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Song Lizong

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Sòng Lǐzōng (宋理宗)
Familienname: Zhào ()
Vorname: Yún ()
Regierungszeit: 12241264
Äranamen: Bǎoqìng (寶慶) 12251227

Shàodìng (紹定) 12281233
Duānpíng (端平) 12341236
Jiāxī (嘉熙) 12371240
Chúnyòu (淳祐) 12411252
Bǎoyòu (寶祐) 12531258
Kāiqìng (開慶) 1259
Jǐngdìng (景定) 12601264

Lizong (chinesisch 理宗, Pinyin Lǐzōng; * 26. Januar 1205 in Shaoxing; † 16. November 1264 in Hangzhou) war der 14. Kaiser der Song-Dynastie und damit der 5. Kaiser der Südlichen Song-Dynastie. Er herrschte über das Kaiserreich China von 1224 bis 1264. Während seiner Regierung nahm die Bedrohung seines Reichs durch die aufstrebende Macht der Mongolen immer mehr zu.

Zur Regierungszeit Lizongs unternahmen die Mongolen trotz des Todes ihres mächtigen Herrschers Dschingis Khan (1227) weitere Eroberungszüge. Lizong schloss mit Ögedei, dem neuen Khagan der Mongolen, ein Bündnis zum Vernichtungskrieg gegen das nördlich angrenzende Jin-Reich. Er sah darin eine Chance, einige der im 12. Jahrhundert an die Jin verlorenen Gebiete wiederzuerobern. Mongolische Heere und Streitkräfte der Song griffen 1232 die Hauptstadt der Jin, Kaifeng, an. Der Jin-Kaiser Aizong flüchtete Anfang 1233 aus Kaifeng und warnte den Hof der Song durch Gesandte, dass ihre Dynastie nach dem endgültigen Fall des Jin-Reichs das nächste Opfer der Mongolen wäre. Dennoch hielt Lizong am Pakt mit Ögödei fest. In aussichtsloser Situation nahm sich Aizong das Leben, und die Herrschaft seiner Dynastie endete damit im Februar 1234.[1] Doch nun entstand zwischen den Mongolen, deren Truppen die Hauptlast des Kriegs getragen hatten, und den Song ein Streit über die Teilung des eroberten Landes. Lizong konnte aus dem Fall der Jin keinen territorialen Gewinn ziehen; stattdessen hatte er mit den Mongolen einen noch viel gefährlicheren Gegner an seiner Nordgrenze, die wie vormals zum Jin-Reich vom Strom Huai He gebildet wurde.[2]

1244 ordnete Lizong eine Militärexpedition zur See nach Shandong an, wo sich Widerstand gegen die Mongolen gebildet hatte. Der reiche arabische oder persische Kaufmann Pu Shougeng erlangte um 1245/46 den Posten eines Kommissärs für Handelsschiffe im bedeutenden südchinesischen Hafen Quanzhou.[3]

Unter Möngke Khan unternahmen die Mongolen ab 1251 neue Annexionsfeldzüge und drangen mancherorts bis zum Jangtsekiang vor. Eine in die Provinz Sichuan marschierte Song-Armee erlitt 1259 am Jangtsekiang eine Niederlage. Nach Möngkes im gleichen Jahr erfolgtem Tod begab sich dessen jüngerer Bruder Kublai Khan zurück in die Mongolei, um seine Wahl zum Khagan zu erreichen. Der Abzug der mongolischen Heere aus Sichuan bedeutete für Lizong ein vorläufiges Ende der außenpolitischen Bedrohung seines Reichs. Die praktische Staatslenkung hatte er inzwischen dem leitenden Kanzler Jia Sidao überlassen. Dieser wurde in der chinesischen Literatur und Historiographie als für den letztlichen Untergang des Song-Reichs verantwortlicher Erzbösewicht dargestellt. Die Ursache hierfür liegt wahrscheinlich in seiner Wirtschaftspolitik. Steuerflucht vieler Großgrundbesitzer und hohe Inflation des Papiergelds, dazu der Krieg gegen die Mongolen, überforderte die Staatskasse. 1263/64 schritt Jia Sidao zur teilweisen Enteignung zahlreicher Grundbesitzer. Das betraf vor allem größere Güter, von denen ein Drittel zwangsweise an den Staat verkauft werden musste. So gelangte rund ein Fünftel des Landes in Staatshand. Die Heere der Song konnten nun sicher versorgt werden, die Maßnahmen des Kanzlers machten aber die Regierung bei den Großgrundbesitzern zunehmend unbeliebt.[4]

Am 16. November 1264 starb Kaiser Lizong, der mit Xie Daoqing verheiratet gewesen war, im Alter von 59 Jahren in Hangzhou an einer Krankheit. Da er keine zu diesem Zeitpunkt noch lebenden Söhne hatte, bestieg nach seinem Tod sein Neffe Duzong den Thron. Ab 1268 nahm Kublai Khan die Kämpfe gegen das Song-Reich wieder auf und eroberte es bis 1279 vollständig, so dass er nun ganz China beherrschte.

  1. Herbert Franke: The Chin Dynasty, in: Denis C. Twitchett, John King Fairbank, Herbert Franke (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bd. 6: Alien Regimes and Border States, 907–1368. Cambridge University Press, 1994, ISBN 978-0-521-24331-5, S. 215–320, hier: S. 263 ff.
  2. Herbert Franke, Rolf Trauzettel: Das Chinesische Kaiserreich. (= Fischer Weltgeschichte, Band 19). Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1993 (Originalausgabe 1968), ISBN 3-596-60019-7, S. 224 f.
  3. Jacques Gernet: Die chinesische Welt. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988 (französische Originalausgabe Paris 1972), ISBN 3-518-38005-2, S. 612.
  4. Herbert Franke, Rolf Trauzettel: Das Chinesische Kaiserreich, 1993, S. 225 f.
VorgängerAmtNachfolger
NingzongKaiser von China
1224–1264
Duzong