof Tylkowski über ihren bereits 1987 gegründeten Karosseriemeisterbetrieb ab 1991 damit, gebrauchte Auflieger und Anhänger nach umfangreichen Restaurierungs- und Umbaumaßnahmen auf dem heimischen Markt weiterzuverkaufen.[8]

1996 begann das Unternehmen erstmals mit der Konstruktion eigener unmotorisierter Nutzfahrzeuge. Die Produktion wurde im selben Jahr unter der heutigen Marke in eine eigenständige Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt und das Produktangebot sukzessive erweitert. Nach dem teilweisen Verkauf des Unternehmens an die beiden Unternehmerbrüder Paweł und Mariusz Szataniak, erfolgte 2006 schließlich die Umfirmierung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft. Seit 2007 wird Wielton an der Warschauer Wertpapierbörse notiert.[9]

Ausbau und globale Expansion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft hat Wielton weitreichende Investitionen getätigt und dabei die Produktion sowohl automatisiert als auch stetig modernisiert. Die Produktpalette konnte zudem auf rund 70 verschiedene Nutzfahrzeugtypen aufgewertet werden, die aus Komponenten namhafter Zulieferer wie Alcoa, Binotto, BPW, Cramaro, Eldeck, Hyva, Knorr, Marcolin, SAF, SSAB, Thyssenkrupp oder Wabco zusammengebaut werden. Im Zusammenhang mit fest aufgebauten Kippbrücken arbeitet das Unternehmen außerdem in der Regel mit Kraftfahrzeugherstellern wie Daimler, MAN, Scania sowie Volvo zusammen und stellt selbst Fahrgestelle für Mitbewerber wie Acerbi oder Wecon her. Zusätzlich konnte ein dicht gesponnenes Vertriebs- und Servicenetz innerhalb ganz Europas sowie Zentralasiens aufgebaut werden, das über eigene Tochtergesellschaften und kooperierende Vertragspartner betrieben wird.[10][11]

Im Produktionswerk am Unternehmenssitz im polnischen Wieluń beschäftigt Wielton mittlerweile über 1.200 Mitarbeiter, die im durchgehenden Schichtbetrieb unmotorisierte Nutzfahrzeuge für Märkte in 35 Ländern produzieren.[12] Daran angegliedert ist seit 2016 ein von der Europäischen Union gefördertes sowie europaweit bisher nur vom Mitbewerber Schmitz Cargobull betriebenes Entwicklungs- und Diagnosezentrum mit Hydropulsprüfstand und Zeitrafferbelastungsstation.[13][14][15] Des Weiteren wurde bereits 2012 im russischen Scheremetjewo ein zusätzliches Montagewerk eröffnet, von dem aus die Märkte der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten beliefert werden.[16][17]

Aufgrund des Bürgerkrieges im Osten der Ukraine, den damit verbundenen Handelskomplikationen und der stagnierenden russischen Wirtschaft, hat das Unternehmen 2014 damit begonnen, sich stärker auf den westeuropäischen Märkten zu positionieren.[18][19] Daraufhin erfolgte unter anderem 2015 die Übernahme des italienischen Mitbewerbers Italiana Rimorchi samt den drei bislang eigenständigen Tochtergesellschaften Cardi, Merker und Viberti sowie dem Montagewerk in Pescara.[20][21][22] Im selben Jahr wurde schließlich auch die teilweise Übernahme des traditionsreichen französischen Marktführers Fruehauf und des Produktionswerkes in Auxerre vollzogen.[23] Als Unternehmensgruppe umfasst Wielton somit gegenwärtig sieben eigenständige Marken und sechs Werke. Während man vor der Übernahme beider Konkurrenten 2015 rund 7.500 Nutzfahrzeuge verkaufen konnte, wurden im Folgejahr mehr als 12.000 Einheiten abgesetzt, womit Wielton unter den zehn größten Herstellern weltweit rangiert.[24]

Nachdem Wielton bereits seit 2014 über Handelspartner erfolgreich Produkte in Gambia und Burkina Faso absetzen konnte, plant es seine Aktivitäten in Westafrika deutlich auszubauen.[25] 2017 wurde hierfür in der Elfenbeinküste die Tochtergesellschaft Wielton Africa mit einem Montagewerk in Abidjan gestartet, die Investitionen in Höhe von mehr als 1,5 Millionen Euro umfasst. Die an dem Standort gefertigten Auflieger und Anhänger sollen vor allem in den einzelnen Märkten der Länder der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion vertrieben werden. Wielton peilt ab 2018 den Verkauf von rund 1000 Einheiten an.[26]

Neben seiner Position als polnischer Marktführer, vor heimischen Mitbewerbern wie Feber oder Zasław im Straßengüterbereich sowie Pronar und Ursus im Agrarbereich, ist Wielton vor allem in der Visegradregion, auf dem Balkan und im Baltikum prominent vertreten.[27] Unabhängig davon konnten Produkte unter anderem nach Island und Neukaledonien verkauft werden.[28] Wielton zählt mittlerweile neben Melex und Solaris zu den bekanntesten bestehenden polnischen Marken innerhalb der Automobilbranche.[29][30][31]

