Selbelang

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Selbelang (Brandenburg)
Reddot.svg
Lage von Selbelang in Brandenburg

Selbelang ist ein Ortsteil der Gemeinde Paulinenaue im Landkreis Havelland in Brandenburg. Zum Ortsteil gehören die Gemeindeteile Bienenfarm, Kamerun und Lindholzfarm.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt bei den geographischen Koordinaten 52° 38′ N, 12° 43′ OKoordinaten: 52° 38′ N, 12° 43′ O in einer Höhe von 34 m ü. NHN. Es umfasst eine Fläche von 17,68 km² und hat bei 326 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2002) eine Bevölkerungsdichte von 18,4 Einwohnern/km².

Individualverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortrand grenzt unmittelbar an die B 5 zwischen Nauen und Friesack, eine Ortshinweistafel weist auf den angrenzenden Ort hin. Selbelang liegt an der Bundesstraße B 5, die Hamburg mit Berlin verbindet. Die Entfernung nach Hamburg beträgt 250 km, bis zum Berliner Bezirk Spandau beträgt sie 40 km.

Öffentlicher Personennah- und Fernverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selbelang ist im Rahmen des ÖPNV durch die HVG-Buslinien 661 und 669 mit Nauen und Friesack, durch die HVG-Buslinie 670 mit Premnitz und Nauen und der HVG-Buslinie 680 mit der Kreisstadt Rathenow und Nauen verbunden.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selbelang hat die Postleitzahl (PLZ) 14641 und die Telefonvorwahl 033237.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deckblatt Leichenpredigt für Eustachii von Erxleben aus Selbelang vom 30.9.1616.

Namensbildung und erste Besiedlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten urkundlichen Erwähnungen des Ortes stammen von 1269 als Selewelanc[1][2] von 1335 als Suluelanc[3][4] und von 1375 als Selvelank.[5] Für die Herkunft des Ortsnamens gibt es mehrere Theorien:

  • Bei der ersten leitet sich der Name vom polabischen Zelvi lag ab, was Schildkrötensumpf bedeutet.[3][6] In der Region kamen bis ins 19. Jahrhundert Europäische Sumpfschildkröten vor.[7]
  • Eine weitere Theorie geht ebenfalls von einem slawischen Ursprung aus. So soll die Silbe Selbe von soli (Salz) und lang von lanka (Lache, Lanken, längere Einbuchtungen eines Flusses) abgeleitet sein. Auch mit Bäumen bewachsene Sumpfstrecken werden Lanken genannt. Somit kann der Ortsname auch für Salzlanke oder Salzsumpf stehen.[5]

Die erste nachweisbare schriftliche Erwähnung von Selbelang stammt aus dem Jahre 1269[1][2]. Von der bei Moritz W. Heffter 1840[2] erwähnten Urkunde (Copiar. antiq. p. 35 sq.)[2] gibt es im Domstiftsarchiv Brandenburg zwei verschiedene Ausführungen, wobei nur in der zweiten Ausführung (U. 653)[1] die Pfarre des Dorfes Retzow (Rizzowe)[1] und ihre Filiale Pessin[1] und Selbelang (Selewelanc)[1] erwähnt sind. Die erste Urkunde vom 17. Februar 1269 ohne die Erwähnung der Filialkirchen ist im Codex diplomaticus Brandenburgensis – Teil 1, Band 8[8] zu finden.

Andere Werke gehen aufgrund der fehlenden Nennung im Codex diplomaticus Brandenburgensis[8] von einer ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes im Jahre 1335 als Suluelanc[3][4] aus. 1375 besaß der Ort zwei Gutshöfe und wurde Selvelank und Selvelanck genannt. Der Ort verfügte über eine Fläche von 32 Hufen. Davon gehörten fünf der Familie von Erxleben, drei Nickel und Eggehart von Bardeleben, zwei der Kirche und die restlichen einer unbekannten Zahl von Bauern.[6] Zeitweise waren auch die Familien von Stechow, von Hake und von Rochow auf Anteilen ansässig, die 1787 an die Erxleben kamen, ebenso wie 1833 der Bardeleben’sche Anteil.[9]

In der Barockzeit war Eustachii von Erxleben ( ? - 1616) Besitzer des Gutes Selbelang.

