Sondermülldeponie Kölliken

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Die Halle zur Sanierung der Deponie (2008)

Die Sondermülldeponie Kölliken (SMDK) ist eine von 1978 bis 1985 betriebene Deponie für Sonderabfälle in der Schweizer Gemeinde Kölliken.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die Deponie einzurichten und zu betreiben, wurde zunächst ein Konsortium gegründet, an dem die Kantone Aargau und Zürich, die Stadt Zürich und der einfachen Gesellschaft Basler Chemische Industrie (BCI, einem Zusammenschluss heute unter anderem bestehend aus Novartis, Syngenta, BASF (ex. Ciba AG), Clariant, und Roche) beteiligt waren. Das Ziel des Konsortium war es, der Industrie und dem Gewerbe eine saubere Entsorgung von Sonderabfällen zu ermöglichen. Ob dies in der alten Kölliker Tongrube möglich ist, war von Beginn an umstritten.[1]

Der Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die SMDK wurde am 16. Mai 1978 in einer alten Tongrube bei Kölliken eröffnet. Die Bedingungen für die Einlagerung von Abfällen war für die damalige Zeit streng, allerdings ohne dass sich die Betreiber der Probleme einer langfristigen Lagerung der Sonderabfälle bewusst waren. So wurden auch Abfallstoffe deponiert, die aus heutiger Sicht nicht hätten eingelagert werden dürfen, wie zum Beispiel leicht lösliche Salze. Auch der biologische Abbauprozess wurde unterschätzt. So mehrten sich mit der Zeit Beschwerden von Anwohnern bezüglich der Geruchsbelästigung und es kam zu einem Fischsterben in der Umgebung. Da das Betriebskonsortium auf die Beschwerden nicht reagierte, verfügte der Gemeinderat von Kölliken im April 1985 die Schliessung der Deponie.

Sanierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bald stellte man fest, dass die grossteils in Fässern deponierten Giftstoffe nicht einfach im Boden verbleiben konnten. Das Konsortium liess deshalb zwischen 1986 und 1990 den Ist-Zustand der Deponie erfassen. Im Anschluss daran wurden von 1991 bis 2001 Sicherungsmassnahmen durchgeführt. Ab 2002 war der Rückbau der Deponie vorgesehen. Im Januar 2005 begann dann schliesslich die Gesamtsanierung. Insgesamt mussten 664'100 Tonnen Material abgeführt werden. Um beim Rückbau Lärm und Geruchsbelästigung zu vermeiden, entstand über der ehemaligen Deponie die grösste Halle der Schweiz. Aufgrund eines Brandes im Juni 2008 mussten die Sanierungsarbeiten bis zum Januar 2009 unterbrochen werden, um das Sicherheitskonzept zu überarbeiten. Die geplante Tagesleistung von 500 Tonnen zu entsorgenden Sondermüll war seither auf 250 bis 450 Tonnen pro Tag gesunken.[2] Die Sanierungskosten betrugen über 900 Millionen Schweizer Franken.[3][4] Im 2016 wurde die Sohle der Grube bewässert, um restliche Belastungen nach dem Abführen von kontaminiertem Fels unter der Deponie auszuwaschen und zu klären.[5]

Sicherheitsvorkehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der gesamten Halle herrschte ein Unterdruck von 10 Pascal.[6] Der Zutritt war wegen des Gestanks und giftigen Dämpfen nur im luftdichten Schutzanzug mit Gasmaske und Atemluftflasche möglich.[7] Sämtliche Fahrzeuge verfügten über luftdichte Kabinen.

Museale Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Teil der sogenannten weissen Zone des nicht-kontaminierten Bereichs wurde nach Abschluss der Arbeiten abgebaut und im Baggermuseum der Firma Eberhard in Fisibach in die Dauerausstellung integriert. Neben den Schleusensystemen zum gefahrlosen Einstieg in die Spezialbaumaschinen ohne umfangreiche persönliche Sicherheitsausrüstung werden auch Dokumentationsfilme aus der Geschichte der SMDK präsentiert.[8]

Rekultivierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ehemalige Deponie wird nach der Sanierung rund zur Hälfte mit dem Aushubmaterial des Eppenbergtunnels aufgefüllt.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Forter: Farbenspiel. Ein Jahrhundert Umweltnutzung durch die Basler chemische Industrie. Chronos, Zürich 2000, ISBN 978-3-905313-46-8, S. 258–260.
  2. Aargauer Zeitung vom 16. Juli 2009, S. 17
  3. Martin Forter: Falsches Spiel. Die Umweltsünden der Basler Chemie vor und nach «Schweizerhalle». Chronos, Zürich 2010, ISBN 978-3-0340-1007-8, S. 126.
  4. Deponie in Kölliken ist geräumt. Neue Zürcher Zeitung, 25. Juni 2015, abgerufen am 25. Juni 2015.
  5. Wie der Kanton Jura die Basler Chemie in die Knie zwang - Druckausgabe: Ein jurassisches Märchen, NZZ, 2. September 2016
  6. Sondermülldeponie Kölliken: Chef der Leitzentrale. Video in: Schweizer Fernsehen vom 25. Februar 2009
  7. Sondermülldeponie Kölliken: Gerätewart. Video in: Schweizer Fernsehen vom 24. Februar 2009
  8. Sondermülldeponie Kölliken - EBIANUM Baggermuseum & Events. Abgerufen am 30. August 2017.
  9. Zeitungsbericht über die Deponie

Koordinaten: 47° 19′ 27″ N, 8° 0′ 41″ O; CH1903: 643303 / 241648