Sidney Corbett

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Sidney Corbett (2006)

Sidney Corbett (* 26. April 1960 in Chicago, Illinois) ist ein US-amerikanischer Komponist Neuer Musik, E-Gitarrist und Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim. Seit 1985 lebt er vorwiegend in Deutschland. Seit 2000 hat er seinen ständigen Lebensmittelpunkt in Berlin.

Leben[Bearbeiten]

Corbett wurde als älterer von zwei Söhnen einer jüdischen Mutter und eines katholischen Vaters in Chicago geboren und zog 1968 mit seiner Familie nach Kalifornien. Mit fünfzehn Jahren spielte er bereits als Gitarrist in verschiedenen Bands in Los Angeles und komponierte bald darauf seine ersten klassischen Klavierstücke.

Nach seinem Abschluss in Philosophie, Musik und Komposition an der University of San Diego, wo er Bernard Rands und Pauline Oliveros kennenlernte, setzte Corbett sein Kompositionsstudium an der Yale University fort. 1989 promovierte Corbett dort mit einer Analyse des Werkes Hyperprism des frz. Komponisten Edgar Varèse. Der Titel seiner Dissertation lautete Metaphor Structures in Contemporary Music. Dort beeinflussten vor allem Jacob Druckman, Martin Brezsnik und Morton Subotnick seine eigene musikalische Entwicklung. 1985 bis 1988 studierte er in György Ligetis Kompositionsklasse an der Musikhochschule in Hamburg und erhielt den BMI Student Composer Awards.

Corbett blieb nach 1987 zunächst in Deutschland, lebte die meiste Zeit in Stuttgart, und schlug sich als freischaffender Künstler, Musik- und Englischlehrer durch. Zeitweise lebte er auch in Paris. Erste Auftritte beim Gaudeamus Festival in Amsterdam 1988 und der Biennale in Zagreb im selben Jahr markierten die Anfangspunkte seiner Karriere als Komponist. 1993 wurde seine erste Sinfonie Tympan vom Radio Synfonie Orchester Stuttgart uraufgeführt, von dieser Zeit an folgten weitere Auftragsarbeiten und zahlreiche Auftritte. 1994 berief ihn die Duke University in Durham, South Carolina erstmals als Gastprofessor für Komposition Neuer Musik, wo er zwei Jahre lehrte. In den USA erschien zeitgleich die erste CD Long Distance mit Seth Josel an der Gitarre in New York, gefolgt von seiner ersten deutschen Solo-CD Waking an Angel im Jahr 1998 bei Kreuzberg Records in Berlin.

Seit 2000 lebt Corbett in Berlin, während seine Werke in Europa und in den USA berühmt sind; auch Radio Moskao und Radio Tokio nahmen seine Musik in ihr Repertoire auf. Mit Noach wurde 2001 Corbetts erste Oper mit Christoph Hein am Bremer Theater uraufgeführt, danach folgte erneut eine Periode mit Kammermusikprojekten u.a. mit dem Modern Art Sextett[1] in Berlin. 2003 lernte Corbett seine Frau Eva kennen und ist inzwischen Vater von drei Kindern.

In jüngerer Zeit komponierte er mit Immaculate sands, Corbetts zweiter Sinfonie (2004) und Yael, für Violine und Orchester (2004) zwei größere Orchesterwerke. Yael wurde mit dem Solisten Kolja Lessing 2005 in Stuttgart uraufgeführt. Der DLF Köln veranstaltete im selben Jahr ein Porträtkonzert mit dem Titel Exits über Sidney Corbett und im 2006 erschien seine zweite Solo CD Que hora es in paradiso?, beides mit Seth Josel als Solist an der Gitarre. Seine neustes Werk, die dritte Oper Keine Stille außer der des Windes wurde Ende Januar 2007 in Bremen uraufgeführt.

Gemeinsam mit Stefan Bolanz, Lam Thuy Vo und Rolf Fabian Laumer gründete Corbett 2005 die Band Vierte Heimat[2], die bisher in Berlin und Brandenburg auf Partys und Events für Liebhaber elektronischer Musik teilnahm, u. a. beim Turbo Tanztheater im Tacheles.

Seit Herbst 2006 ist Corbett Professor am Lehrstuhl für Komposition Neuer Musik an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Mannheim.

Corbett pflegt eine lebenslange Liebe zu Baseball und Football. Von 1992 bis 2000 war er Mitglied bei den Stuttgart Reds[3].

Stil[Bearbeiten]

Corbetts frühere Werke seit 1997 zeigen eine stärkere Ausrichtung an der melodischen Linie. Diese Periode kulminiert 2000 in Noach. Nach dieser Zeit beschäftigt er sich stärker mit Pulsierungen, Überlagerungen von Zeitstrukturen - den rhythmischen Aspekten Neuer Musik. Diese Periode hält bis heute an. Gesang bleibt über beide Phasen hinweg ein wichtiges Element. Themen und Gedankenwelt von Corbetts Werken ziehen ihren Inhalt aus der Literatur und den Bildenden Künsten, dies wird auch an den Titeln erkennbar. Die Basis für theologische Inhalte verdankt Corbett seinen jüdisch-christlichen Wurzeln und seiner Aufgeschlossenheit gegenüber den buddhistischen Lehren und mystischen Themen allgemein.

Festivals und Auftritte (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Gaudeamus, Amsterdam, NL (1988)
  • Biennale, Zagreb, HR (1989)
  • New Orchestra Project, New York (1989)
  • Steirischer Herbst, (1989)
  • Ensemblia, Mönchengladbach (1987, 1993)
  • Gewandhaus, Leipzig (1995)
  • New American Music Festival, Sacramento, USA
  • Klangwerkstatt, Berlin (2001)
  • Eklat, Stuttgart (2002)
  • Philharmonie, Berlin (2004)
  • Forum Neue Musik, DLF Köln (2005)
  • Kampnagelfabrik, Hamburg (2005)

Hauptwerke (Auswahl)[Bearbeiten]

Opern[Bearbeiten]

  • X und Y (1995)
  • Noach (2001)
  • Keine Stille außer der des Windes (2007)
  • Das große Heft (2013)

Orchesterwerke[Bearbeiten]

  • Posaunenkonzert (1994)
  • Yael (2005)
  • Exits (2005)
  • Among the Lemmings (2009)

Sinfonien[Bearbeiten]

  • Nr. 1 "Tympan" (1992)
  • Nr. 2 "The immaculate sands" (2004)
  • Nr. 3 "Breathing water" (2006)

Kammermusik[Bearbeiten]

  • Die Stimme der Wände (1993)
  • Caverna (1994)
  • Kammersinfonie (1995)
  • Gesänge der Unruhe (2003)
  • Fractured Eden (2005)

Literatur[Bearbeiten]

  • Sidney Corbett: Auf der Suche: Zum Tode des amerikanischen Komponisten Jacob Druckman, Neue Zeitschrift für Musik Nr.4, Juli/August 1996, Schott Verlag, Mainz
  • Sidney Corbett: Die amerikanische Neue-Musik-Szene: Der subjektive Überblick eines Komponisten, Musik und Ästhetik, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart (Heft 6/98)
  • Sidney Corbett: Verzicht ist eine Antwort, zu den Begriffen Fortschritt, Avanciertheit und Avantgarde Musik und Ästhetik, Heft 33, Januar 2005, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart

Werkverzeichnis[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Modern Art Sextett
  2. Vierte Heimat
  3. Stuttgart Reds

Weblinks[Bearbeiten]