Groß Schönebeck

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Groß Schönebeck
Gemeinde Schorfheide
Wappen von Groß Schönebeck
Koordinaten: 52° 54′ 25″ N, 13° 31′ 54″ O
Höhe: 54 m ü. NHN
Fläche: 30,92 km²
Einwohner: 1753 (20. Mrz. 2017)
Bevölkerungsdichte: 57 Einwohner/km²
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Postleitzahl: 16244
Vorwahl: 033393
Groß Schönebeck (Brandenburg)
Groß Schönebeck

Lage von Groß Schönebeck in Brandenburg

Groß Schönebeck ist seit 2003 ein Ortsteil der amtsfreien Gemeinde Schorfheide im Landkreis Barnim in Brandenburg.[1] Als eigenständiges Dorf entstand es im 13./14. Jahrhundert.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt 12 Kilometer nordwestlich von Finowfurt, dem Sitz der Gemeindeverwaltung und 20 Kilometer nordwestlich von Eberswalde, dem Verwaltungssitz des Landkreises. Auf der Gemarkung von Groß Schönebeck befinden sich der Ortsteil Böhmerheide, die bewohnten Gemeindeteile Döllner Heide, Sarnow und Sperlingsaue sowie die folgenden Wohnplätze: Altlotzin, Döllner Siedlung, Eichheide, Gardix, Grahsee, Klein Dölln, Rehluch und Wildfang.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Groß Schönebeck wurde nach neuesten Erkenntnissen erstmals 1313 urkundlich erwähnt. Heimatforscher leiteten den Namen von scone=schön und beke=Bach, das heißt „Siedlung am schönen, hellen, klaren Bach“ ab. Laut Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 umfasste das Dorf Schonebeke 64 Hufen, außerdem existierte eine gleichnamige, bereits Anfang des 13. Jahrhunderts erbaute Burg.[3] Der spätere Marktflecken lag an der mittelalterlichen uckermärkischen Heer- und Handelsstraße von Berlin nach Prenzlau. Die Kurfürsten von Brandenburg unternahmen von hier im 15. und 16. Jahrhundert oft Jagden in die Schorfheide. Einen Kampf von Kurfürst Joachim II. mit einem Bären anno 1522 in der Heide beschrieb Willibald Alexis in seinem Buch Die Hosen des Herrn von Bredow. Dänische Truppen zerstörten im Dreißigjährigen Krieg die Burg Schönebeck. Auch die Ortschaft wurde in dieser Zeit vernichtet, nur der Feldsteinturm der Kirche blieb stehen.

Ende des 17. Jahrhunderts wurde ein Jagdschloss erbaut. Im 19. Jahrhundert unterhielt der Preußen-König Friedrich II. in den Wäldern um Groß Schönbeck die Königliche Oberförsterei Groß Schönebeck[4], der Oberförster wohnte fortan im Schloss.

In einem Lexikon des Jahres 1905 heißt es zu Groß Schönebeck:[5]

„[...] hat eine evangelische Kirche, Forstschule, 2 Oberförstereien, 2 Dampfsägemühlen, Ziegelbrennerei.“

Weitere in Groß Schönebeck angesiedelte Fabriken wie Becker und Sohn–Karl Wagner und die Firma Sägewerk und Nutzholzhandlung C. Wörpel & Sohn wurden nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Sowjetische Besatzungsmacht demontiert und dienten (wohl) als Reparationszahlungen.[6]

Zu der im 20. Jahrhundert existierenden Gemeinde Groß Schönebeck (Schorfheide) gehörten Schluft (seit 1972) und Klandorf (seit 1974). Böhmerheide war ein Siedlungsgebiet im Ort Groß Schönebeck.

