Schorfheide

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Dieser Artikel behandelt die Waldlandschaft Schorfheide. Für die gleichnamige Gemeinde siehe Schorfheide (Gemeinde).

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Schorfheide
Eine Kopfsteinpflasterstraße in der Schorfheide
Eine Kopfsteinpflasterstraße in der Schorfheide
Systematik nach Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands
Großregion 1. Ordnung Norddeutsches Tiefland
Großregion 2. Ordnung Nordostdeutsche Seenplatte
Großregion 3. Ordnung 75 →
Mecklenburgische Seenplatte
Region 4. Ordnung
(Haupteinheit)
756–758 →
Templin-Werbelliner Seen- und Sandergebiet
Naturraum 757
Schorfheide
Naturraumcharakteristik
Landschaftyp Gewässerreiche Waldlandschaft
Geographische Lage
Koordinaten 53° 0′ 3″ N, 13° 35′ 24″ OKoordinaten: 53° 0′ 3″ N, 13° 35′ 24″ O
Kreis Landkreis Uckermark, Landkreis Barnim, Landkreis Oberhavel
Bundesland Brandenburg
Staat Deutschland
Werbellinsee, Café Wildau und die Schorfheide im Hintergrund
Moorlandschaft im Totalreservat Plagefenn

Die Schorfheide ist eine Waldlandschaft im Norden des Landes Brandenburg. Nach dem Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands bildet sie zusammen mit der Templiner Platte und der Britzer Platte das Templin-Werbelliner Seen- und Sandergebiet (666,4 km²), eine naturräumliche Haupteinheit der Mecklenburgischen Seenplatte.[1] Die Schorfheide wurde in den letzten 1000 Jahren auch Ukerschewolt, Große Werbellinsche Heide, Magna merica Werbelin, werbelinsche heyde, Schonenbeckischen heiden und Grimnitzsche Heide genannt.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schorfheide erstreckt sich zwischen den Städten Templin, Joachimsthal und Zehdenick, jedoch ohne dass diese Orte ihr zugehörig sind. Sie liegt auf dem Gebiet der Landkreise Uckermark, Barnim und Oberhavel. Im Norden grenzt die Schorfheide an das Neustrelitzer Kleinseenland und die Templiner Platte, im Osten an das Uckermärkische Hügelland, im Süden an die Britzer Platte und im Westen an die Zehdenick-Spandauer Havelniederung.[2]

Der nördlichste Punkt der Schorfheide liegt nördlich des Fährsees. Von dort verläuft ihre Grenze nach Südosten, schließt Milmersdorf ein und durchquert den Kölpinsee. Anschließend knickt der Grenzverlauf nach Süden ab und schließt Götschendorf ein. Ringenwalde und Friedrichswalde werden außen vor gelassen und westlich passiert. Joachimsthal wird in seinen südwestlichen Ausläufern durchquert bevor die Grenze der Schorfheide nach Südwesten abknickt. Anschließend werden Miechen, Wildfang, Groß Schönebeck und Liebenthal außen vor gelassen und nördlich passiert. Nördlich von Liebenwalde knickt der Grenzverlauf nach Norden ab und schließt Kappe ein. Wesendorf und Zehdenick werden außen vor gelassen und östlich passiert. Nördlich von Vogelsang, das innerhalb der Schorfheide liegt, knickt der Grenzverlauf nach Osten ab und durchquert Storkow und Vietmannsdorf. Anschließend schlägt der Grenzverlauf einen Bogen nach Norden ein und schließt den Polsensee und Dargersdorf ein, durchquert den Lübbesee und den Fährsee, und erreicht schließlich wieder den nördlichsten Punkt der Schorfheide.[3]

