Mühlen Eichsen

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Wappen Deutschlandkarte
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Mühlen Eichsen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Mühlen Eichsen hervorgehoben

Koordinaten: 53° 45′ N, 11° 15′ O

Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Nordwestmecklenburg
Amt: Gadebusch
Höhe: 54 m ü. NHN
Fläche: 23,71 km2
Einwohner: 978 (31. Dez. 2021)[1]
Bevölkerungsdichte: 41 Einwohner je km2
Postleitzahl: 19205
Vorwahl: 038871
Kfz-Kennzeichen: NWM, GDB, GVM, WIS
Gemeindeschlüssel: 13 0 74 054
Adresse der Amtsverwaltung: Am Markt 1
19205 Gadebusch
Website: Mühlen Eichsen auf gadebusch.de
Bürgermeister: Jürgen Ahrens
Lage der Gemeinde Mühlen Eichsen im Landkreis Nordwestmecklenburg
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Mühlen Eichsen [ˈmyːlən ˈaɪksən] ist eine Gemeinde im Landkreis Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Die Gemeinde wird vom Amt Gadebusch mit Sitz in der Stadt Gadebusch verwaltet.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Mühlen Eichsen liegt zwischen der Landeshauptstadt Schwerin und der Stadt Grevesmühlen an der Stepenitz, die im Gemeindegebiet die Dalbergkuhle sowie den Groß Eichsener See durchfließt. Etwa einen Kilometer südlich von Mühlen Eichsen wird seit 1994 das Brandgräberfeld der vorrömischen Eisenzeit, eines der bedeutendsten Gräberfelder im Kerngebiet der Jastorf-Kultur, systematisch erforscht.

Umgeben wird Mühlen Eichsen von den Nachbargemeinden Rüting im Norden, Testorf-Steinfort im Nordosten, Dalberg-Wendelstorf im Osten, Cramonshagen im Südosten, Dragun im Süden sowie Veelböken im Westen.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Mühlen Eichsen gehören die Ortsteile Goddin, Groß Eichsen, Schönfeld, Schönfeld Mühle und Webelsfelde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mühlen Eichsen: Der Name von Mühlen Eichsen und Groß Eichsen lautete im 12. und 13. Jahrhundert Eichsen, in der Geschichte auch Exem, Ekessem oder Exen. Der Ort gehörte nach dem Isfriedschen Teilungsvertrag 1194 zum Bistum Ratzeburg und wurde 1230 im Ratzeburger Zehntregister erwähnt, welches die damals zum Bistum gehörenden Ortschaften geordnet nach Kirchspielen auflistet. Das heutige Mühlen Eichsen war lediglich ein Mühlengehöft mit der Bezeichnung Molnecsen, was am 2. April 1283 erstmals urkundlich erwähnt wurde, Groß Eichsen wurde mit Magna Eixen benannt. Die spätere Bezeichnung Lütken- oder Klein-Eichsen für Mühlen Eichsen, die für 1357 bezeugt ist, setzte sich nicht durch. Um 1200 schenkte der Graf von Schwerin die Orte Sülstorf, Goddin, Eichsen und Moraas dem im altmärkischen Werben (Elbe) beheimateten Johanniterorden. Dieser erwarb in der Folge weitere Orte und verlegte später seinen Sitz von Sülstorf nach Kraak, wo eine Komturei gegründet wurde. Mühlen Eichsen erhielt vor 1283 eine Kirche, um dessen Patronat zwischen dem Bischof von Ratzeburg und dem Orden gestritten wurde. Am 2. April 1283 wurde der Streit geschlichtet, der Orden erhielt das Patronat über die Kirchen in Groß- und Mühlen Eichsen. Groß Eichsen wurde Sitz eines Priors und eines Teils der Bruderschaft, hier wurde auch eine für den Ort große Kirche in Kreuzform gebaut, die im 16. Jahrhundert als „Münster zu Groß Eichsen“ bezeichnet wurde. In Folge entwickelte sich diese Kirche zum Wallfahrtsort, der auch von der mecklenburgischen Herzogsfamilie oft besucht wurde.

Zur Reformation wurde die Komturei aufgelöst, bis 1552 war der Schweriner Domherr Paschen Gustävel Prior, danach übernahm das Gut Groß Eichsen mit allen Gerechtigkeiten der herzogliche Kanzler und Rat Johann Lucka. Herzog Johann Albrecht I. beanspruchte die hohe Gerechtigkeit, Steuer, Landfolge und Jagd. 1560 wurde ein Kontrakt mit Lucka geschlossen und das Gut dem Herzog zurückverschrieben, der es seiner Gattin Anna Sophia von Preußen als Privateigentum überschrieb. Nach deren Tod 1591 verkaufte er das Gut zusammen mit Goddin an Kurt von Sperling. Mühlen Eichsen wurde 1639 von Herzog Adolf Friedrich I. an den Gadebuscher Amtmann Hundt verkauft. In den folgenden Jahrzehnten wechselten die Besitzer, unter anderem der Familien von Rantzau, von Stralendorff, von Schwartz, von Thiemen, von Könemann. Zuletzt gehörte die Begüterung der briefadeligen Familie von Leers. Moritz von Leers-Vietlübbe (* 1819; † 1898) stiftete einen Familienfideikommiss. Aus der Linie Mühlen-Eichsen[2] des Adelsgeschlechts stammt auch der Autor Walter von Leers (* 1866; † 1932),[3] Er publizierte die Zöglingsverzeichnisse I und II der Ritterakademie Brandenburg und bewirkte damit frühzeitig eine Öffnung des Fundus für die breite genealogische Forschung. Das Allodialgut Mühlen-Eichsen umfasste um 1928 konkret 380 ha. Dem Besitzer Ernst von Leers stand Administrator K. Block als Verwalter zur Seite. Administratoren waren den Gutsbesitzer oft durch die Kreditgeber, den Ritterschaft- und Landwirtschaftsbanken, empfohlen worden. Gut Goddin hatte eine Größe von 523 ha, Groß Eichsen 369 ha.[4] Der Güterkomplex konnte durch Axel von Leers (* 1893; † 1959) bis zur Bodenreform gehalten werden. Die Nachfahren gingen nach La Paz, Bolivien.