Bis 2020 plant Wielton seine jährliche Produktion auf rund 25.000 Einheiten zu verdoppeln. Hierzu soll am Unternehmenssitz in Wieluń nicht nur die kathodische Tauchlackierung ausgebaut werden, sondern in den kommenden Jahren auch ein zweites Montagewerk in Polen entstehen, für das gegenwärtig ein geeigneter Standort gesucht wird.[32] 2017 hat Wielton nach sechsmonatigen Verhandlungen achtzig Prozent des deutschen Mitbewerbers Langendorf samt dessen Tochtergesellschaften und Produktionsstätten in Waltrop übernommen.[33][34] Der frühere Investor Klaus Strautmann behält zwanzig Prozent des Unternehmens, diese sollen jedoch bis spätestens 2022 schrittweise an Wielton gehen.[35][36] Nicht auszuschließen sind darüber hinaus Übernahmen weiterer Mitbewerber in Europa, mit deren Hilfe Wielton sein Portfolio und seine marktübergreifende Rolle weiter ausbauen möchte.

Präsenz im deutschsprachigen Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marke Wielton wurde in Deutschland erstmals 2005 durch das Vertriebs- und Logistikunternehmen Trans-Serv eingeführt, das seine Aktivität 2014 auch auf Österreich ausdehnte und in beiden Ländern ein Servicenetz mit bis dato 25 Servicestützpunkten aufbauen konnte.[37][38][39] Seit 2016 betreut eine eigens gegründete Tochtergesellschaft der Unternehmensgruppe sämtliche deutschsprachigen Märkte, einschließlich der Kunden in Belgien, Liechtenstein, Luxemburg und der Schweiz, und ist für alle Dienstleistungen von der Kaufberatung bis zur Produktwartung zuständig.[40] Die Tochtergesellschaft firmiert als Wielton GmbH und hat ihren Sitz samt eigenem Servicestützpunkt seit 2017 in Weilerswist.[41][42] Durch den Erwerb des deutschen Mitbewerbers Langendorf im selben Jahr, dessen Portfolio vor allem Tief- und Innenlader umfasst,[43] führt Wielton in diesen Produktsegmenten die seit 1889 bestehende Marke Langendorf fort.[44]

Hauptabsatzprodukte von Wielton sind im deutschsprachigen Raum vor allem Sattelkipper. In diesem Produktsegment ist das Unternehmen aufgrund der 2015 erreichten Zulassungszahlen mittlerweile europaweiter Marktführer vor Mitbewerbern wie Schmitz Cargobull oder Schwarzmüller. Dank der vollautomatisierten Serienproduktion kann Wielton über hundert Varianten von Sattelkippern in gewichtoptimierter Bauweise auf Basis von nur drei Grundmodellen anbieten, die unter den Bezeichnungen Weight Master (für Sattelkipper aus Aluminium in Leichtbauweise), Strong Master (für Sattelkipper aus Stahl mit konischer Halbrundmulde) und Scrap Master (für Sattelkipper für den Transport von Schrott) verkauft werden. Ähnliche Modellnamen tragen auch die von Wielton angebotenen Hängerzüge (Volume Master), Tieflader (Load Master) sowie Planen- (Curtain Master) und Schubbodenauflieger (Floor Master).

Sämtliche Fahrzeuge entsprechen dabei den in der Europäischen Union geltenden Sicherheitsnormen und sind auf die Bedingungen im innereuropäischen Güterkraftverkehr ausgerichtet. Meistverkaufte Produkte im Bereich der Landtechnik, die unter der eigenständigen Marke Wielton Agro vertrieben werden, sind darüber hinaus im deutschsprachigen Raum insbesondere Ballenwagen, Dreiseitenkipper und Rundmuldenanhänger.[45][46]

Wissenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Unternehmensname Wielton leitet sich von den polnischen Wörtern für viel (polnisch wiele) und Tonnen (polnisch tony) ab, wobei er klanglich eine Anspielung auf den Unternehmenssitz in Wieluń und das im Logo verwendete Kamel (polnisch wielbłąd) darstellt. Im deutschsprachigen Raum wird der Unternehmensname gelegentlich entgegen der polnischen Lautung ˈvjɛltɔn mit einem geschlossenen und einem unterdrückten Vokal als ˈviltn̩ ausgesprochen.

Zwischen 2010 und 2011 trat das Unternehmen als Hauptsponsor der in der obersten polnischen Volleyballliga spielenden Mannschaft Siatkarz Wieluń auf.[47] Gegenwärtig fördert es die Fußballvereine WKS Wieluń und SSV Weilerswist 1924. Seit 2015 unterstützt Wielton ferner die polytechnischen Universitäten in Warschau, Łódź und Gliwice bei der Entwicklung von Gütertransportsystemen.[48]

Fahrzeuge von Wielton sind offiziell für die Computerspiele Euro Truck Simulator 2 von SCS, Landwirtschaftssimulator 2013 von Astragon und Pure Farming Simulator 17 von Techland verfügbar.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Folkher Braun: Richtung erste Liga – Wielton im Trailer-Test, in KFZ-Anzeiger, Ausg. 7/2017, Jahrg. 70, S. 38–43
  • Gregor Soller: Wielton will es wissen – Kipper von Wielton im Technik-Test, in Trucker, Ausg. 2/2016, Jahrg. 37, online verfügbar