1840–1949[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Ludwig Leopold von Erxleben kaufte 1840/41 mit 6000 Talern das Rittergut Selbelang vom Johanniterordensritter von Somnitz. Im Jahr 1883/84 überreichte er dem Märkisches Museum eines in Selbelang gefundene verziertes Bronze Haftel.

1905 verfügte der Ort über eine Fläche von 180,2 Hektar, auf der 31 Männer und 27 Frauen lebten[10]. 1924 wurde der Selbelanger Ortsteil Paulinenaue selbständige Gemeinde. Von 1928 bis 1945 war Selbelang gemeinsam mit den Orten Bienenfarm, Lindholzfarm und Kamerun ein Teil von Retzow.

DDR-Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die neuen Schweineställe 1955.

Am 15. Oktober 1950 wurde Selbelang wieder eine selbständige Gemeinde.[11]

Im Jahr 1955 erhielt das Volkseigenes Gut Selbelang neue Schweineställe für 3000 Tiere und neue Futteraufbereitungshäuser. Eine eingebaute große Schrotanlage, erleichterte die Futterzubereitung. Das Bauprojekt gehörte zu dem von der Regierung geführten Bauprogramm für die Landwirtschaft.

1963 wurde VEG Selbelang zum Lehr- und Versuchsgut Paulinenaue/ Selbelang der AdL vereinigt.

Ein Mehrfruchttrockenwerk unter Leitung von Josef Pohl wurde im Juli 1972 an der B5 in Betrieb genommen. Die Anlage konnte stündlich 3–4 t Stroh-Konzentrat-Pellets mit unterschiedlichen Anteilen rezepturgetreu produzieren. Sehr schnell wurde das Verfahren der Strohpelletierung produktionswirksam, und ab 1976 wurden etwa ein Drittel des Getreidestrohs in der DDR zu Strohpellets verarbeitet.

Bundesrepublik Deutschland (seit 1990)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jubiläumsbaum 750 Jahre Selbelang


Mit Wirkung vom 26. Oktober 2003[12] wurde es im Zuge der Gemeindegebietsreform ein Ortsteil von Paulinenaue, Beschlüsse des Verfassungsgerichts des Landes Brandenburg hatten nur eine aufschiebende Wirkung.[13]

Das Berufsausbildungszentrum Altenpflegeschule Selbelang wurde 2019 geschlossen und in Nauen neu eröffnet.

Am 14. Juni 2019 wurde das 750 jährige Jubiläum des Ortes mit einem großen historisierenden Umzug gefeiert.

Ortsvorsteher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehrenamtliche Ortsvorsteher und Abgeordneter der Gemeindevertretung Paulinenaue ist seit der Kommunalwahl am 28. September 2008 Erich Ball (Für Selbelang).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gutshaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gutshaus aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Kirche St. Nikolai aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.
Portikusaltar aus dem Jahr 1718.
Mammutbaum in der ehemaligen Parkanlage aus dem 19. Jahrhundert.

Otto Friedrich Ehrenreich von Erxleben (1817–1892) ließ auf Grundmauern des Vorgängerbaus aus dem 16. Jahrhundert.[3] das Gutshaus errichten. In der Vorhalle befand sich ein Plafondgemälde von Paul Schobelt (1838–1893) mit dem Titel „Flora mit den Genien des Frühlings“.

