Sydney-Trichternetzspinne

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Sydney-Trichternetzspinne
Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus), Weibchen, Museumsexemplar im Australian Museum

Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus), Weibchen, Museumsexemplar im Australian Museum

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Atracidae
Gattung: Atrax
Art: Sydney-Trichternetzspinne
Wissenschaftlicher Name
Atrax robustus
O. P.-Cambridge, 1877

Die Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus) ist eine Webspinne der Gattung Atrax und gehört zur Familie Atracidae.[1] Sie ist eine von drei Arten der Gattung und kommt sowohl im Stadtgebiet als auch in der Umgebung von Sydney vor. Ihr Biss kann für Menschen eine erhebliche Gefahr darstellen. So war sie vor der Entwicklung eines Gegengifts im Jahr 1981 die tödlichste Spinne Australiens. Seitdem sind keine durch Sydney-Trichternetzspinnenbisse verursachten Todesfälle bekannt.[2]

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Männchen

Die Sydney-Trichternetzspinne erreicht eine Körperlänge von 25 bis 30 Millimeter als Männchen und eine von 35 bis 40 als Weibchen.[3] Die Grundfärbung der Spinne ist dunkelbraun bis schwarz, Musterungen sind nicht vorhanden. Der grundsätzliche Körperbau der Spinne entspricht dem anderer der Gattung Atrax und teilt somit auch viele Gemeinsamkeiten mit anderen Vertreter der Familie der Atracidae.

Der Carapax (Rückenschild des Prosomas, bzw. Vorderkörpers), der wie bei der Gattung üblich länger als breit ist, weist wenig Erhebungen und chitinisierte Setae (Haare), wodurch er glänzend und glatt erscheint. Die Augen sind gering auseinander positioniert. Die Fovea (Apodem) ist konkav nach vorne verlaufend.[4] Die Fangrillen der Cheliceren (Kieferklauen) besitzen marginal (am Rand) je eine Reihe kräftiger Zähne und eine weitere variabel ausfallende Ansammlung kleinerer Zähne in der Rille selber.[4] Die Länge des zweiten Segments, der Fangfurchen, beträgt etwa fünf Millimeter,[3] kann beim Weibchen aber auch an gut sechs Millimeter heranreichen.[5] Das Labium (Lippe) weist viele zapfenartige Stacheln auf.[4]

Die Tarsen (Fußglieder) der Beine sind ebenfalls bestachelt. Sie verfügen über eine sehr gering ausgeprägte bis gar keine Skopulae (Hafthaare) oder Haarbüschel an den Tarsen, während diese bei vielen anderen Vogelspinnenartigen stärker ausgeprägt sind.[4]

Das Opisthosoma (Hinterleib) erscheint zumeist dunkel pflaumenfarben.[4] Ventral (unterseits) ist es mit einer roten Warnfärbung versehen.[3] Die auffälligen Spinnwarzen erscheinen fingerförmig.[6] Es sind derer insgesamt vier, von denen die hinteren seitlichen und größeren über längere und zylindrisch geformte sowie apikale (an der Spitze gelegene) Segmente verfügen, die länger als breit sind.[4]

Sexualdimorphismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Männchen (oben) und Weibchen dorsal im Vergleich

Die Sydney-Trichternetzspinne weist wie viele Spinnen einen stark ausgeprägten Sexualdimorphismus (Unterschied der Geschlechter) auf, der sich vor allem in der Größe und der Gestalt des jeweiligen Geschlechts bemerkbar macht. Dieses Phänomen wurde anhand einer 2008 von Michael Roland Gray durchgeführten Revision der Familie der Atracidae untersucht. Dafür analysierte er je den männchlichen Holotyp (für die Erstbeschreibung verwendetes Exemplar) und einen weiblichen Paratyp (zusätzlich zum Holotypen herangezogenes Exemplar) der Art, die beide in Gordon, einem Vorort von Sydney gefunden wurden.[7][8]

Wesentliche Unterschiede beider Geschlechter sind, abgesehen von den genitalmorphologischen Merkmalen die Tibiaapophysen (chitinisierte Fortsätze) am zweiten Beinpaar des Männchens sowie dessen allgemein kleinere Größe verglichen mit dem weiblichen Gegenstück. Außerdem sind die Beine des Männchens proportional zum Körper länger.[3]

