Solnhofener Plattenkalk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Anwendung des Steins für die Lithographie
Solnhofener Plattenkalk, polierte Oberfläche. Muster ca. 12 × 15 cm
Bodenbelag im Verlegemuster Rosenspitz aus Solnhofener Plattenkalk

Solnhofener Plattenkalk, auch Solnhofener Kalkstein oder Lithographenschiefer[1], ist die Bezeichnung für einen Naturwerkstein aus dem Altmühljura der Fränkischen Alb in Bayern, der umgangssprachlich oft ungenau als Solnhofer Platten und im Handel kurz als Solnhofener bezeichnet. Die Solnhofen-Subformation, eine lithostratigraphische Untereinheit des Weißjura, wird zu einem großen Teil aus Solnhofener Plattenkalk aufgebaut.

Vorkommen und Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Solnhofener Plattenkalk kommt in der Region um Solnhofen und Langenaltheim im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, im Westen von Eichstätt sowie Mörnsheim, Blumenberg, Schernfeld, Rupertsbuch und Wintershof im Landkreis Eichstätt in zahlreichen Steinbrüchen in Mittelfranken und Oberbayern vor. Entstanden ist er durch schichtweise Ablagerungen in periodisch vom Meer mit frischem Wasser gefluteten Lagunen in der Zeit des Oberjura. In diesen Lagunen war der Salzgehalt bedeutend höher, dadurch wurden Tiere und Pflanzen an der Verwesung gehindert und blieben auch in Details als Versteinerungen erhalten.

Abbau- und Wirtschaftsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits die Römer verwendeten im 2. Jahrhundert diesen Kalkstein als Bodenplatten für ein Kaltwasserbecken in einer Villa in Theilenhofen, einem Ort bei Weißenburg in Bayern. Im 9. Jahrhundert wurden Solnhofener Kalkplatten in der Sola-Basilika in Solnhofen verlegt. 1423 wurde der Kalkstein in einem Steinbruch am Solaberg abgebaut. Der Bodenbelag aus dem 15. Jahrhundert der Hagia Sophia in Konstantinopel besteht aus Solnhofener Platten. Im Jahr 1596 gab es die erste Genehmigung zum Abbau von Solnhofener Platten, und auf dem Gebiet von Eichstätt wurden erste Steinbrüche eröffnet. 1674 erließ Fürstbischof Marquard Schenck von Castell eine erste Steinbruchordnung, da der Abbau stetig zunahm und eine Kontrolle erforderte.

Der Absatz des Solnhofener Plattenkalkstein stieg 1796 durch die Erfindung der Lithographie durch Alois Senefelder (seit dieser Zeit wurde der Kalkstein auch als „Lithographenschiefer“ oder „lithographischer Kalk“ bekannt[1]) erheblich an, und im Jahr 1857 gründete sich als Folge des wirtschaftlichen Aufschwungs der „Solenhofer Aktien-Verein“, der die Lithographiesteine weltweit exportierte.

Aus dünnen Platten wurden auch Dachsteine hergestellt, sogenannte Zwicktaschen.

Im Jahr 1828 erfand der Eichstätter Glasermeister Johann Weitenhiller die so genannten Zwicktaschen. Das waren aus dem Steinbruch gewonnene Dachsteine, die mit der von Weitenhiller entwickelten Zwickzange in die ungefähre Form der so genannten Biberschwänze gebrochen wurden. Anschließend wurde in die weniger als 2 cm dicken Steinplatten an der Oberseite ein Loch gebohrt, das zur Befestigung an den Dachlatten mittels eines Nagels diente. Mit dieser Erfindung wurden damals Steinbrüche wieder wirtschaftlich, in denen lediglich dünne Platten gewonnen werden konnten.

Der Absatz von Solnhofener Plattenkalkstein ließ im Jahr 1909 nach, und es gab aufgrund einer Lohnkürzung einen Streik der 900 bis 1200 tätigen Arbeiter der Steinindustrie, die in einer christlichen Gewerkschaft organisiert waren. 1913 setzte sich das Offsetverfahren gegenüber der Lithographie durch, und es kam zu Umsatzrückgängen, in dem später einsetzenden Ersten Weltkrieg kam auch das Exportgeschäft zum Erliegen.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurden nur noch in geringem Umfang Lithographiesteine gebrochen, dafür aber Wand- und Bodenplatten hergestellt. Dennoch konnte nicht an die wirtschaftliche Zeit vor dem Ersten Weltkrieg angeknüpft werden, und die Weltwirtschaftskrise des Jahres 1929 ging mit einem weiteren Rückgang der Umsätze einher. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 stellte sich eine Besserung der Auftrags- und Beschäftigungslage ein, denn sie präferierten aus nationalistischen Gründen die Verwendung einheimischer Gesteinsvorkommen und damit auch der Solnhofener Platten für Repräsentationsbauten. Doch nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs kam die Natursteinverwendung zum Erliegen. Aber bereits ab 1946 konnten die Solnhofener Kalkplatten wieder einen Nachfrage-Aufschwung verzeichnen, was aus dem Mangel an Rohstoffen und aus dem erheblichen Nachholbedarf durch die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges erklärbar ist. Nachdem jedoch keramische Platten in den 1950er Jahren in Konkurrenz zu den Solnhofener Kalkplatten traten, ging der Inlandumsatz zurück. Die Solnhofer Betriebe reagierten ab 1970 mit einer Intensivierung ihres Exportgeschäfts. In jüngerer Zeit ist durch den Zusammenbruch des Ostblocks und die Öffnung des Weltmarktes für chinesische Natursteine eine starke Konkurrenz auch für den Solnhofener Plattenkalk entstanden.[2]

