Superspreading

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Superspreader oder Superverbreiter sind im Kontext der Epidemiologie Infizierte, die eine ungewöhnlich hohe Zahl anderer Menschen (bzw. Organismen) infizieren, bei denen also die Zahl der direkt Infizierten sehr deutlich über der Basisreproduktionszahl R0 liegt, der Zahl der im Mittel von einem Infizierten angesteckten Personen. Es ist allerdings zu betonen, dass es sich in der Regel nicht um eine Eigenschaft der betreffenden Person handelt, sondern zum Beispiel ebenso gut Umstände und Kontext einer Infektion maßgeblich für eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Infektionen sein kann. In der Fachliteratur wird daher meist neutral von Superspreading bzw. Superspreading Events (deutsch ‚Superverbreitung‘ bzw. ‚Superverbreitungsereignis‘) gesprochen. Sie tragen somit besonders stark zur Ausbreitung von Infektionskrankheiten wie zum Beispiel SARS oder AIDS bei.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der SARS-Epidemie 2003 kam es in einem Hotel in Hongkong zu einer Superverbreitung.

Beispiele für ein Superspreading Event sind z. B. Beschäftigte im Gesundheitsbereich, die mit einer Infektionskrankheit in Kontakt kommen und sie ungewollt an andere Patienten weitergeben, oder auch Flugbegleiter, die mit einem Infizierten und vielen weiteren Fluggästen zu tun haben. Manche Forscher glauben, dass das Verständnis von Superspreading der Schlüssel zur Verhinderung von Epidemien sein kann. Denn je höher die Infektionsrate zu Beginn einer Epidemie ist, umso besser kann sich die Krankheit ausbreiten. Wird aber schon am Anfang einer Seuche darauf geachtet, dass es zu keinen Superspreading Events kommen kann, ist die Wahrscheinlichkeit für einen unkontrollierten Ausbruch der Epidemie geringer.

„Typhoid Mary“ in einer Zeitungsillustration von 1909

Ein bekanntes historisches Beispiel für eine Superverbreiterin war Mary Mallon, besser bekannt als „Typhoid Mary“, die Anfang des 20. Jahrhunderts in New York City als Köchin arbeitete und unbewusst zahlreiche Personen mit Typhus infizierte.

Netzwerke und Werbung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Sozialen Netzwerkanalyse und der Werbung, insbesondere in Zusammenhang mit dem Konzept des viralen Marketings, sind Superspreader Personen, die über besonders viele Kontakte, also soziales Kapital verfügen und beispielsweise in sozialen Medien somit einen besonders hohen Einfluss ausüben können. Hierfür sind allerdings die Begriffe Influencer bzw. Multiplikatoren gebräuchlicher.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]