SuisseID

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Logo von SuisseID

Die SuisseID – die in die heutige SwissID überging – war die erste Version des standardisierten elektronischen Identitätsnachweises der Schweiz, mit dem eine rechtsgültige elektronische Signatur möglich ist. Mit der zunächst als USB-Stick oder Chipkarte erhältlichen SuisseID konnten Geschäfte von Privatpersonen mit Firmen beziehungsweise Verwaltungen direkt über das Internet oder per E-Mail abgeschlossen werden.

SuisseID[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SuisseID wurde 2010 lanciert, vorangetrieben vom Staatssekretariat für Wirtschaft, vertrieben von vier Anbietern, darunter Swisscom und die Post. Privatpersonen oder Unternehmen konnten sich online ausweisen und elektronische Dokumente rechtsgültig signieren. Der Bund investierte über 20 Millionen CHF, doch blieb die Anzahl an Registrierungen weit hinter den Erwartungen zurück. Die Ursachen am mangelnden Erfolg waren die komplizierte technische Umsetzung, hohe Einstiegshürden, der mangelnde Bedarf und Kosten auf der Benutzerseite von rund 50 CHF pro Jahr.

Einführungsphase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der dritten Stufe konjunktureller Stabilisierungsmassnahmen hat der Bundesrat die beschleunigte Einführung der SuisseID beschlossen. Die SuisseID wurde im Mai 2010 im Schweizer Markt lanciert.

Die SuisseID war bei vier verschiedenen Anbietern erhältlich. Die QuoVadis Trustlink Schweiz AG und die Schweizerische Post/SwissSign AG belieferten sowohl Unternehmen wie Privatpersonen. Die Swisscom (Schweiz) AG belieferte ausschliesslich Unternehmen und das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) lieferte die SuisseID für Verwaltungsbedürfnisse. Die SuisseID von QuoVadis kostete mit einer Laufzeit von drei Jahren 195 CHF. Bei der Post variierten die Preise je nach Laufzeit und zusätzlichem Funktionsumfang zwischen 104 und 363 CHF. Der Bund subventionierte im Jahr 2010 für 17 Millionen CHF den Erwerb einer SuisseID mit einem Betrag von 65 Schweizer Franken. Unternehmen, die 2010 ein Pionierprojekt durchführten und die SuisseID für ihre Web-Applikation einsetzen wollten, wurden vom Bund ebenfalls finanziell unterstützt. Hierfür bewarben sich 150 Projekte.

Unter den Pionierprojekten befindet sich die Unterstützung der SuisseID durch OpenID,[1] Contrexx[2] und ABACUS Business Software.[3]

Bis zum Jahresende 2010 wurden über 271.000 SuisseIDs vergeben und 110 Anbieter unterstützt.[4]

Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das SuisseID-System enthielt zwei Elemente:

  • Elektronischer Identitätsnachweis – mit der SuisseID konnten elektronische Dienstleistungen in Anspruch genommen werden, die eine sichere Identifizierung der Nutzer beziehungsweise Kunden voraussetzen.
  • Qualifizierte elektronische Signatur – mit der SuisseID liessen sich Dokumente elektronisch unterschreiben. Die sogenannte elektronische Signatur war fälschungssicher und gesetzlich der eigenhändigen Unterschrift gleichgestellt.

Ein Elektronischer Funktionsnachweis, auch Funktionsregister oder Identity Provider (IdP) genannt, sollte als weiteres Element dazukommen.

Anwendungsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SuisseID-Zertifikate sollten für verschiedene Zwecke in der digitalen Welt eingesetzt werden. Die Hauptanwendungsbereiche waren, dass man elektronische Dokumente rechtsgültig signieren konnte, eine Authentifizierte E-Mail-Kommunikation stattfinden konnte, Dokumente (Digitale Massensignatur, Notarisation und digitaler Zeitstempel für die gesetzeskonforme Ablage und Archivierung von elektronischen Informationen und Dokumenten gemäss Geschäftsbücherverordnung, GeBüV) archiviert konnte. Weiter wurden die Funktionen E-Commerce und Rechnungsstellung und zudem ein sicherer Anmeldungsprozesse mit Authentifizierung und Autorisierung von Benutzern für den Zugriff auf Firmennetzwerke, Intranet- und Internet-Anwendungen und eine sichere Festplattenverschlüsselung angeboten.

Gesetzliche Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschäftsbücherverordnung, das Bundesgesetz über die elektronische Signatur, ZertES, die Verordnung über die elektronische Signatur, VZertES, das Mehrwertsteuergesetz, MWSTG, sowie die Mehrwertsteuerverordnung, MWSTV, waren die gesetzlichen Grundlagen.

Die elektronische Signatur ist in der Schweiz (wie auch in einigen anderen Ländern) vom Gesetzgeber der handschriftlichen Unterschrift gleichgestellt worden (Art. 14 Abs 2bis OR).

SwissID[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo von SwissID

Die SwissID wurde als Nachfolgeprodukt der SuisseID am 16. Mai 2017 lanciert.[5] Im Jahr 2017 übernahm die Post-Tochter SwissSign AG von ihrer Muttergesellschaft die Markenrechte der SuisseID. Mit weiteren staatsnahen Unternehmen – darunter SBB und Swisscom – sowie Finanzunternehmen und Versicherungen bildete sie die Trägergesellschaft SwissSign Group.

