Stationskirche

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Die Prozession des hl. Gregor an der Engelsburg, Giovanni di Paolo (1465–1470)

Als Stationskirchen werden Kirchen in Rom bezeichnet, an denen nach altem kirchlichen Brauch sogenannte Stationsgottesdienste gehalten werden. Bei diesen ursprünglich sämtlich vom Papst gefeierten Gottesdiensten handelt es sich solche, die der Ortsbischof in den Kirchen seiner Stadt zu festgesetzten Zeiten feiert. Sie sollen unter Bezug auf Joh 17,22 EU die Einheit der Gemeinden Roms untereinander und mit dem Papst versinnbildlichen. Vor dem Gottesdienst zieht eine Prozession, oft von einer anderen Kirche, der sogenannten Collectakirche, in der man sich zuerst zu einer Statio versammelt, unter dem Gesang der Allerheiligenlitanei zur Kirche.

Stationsgottesdienste sind schon seit dem Ende des 4. Jahrhunderts in der Ost- und der Westkirche nachweisbar. Die Praxis in der römisch-katholischen Kirche festigte sich im Laufe des 5. Jahrhunderts und erhielt unter Gregor dem Großen ihre endgültige Form, die bis zur Konstitution Sacrosanctum Concilium über die heilige Liturgie 1963 Gültigkeit hatte. Die Ankündigung eines Stationsgottesdienstes und der Kirche, in der er gefeiert werden sollte, erfolgte feierlich in der Liturgie des vorangehenden Sonntags, die Gemeinde antwortete auf die gesungene Ankündigung des Diakons mit Deo Gratias.

Von den 101 Stationsgottesdiensten in 45 Kirchen im Kirchenjahr steht der Papst nur wenigen noch selbst vor. Seit Johannes XXIII. ist es üblich, dass er nur die Stationsgottesdienste am Aschermittwoch und Gründonnerstag leitet. Alle anderen Stationsgottesdienste werden im Auftrag des Papstes von der Päpstlichen Akademie Cultorum Martyrum durchgeführt. Für die Fastenzeit und die Osteroktav ist an jedem Tag ein Stationsgottesdienst vorgesehen.

Nach dem römischen Vorbild kamen Stationsgottesdienste auch in anderen Orten auf. Das Caeremoniale Episcoporum für die Fastenzeit empfiehlt den Ortsgemeinden, wenigstens in größeren Städten, eigene Stationsgottesdienste zu feiern.[1]

Übersicht der Stationskirchen in Rom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anselm Schott OSB postulierte, die Lage der Stationskirche habe „nicht selten“ Einfluss auf die Wahl der Messtexte gehabt. So sei die Lage der Stationskirche vom Montag der ersten Fastenwoche und vom Pfingstmontag, S. Pietro in Vinculi, neben einem alten Gebäude der Stadtpräfektur sicherlich bestimmend für die Wahl des Tagesevangeliums vom Endgericht gewesen. Wegen der Lage St. Anastasias neben alten Haupthandelsplätzen und Wechselstuben Roms sei vermutlich das Evangelium von der Vertreibung der Wechsler aus dem Tempel gewählt worden. Ähnliche Zusammenhänge ließen auch die Stationskirchen St. Paul vor den Mauern (für Sexagesimae) und St. Susanna erkennen.

Die folgende Aufstellung gibt die Angaben im Missale Romanum wieder, das bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil im Gebrauch war. Beim entsprechenden Tag wird im Proprium jeweils auch seine Stationskirche genannt.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dino Satolli: Römische Fastenzeit. Betrachtungen zu den Stationsfeiern mit einer kurzen Beschreibung der Stationskirchen. Wiener Dom-Verlag, Wien 1965

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stationsliturgie – Lexikon – praxis-gottesdienst.net. Abgerufen am 11. April 2017.
  2. Das vollständige Römische Meßbuch – lateinisch und deutsch mit allgemeinen und besonderen Einführungen im Anschluß an das Meßbuch von Anselm Schott OSB, Benediktiner der Erzabtei Beuron (Hrsg.), Herder, Freiburg, 1952, S. 6ff.
  3. Stationskirchen. Abgerufen am 11. April 2017 (de-de).