Kölliken

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Kölliken
Wappen von Kölliken
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Zofingenw
BFS-Nr.: 4276i1f3f4
Postleitzahl: 5742
UN/LOCODE: CH KOL
Koordinaten: 644255 / 242963Koordinaten: 47° 20′ 10″ N, 8° 1′ 27″ O; CH1903: 644255 / 242963
Höhe: 427 m ü. M.
Fläche: 8,89 km²
Einwohner: 4324 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 486 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
19,4 % (31. Dezember 2017)[2]
Website: www.koelliken.ch
Karte
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Kölliken (schweizerdeutsch: ˈχœlikχə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Zofingen im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im unteren Uerkental und grenzt an den Kanton Solothurn.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf befindet sich am westlichen Rand der über drei Kilometer breiten und völlig flachen Hard-Ebene. Während die Uerke am östlichen Rand der Bebauung entlang fliesst, fliesst der Köllikerbach durch das Dorfzentrum. Im Westen erheben sich die bewaldeten, sanft ansteigenden Höhenzüge Köllikertann (512 m ü. M.) und Pfaffentann (514 m ü. M.). Im Süden trennt der bis zu 566 m hohe Ghürst die Täler der Uerke und des Köllikerbaches.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 889 ha, davon sind 385 ha bewaldet und 204 ha überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 566 m auf dem Ghürst, der tiefste auf 420 m am Köllikerbach.

Nachbargemeinden sind Oberentfelden im Norden, Muhen im Osten, Holziken im Südosten, Uerkheim im Süden, Safenwil im Westen sowie die solothurnische Gemeinde Gretzenbach im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besiedelt war die Gegend um Kölliken bereits während der Mittelsteinzeit vor rund 8000 Jahren. Im 1. Jahrhundert betrieben die Römer hier eine Ziegelei. Ein Brennofen und zahlreiche Ziegelstempel der in Vindonissa stationierten Legio XXI Rapax kamen bei Ausgrabungen im Jahr 1922 zum Vorschein.[5] Um das Jahr 700 liessen sich die Alamannen nieder. Die erste urkundliche Erwähnung von Cholinchove erfolgte im Jahr 864. Der Name stammt vom althochdeutschen Cholinghofun ab, was «bei den Höfen der Sippe des Cholo» bedeutet.[3] Kölliken war bis 919 königlicher Besitz und ging dann an das Kloster St. Gallen über.

Im Mittelalter lag das Dorf im Herrschaftsbereich der Grafen von Lenzburg, ab 1173 in jenem der Grafen von Kyburg. Nachdem diese ausgestorben waren, wurden die Habsburger im Jahr 1264 die neuen Landesherren. Das Kloster übte die niedere Gerichtsbarkeit aus, verlieh sie jedoch zeitweise an die Herren von Büttikon und an einen Bürger der Stadt Aarau weiter. Um 1350 entstand das Muhenamt, ein gesonderter Gerichtsbezirk, dem auch Kölliken angehörte.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau. Kölliken gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Nachdem Solothurn im Jahr 1458 vom Kloster einen Teil des Lehens erworben hatte, fühlte sich Bern veranlasst, sämtliche Rechte in einer Hand zu vereinigen, was dann 1460 auch geschah. In der Folge bildete Kölliken einen Gerichtsbezirk innerhalb des Amtes Lenzburg. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Seither gehört Kölliken zum Kanton Aargau.

Handel, Industrie und Gewerbe verdrängten schon früh die Landwirtschaft, bedingt durch den Ausbau der Strasse Zürich–Bern in den 1770er Jahren und der Eröffnung der Bahnstrecke Zofingen–Wettingen durch die Nationalbahn am 6. September 1877. Die Überbevölkerung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und die damit verbundene Armut führten zu zahlreichen Auswanderungen, vor allem nach Nordamerika. Seit 1900 hat sich die Bevölkerungszahl fast verdoppelt. Die Eröffnung der Autobahn im Jahr 1967 führte zu einem rasanten wirtschaftlichen Aufschwung.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die erstmalige Erwähnung der reformierten Kirche erfolgte im Jahr 1258. Der heute bestehende Bau im spätgotischen Stil geht auf das Jahr 1507 zurück. 1920 erfolge eine Verbreiterung des Kirchenschiffs.[6]
  • Kölliken nennt sich das Dorf der Strohdachhäuser: Von den acht im Aargau noch vorhandenen Häusern dieser Art (heute mit Schilf gedeckt) stehen drei in Kölliken. Mitte des 19. Jahrhunderts waren in der Region fast alle Bauernhäuser mit Stroh gedeckt.
  • Das Salzmehuus an der Hauptstrasse 43, auch ein Strohdachhaus, ist heute ein Museum[7][8].