Otto von Erxleben der letzte Besitzer des Gutes war verheiratet mit Edelgard von Werder (1879–1945). Das Ehepaar hatte zwei Töchter, darunter Margarete von Erxleben, verheiratet mit Werner von Wulffen (1901–1946). Das Ehepaar wohnte ab 1939 nordwestlich des Gutsparks in einem Wohnhaus. Das Schloss diente in den letzten Kriegstagen als Lazarett und ab 1946 wurden Wohnungen eingerichtet für Umsiedler sogenannte Sudetendeutsche aus dem Sudetenland. Werner von Wulffen starb 1946 in russischer Kriegsgefangenschaft. Seine Schwiegermutter Edelgard von Werder beging nach Einmarsch der sowjetischen Truppen 1945 Suizid. In den 60er Jahren gab es 5 Wohnungen in dem Gebäude sowie die Verwaltung der landwirtschaftlichen Betriebe der KAP Selbelang. 1996 kaufte das Gutshaus eine Vermögensberatungsgesellschaft und wurde bis 1999 saniert.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche St. Nikolai ist aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und ein spätgotischer Backsteinbau. Der Kirchturm wurde 1749 errichtet. Die Kirche wurde in den Jahren 2005 bis 2013 mit Hilfe des „Fördervereins Dorfkirche Selbelang e. V.“ saniert.[14]

Der Portikusaltar in der Kirche ist aus dem Jahr 1718, daran sind Schnitzfiguren aus dem 15. Jahrhundert befestigt.

Mammutbäume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Mammutbäume befinden sich im Ort Selbelang. Einer in der ehemaligen Parkanlage aus dem 19. Jahrhundert. Ein weiterer Mammutbaum befindet sich hinter der alten Brennerei. Beide Bäume sind seit 7. Februar 1990 eingetragene Naturdenkmäler. Wie die beiden Bäume nach Selbelang gekommen sind und wer sie eingepflanzt hat ist nicht überliefert.

Meilensteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Preußische Viertelmeilensteine aus dem frühen 19. Jahrhundert befinden sich im Ort und zeigen die Richtungen an. Ein Viertelmeilenstein steht direkt an der B5 und zeigt nach Groß-Behnitz. Ein weiterer Viertelmeilenstein befindet sich nördlich an der B 5, vor dem Verkaufsgebäude der Futtermittel GmbH Selbelang und zeigt die Richtungen nach Pessin und Retzow. Beide Richtungsweiser stehen unter Denkmalschutz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl:[15]

Jahr Einwohner
1875 346
1910 324
1964 458
1989 346
1991 348
1998 326
2001 315
2002 326

Töchter und Söhne des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto von Erxleben (1788–1856), Offizier und Gutsbesitzer
  • Caroline Wilhelmine Gottliebe von Erxleben (1857–1918)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Selbelang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Wolfgang Schößler: Regesten der Urkunden und Aufzeichnungen im Domstiftsarchiv Brandenburg, Teil 1: 948 – 1487, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-8305-0189-7
  2. a b c d Moritz W. Heffter: Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten, Verlag von Ferdinand Riegel, Potsdam 1840, Seite 197
  3. a b c d Märkische Oderzeitung, 15. September 2006, S. 9
  4. a b Lieselott Enders, Historisches Ortslexikon für Brandenburg, T. 3: Havelland. Weimar 1972 – Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, Band 11
  5. a b Kreil: Amtsbereich Friesack – Streifzüge durch Ländchen und Luch-, Geiger-Verlag (1996), Seite 12, ISBN 3-89570-131-9
  6. a b Magisterarbeit von Katharina Möhring auf kircheribbeck.de (Memento vom 6. Oktober 2007 im Internet Archive) PDF-Datei, S. 15–16
  7. havelland.city-map.de
  8. a b Codex diplomaticus Brandenburgensis – Teil 1, Band 8 Seite 168/169 von 1847
  9. Die Herrenhäuser des Havellandes
  10. Finck Ahnenforschung – Orte (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive)
  11. Wille: Von Ort zu Ort durchs Havelland, Stattbuch Verlag, Berlin 1996, Seite 81, ISBN 3-922778-57-7
  12. Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg, 15. Jahrgang, Nummer 13, Seite 295, Potsdam, den 2. Juli 2004@1@2Vorlage:Toter Link/www.landesrecht.brandenburg.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. PDF
  13. VerfGBbg, Beschluss vom 18. Dezember 2003 – VfGBbg 96/03 Urteil des Landesverfassungsgerichts
  14. altekirchen.de
  15. Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik (LDS) – Beitrag zur Statistik – Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg von 1875 bis 2005 – Landkreis Havelland vom Dez. 2006