Nach der deutschen Wiedervereinigung entstand das Bundesland Brandenburg. Die neuen Landesstrukturen führten zu organisatorischen Veränderungen: am 31. Juli 1992 bildete sich das Amt Groß Schönebeck (Schorfheide)-Land[7] mit Sitz in der Gemeinde Groß Schönebeck (Schorfheide), bestehend aus den fünf Gemeinden Groß Schönebeck, Zerpenschleuse, Sophienstädt, Ruhlsdorf und Marienwerder. Infolge einer Brandenburgischen Gemeindereform schlossen sich am 26. Oktober 2003 Groß Schönebeck und Finowfurt zur Gemeinde Schorfheide zusammen.[8]

Seit 1991 befindet sich im Schloss das Schorfheide-Museum.[9]

Obwohl die Ersterwähnung von Groß Schönebeck im Jahr 1313 erfolgte (s.o.), fand am 7. Juli 2007 eine 707-Jahr-Feier als Das leicht ver-rückte Dorffest statt.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung von Groß Schönebeck vom 1800 bis Mitte 2017 (blau). Im Vergleich die ehemaligen Ortsteile von Groß Schönebeck Schluft (rot) und Klandorf (grün)
Jahr Groß
Schönebeck
Schluft Klandorf
1972
zu Groß
Schönebeck
1974
zu Groß
Schönebeck
1800 1 085 . .
1839 1 372 . .
1875 1 751 202 436
1890 2 077 170 485
1900 2 026 . .
1925 1 755 221 351
1933 2 007 198 344
1939 2 184 171 316
Jahr Groß
Schönebeck
Schluft Klandorf
1946 2 697 290 453
1950 2 862 280 423
1971 2 250 182 303
1981 2 423 . .
1990 2 450 . .
1995 2 388 . .
2000 2 405 . .
2002 2 349 . .
2013 1 725
2017
(30.06.)
1 775

Gebietsstand des jeweiligen Jahres,[10], ab 2013 Melderegister der Gemeinde Schorfheide[11][12]

Bauwerke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jagdschloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jagdschloss Groß Schönebeck (2015)

Das Jagdschloss Groß Schönebeck wurde ab 1680 für Friedrich Wilhelm, den Großen Kurfürsten, erbaut. Nachdem es 1715 fertiggestellt worden war, zog Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig, ein. Der schlichte zweigeschossige Bau diente als Aufenthaltsort königlicher Gäste und Ausgangspunkt ihrer Jagdgesellschaften. Nach dem Ende des preußischen Staates nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Jagdschloss als Wohn- und Verwaltungssitz einer Försterfamilie genutzt. Im Jahr 2001 eröffnete in den Räumen das Schorfheide-Museum mit vielen Exponaten über die Entstehung und Entwicklung dieses Landschaftsraumes. Seit 2006 gibt es in zwei Räumen des Museums eine Dauerausstellung über den Boxer und begeisterten Jäger Max Schmeling. Einer der Säle ist als Box-Raum gestaltet, in welchem ein Boxring die Besucher zu eigenen Aktivitäten mit einem Sandsack einlädt, außerdem sind Filme mit Originalaufnahmen von Schmeling zu sehen. Der andere Raum ist als Naturraum eingerichtet, der Jagdtrophäen des Boxers ebenso präsentiert wie private Fotoalben des Weltstars.[13]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Immanuelkirche Groß Schönebeck

Die Immanuelkirche, wie sie seit dem 8. Oktober 1989 in besonderer Verbundenheit mit der Partnergemeinde Styrum in Nordrhein-Westfalen heißt, wurde 1664–1673 erbaut. Sie ist ein langgestreckter, rechteckiger Putzbau, dessen quadratischer Westturm aus Feldsteinen von einem Vorgängerbau des späten 14. Jahrhunderts stammt. Den Fachwerkaufsatz und die Schweifhaube erhielt der Westturm im Jahre 1730. Der Turm hat je zwei gepaarte Schallöffnungen an den Seiten des Glockengeschosses, in dem drei Glocken aus den Jahren 1655, 1682 und 1732 hängen. Im Inneren hat die Kirche eine flache Putzdecke mit Stuckleiste. Die Empore ist umlaufend und wird von Säulen getragen. An der Ostseite der Kirche ist die Empore zweigeschossig.

Blick von der Orgelempore zum Altar

Der hölzerne Kanzelaltar datiert aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Seitlich hat der Kanzelaltar in flacher Holzreliefarbeit je eine ionische Säule. Der Kanzelkorb ist fünfseitig, und im mittleren Feld (vorn) befindet sich eine gemalte Darstellung des Agnus Dei (Lamm Gottes).