Männlicher Holotyp[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dem untersuchten männchlichen Holotypen weist der Carapax eine Länge von 10,2 und eine Breite von 8,7 (frontal 5,14) sowie eine Höhe von 2,86 Millimetern auf. Er ist also mäßig länger als breit. Die Fovea (Apodem) ist prokurv geformt. Auf der anterioren (vorhergehenden) Rille des Carapax befinden sich zahlreiche Setae (chitinisierte Haare), während die anteriorlaterale (vorhergehend seitliche) Ecke über kleine, schwache Borsten verfügt. Das Zentrum des Augenbereichs ist schwach erhöht. Due Augen sind wie bei Vogelspinnenartigen üblich in zwei übereinander befindliche Gruppen mit je vier Augen aufgeteilt, von denen eine Gruppe bei dem Holotyp je eine Breite von 1,85 Millimetern besitzt. Das zwischen den vier Mittelaugen befindliche Augenvierecks weist hier eine Länge von 0,70, eine untere Breite von 0,76 und eine obere Breite von 1,13 Millimetern auf. Die Durchmesser der einzelnen Augen belaufen sich bei den unteren Mittelaugen auf 0,28 und bei den unteren Seitenaugen auf 0,58 sowie bei den oberen Seitenaugen auf 0,38 und bei den unteren Seitenaugen besagten Exemplars auf 0,26 Millimeter. Die Cheliceren haben eine schmale Rille, die schwach divergent (abweichend) verläuft. Die Chelicerenrille des Holotyps hat eine Länge von 2,92 und eine mittlere Breite von 0,41 Millimetern. Bei selbigem Individuum wurden außerdem 18 zentral angelegte Zähne gezählt, die die proximale (zur Mitte gelegene) Hälfte der Rille einnehmen. Neben diesen konnte man bei dem Tier 12 prolaterale (seitlich vorgelegte) und 13 retrolaterale (seitlich rückliegende) Zähne auf der Chelicerenrille nachweisen. Das Labium (sklerotisierte, bzw. gehärtete Platte zwischen den Maxillen an der Vorderseite des Sternums) ist viel breiter als lang und außerdem apikal (zur Spitze gerichtet) eingerückt. Seine Maße betragen bei dem Holotyp 1,08 Millimeter Länge und 1,68 Millimeter Breite. Die labiosternalen (zwischen dem Labium und dem Sternum befindlichen) Sigilla (kreisförmige Vertiefungen bei internen Muskeln) sind breit gebaut und bedecken diesen Zwischenraum ganz. Auf dem Labium sind etwa 300 Höcker, die in einem halbmondförmigen Querband verlaufen. Das Sternum (Brustschild des Prosomas) ist von ovaler Form und länglich. Seine Länge beträgt bei dem Holotyp 5,45 und seine Breite 3,88 Millimeter. Die hinteren Sigilla des Sternums sind eher eiförmig und breit. außerdem besitzt das Sternum starke Borsten am hinteren Rand.[7]

Die Längenformel der Beinpaare lautet von groß nach klein 4-1-2-3, wie sie bei vielen Spinnen üblich ist.[7]

Längen der Extremitäten des männlichen Holotyps in Millimetern[7]
Extremitäten  Femur (Schenkel) Patella (Glied zwischen Femur und Tibia) Tibia (Schiene) Metatarsus (Fersenglied) Tarsus (Fußglied) Gesamtlänge
Pedipalpen (umgewandelte Extremitäten im Kopfbereich) 4,35 1,96 4,71 - - 15,64 (mit Bulbi)
Erstes Beinpaar 8,43 4,21 6,63 6,69 3,87 29,56
Zweites Beinpaar 7,75 3,86 6,36 6,28 3,89 28,14
Drittes Beinpaar 7,14 3,18 5,15 6,03 3,94 25,44
Viertes Beinpaar 8,32 3,81 6,8 7.41 4,4 30,74

