Solidarische Landwirtschaft

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Wochenanteil an Gemüse und Obst eines Community-Supported Agriculture-Projektes in den USA.

Als Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi, auch: Gemeinschaftshof, Landwirtschaftsgemeinschaft, Versorgungsgemeinschaft, insbesondere in der Schweiz regionale Vertragslandwirtschaft) wird eine Form der Vertragslandwirtschaft bezeichnet, bei der eine Gruppe von Verbrauchern auf lokaler Ebene mit einem oder mehreren Partner-Landwirten kooperiert. In Deutschland wird dieses Konzept vom Netzwerk Solidarische Landwirtschaft e.V. vertreten.[1]

Die Verbraucher geben eine Abnahmegarantie (für wenigstens 6 Monate oder ein Jahr) für die Produktion des Landwirtes und erhalten im Gegenzug Einblick und Einfluss auf die Produktion. In der Regel zahlt jeder Verbraucher einen festen monatlichen Betrag.[1] In einigen Fällen geben die Verbraucher dem Landwirt auch ein zinsgünstiges Darlehen, um zum Beispiel den Aufbau des Hofes oder die Umstellung auf ökologische Produktion zu ermöglichen. Diese Partnerschaft unterstützt eine lokale Produktion und eine lokale Ernährung. Viele Solidarische Landwirtschaften folgen ökologischen Anbaumethoden.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Konzept entstand zunächst in den 1960er Jahren in Japan, wo heute etwa ein Viertel der Haushalte an einem Teikei (deutsch „Partnerschaft“) beteiligt sind.

In den USA entwickelte sich die dort Community-supported agriculture (CSA) genannte Wirtschaftsweise jedoch unabhängig davon in einem Kreis um den biologisch-dynamischen Landwirt Trauger Groh und durch den aus der Schweiz eingewanderten Jan VanderTuin. Dort bestehen CSA-Gemeinschaften seit 1985, zurzeit mit etwa 1500 Gruppen.

Bei Genf in der Schweiz besteht seit 1978 die Kooperative Les jardins de Cocagne („Schlaraffengärten“).[2] Im Februar 2011 in Altstetten / Zürich gründete sich der Verband regionale Vertragslandwirtschaft (RVL) mit zurzeit 52 Mitgliedern.

In Österreich gilt die 2011 gegründete Initiative GeLa (Gemeinsam Landwirtschaften) Ochsenherz[3] um den gleichnamigen Demeter-Gärtnerhof in Gänserndorf als Keimzelle von inzwischen über 20 weiteren Initiativen[4].

In Frankreich existiert dieses Kooperationskonzept unter dem Namen „Association pour le maintien de l’agriculture paysanne“, kurz AMAP (Verbrauchervereinigung für die Beibehaltung der bäuerlichen Landwirtschaft). Es handelt sich dabei um regional agierende Vereine, die der gesicherten Abnahme von landwirtschaftlichen Produkten aus deren Herkunftsregion durch ihre Mitglieder und Unterstützer dienen. Typische Produkte sind Früchte, Gemüse, Eier, Käse, Fleisch und weitere Erzeugnisse.[5][6]

In Deutschland gilt der Demeter-Betrieb Buschberghof in Fuhlenhagen als Keimzelle, aus der bis 2016 über 100 Gemeinschaften entstanden (SoLaWi).[7] Viele weitere Ökobauernhöfe sowie Foodcoops bieten als wesentlich einfachere Variante sogenannte Ökokisten im regelmäßig kündbaren Abonnement an. Die 2012 gegründete Münchner Genossenschaft Kartoffelkombinat umfasst mittlerweile über 1300 Haushalte und bewirtschaftet seit 2017 ihre eigene Gärtnerei in Spielberg.[8]

CSA war eines der favorisierten Konzepte auf dem Weltsozialforum 2001 in Porto Alegre (Brasilien).

Der Begriff Solidarische Landwirtschaft und das Netzwerk in Deutschland wurden Anfang Februar 2018 auch im Entwurf der CDU-CSU-SPD-Regierungskoalition genannt:[9] „Wir wollen im Rahmen der Modell- und Demonstrationsprojekte (Best-Practice) Vorhaben zur regionalen Wertschöpfung und Vermarktung fördern, z. B. Netzwerk Solidarische Landwirtschaft (Solawi).“

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland und weiteren Ländern wurde das Konzept einem breiteren Publikum erstmals 2005 durch den Dokumentarfilm Farmer John – Mit Mistgabel und Federboa bekannt.[10] Im Frühjahr 2013 wurde der Dokumentarfilm Die Strategie der krummen Gurken über ein Projekt Solidarischer Landwirtschaft in Deutschland, der Gartencoop Freiburg, vom alternativen Filmkollektiv Cine Rebelde veröffentlicht.[11] Die Dokumentation Bauer sucht Crowd aus dem Jahr 2015 porträtiert verschiedene CSA-Höfe in Österreich.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b https://www.solidarische-landwirtschaft.org/das-konzept/
  2. cocagne.ch, abgerufen am 2. Januar 2012
  3. ochsenherz.at, abgerufen am 4. Mai 2017
  4. Liste der österreichischen Initiativen, abgerufen am 4. Mai 2017
  5. Kurznotiz auf RFI International (abgerufen am 19. Januar 2010)
  6. Site national des AMAP (französisch) (abgerufen am 19. Januar 2010)
  7. Liste der Höfe auf solidarische-landwirtschaft.org
  8. Kartoffelkombinat e. G.: Was bisher geschah. Kartoffelkombinat e. G., abgerufen am 6. September 2018 (deutsch).
  9. http://www.tagesspiegel.de/downloads/20936562/4/koav-gesamttext-stand-070218-1145h.pdf Fassung vom 7. Februar 2018, Seite 85
  10. Dokumentarfilm „Farmer John - Mit Mistgabel und Federboa“ (Memento vom 17. September 2011 im Internet Archive)
  11. Der Dokumentarfilm Die Strategie der krummen Gurken ist auf der Homepage von Cine Rebelde zu sehen.
  12. Dokumentarfilm Bauer sucht Crowd von Nina Rath