Neben dem Solnhofener Plattenkalk werden drei weitere Kalksteine entlang der Altmühl im Gebiet der Südlichen Frankenalb gebrochen, die alle seit langer Zeit als Werkstein in der Architektur Verwendung finden: der Wachenzeller Dolomit, der Juramarmor und der Kelheimer Kalkstein.

Gesteinsbeschreibung und Gewinnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um einen dichten, cremefarbenen bis ockergelben Kalkstein, der plattig abgesondert wurde und stellenweise bräunlich, gräulich und seltener rötlich erscheint. Auf den Schichtflächen finden sich teilweise Dendriten, die entweder aus Eisen- oder Manganoxiden entstanden sind und wie Farne oder Bäumchen aussehen können.

Die Solnhofener Kalkplatten werden in Steinbrüchen gewonnen. Die Arbeitsweise ist aufgrund des geschichteten Gesteins, das keinen Maschineneinsatz zulässt, seit Jahrhunderten unverändert. Die Hackstockmeister brechen den Stein mit Pickeln aus dem Steinbruch und erhalten so ein Paket, das mehrere geschichtete Platten enthält. Diese werden mit Hammer und Meißel gespalten und in Paletten in das Werk transportiert. Dort werden sie entweder weiter bearbeitet oder sie gelangen im Rohzustand als Platten mit bruchrauer Oberfläche in den Handel.

Die Dichte liegt etwa bei 2,6 kg/dm³, die Druckfestigkeit bei 157 N/mm², die Biegefestigkeit bei über 24 N/mm², der Abriebwiderstand nach DIN EN 14157/B nach Böhme bei 15 cm³/50 cm² bzw. nach Capon bei 19,5 mm und die Wärmeleitfähigkeit λ bei 2,3 W/mk. [3]

Steinbruch Solnhofen im Mai 2004

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorbereitung der Rohplatten im Steinbruch
Zurichtung der Lithographietafeln

Der größte Anteil der Solnhofener Platten wird seit vielen Jahrhunderten und weltweit für Boden- und Treppenbeläge, Wandfliesen oder für historische Grabmale, vor allem Epitaphe in historischen Gebäuden verwendet sowie regional und vor allem historisch als Kalkplattendach beim sogenannten Jurahaus.

Große Bekanntheit und Verwendung erlangte Solnhofener Plattenkalk durch die Erfindung der Lithographie (Bilderdruck für Bücher, Landkarten etc.) durch Alois Senefelder, wofür die Feinkörnigkeit des Solnhofener Plattenkalks Voraussetzung war.

Obwohl mit einem Härtegrad von 3 bis 3,5 nach der Mohs'schen Härteskala zu den Weichgesteinen gehörend,[4] handelt es sich um einen der dichtesten Kalksteine im Handel. Für den Innenausbau ist er gut geeignet. Er wird häufig mit spaltrauer, fein geschliffener, matt polierter sowie bruchrau-angeschliffener oder -gebürsteter (satinierter) Oberfläche verwendet. Eine echte Politur kann mithilfe von Oxalsäure oder Kleesalz erzeugt werden. Dabei werden an der Natursteinoberfläche Calciumoxalate gebildet, die das Licht reflektieren.

Früher wurden handbehauene Platten in einer Stärke von 12 bis etwa 22 Millimeter für Wand- und Bodenbeläge verwendet; heute werden die Platten entweder auf eine einheitliche Dicke von z. B. 10 Millimeter kalibriert oder in Sortierungen von entweder 7–12 mm oder 13–25 mm Stärke angeboten.[5] Die maximale Dicke der lieferbaren Platten beträgt 30 Zentimeter und die maximale Länge liegt bei 2 Metern. Solnhofener Plattenkalk ist besonders zum Einbau über Fußbodenheizungen geeignet.

Seine Verwitterungsbeständigkeit ist unzureichend, denn er neigt beim Außenverbau zu Anlösungen, Aufrauungen bis hin zu Abplatzungen und Ausbrüchen. Für eine Verwendung als Außenfassade ist er deshalb nicht geeignet.