Die Tibien der Pedilalpen des Holotyps sind hier 1,8 Millimeter breit, während die des ersten Beinpaares eine Breite von 1,50 Millimetern aufweisen. Die Femora des ersten und zweiten Beinpaares tragen jeweils dorsale (oben angelegte) Stacheln. Die Tibien des zweiten Beinpaares haben jeweils eine große konische (kegelförmige) Apophyse (chitinisierter Fortsatz), die sich unmittelbar in der Nähe des Zentrums befindet. Das erste Beinpaar verfügt ferner über zahlreiche Stacheln auf den Tibien sowie den Metatarsen (Fersenglieder der Tarsen). Einige der ventralen Stacheln dieser Tibien sind proximal platziert und fehlen abgesehen von der apikalventralen Stacheln in der distalen (vom Zentrum entfernt liegenden) Hälfte. Die Distalseite der Tibien des zweiten Beinpaars erscheint ventral konkav (nach innen gewölbt). Die Metatarsen des zweiten Beinpaars sind gewunden und auf proximaler Ebene gekrümmt. Sie tragen außerdem je eine kleine subzentrale Apophyse, die distal und direkt auf dieser mehrere Ventralstacheln trägt. Die Anteriorseite der Coxae (Hüftglieder) weist mehrere Setae auf. Die Skopulae des Holotyp an allen vier Beinpaaren waren im Bereich der Tarsen, schwach und auf der distalfläche der Tarsen schwach bis gar nicht ausgeprägt. Die Tarsen der ersten Beinpaare verfügten an deren Klauen bei dem analysierten Exemplar über mehrere Zähne. Davon waren jeweils beim ersten Beinpaar 13 und beim zweiten 11 größere und bei beiden jeweils zwei kleinere. An den beiden vorderen Beinpaaren befanden sich bei dem Holotyp außerdem mehrere Trichobothria (Tasthaare), davon je 20 an den Tarsen des ersten und 19 an denen des zweiten Beinpaares. Weitere Trichobothria befanden sich an den Metatarsen dieser beiden Beinpaare. Hier waren es bei den Metatarsen des ersten Beinpaares jeweils 15 und bei denen des zweiten 12. Die Beine der Sydney-Trichternetzspinne sind wie die vieler Spinnenarten mit Stacheln, deren Anzahl und Anordnung sich formelweise wiedergeben lässt. Dabei bilden ventrale (unterhalb befindliche) Stacheln zumeist die Mehrheit und werden deshalb nicht gesondert gezählt. Sollte ein Beinsegment zusätzlich dorsale, prolaterale und retrolaterale Stacheln aufweisen, werden diese in Klammern aufgelistet.[7]

Bestachelung der Extremitäten des männlichen Holotyps[7]
Beinpaar  Femur Patella Tibia Metatarsus Tarsus
Pedipalpen 7 5 10 (d schwach vorhanden) - -
Erstes Beinpaar 9 (d6, p3) 13 (p2) 51 (p8) 29 20
Zweites Beinpaar 12 (d6, p6) 6 (p2–3) 18 (p4) 22 (p1) 23
Drittes Beinpaar 7 (plus starke Borsten) 5 (p3, r2) (p2, r3) 25 25
Viertes Beinpaar 0 (stattdessen lange Borsten) r1 18 (p1, r4) 20 21

Legende:

  • d = dorsal
  • p = prolateral
  • r = retrolateral

Das Opisthosoma des Holotyps besitzt eine Länge von 9,25 und eine Breite von 7,38 Millimetern. Die posteriorlateralen (hinten seitlichen) Spinnwarzen des Exemplars sind insgesamt je 4,68 Millimeter lang. Davon entfallen 1,52 Millimeter auf das basale, 1,08 auf das mediane und 1,08 Millimeter auf das apikale Segment. Letzteres besitzt eine Breite von 0,6 Millimetern.[7]

