Schöffling & Co.

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Schöffling & Co. ist ein 1993 gegründeter literarischer Verlag in Frankfurt am Main. Geschäftsführer ist der Verleger Klaus Schöffling.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klaus Schöffling[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur am Georg-Büchner-Gymnasium in Bad Vilbel machte Klaus Schöffling (* 1954 in Frankfurt)[1] eine Lehre im Frankfurter Suhrkamp Verlag. Anschließend arbeitete er von 1978 bis 1982 im Lektorat des Verlags. Er gehörte neben Egon Ammann und Karlheinz Braun zu den Mitarbeitern, die später eigene Verlage gründeten. Schöffling galt als Experte für die deutsche Exilliteratur. 1987 gründete er mit seiner Frau Ida Schöffling (* 1947)[2] die „Frankfurter Verlagsanstalt“ und nahm mit Eva Demski, Reinhard Kaiser, Burkhard Spinnen, Ror Wolf und Sylvia Plath namhafte Autoren in das Programm auf. 1992 wurde Schöffling von einem Finanzier wegen drohender Verluste aus dem Verlag gedrängt. Die mit ihm solidarischen Autoren ermunterten ihn, einen neuen Verlag zu gründen.

Klaus Schöffling ist Mitglied der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland und war bis 2017 Vorsitzender des Vereins Frankfurt liest ein Buch. 2016 wurde Schöffling von der Zeitschrift Buchmarkt als Verleger des Jahres ausgezeichnet.

Schöffling & Co.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 1993 wurde von Klaus und Ida Schöffling[3] die Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung GmbH in das Handelsregister eingetragen, wobei sich hinter dem „Co.“ die Frankfurter Autorin Eva Demski verbirgt, die bis 2004 Mitgesellschafterin war.

Seit der Gründung des Verlages stehen Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur im Zentrum des Programms. Hierzu gehören sowohl Gedichte und Romane von Mirko Bonné und Erzählungen von Franziska Gerstenberg als auch Silke Scheuermanns Lyrik und Prosa. Mit Burkhard Spinnen hat der Verlag einen Autor unter Vertrag, der Geschichten und Romane – sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für Erwachsene –, sowie Essays und Feuilletons schreibt. Auch von Eva Demski, Klaus Modick und Jochen Schimmang erschienen dort zahlreiche Essays, Erzählungen und Romane. Juli Zeh und Markus Orths, deren literarische Debüts 2001 erschienen, haben bei Schöffling & Co. ihre ersten Erfolge gefeiert. Mit Guntram Vesper, der 2016 mit seinem Opus magnum Frohburg den Preis der Leipziger Buchmesse gewann, und Ror Wolf verstarben 2020 zwei der wichtigsten Autoren des Hauses.[4][5]

Verlagsprogramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verlag vertritt neben der Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Inka Parei auch junge Autoren wie Ulrike Almut Sandig, Nadja Küchenmeister, Anna-Elisabeth Mayer und Sascha Reh. Heute zählen Mirko Bonné, Silke Scheuermann und Gert Loschütz zu den bekanntesten Autoren des Verlags. Darüber hinaus veröffentlicht Schöffling & Co. auch internationale Autoren, unter anderem die amerikanischen Schriftstellerinnen Jami Attenberg und Amy Waldman, den bosnisch-kroatischen Autor Miljenko Jergović, der kolumbianische Schriftsteller Juan Gabriel Vasquez, die Nordirin Eimear McBride und die serbischen Schriftsteller David Albahari und Bora Ćosić. Seit 2014 ist außerdem Joshua Cohen Autor des Verlags.[6]