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss auf grünem Dreiberg grüne Tanne, die von gewendeter schwarzer Bärentatze aus dem linken Schildrand gehalten wird.» Erstmals verwendet wurde dieses Wappen 1811 auf dem Gemeindesiegel. Die Tanne weist auf die weitläufigen Wälder hin, die Bärentatze entweder auf die Stadt Bern oder (wahrscheinlicher) auf das Kloster St. Gallen.[9] Ein ähnliches Wappen führt die Gemeinde Rüschegg.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salzmehuus

Bevölkerungsentwicklung:[10]

Jahr 1558 1798 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner ca. 140 1'166 1'782 2'021 2'456 2'884 3'007 3'219 3'080 3'577 3'910 4'126

Am 31. Dezember 2017 lebten 4324 Menschen in Kölliken, der Ausländeranteil betrug 19,4 %. Bei der Volkszählung im Jahr 2000 bezeichneten 91,7 % Deutsch als ihre Hauptsprache, 2,7 % Italienisch, 2,2 % Albanisch, 0,7 % Serbokroatisch, 0,6 % Französisch.[11]

Apostolische Gemeinde

59,8 % der Bevölkerung waren reformiert, 21,4 % römisch-katholisch und 2,8 % moslemisch; 1,4 % gehörten anderen Glaubensgemeinschaften an.[12] In der Schneidergasse 1 hat die zweitgrösste schweizerische Gemeinde der Vereinigung Apostolischer Christen seit 1963 ihr Kirchengebäude.

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Zofingen zuständig. Auf kommunaler Ebene gibt es einen Friedensrichter, der auch für die Gemeinden Safenwil und Uerkheim verantwortlich ist.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kölliken gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 1100 Arbeitsplätze, davon 4 % in der Landwirtschaft, 32 % in der Industrie und 64 % im Dienstleistungsbereich.[13] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den Regionen Zofingen und Aarau.

Eine Sondermülldeponie liegt am südwestlichen Dorfrand. Sie wurde im März 1978 in einer ehemaligen Tongrube eröffnet. Ungenügende Kontrollen hatten zur Folge, dass vor allem die Chemieindustrie aus Basel auch völlig ungeeignetes und gefährliches Material in der Deponie lagerte, was zu einer akuten Gefährdung des Grundwassers und starken Geruchsbelästigungen führte. Deshalb musste die Deponie bereits im April 1985 geschlossen werden; insgesamt waren 250'000 m³ Sonderabfälle deponiert worden. Zunächst war man bis 2002 damit beschäftigt, einer fortschreitenden Umweltbelastung vorzubeugen und zahlreiche Sicherungsmassnahmen durchzuführen. Anfangs 2006 begann die Sanierung mit dem Bau einer Entsorgungshalle. Der anschliessende Rückbau der Deponie mit Renaturierung wird voraussichtlich bis 2020 dauern. Die Gesamtkosten für die aufwändige Sanierung belaufen sich auf rund 770 Millionen Franken.[14]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autobahnrestaurant Migrolino in der Autobahnraststätte Kölliken Nord

Durch Kölliken verläuft die Hauptstrasse 1 (ZürichLenzburgOftringenBern), weitere Strassen führen nach Schöftland und Schönenwerd. Der Anschluss Aarau-West der Autobahn A1 befindet sich einen Kilometer östlich des Dorfes. Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr erfolgt durch die SBB-Bahnlinie Lenzburg-Zofingen (mit dem Bahnhof Kölliken und der Station Kölliken Oberdorf).

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über zwei Kindergärten und drei Schulhäuser, in denen sämtliche Stufen der obligatorischen Volksschule besucht werden können (Primarschule, Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule). Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Zofingen und Aarau.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Stettler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 21). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1948. DNB 366495623.
  • Markus Widmer-Dean: Kölliken, Geschichte eines Dorfes. Hrsg.: Gemeinde Kölliken. Verlag Zofinger Tagblatt, Zofingen 1998.
  • Dominik Sauerländer: Das «Salzmehus» in Kölliken. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 953, Serie 96). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2014, ISBN 978-3-03797-166-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2017. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2018, abgerufen am 8. März 2018 (PDF, 1,7 MB).
  2. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2017. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2018, abgerufen am 8. März 2018 (PDF, 1,7 MB).
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 234–235.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1089 und 1109, Swisstopo
  5. Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 178.
  6. Michael Stettler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen. Birkhäuser Verlag, Basel 1948, S. 278–280.
  7. Dominik Sauerländer: Das «Salzmehus» in Kölliken. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 953, Serie 95). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2014.
  8. Strohhaus Dorfmuseum
  9. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 194.
  10. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  13. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  14. Informationen zur Sondermülldeponie Kölliken