Am 1. Juli 1950 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Goddin und Webensfelde eingegliedert.

Schönfeld wurde 1194 als Stiftsgut Sconenuelde im Ratzeburger Zehntregister genannt. Erste Lehnsträger waren vermutlich die Herren von Schönfeld und danach u. a. die Familien von Schöneich (1512–1603), von Restorff (bis um 1718), von Falckenberg (bis 1724), von Plessen (bis vor 1746), von Berkentin (bis 1755), von Bartels (bis 1771), Boeckmann (bis 1793), von Könemann (bis um 1820), von Leers (bis 1930)[5] und von Plessen (bis 1945). Das Herrenhaus Schönfeld wurde ab 1822 errichtet und diente um 1900 der Familie des Reinhard von Leers (* 1872; † 1921), dann des Sohnes Johann-Peter von Leers (* 1914; † 1978) im Minorat als Herrensitz. 1933 erwarb Bernhard von Plessen-Damshagen (* 1908; † 2003) den Besitz. Es war nach 1945 Flüchtlingsunterkunft, dann Kindergarten, Schule und danach Ferienheim. 1991 erwarb und sanierte Christian von Plessen, 1939 in Schönfeld geboren, das Haus, den landwirtschaftlichen Betrieb leitet sein Sohn Magnus von Plessen.[6]

Dienstsiegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über kein amtlich genehmigtes Hoheitszeichen, weder Wappen noch Flagge. Als Dienstsiegel wird das kleine Landessiegel mit dem Wappenbild des Landesteils Mecklenburg geführt. Es zeigt einen hersehenden Stierkopf mit abgerissenem Halsfell und Krone und der Umschrift „GEMEINDE MÜHLEN EICHSEN • LANDKREIS NORDWESTMECKLENBURG“.[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesstraße 208 (Wismar – Gadebusch) kreuzt in Mühlen Eichsen die Verbindungsstraße von Schwerin nach Grevesmühlen. Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Grevesmühlen und Gadebusch – jeweils 13 km von Mühlen Eichsen entfernt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mühlen Eichsen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Amt M-V – Bevölkerungsstand der Kreise, Ämter und Gemeinden 2021 (XLS-Datei) (Amtliche Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1907. In: "Der Gotha" - Hofkalender. Erster Jahrgang Auflage. Briefadelige Häuser nach alphabetischer Ordnung, Leers. Justus Perthes, Gotha 20. November 1906, S. 472–474 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 15. Februar 2022]).
  3. Genealogisches Handbuch Bürgerlicher Familien, ein Deutsches Geschlechterbuch. 1910. In: Bernhard Koerner, Adolf Matthias Hildebrandt, Oskar Roick (Hrsg.): Deutsches Geschlechterbuch. Band 16, Ziemssen I. C. A. Starke, Görlitz 1910, S. 569 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 15. Februar 2022]).
  4. Ernst Seyfert, Hans Wehner, W. Baarck: Niekammer`s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Band IV. Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe von Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts mit Angabe der Gutseigenschaft, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. In: Mit Unterstützung vieler Behörden und der Landbünde zu Güstrow und Neubrandenburg (Hrsg.): 4. Letzte Ausgabe. 4. Auflage. IV Reihe Paul Niekammer. Verlag von Niekammer`s Adreßbüchern G.m.b.H., Leipzig 1928, S. 177 f. (g-h-h.de [abgerufen am 15. Februar 2022]).
  5. Walter v. Hueck, Klaus Frhr. v. Andrian-Werburg, Friedrich Wilhelm Euler, Silve-Marie v. Hueck geb. v. Bentivegni: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser / B (Briefadel/ nach 1400 nobilitiert). 1990. In: Deutsches Adelsarchiv e. V. (Hrsg.): GHdA von 1951 bis 2014; Nachfolge des Gotha-Hofkalender; Vorgänger des GGH. Band XIX, Nr. 99. C. A. Starke, 1990, ISBN 978-3-7980-0700-0, ISSN 0435-2408, S. 275–276 (d-nb.info [abgerufen am 15. Februar 2022]).
  6. Maueranker und Stier. Plesse | Plessen. Tausend Jahre eines norddeutschen Adelsgeschlechts. In: Christian von Plessen (Hrsg.): Familien-Chronik. Band 2, Haus Damshagen / Schönfeld. Thomas Helms, Schwerin 2015, S. 827–833 (d-nb.info [abgerufen am 15. Februar 2022]).
  7. Hauptsatzung § 1 Abs.2