Das Bundesamt für Naturschutz definiert die Schorfheide weitreichender als das Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands durch die Einbeziehung der Britzer Platte und von Teilen des Uckermärkischen Hügellandes.[4] Das brandenburgische Landesamt für Umwelt Brandenburg folgt dagegen der Abgrenzung des Handbuchs der naturräumlichen Gliederung Deutschlands und der darauf aufbauenden Arbeit von Scholz (1962).[3]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schorfheide ist eine flachwellige Sanderlandschaft mit einer Höhe von 50 bis 70 m. Sie wurde am Ende der letzten Vereisung von den Schmelzwassern des Pommerschen Stadiums in Richtung Südwesten weitflächig aufgeschüttet. Im Norden um Petersdorf wird die Landschaft von eiszeitlichen Rinnen durchzogen, die mit zahlreichen Seen besetzt sind (zum Beispiel Fährsee, Lübbesee, Großdöllner See). Im Süden, zwischen Joachimsthal und Liebenwalde, liegen ausgedehnte Binnendünenfelder. Die Schorfheide ist weithin ohne Oberflächenentwässerung. Ihre natürlichen Waldgesellschaften sind der Kiefern-Mischwald sowie auf lehmangereicherten Standorten der Traubeneichenwald.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Funde aus der Eiszeit sind für die Schorfheideregion bisher nicht bekannt. Die ursprünglich hier sesshaften germanischen Stämme wanderten um 600 n. Chr. Richtung Süden ab. Die Gegend wird von Slawen besiedelt, eine erste urkundliche Erwähnung über die Ucranen ist von 934 bekannt. Die Ukranen siedelten östlich der heutigen Schorfheide, die Redarier nördlich und Rezanen westlich. Das Gebiet wurde damals „Ukerschewolt“ genannt. Zwischen 1547 und 1720 wurden 109 „Ordnungen, Edicte, Patente, Declarationen und Verordnungen über den ordnungsgemäßen Umgang mit Jagdt- Forst- Holtz und Mast-Sachen“ der heutigen Schorfheide erlassen.[5][6]:15

Ab dem 13. Jahrhundert häufen sich urkundliche Erwähnungen des Waldgebietes, es wurde als „Große Heide“, „Große Werbellinsche Heide“, „Grosse Werbellin Heyde“, „Magna merica Werbelin“, „Kienheide“, „Eichheide“, „Hasenheide“ oder ähnlich aufgeführt. Die Bezeichnungen waren nie einheitlich, wurden von den Autoren auch nach Gutdünken und dem örtlichen Sprachgebrauch geprägt. Das Wort „Wald“ kommt bis zum 19. Jahrhundert kaum vor. Die nord- und ostdeutschen Waldkomplexe werden bis heute eher mit ~heide bezeichnet, im Westen und Süden ist ~wald gebräuchlicher. Markgraf Johann bestätigte in einer Urkunde am 24. Dezember 1315 der Stadt Biesenthal: Überdies sollen sie in der großen Heide Werbellin freie Grasnutzung und Schweinemast und den Gebrauch des Lagerholzes haben... Kurfürst Friedrich der Eiserne bezeichnete das Waldgebiet 1447 als „vnser groszen heyde, dy werbelinsche heyde genannt“. Kurfürst Joachim I bezeichnete das Gebiet am 9. Mai 1501 als „Schonenbeckischen heiden“. 1592 wird erstmals ein Wildzaun von der Havel bis zur Oder erwähnt, in diesem Dokument von Nicolaus Leutinger wird der name „Grimnitzsche Heide“ erwähnt.[6]:16 ff.

Der Name „Schorff Heyde“ wird erstmals 1713 als Forstort erwähnt, als hier eine große Eichenkultur angelegt wurde. In der ersten Revierkarte von 1767 waren bereits die Bezeichnungen Schorfheide und Mörderberge enthalten.[6]:22[7]

Der Name Schorfheide entstand im Mittelalter aus Schorp Weide, als die Bauern ihre Schafe in den Hutewald trieben, um sie mit nahrhaften Eicheln zu mästen. Erstmals erwähnt wurde die Schorfheide als „Schorff Heyde“ im Jahr 1713 auf einer Forstkarte, die einen großen Eichelkamp verzeichnete. Später wurde ein Großteil der Eichen für den Bau von Geschützlafetten gerodet, der Wald jedoch immer wieder aufgeforstet.

„Für die Erklärung des Namens „Schorfheide“ gibt es mehrere Versionen. Die erste besagt, Schorfheide sei abgeleitet vom norddeutschen Word „schoof“, das soviel wie Schaf bedeutet. Die umliegenden Dörfer hatten lange Zeit ihre Schafe in der Heide weiden lassen. Im Zuge der Lautverschiebung habe sich dann ein „r“ eingeschoben. Aus „Schoofheide“ wurde Schorfheide. Da die Schorfheide ursprünglich viele Eichenbestände hatte, und schorfen oder schürfen – Eichen sammeln – heißt, könnte dies als 2. Variante gelten. Andere Historiker führen den Namen auf die „unberührte Heide“ zurück. Vielleicht wird Schorfheide aber auch in Verbindung mit Einschnitt, Geländefalte zu bringen sein. im rheinischen Sprachraum findet man für diese Begriffe das Wort Schorf in einigen Flur- und Feldnamen. Als letzte Möglichkeit sei noch darauf hingewiesen, daß „Schorf“ auch für „rauhe Rinde, Grind“ heißen kann; und mit dem Begriff Schorfheide auf die öden Blößen, die zweifelsohne in der Heide zu finden sind, hingewiesen wird.“

Rolf Schneider, Günter G. A. Marklein: Die Schorfheide in der Mark Brandenburg. Märkischer Kunst- und Heimatverlag, Herzsprung (Landkreis Angermünde) 1991, ISBN 3-925354-11-5, S. 22.