Das Kaisergrab von Heinrich II. und Kunigunde im Bamberger Dom und das Grabmal von Aloisius Senefelder bestehen aus Solnhofer Plattenkalk. Im 16. und 17. Jahrhundert war Solnhofener Stein ein bei Künstlern beliebtes Material für kleinformatige Reliefs.

Fossilien und Dendriten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archaeopteryx lithographica („Berliner Exemplar“)
Mit einer Kluft assoziierte Dendriten auf einer Schichtfläche

Die Solnhofener Plattenkalke gelten als eine der bedeutendsten Fossillagerstätten. Hier wurden alle bisher bekannten Exemplare des als „Urvogel“ bezeichneten Archaeopteryx, ein gefiederter Dinosaurier, gefunden. Diese Fossilien machten den Solnhofener Plattenkalk international bekannt, auch wegen der oft erhaltenen Details (Weichteile, Pflanzenteile, Libellenflügel, Federn etc). Bedeutende Museen sind in Eichstätt das Jura-Museum auf der Willibaldsburg und das Museum Bergér in Eichstätt-Harthof, ferner das Bürgermeister-Müller-Museum in Solnhofen und das Fossilien- und Steindruck-Museum in Gunzenhausen. Eine weitere Sammlung befindet sich im Museum für Mineralogie und Geologie Dresden.

Auch Amateurpaläontologen können sich, in besonders ausgewiesenen Steinbrüchen, an der Fossiliensuche beteiligen. Selbstgefundene Fossilien können im Regelfall behalten werden.

Im Plattenkalk sind recht häufig Dendriten zu finden, verästelte dunkelbraune bis schwarze Strukturen, die äußerlich an Pflanzen erinnern. Derartige Bildungen können für Fossilien gehalten werden (Pseudofossilien), es sind jedoch Eisen- und Manganverbindungen, die an Schichtflächen aus Lösungen auskristallisiert sind. Dendriten haben demnach einen chemisch-mineralogischen Ursprung und entstehen durch Diffusionsvorgänge.

Geotop[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fossilfundstelle Solnhofener Plattenkalke ist vom Bayerischen Landesamt für Umwelt als Geotop 577A008 [6] ausgewiesen und 2002 mit dem offiziellen Gütesiegel „Bayerns schönste Geotope“ ausgezeichnet worden.[7][8] Siehe auch Liste der Geotope im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen.

Im Jahr 2006 erfolgte die Aufnahme in die Liste der 77 ausgezeichneten Nationalen Geotope Deutschlands.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolf-Dieter Grimm; Ninon Ballerstädt: Bildatlas wichtiger Denkmalgesteine der Bundesrepublik Deutschland. (Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, H. 50), Lipp-Verlag, München 1990, ISBN 3-87490-535-7
  • Friedrich Müller: INSK kompakt: die internationale Naturwerksteinkartei für den aktuellen Markt. Blatt 69.3. Ebner Verlag Ulm. 1. Auflage 1997.

Richtlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verlegung erfolgt nach DIN 18352, DIN EN 1469, EN 12057 und EN 12058 auch über Warmwasser- und Elektrobodenheizungen. Ferner veröffentlicht die Industrievereinigung Altmühltaler Kalksteine e.V. eine Verlegeanleitung. [10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Solnhofener Plattenkalk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Solnhofen (deutsch) In: Lexikon der Biologie. Spektrum Akademischer Verlag. Heidelberg. 1999. Abgerufen am 13. Oktober 2016.
  2. Die Wirtschaftsgeschichte von Solnhofener Platten und Jura-Marmor auf solnhofen-fossilienatlas.de. Abgerufen am 18. Dezember 2017
  3. Solnhofener Platten - Technische Daten, Industrievereinigung Altmühltaler Kalksteine e.V.
  4. Juramarmor (und Solnhofener Platten), Industrievereinigung Altmühltaler Kalksteine e.V.
  5. Solnhofener Platten - Technische Daten, Industrievereinigung Altmühltaler Kalksteine e.V.
  6. Geotop: Ehemaliger Steinbruch südöstlich der Langenaltheimer Haardt (abgerufen am 20. Oktober 2013; PDF; 160 kB)
  7. Fossilfundstelle Solnhofener Plattenkalke. Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 16. November 2014.
  8. Bayerisches Landesamt für Umwelt: Kalke Platte! Solnhofener Fossilien. In: Hundert Meisterwerke - Die schönsten Geotope Bayerns, Augsburg 2012, ISBN 978-3-936385-89-2, S. 142 f.
  9. Stefan Glaser, Martina Bach, Martin Röper, Martina Kölbl-Ebert: Eine Zeitreise in die Erdgeschichte - Das Altmühltal und die Solnhofener Plattenkalke. In: Ernst-Rüdiger Look, Ludger Feldmann (Hrsg.): Faszination Geologie. Die bedeutende Geotope Deutschlands, E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2006, ISBN 3-510-65219-3, S. 142f.
  10. Solnhofener Platten - Technische Daten, Industrievereinigung Altmühltaler Kalksteine e.V.