SwissID

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Als digitale/elektronische Identität (E-ID, auch e-ID, eID) wird in der Schweiz ein digitaler/elektronischer Identitätsnachweis bezeichnet (→ Elektronische Identität (Schweiz)). Eine rechtsgültige, standardisierte digitale/elektronische Identifizierung, einschliesslich einer rechtsgültigen digitaler/elektronischer Signatur, bietet seit 2017 die SwissID (2010–17 SuisseID). Die SwissSign Group entwickelt die SwissID weiter, damit sie in Zukunft auch als E-ID genutzt werden kann.[1][2] Weitere Anbieter, wie Elca Informatik mit ihrer trustID, bieten ähnliche Lösungen an.

SwissID[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo von SwissID

Die SwissID wurde als Nachfolgeprodukt der SuisseID am 16. Mai 2017 lanciert.[3] Im Jahr 2017 übernahm die Post-Tochter SwissSign AG von ihrer Muttergesellschaft die Markenrechte der SuisseID. Mit weiteren staatsnahen Unternehmen – darunter SBB und Swisscom – sowie Finanzunternehmen und Versicherungen bildete sie die Trägergesellschaft SwissSign Group.

Diese hat aus den Fehlern des Bundes bei SuisseID gelernt – die neue SwissID ist kostenlos und die Einstiegshürden sind weniger hoch. Wer die erste Identifikationsstufe nutzt, muss lediglich einen Benutzeraccount mit Passwort anlegen. Mit diesen Zugangsdaten können sich Nutzer bei sämtlichen Unternehmen der SwissSign Group und weiteren Firmen einloggen. In einem zweiten Schritt kann die SwissID mit weiteren Daten wie der Postadresse, dem Geburtstag oder den Bankangaben ergänzt werden – somit können weitere Dienstleistungen bezogen oder Produkte gekauft werden.

Zur Schaffung und Umsetzung der SwissID als einheitliche digitale Identität gründeten 17 Unternehmen aus unterschiedlichen Geschäftsbereichen am 5. März 2018 die Trägergesellschaft SwissSign Group AG. Das bisherige Gemeinschaftsunternehmen SwissSign AG der Post und SBB wurde in die Gruppe integriert. Die SBB, die Post, Swisscom, Credit Suisse, Raiffeisen, die Finanzdienstleisterin SIX, UBS, Zürcher Kantonalbank, die Versicherer Axa, Baloise, Helvetia, Mobiliar, Swiss Life, Vaudoise und Zurich sowie die Krankenkassen CSS und Swica bildeten die breite, staatsnahe Trägerschaft des Gemeinschaftsunternehmens.[4] Als 18. Mitglied war Entris Banking mit an Bord.[5] Im August 2018 beteiligte sich die Genfer Kantonalbank mit 3 % am Unternehmen.[6] Seit Herbst 2021 gehört die Swisssign Group ausschliesslich der Post.[7]

Als erstes Unternehmen hat die Post die SwissID für ihre App eingeführt. Seit März 2018 kann die Anmeldung bei PrivaSphere Secure Messaging auch mit der SwissID vorgenommen werden.[8] Seit Dezember 2018 nutzt der Kanton Jura die Dienste, der Kanton Graubünden folgte im Februar 2019.[9] Beim SwissPass-Login konnte man sich von August 2019 bis März 2022 alternativ mit der SwissID anmelden.[10] Ende Januar 2022 teilten die SBB jedoch mit, dass das SwissID-Login auf swisspass.ch per Ende März 2022 aufgrund mangelndem Nutzerinteresse und hohen Kosten wieder beendet wird.[7] Im April 2022 begann die Post mit der kompletten Umstellung auf SwissID.[11]

Sicherheitsniveaus (Stand 2020):

  • Level 0, ein einfaches Login
  • Level 1, Hinterlegung des Ausweises via App
  • Level 2, der Nutzer muss sich bei der Post oder der Gemeinde persönlich mit einem amtlichen Ausweises identifizieren[12]

Die SwissSign Group hat mit ihrer SwissID heute (2020) 1,75 Millionen Nutzer (d. h. bei SwissID registriere Personen, rund 20 % der Einwohner) und neun Kantone als Kunden und damit eine monopolartige Stellung[13] Sie entwickelt die SwissID weiter, damit sie in Zukunft auch als E-ID genutzt werden kann.[1][2]

SuisseID (2010–17)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo von SuisseID

SuisseID wurde 2010 lanciert, vorangetrieben vom Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, vertrieben von vier Anbietern, darunter Swisscom und die Post. Privatpersonen oder Unternehmen konnten sich online ausweisen und elektronische Dokumente rechtsgültig signieren. Der Bund investierte über 20 Millionen CHF, doch blieb die Anzahl an Registrierungen weit hinter den Erwartungen zurück. Die Ursachen am mangelnden Erfolg waren die komplizierte technische Umsetzung, hohe Einstiegshürden, der mangelnde Bedarf und Kosten auf der Benutzerseite von rund 50 CHF pro Jahr.

