Schaale

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Schaale (Begriffsklärung) aufgeführt.
Schaale
Schilde Schaale Sude Schmaar Zare Schaalsee Ratzeburger See.png
Daten
Gewässerkennzahl DE: 59368
Lage Westmecklenburg
Flusssystem Elbe
Abfluss über Sude → Elbe → Nordsee
Quelle Schaalsee
53° 32′ 58″ N, 10° 55′ 59″ O
Quellhöhe 35 m ü. NN
Mündung Bei Gülze in die SudeKoordinaten: 53° 20′ 35″ N, 10° 49′ 10″ O
53° 20′ 35″ N, 10° 49′ 10″ O
Mündungshöhe m ü. NN
Höhenunterschied 29 m
Länge etwa 40 km
Einzugsgebiet 686 km²
Abfluss am Pegel Klein Bengerstorf[1]
AEo: 608 km²
Lage: 14 km oberhalb der Mündung
NNQ (oft August 1973)
MNQ 1957/2012
MQ 1957/2012
Mq 1957/2012
MHQ 1957/2012
HHQ (10. Februar 1980)
470 l/s
940 l/s
2,84 m³/s
4,7 l/(s km²)
11,9 m³/s
22,9 m³/s
Abfluss MQ
3,4 m³/s
Linke Nebenflüsse Hammerbach, Fauler Bach, Schilde
Rechte Nebenflüsse Kleine Schaale
Kleinstädte Zarrentin am Schaalsee

Die Schaale ist ein etwa 40 Kilometer langer Nebenfluss der Sude im Westen Mecklenburg-Vorpommerns und der natürliche Abfluss des Schaalsees.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schaale in einem Wald bei Kogel
Kanalisierter Verlauf bei Blücher

Die Schaale tritt am Südufer über ein Wehr der 1980 stillgelegten Schaalmühle aus dem Schaalsee aus und verläuft südwärts zunächst durch ein Sandergebiet. Bei Schaalmühle fließt ihr linksseitig der Hammerbach aus dem Boissower See zu. Südlich von Kogel mündet die Kleine Schaale, nördlich von Vietow der Faule Bach und südlich von Bennin die Schilde ein. Von hier an nimmt das Gefälle ab und der Fluss bildet Mäander aus.[2] Bei Zahrensdorf erreicht die Schaale das Elbe-Urstromtal und das UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Mecklenburg-Vorpommern. Ab Hühnerbusch ist der Flusslauf weitgehend begradigt, wobei das ursprüngliche Flussbett erhalten ist und Nebenarme bildet. Der Unterlauf ist durch bewaldete Dünenzüge und bewirtschaftete, im Frühjahr oft überschwemmte Feuchtwiesen geprägt.[3] Südöstlich von Gülze mündet die Schaale in die Sude, die ihrerseits wenige Kilometer weiter westlich in die Elbe entwässert.

Der langjährige mittlere Abfluss an der Mündung beträgt 3,4 m³/s.[4] Die abgeführten Wassermengen der Schaale kommen nur zu einem kleinen Teil direkt aus dem Schaalsee, hauptsächlich stammen sie aus uferseitigen Quellen und Zuflüssen[2] des insgesamt 686 km² großen Einzugsgebietes.[4]

Der gesamte Verlauf der Schaale sowie die angrenzenden Flächen waren durch die Ausweisung der Naturschutzgebiete Schaalelauf und Schaaleniederung unter gesetzlichen Schutz gestellt. Der kanalisierte Flusslauf südlich von Blücher lag innerhalb des NSG Sudeniederung zwischen Boizenburg und Besitz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schaale wird in einer Urkunde von 1279 als Scalen erwähnt. Eine Namensherleitung ist aus dem altslawischen oder polnischen skala für Stein, Fels (altsl.) bzw. Klippe, Fels (poln.) möglich. Demnach steht der Name Schaale für die Steinige/Steinbach.[5]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schaale entstand als Schmelzwasserablauf des Eisvorstoßes des Frankfurter Stadiums der Weichsel-Kaltzeit. Sie verläuft mehrheitlich in einem bis zu zehn Meter in den Sander eingesenkten Kastental mit ausgeprägten, unterschiedlich alten Gleit- und Prallhängen sowie Terrassen. Im Flusslauf vorkommende Findlinge und Schotter entstanden durch Freispülungen saalekaltzeitlicher Moränezüge.[2]

Nutzungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit von 1564 bis 1830 war der Flusslauf durch 13 Stau- und Kastenschleusen geregelt.[2] Die Schaale war bereits im 17. Jahrhundert wichtiger Handelsweg für die Salzschifffahrt, wodurch Zarrentin die Funktion eines Marktfleckens zukam.[6] Ebenfalls wurde die Lüneburger Saline mit am Flusslauf gewonnenen und zum Transport geflößten Holz versorgt. Erst nach Stilllegung der Lüneburger Saline um 1830 kam es zu Wiederaufforstungen.[2]

Schaalsee

Zeitweilig wurde in Konkurrenz zum Stecknitz-Kanal der Gedanke verfolgt, Wismar für Zwecke der Schifffahrt mit dem Schaalsee zu verbinden, um über die Schaale zur Elbe zu gelangen. Dies war 1588 für Lübeck Anlass, die Vereinigung von Ratzeburger See und Schaalsee ins Auge zu fassen, weil es dann über die Wakenitz einen direkten Zugang zur Elbe gehabt hätte[7], die Planungen Lübecks wurden jedoch nicht realisiert. Der Bau des Wallensteingrabens zwischen Wismar und dem Schweriner See begann unter Herzog Albrecht VII. 1531 ab Hohen Viecheln in einem ersten Abschnitt bis zum Lostener See, der neue Kanal wurde daher zunächst Viechelner Fahrt genannt. Weiteres scheiterte zunächst an der Uneinigkeit mit seinem Mitregenten und Bruder Heinrich V.