Im Privilegio von Joachimsthal wurde den Bewohnern gestattet, so viele Rinder zu halten und in den Wald zu treiben, wie sie über Winter mit eigenem Futter ernähren können, das Halten von Schafen und Ziegen war jedoch nicht gestattet. Ab etwa 1700 durften auch Schafe gehalten werden, allerdings unter der Bedingung, „..ohne Schaden den königlichen Wildbahnen zuzufügen“.[8]

„Schorfheide ist von »Schafheide« hergeleitet. Die Schafe wurden ab 1700 zur Waldweide in der Großen Werbellinschen Heide zugelassen.
Die Mastnutzung der Heide für Schweine, Rinder und Pferde war schon in den ältesten Forstordnungen genau geregelt und eine Quelle der Einnahmen aus dem Wald“

Hans Preuß, Horst Hering: In der Schorfheide – Streifzüge zwischen Havel und Grimnitzsee. VEB F.A. Brockhaus Verlag Leipzig, 3. Auflage 1975, S. 15, Randnotiz.

Während des Deutschen Kaiserreichs diente die Schorfheide insbesondere Kaiser Wilhelm II. als Jagdgebiet. In der Zeit des Nationalsozialismus unterhielt Reichsmarschall Hermann Göring in der Schorfheide seinen umfangreichen Landsitz Carinhall. Zur Zeit der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) waren Teile der Schorfheide als Staatsjagdgebiet gesperrt und dienten unter anderem Erich Honecker und Günter Mittag als Jagdrevier (siehe Jagdhaus Hubertusstock).[9]

Die Schorfheide ist seit 1990 Teil des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin, das im Rahmen des Nationalparkprogramms der DDR als Großschutzgebiet eingerichtet wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emil Meynen, Josef Schmithüsen (Hrsg.): Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen/ Bad Godesberg 1953–1962 (9 Lieferungen in 8 Büchern, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960), S. 1083–1084.
  • Eberhard Scholz: Die naturräumliche Gliederung Brandenburgs. Pädagogisches Bezirkskabinett, Potsdam 1962, S. 84–85.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schorfheide – Sammlung von Bildern

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. E. Meynen, J. Schmithüsen (Hrsg.): Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. 1953–1962, S. 1083–1084.
  2. a b E. Scholz: Die naturräumliche Gliederung Brandenburgs. 1962, S. 84–85.
  3. a b Naturräumliche Gliederung Brandenburgs nach Scholz. Landesamt für Umwelt Brandenburg, 19. März 2015, abgerufen am 9. Oktober 2015.
  4. Landschaftssteckbrief 75701 Schorfheide des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  5. Leonhard Resch, Horst Mildner: Schorfheide zwischen Glanz und Entgleisung. KIRO-Verlag, Schwedt 1997, ISBN 3-929220-52-0, S. 33.
  6. a b c Werner Ebert u. a.: Natur und Geschichte der Schorfheide (= Entdeckungen entlang der Märkischen Eiszeitstraße. H. 6, ISSN 0340-3718). Gesellschaft zur Erforschung und Förderung der Märkischen Eiszeitstraße e. V., Eberswalde 2001, DNB 963517805.
  7. So taucht die Schorff Heyde auch als großer Eichelkamp erstmals 1713 auf einer Forstkarte auf. In: Berliner Morgenpost. 29. Mai 2010, Nr. 143, S. 16.
  8. Bestätigung des Privilegio von Joachimsthal durch Kurfürst Friedrich Wilhelm, nach Hans Preuß, Horst Hering: In der Schorfheide – Streifzüge zwischen Havel und Grimnitzsee. 3. Auflage. F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1975, S. 14 f.
  9. Jagdhaus Wildfang – Erich Honeckers Jagdhütte in der Schorfheide. In: gestern-in-Brandenburg.de, abgerufen am 16. September 2017.