Die Betreiberin SwissSign (Teil von SwissSign Group) hat den Verkauf der SuisseID per 31. Dezember 2019 eingestellt. Die älteren SuisseID-Karten (4.3b) waren bis 22. Juni 2020 gültig, die neueren (4.4) bis 15. Dezember 2021.[14]

Übergang zu SwissID[14]

SuisseID bis 2020/21

  • Qualifizierte elektronische Signatur
  • Qualifizierte elektronische Signatur mit Organisationseintrag
  • Login bei einem Online-Dienst

Übergang zu SwissID ab 2021

  • Online-Signaturlösung* von SwissSign (ohne Hardware)
  • Online-Signaturlösung* von SwissSign (ohne Hardware, ohne Organisationseintrag)
  • Login mit SwissID (sofern von jeweiligen Online-Dienst unterstützt)

*Die Online-Signaturlösung (fortgeschrittene / qualifizierte elektronische Signatur) soll bis Q2/2021 zertifiziert und lanciert werden.

Einführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der dritten Stufe konjunktureller Stabilisierungsmassnahmen hat der Bundesrat die beschleunigte Einführung der SuisseID beschlossen. Die SuisseID wurde im Mai 2010 im Schweizer Markt lanciert.

Die SuisseID war bei vier verschiedenen Anbietern erhältlich. Die QuoVadis Trustlink Schweiz AG und die Schweizerische Post/SwissSign AG belieferten sowohl Unternehmen wie Privatpersonen. Die Swisscom (Schweiz) AG belieferte ausschliesslich Unternehmen und das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) lieferte die SuisseID für Verwaltungsbedürfnisse. Die SuisseID von QuoVadis kostete mit einer Laufzeit von drei Jahren 195 CHF. Bei der Post variierten die Preise je nach Laufzeit und zusätzlichem Funktionsumfang zwischen 104 und 363 CHF. Der Bund subventionierte im Jahr 2010 für 17 Millionen CHF den Erwerb einer SuisseID mit einem Betrag von 65 Schweizer Franken. Unternehmen, die 2010 ein Pionierprojekt durchführten und die SuisseID für ihre Web-Applikation einsetzen wollten, wurden vom Bund ebenfalls finanziell unterstützt. Hierfür bewarben sich 150 Projekte.

Unter den Pionierprojekten befand sich die Unterstützung der SuisseID durch OpenID,[15] Contrexx[16] und ABACUS Business Software.[17]

Bis zum Jahresende 2010 wurden über 271.000 SuisseIDs vergeben und 110 Anbieter unterstützt.[18]

Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das SuisseID-System enthielt zwei Elemente:

  • Elektronischer Identitätsnachweis – mit der SuisseID konnten elektronische Dienstleistungen in Anspruch genommen werden, die eine sichere Identifizierung der Nutzer beziehungsweise Kunden voraussetzen.
  • Qualifizierte elektronische Signatur – mit der SuisseID liessen sich Dokumente elektronisch unterschreiben. Die sogenannte elektronische Signatur war fälschungssicher und gesetzlich der eigenhändigen Unterschrift gleichgestellt.

Ein Elektronischer Funktionsnachweis, auch Funktionsregister oder Identity Provider (IdP) genannt, sollte als weiteres Element dazukommen.

Anwendungsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SuisseID-Zertifikate sollten für verschiedene Zwecke in der digitalen Welt eingesetzt werden. Die Hauptanwendungsbereiche waren, dass man elektronische Dokumente rechtsgültig signieren konnte, eine authentifizierte E-Mail-Kommunikation stattfinden und Dokumente (Digitale Massensignatur, Notarisation und digitaler Zeitstempel für die gesetzeskonforme Ablage und Archivierung von elektronischen Informationen und Dokumenten gemäss Geschäftsbücherverordnung, GeBüV) archiviert werden konnten. Weiter wurden die Funktionen E-Commerce und Rechnungsstellung und zudem ein sicherer Anmeldungsprozesse mit Authentifizierung und Autorisierung von Benutzern für den Zugriff auf Firmennetzwerke, Intranet- und Internet-Anwendungen und eine sichere Festplattenverschlüsselung angeboten.

Gesetzliche Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die elektronische Signatur ist in der Schweiz (wie auch in einigen anderen Ländern) vom Gesetzgeber der handschriftlichen Unterschrift gleichgestellt worden (Art. 14 Abs. 2 bis OR).