Die gusseiserne Taufe entstand 1829. Die Nachfahren der Stifterfamilie Reyher beauftragten 2003 den Kunstschmied Wilfried Schuchow aus Angermünde, die Taufe zu restaurieren. Zum Osterfest 2004 wurde sie wieder in Dienst gestellt. In der Mitte des Kirchenschiffs hängen zwei Messingkronleuchter, deren Entstehungszeit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts fällt.

Scholtze-Orgel (1749)

Die Brüstungsfelder der umlaufenden Empore, die wahrscheinlich wie der Kanzelaltar und das Kirchengestühl in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden, sind marmoriert. Auf der vorschwingenden Westempore steht eine Orgel aus dem Jahre 1749. Sie hat einen Prospekt mit Rocaillen, ein Manual, Pedal und 16 Register. Über dem Spieltisch der Orgel befindet sich eine Inschrift, die über die Entstehungszeit der Orgel – 1749 – Auskunft gibt. Die Vorgängerin der jetzigen Orgel war 1746 unbrauchbar geworden. Deshalb entschloss sich die damalige Groß Schönebecker Kirchengemeinde zu einem Orgelneubau, der nach gescheiterten Verhandlungen mit dem Brandenburger Orgelbaumeister Joachim Wagner schließlich von dessen Schüler, dem Ruppiner Orgelbauer Gottlieb Scholtze vorgenommen wurde.

Im Jahre 1990 erhielt die Immanuelkirche eine neue Läuteanlage. Außerdem wurde die Bankheizung erneuert und die Schwammsanierung an der Decke abgeschlossen. Seit 2008 finden in der Kirche regelmäßig weltliche Konzerte statt. Hier waren u.a. Kieran Goss, Mike Brosnan, Vicente Patiz, Bayon, Mairi Campbell und Julian Dawson zu Gast. Die Erlöse fließen z. T. der Erhaltung der Kirche zu. Im Jahr 2009 wurde die Orgel von der Orgelbaufirma Schuke aufwändig restauriert und kann seither wieder genutzt werden.

Vor der Kirche befindet sich ein pyramidenförmiges Kriegerdenkmal für die in den beiden Weltkriegen gefallenen Groß Schönebecker Männer.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab dem 19. Jahrhundert dominierte die Unternehmerfamilie Allendorff die Wirtschaft des Ortes: sie hatte eine Sprengstoff- und Patronenfabrik sowie eine Dampfziegelei und eine Zichorien-Darre gegründet und führte die Kaiser-Brauerei. Außerdem rief sie Stiftungen ins Leben und richtete ein Waisenhaus ein.[14] Von allen Fabriken blieb bis zum Ende der DDR-Zeit nichts mehr übrig. Seit den 1990er Jahren leben die Einwohner des Ortes überwiegend von Landwirtschaft und Tourismus.

Der Wildpark Schorfheide, von Rangern unterhalten, beherbergt unter anderem Wisente und Wölfe. Besucher können Führungen buchen.

Am Rand von Groß Schönebeck, im Ortsteil Sarnow, befindet sich das ehemalige staatliche Gestüt der DDR Gut Sarnow. Seit den 1990er Jahren werden auf dem Gelände ein Reiterhof sowie ein Restaurant und Hotel betrieben.[15]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Groß Schönebeck

Groß Schönebeck liegt an der Landesstraße 100 von Zerpenschleuse nach Mittenwalde (bis 2005 Bundesstraße 109). Sie entstand 1830 bis 1832 als Teil der Chaussee von Berlin nach Prenzlau.