Neuausgaben von Romanen wurden u. a. von Ulrich Becher (Murmeljagd), Martin Kessel (Herrn Brechers Fiasko) und Paul Kornfeld (Blanche oder das Atelier im Garten) herausgegeben. Mit der Wiederentdeckung des Werks von Gabriele Tergit feierte der Verlag in jüngerer Vergangenheit große Erfolge. Einen weiteren Schwerpunkt des Verlags bilden Memoiren und Erinnerungen im Bereich der Holocaustliteratur wie Ana Novac (Die schönen Tage meiner Jugend), Helene Holzman (Dies Kind soll leben), Seweryna Szmaglewska (Die Frauen von Birkenau) und die Erzählungen von Tadeusz Borowski (Bei uns in Auschwitz in einer Neuübersetzung). Ende 2018 gingen die Rechte an den Nachlassbänden von Peter Kurzeck an den Verlag.[7]

Werkausgaben von Elizabeth Bowen, Helga M. Novak und Ror Wolf sind ein wichtiger Teil der Autorenpflege bei Schöffling & Co.

Daneben spielt auch die Lyrik seit Verlagsgründung eine wichtige Rolle im Verlagsprogramm. Neben zahlreichen Einzelveröffentlichungen u. a. von Mirko Bonné, Carolin Callies, Nadja Küchenmeister, Helga M. Novak, Ulrike Almut Sandig, Silke Scheuermann, Ron Winkler und Ror Wolf erscheint seit 2017 auch das Jahrbuch der Lyrik bei Schöffling & Co.

Bekannt geworden ist auch der seit 1996 erscheinende Literarische Katzenkalender, besonders seit einer Rezension von Elke Heidenreich in ihrer Fernsehsendung Lesen! im Jahr 2003. Der Kalender wurde während der Frankfurter Buchmesse 2020 mit dem Kalenderpreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.[8]

Das „ambitionierte Gesamtkonzept“ wurde 2017 und erneut 2019 mit bedeutenden Verlagsauszeichnungen prämiert.[9] Der Verlag wurde 2019 und 2020 mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet.[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften von Klaus Schöffling[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die ersten Jahre des Insel Verlags, 1899–1902. Begleitband zur Faksimileausgabe der Zeitschrift Die Insel Insel, Frankfurt am Main 1981
  • Dort wo man Bücher verbrennt. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1983
  • Geschichten vom Buch: eine Sammlung. Insel, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-45832422-4.
  • als (Hrsg.): Lesebuch der Jahrhundertwende: Prosa aus den Jahren 1889 bis 1908. Insel, Frankfurt am Main 1987
  • zusammen mit Hans J. Schütz Almanach der Vergessenen, C.H. Beck, München, ISBN 978-3-406-30855-0.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Mittelpunkt die Autoren. Zehn Jahre Schöffling & Co. Chronik & Bibliographie 1994 – 2004. Schöffling, 2004, ISBN 978-3-89561-899-4.
  • Im Mittelpunkt die Autoren. 25 Jahre Schöffling & Co. Chronik & Bibliographie 1994 – 2019. Schöffling, 2019, ISBN 978-3-89561-898-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ror-wolf-werke.de: 1954
  2. buchmarkt.de: 1947
  3. www.bookster-frankfurt.de: 2016
  4. DER SPIEGEL: Fußball-Poet: Schriftsteller Ror Wolf ist tot. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  5. Hilmar Klute: Nachruf auf Guntram Vesper - "Was geschieht". Abgerufen am 11. Februar 2021.
  6. Ich sage in der Regel offen, was geht. Interview mit Schöffling in der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 3. November 2014, S. 31
  7. Tilman Spreckelsen: Rechte an Kurzecks Werk: Noch mal übers Eis. In: www.faz.net. 4. Dezember 2018, abgerufen am 7. Dezember 2018.
  8. Kalenderpreis des Deutschen Buchhandels: Die sechs besten... Abgerufen am 11. Februar 2021 (deutsch).
  9. Schöffling für ambitioniertes Gesamtkonzept prämiert, Börsenblatt vom 28. Mai 2019, abgerufen 3. Juni 2019
  10. Die Preisträger 2020 - Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Abgerufen am 11. Februar 2021.