Neben der Schaale als natürlichem Abfluss entstand von 1923 bis 1925 im Anschluss an die Seenkette aus Schaalsee, Puhlsee, Pipersee und Salemer See der Schaalseekanal zum etwa 30 Meter tiefer liegenden Küchensee, einem Teil des Ratzeburger Sees, um das Gefälle zum Betreiben eines Wasserkraftwerkes in Farchau zu nutzen. Diese Baumaßnahme führt seither zu einem stark verringerten Ablauf über die Schaale.[2] Trotz der künstlich geschaffenen Wasserverbindung mit einem Abfluss über die Wakenitz und Trave in die Ostsee wird der Schaalsee hydrologisch zum Einzugsgebiet der Schaale und somit der Elbe gezählt.[8]

Flora und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oberlauf der Schaale wird ein Kalk-Zwischenmoor mit seltenen Pflanzenarten durchflossen.[2]

Im Bereich der Schaale kommen Fischotter, Biber und 22 Fischarten, unter anderem Quappe, Westgroppe, Steinbeißer, Bachforelle und Bachneunauge, sowie Bachmuschel und Erbsenmuschel vor.[3]

Naturschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1934 und 1982 wurden Teile des Schaalelaufs unter Schutz gestellt. Seit 1982 bestand das Naturschutzgebiet Schaaletal bei Schildfeld und Vietow (113A) und wurde 1993 durch das NSG Schaalelauf (113B) erweitert. Das NSG Schaaleniederung zwischen Zahrensdorf und Blücher (169) existierte seit 1990.[2]

Heute liegt der untere Schaalelauf im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Mecklenburg-Vorpommern. Mit Verabschiedung des „Gesetzes über das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe Mecklenburg-Vorpommern“ vom 15. Januar 2015 wurde das Großschutzgebiet zur Umsetzung der nationalen Kriterien für die Anerkennung und Überprüfung von Biosphärenreservaten der UNESCO in Deutschland in Kern- und Pflege- und Entwicklungszonen gegliedert (§ 6 BRElbeG M-V). Gleichzeitig wurden mit Artikel 7 des Gesetzes „Aufhebung von Rechtsvorschriften“ die nationalen Schutzgebietsverordnungen und Beschlüsse u.a. zu Landschafts- und Naturschutzgebieten sowie zum Naturpark „Mecklenburgisches Elbetal“ aufgehoben, so dass diese Schutzgebietskategorien innerhalb des Biosphärenreservates nicht mehr existieren. Die Flächen des Naturschutzgebietes sind in den Schutzstatus Pflegezone in das UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Mecklenburg-Vorpommern übergegangen.

Der Mündungsbereich der Schaale in den Schaalsee ist Bestandteil des FFH-Gebietes Schaalsee (MV).[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Götz Goldammer; Der Schaale-Kanal. Reliktforschung historischer Binnenkanäle zwischen Elbe und Ostsee. [Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft in Hamburg; Bd. 87. Hrsg v. Norbert Nagel.] Stuttgart, Steiner, 1998.
  • Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Schaaletal bei Schildfeld und Vietow 113A, Schaalelauf 113B und Schaaleniederung zwischen Zahrensdorf und Blücher 169 in: Die Naturschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern. Demmler-Verlag, Schwerin 2003, S. 628 f.
  • Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. II. Band: Die Amtsgerichtsbezirke Wismar, Grevesmühlen, Rehna, Gadebusch und Schwerin. Schwerin 1898, Neudruck Schwerin 1992, S. 19 ff. ISBN 3-910179-06-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schaale – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch Elbegebiet, Teil III 2012. ISSN 0949-3654. Freie und Hansestadt Hamburg, Hamburg Port Authority, S. 142, abgerufen am 25. Juli 2015 (PDF, deutsch, Auf: hamburg-port-authority.de).
  2. a b c d e f g h Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Die Naturschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern, Demmler Verlag, Schwerin 2003, ISBN 3-910150-52-7, S. 628.
  3. a b Schaaleniederung zwischen Zahrensdorf und Blücher, Landesportal MV (PDF-Datei)
  4. a b Michael Bergemann: Gesamtliste der Fließgewässer im Elbeeinzugsgebiet. Behörde für Umwelt und Energie, Hamburg 1. Juli 2015 (PDF; 802 KB [abgerufen am 29. November 2015]).
  5. Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg in Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. - Bd. 46 (1881), S. 126.
  6. Geschichtliche Daten zu Zarrentin auf schaalseewohnung.de
  7. Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. II. Band: Die Amtsgerichtsbezirke Wismar, Grevesmühlen, Rehna, Gadebusch und Schwerin. Schwerin 1898, Neudruck Schwerin 1992, S. 19 ff. ISBN 3-910179-06-1, S. 19, Fn. 6.
  8. Internationale Kommission zum Schutz der Elbe (PDF; 9,4 MB)
  9. Standarddatenbogen FFH-Gebiet Schaalsee (MV) (PDF; 52 kB)