Der Ort erhielt im Jahr 1901 Anschluss an die Reinickendorf-Liebenwalde-Groß Schönebecker Eisenbahn, die Heidekrautbahn, die seit dem 21. Jahrhundert Regionalbahn RB 27 heißt und von der NEB von Berlin-Karow nach Groß Schönebeck (Kursbuchnummer 209.27) betrieben wird.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Schuljahr 2007/08 bietet die Kleine Grundschule Groß Schönebeck als einzige Schule im Land Brandenburg Schach als Unterrichtsfach an. 2008/09 wurden wöchentlich 35 Schüler der Klassen 1 bis 3 mit dem königlichen Spiel vertraut gemacht. Die Kleine Grundschule war als einzige Barnimer Bildungseinrichtung Partnerschule der Internationalen Schacholympiade 2008. Durch eine vorbildliche Projektarbeit gelang es den Teilnehmern, sich als eine der kleinsten Schulen in Deutschland für das Finalturnier der Partnerschulen zu qualifizieren.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1946 wurde die Sportgemeinschaft Vorwärts Groß Schönebeck gegründet und 1953 in Traktor Schorfheide umbenannt, die Fußball betrieb. Seit 1990 trägt der Sportverein den Namen SV Schorfheide Groß Schönebeck e. V. Das Angebot an aktiven Sportarten wurde schrittweise ausgebaut, mit Beginn 2011 waren 249 Mitglieder in zehn Sportabteilungen organisiert. Im Jahr 2006 war der SV Schorfheide Groß Schönebeck e. V. der erste Sportverein im Land Brandenburg, der die Sportart Biathlon gemäß Internationaler Biathlon Union (IBU) als Breitensport und in leistungssportlicher Ausrichtung anbietet.

Der Fußballverein heißt nun FSV Schorfheide Groß Schönebeck e. V. und spielt seit dem Staffelsieg in der 1. Kreisklasse 2010/11 in der Barnimliga. Der Fußballverein ist auch Veranstalter des seit 1975 stattfindenden, traditionellen 1. Mai Turnier, an dem jedes Jahr Mannschaften aus der Umgebung teilnehmen.

Die Schachspieler sind als Schachfreunde Groß Schönebeck im Finowfurter SV e. V. organisiert.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der polnischen Ostsee-Gemeinde Mielno wurde in den 1990er Jahren ein Partnerschaftsvertrag unterschrieben. Auf dieser Basis finden seitdem Delegationsaustausche, Sportvergleiche und wechselseitige Kulturveranstaltungen statt.[16]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Joachim Beeskow: Führer durch die evangelischen Kirchen des Kirchenkreise Barnim. Heimat-Verlag, Lübben 1999. ISBN 3929600161
  • Helmut Suter: Groß Schönebeck. 700 Jahre Geschichte. 2007

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Groß Schönebeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gemeinde Schorfheide – Ortsteile nach § 45 Kommunalverfassung – Bewohnte Gemeindeteile – Wohnplätze. In: service.brandenburg.de. Ministerium des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg; abgerufen am 24. Mai 2016.
  2. BrandenburgViewer der Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (LGB)
  3. Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, S. 38–39, 148–149.
  4. Königlich Preußischer Staats-Anzeiger: 1867, 1–3, Hinweis auf eine Holzauktion in Groß Schönebeck im Gasthofe des Herrn Wreh, 1867, abgerufen am 12. November 2017.
  5. Groß Schönebeck in Meyers Lexikon, 1905, abgerufen am 11. November 2017.
  6. Klaus Neitmann, Jochen Laufer: Demontagen in der Sowjetischen Besatzungszone und in Berlin 1945 bis 1948. Sachthematisches Archivinventar, BWV Berlin Berlin, 2014, auf books.google.de abgerufen am 12. November 2017.
  7. Bildung der Ämter Ahrensfelde/Blumberg, Werneuchen, Groß Schönebeck (Schorfheide)-Land. Bekanntmachung des Ministers des Innern vom 13. Juli 1992. Amtsblatt für Brandenburg - Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 3. Jahrgang, Nummer 54, 31. Juli 1992, S. 971/2.
  8. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  9. Homepage des Schorfheide-Museums, abgerufen am 12. November 2017.
  10. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Barnim. S. 18–21
  11. Einwohnerzahl der Ortsteile der Gemeinde Schorfheide
  12. Ew. im Jahr 1900 lt. Meyers Lexikon 1905
  13. Barnim 2007/2008, Dacapo Pressebüro (Hrsg.), S. 83: Max Schmeling im Jagdschloss Groß Schönebeck
  14. Die Unternehmerfamilie Allendorff, abgerufen am 11. November 2017.
  15. Homepage des Gutes Sarnow; abgerufen am 29. Januar 2010.
  16. Schorfheide-Kurier, Ausgabe 6/2007, Titelseite.