Diese hat aus den Fehlern des Bundes gelernt – die neue SwissID ist kostenlos und die Einstiegshürden sind weniger hoch. Wer die erste Identifikationsstufe nutzt, muss lediglich einen Benutzeraccount mit Passwort anlegen. Mit diesen Zugangsdaten können sich Nutzer bei sämtlichen Unternehmen der SwissSign Group und weiteren Firmen einloggen. In einem zweiten Schritt kann die SwissID mit weiteren Daten wie der Postadresse, dem Geburtstag oder den Bankangaben ergänzt werden – somit können weitere Dienstleistungen bezogen oder Produkte gekauft werden.

Zur Schaffung und Umsetzung der SwissID als einheitliche digitale Identität gründeten 17 Unternehmen aus unterschiedlichen Geschäftsbereichen am 5. März 2018 die Trägergesellschaft SwissSign Group AG. Das bisherige Gemeinschaftsunternehmen SwissSign AG der Post und SBB wird in die Gruppe integriert. Die SBB, die Post, Swisscom, Credit Suisse, Raiffeisen, die Finanzdienstleisterin SIX, UBS, Zürcher Kantonalbank, die Versicherer Axa, Baloise, Helvetia, Mobiliar, Swiss Life, Vaudoise und Zurich sowie die Krankenkassen CSS und Swica bilden die breite, staatsnahe Trägerschaft des Gemeinschaftsunternehmens.[6] Als 18. Mitglied ist Entris Banking mit an Bord.[7] Im August 2018 beteiligte sich die Genfer Kantonalbank mit 3 % am Unternehmen.[8]

Als erstes Unternehmen hat die Post die SwissID für ihre App eingeführt. Als Nächstes sollen die SBB folgen.[9] Seit März 2018 kann die Anmeldung bei PrivaSphere Secure Messaging auch mit der SwissID vorgenommen werden.[10] Die St. Galler Kantonalbank will bis im Herbst 2018 die SwissID für erste Dienstleistungen aufschalten.[11] Seit Dezember 2018 nutzt der Kanton Jura die Dienste, der Kanton Graubünden folgte im Februar 2019.[12] Beim SwissPass-Login kann man sich seit August 2019 alternativ mit der SwissID anmelden.[13]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SuisseID[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SwissID[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Artikel

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. SuisseID goes OpenID (Memento des Originals vom 21. Oktober 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.clavid.com
  2. ad-hoc-news.de: Contrexx-Software wurde als Pionierprojekt für SuisseID ausgewählt, 14. März 2011, Zugriff am 2. September 2011
  3. http://www.abacus.ch/downloads/pages/2010-02/s06-08.pdf
  4. suisseid.ch: SuisseID positive Schlussbilanz, 13. Januar 2011, Zugriff am 2. September 2011
  5. SwissID: einheitliche digitale Identität kommt auf den Markt Schweizerische Post, 16. Mai 2017.
  6. Aus SwissSign wird SwissSign Group In: swisssign.com, 5. März 2018, abgerufen am 11. März 2018.
  7. Entris Banking stösst zur SwissSign Group In: inside-channels.ch, 4. Mai 2018, abgerufen am 14. Mai 2018.
  8. Medienmitteilung: Die BCGE beteiligt sich an der SwissSign Group AG In: bcge.ch, 16. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  9. Neues Log-in bei der Post sorgt für Ärger In: derbund.ch, 26. Februar 2018, abgerufen am 26. Februar 2018.
  10. Mail-Anbieter PrivaSphere integriert SwissID In: inside-channels.ch, 22. März 2018, abgerufen am 11. April 2018.
  11. Olivia Tjon-A-Meeuw: Digitalisierung: St. Galler Kantonalbank führt Swiss ID ein In: zsz.ch, 14. Mai 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  12. Kanton Graubünden setzt auf SwissID. In: itmagazine.ch. 28. Februar 2019, abgerufen am 15. April 2019.
  13. Fiona Tondi: Führt der SwissPass bald eine SwissID-Pflicht ein? In: nau.ch. 28. August 2019, abgerufen am 28. August 2019.
  14. Sollen Private die E-ID herausgeben? Sieben Antworten zur elektronischen Identität – Das Gesetz über die elektronische Identifizierung (E-ID) ist heftig umstritten. Die Gegner wollen verhindern, dass private Firmen den «digitalen Ausweis» herausgeben, Erich Aschwanden, NZZ, 22. Januar 2020
  15. E-ID: «Der Staat muss unsere sichere Identifikation garantieren» – Die Vermischung staatlicher und privater Interessen bei der elektronischen Identität sei heikel, sagt die politische Philosophin Katja Gentinetta. Der Bund müsse hier dringend Klarheit schaffen, Tina Berg, Beobachter, 18. April 2019
  16. SwissID und E-ID: Dazu braucht es eine digitale Identität – Ein Login für alle Schweizer Online-Dienste, davon träumen Bund und Wirtschaft schon lange. Der Bund hat eine rechtliche Grundlage für die E-ID geschaffen. Diese erntet aber viel Kritik, Jasmine Helbling, Beobachter, 18. April 2019 / 19. Oktober 2019