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wielton – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationen zum Aufsichtsrat auf der offiziellen Unternehmenspräsenz
  2. Informationen zum geschäftsführenden Vorstand auf der offiziellen Unternehmenspräsenz
  3. Informationen zum Kapitalstand auf der offiziellen Unternehmenspräsenz
  4. Bildung einer separaten Gesellschaft in Folge einer bereits seit 2005 bestehenden Markenpräsenz im deutschsprachigen Raum.
  5. Informationen zur Geschäftsführung auf der offiziellen Unternehmenspräsenz
  6. Światowy ranking producentów naczep in Samochody Specjalne vom 13. März 2017
  7. Trzecia potęga w Europie w produkcji naczep in Polskie Radio vom 22. Mai 2015
  8. Jetzt marschieren die Kamele aus Polen in Bremspunkt vom 20. Dezember 2013
  9. Auf Draht. Die Erfolgsgeschichte des Unternehmens Wielton in Haldex-Magazin vom 27. Oktober 2013
  10. Leichter Dreiachs-Kippsattel. Neue Produkte von Wielton in Eurotransport vom 25. Februar 2013
  11. Wir können mit westlichen Lösungen konkurrieren in KFZ-Anzeiger vom 15. März 2016
  12. Thomas Hajek wechselt zu Trailerhersteller in Autohaus vom 5. Dezember 2014
  13. Wielton reaktywuje rosyjską inwestycję in Parkiet vom 4. April 2011
  14. Neues Forschungs- und Entwicklungszentrum in KFZ-Anzeiger vom 29. Februar 2016
  15. Studien an Anhängern und Aufliegern in Baumaschinendienst vom 30. März 2016
  16. Producent naczep stawia na Rosję in Parkiet vom 25. April 2009
  17. Polska firma z europejskiej czołówki in Interia vom 26. September 2015
  18. Wielton inwestuje we Francji in Kompas vom 25. August 2014
  19. Wielton to take over French trailer producer in WBJ vom 27. Juni 2014
  20. Wielton auf Europakurs in KFZ-Anzeiger vom 19. März 2015
  21. Wielton apre in Italia una nuova società di rimorchi in Trasporto Europa vom 19. März 2015
  22. Cardi, Viberti e Merker parte del gruppo Wielton in Camion Supermarket vom 19. August 2015
  23. Wielton steigt bei Fruehauf ein in Transport Online vom 22. Mai 2015
  24. Neuer Vibrationsprüfstand bei Wielton in Transport Online vom 14. März 2016
  25. Offre d'emploi de Wielton in Job Afrique vom 18. November 2016
  26. Wielton otwiera montownię w Afryce in WP Money vom 21. Dezember 2016
  27. Forschungs- und Entwicklungszentrum in Polen eröffnet in Allgemeine Bauzeitung vom 7. April 2016
  28. Wielton rusza do Afryki in Money vom 16. Juni 2015
  29. Sukces firmy Wielton in Bez Kompleksów vom 4. März 2016
  30. Naczepowa potęga in W Sensie vom 31. Juli 2015
  31. President of Poland celebrates Wielton’s success in Global Trailer vom 1. November 2016
  32. Wielton zapowiada podwojenie biznesu in WNP vom 7. April 2017
  33. Wielton kupi spółkę Langendorf z Niemiec in Bankier vom 23. Mai 2017
  34. Polnischer Fahrzeugbauer übernimmt Langendorf in Waltroper Zeitung vom 26. Mai 2017
  35. Polnischer Investor für Langendorf-Gruppe in Legal Tribune Online vom 30. Mai 2017
  36. Wielton kauft Mehrheit an Langendorf in Profi vom 27. Mai 2017
  37. Die Kamele kommen. Wielton entert den deutschen Markt in Verkehrs-Rundschau vom 13. Januar 2006
  38. Wielton. Neue Kraft für Ihren Fuhrpark in IHK Plus vom 2. April 2014
  39. Neuer konischer Dreiachskippsattel von Wielton in Trucker vom 1. Juni 2013
  40. Wielton gründet deutsche Tochter in Finanzen vom 15. Februar 2016
  41. Wielton jetzt mit eigener Deutschland-Niederlassung in KFZ-Anzeiger vom 27. März 2017
  42. Wielton verstärkt Vertrieb in Nutzfahrzeuge-Management vom 1. Juli 2017
  43. Glastransporter im Überblick in Floatliner vom 26. März 2017
  44. Wielton neemt Langendorf over in TTM vom 29. Mai 2017
  45. Grafischer Kipper-Konfigurator jetzt auch auf deutsch in Baumagazin vom 9. April 2015
  46. Volumen und Nutzlast für Bau und Recycling in Baumagazin vom 19. Dezember 2015
  47. Siatkarze mają nowych sponsorów in Nasze Miasto vom 9. September 2010
  48. Hyperloop. Rusza budowa toru testowego in Innowacyjna Firma vom 15. Januar 2016