Die Geschäftsbücherverordnung, das Bundesgesetz über die elektronische Signatur, ZertES, die Verordnung über die elektronische Signatur, VZertES, das Mehrwertsteuergesetz, MWSTG, sowie die Mehrwertsteuerverordnung, MWSTV, waren die gesetzlichen Grundlagen.

E-ID-Gesetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegen das im September 2019 verabschiedete Bundesgesetz (E-ID-Gesetz), welches auf einem Konzept der Fedpol (Bundesamt für Polizei) basiert, wurde ein fakultatives Referendum ergriffen.[19] Die Vorlage wurde am 7. März 2021 mit einem Nein-Anteil von 64,36 % bei einer Stimmbeteiligung von 51,27 % verworfen.[20]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SwissID[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SuisseID[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Artikel

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b SwissID: Meine digitale Identität, SwissID-Booklet (Infobroschüre), PDF auf issuu.com
  2. a b Philip Meyer, SwissSignGroup wünscht Lizenz: Privatfirma will Verwalterin der elektronischen ID sein – Die Schweizer Politik strebt in Sachen E-ID ein «Public Private Partnership» an – mit der SwissSignGroup. Ein Einblick. SRF, Echo der Zeit, 3. Februar 2020
  3. SwissID: einheitliche digitale Identität kommt auf den Markt Schweizerische Post, 16. Mai 2017.
  4. Aus SwissSign wird SwissSign Group In: swisssign.com, 5. März 2018, abgerufen am 11. März 2018.
  5. Entris Banking stösst zur SwissSign Group In: inside-channels.ch, 4. Mai 2018, abgerufen am 14. Mai 2018.
  6. Medienmitteilung: Die BCGE beteiligt sich an der SwissSign Group AG In: bcge.ch, 16. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  7. a b Stefan Wüthrich: Digitale Identität — SBB-Mitteilung zur SwissID verunsichert Swisspass-Kunden. In: srf.ch. 1. Februar 2022, abgerufen am 1. Februar 2022.
  8. Mail-Anbieter PrivaSphere integriert SwissID In: inside-channels.ch, 22. März 2018, abgerufen am 11. April 2018.
  9. Kanton Graubünden setzt auf SwissID. In: itmagazine.ch. 28. Februar 2019, abgerufen am 15. April 2019.
  10. Fiona Tondi: Führt der SwissPass bald eine SwissID-Pflicht ein? In: nau.ch. 28. August 2019, abgerufen am 28. August 2019.
  11. Die Post: Die Post setzt auf die Login-Lösung SwissID. 11. April 2022, abgerufen am 5. Mai 2022.
  12. Holger Alich, Christoph Lenz: Elektronische Identitäten: So funktioniert das Geschäft mit der E-ID heute schon – Sollen private Unternehmen für den Staat die E-ID herausgeben? Diese Frage entzweit die Schweiz. Doch verschiedene Firmen sind im Markt längst aktiv, auch ohne Gesetz. Sogar Kantone mischen mit. derbund.ch, 2. Februar 2021
  13. Othmar von Matt: Abstimmung: Der Streit um die Rolle des Staates: Neun Fragen und Antworten zur elektronischen Identität (E-ID) – Am 7. März kommt das Gesetz über elektronische Identifizierungsdienste an die Urne. Im Zentrum steht die Frage, ob die E-ID eine hoheitliche Frage des Staates ist oder nicht. Doch es geht um mehr. Ein Überblick. Luzerner Zeitung, 10. Februar 2021
  14. a b Wichtige Informationen zur Verfügbarkeit und Nutzung der SuisseID, auf Web der SwissSign swisssign.com
  15. SuisseID goes OpenID (Memento vom 21. Oktober 2010 im Internet Archive)
  16. ad-hoc-news.de: Contrexx-Software wurde als Pionierprojekt für SuisseID ausgewählt, 14. März 2011, Zugriff am 2. September 2011
  17. http://www.abacus.ch/downloads/pages/2010-02/s06-08.pdf
  18. suisseid.ch: SuisseID positive Schlussbilanz, 13. Januar 2011, Zugriff am 2. September 2011
  19. Bundesgesetz über elektronische Identifizierungsdienste (E-ID-Gesetz) – Am 7. März 2021 werden die Schweizer Stimmberechtigten über das Bundesgesetz über elektronische Identifizierungsdienste (E-ID-Gesetz) abstimmen. Bundesrat, Portal der Schweizer Regierung admin.ch (de, fr, it, rm, en)
  20. Eidgenössisches Justiz-und Polizeidepartement: Elektronische Identität: das E-ID-Gesetz. Abgerufen am 28. April 2021.