Weiblicher Paratyp[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der weibliche Paratyp unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von dem männlichen Holotyp und alle Unterschiede sind hier aufgelistet. Anderweitig gleichen beide Exemplare diesbezüglich einander. Bei dem weiblichen Paratyp weist der Carapax eine Länge von 12,63 und eine Breite von 10,41 Millimetern auf und ist somit im Verhältnis deutlich länger, als es bei dem männlichen Typusexemplar der Fall ist. Außerdem beträgtg hier die Höhe des Carapax 2,72 und die Frontalbreite 8,28 Millimeter. Der cephalische Bereich des Paratyps ist 8,5 Millimeter lang und seine Fovea von schmaler und gebogener Form und vorderem Rand leicht eingedrückt. Die mitteldorsale Fläche des cephaliscchen Bereichs ist mit vielen Setae bedeckt, die bis zur Fovea ausgeprägt sind. Wie der männliche Holotyp besitzt auch der weibliche Paratyp viele anteriore Rillensetae. Der anterolaterale Winkel des Carapax verfügt über mehrere kurze und schwache Borsten. Der Augenhügel des Paratyps ist ähnlich wie der des Holotyps leicht erhöht. Die Breite der Augengruppe beträgt 2,6 Millimeter. Der Durchmesser der unteren Mittelaugen beläuft sich auf 0,26 und der der unteren Seitenaugen auf 0,6 Millimeter, während der der oberen Seitenaugen eine Maße von 0,44 und der der oberen Mittelaugen eine von 0,36 aufweist. Der Abstand der beiden unteren Mittelaugen zueinander beträgt bei dem Paratyp 0,39 Millimeter, während die unteren Mittel- und Seitenaugen je zu 0,27 Millimeter beabstandet sind. Der Abstand zwischen oberen und unteren Seitenaugen beträgt hier 0,27 und der zwischen den unteren Seitenaugen und den oberen Mittelaugen 0,14. Zwischen den beiden oberen Mittelaugen befindet sich ein Abstandsraum von 1,05 Millimetern. Beim Paratyp ist das mediane Augenviereck 0,90 Millimeter lang, anterior 0,94 Millimeter und posterior 1,73 Millimeter breit. Die Cheliceren dieses Typusexemplars haben schmale Rillen, dessen Ränder distal divergent verlaufen. Die Rillen sind hier jeweils 3,70 Millimeter lang und im Zentrum 0,59 Millimeter breit. Die Zähung einer einzelnen Chelicere des Paratyps beläuft sich folgendermaßen: 29 Zähne sind zentral angeordnet und nehmen die basale Hälfte der Rille ein. 15 Weitere Zähne befinden sich prolateral sowie 14 weitere retrolateral auf den Cheliceren. Das Labium des Paratyp weist folgende Maße auf: 2,18 Millimeter Länge und 2,64 Millimeter Breite, womit es hier länger als breit ist. Außerdem ist das Labium des Paratyps am vorderen Rand schwach eingerückt. Zwei Drittel des Zentrums vom Labium werden von Höckern besetzt. Der Raum zwischen Labium und Sternum wird beim Paratyp gänzlich von Sigillen bedeckt. Das Sternum des Paratyps ist von eiförmiger Gestalt und besitzt eine Länge 6,89 sowie eine Breite von 5,17 Millimetern. Seine hinteren Sigillen sind eiförmig. Ihre Länge beträgt 1,1 und ihre Breite 0,6 Millimeter.[8]

Die Beinformel des weiblichen Paratyps ist mit der des männlichen Holotyps identisch, wobei das erste und das vierte Beinpaar im Verhältnis hier deutlich ungleicher sind.[8]

Längen der Extremitäten des weiblichen Paratyps in Millimetern[8]
Beinpaar  Femur Patella Tibia Metatarsus Tarsus Gesamtlänge
Erstes Beinpaar 9,5 5,32 7,32 6,4 3,44 31,98
Zweites Beinpaar 8,45 4,88 6,15 5,79 3,28 28,55
Drittes Beinpaar 7,46 3,94 4,8 5,66 3,69 25,55
Viertes Beinpaar 9 4,88 6,71 7,18 4,22 31,99

Die Länge der Pedipalpen des weiblichen Paratyps ist mit denen des männlichen Holotyps identisch. Lediglich sind hier die Tarsen nicht als Bulbi ausgebildet. Die Pedipalpen des Paratyps verfügen außerdem über einige Trichobothria. Bei den Tibien sind es je 11 pro- sowie 10 retrolaterale und an den Tarsen 22. Die Tibien des ersten Beinpaares sind hier 2,3 und die Metatarsen proximal (zum Zentrum gelegen) 1,44 Millimeter breit. Die Coxen der beiden vorderen Beinpaare haben kurze, anteromediale (weiter vorne zum Zentrum hin) und borstenartige Setae. Die Tarsalklauen aller vier Beinpaare tragen auch bei dem Paratyp Zähne, deren Anzahl jeweils 11 beträgt. Bei den ersten beiden Beinpaaren sind diese jeweils stärker als bei den beiden hinteren ausgebildet. Zusätzlich verfügen die beiden vorderen Beinpaare des Paratyps über Trichobothria. An den Tarsen sind es jeweils und an den Metatarsen des ersten Beinpaars 21 und beim zweiten 19. Weitere Trichobothria befinden sich an den Tibien. Deren Anzahl beträgt bei denen des ersten Beinpaares 10 auf pro- und neun auf retrolateraler sowie bei den Tibien des zweien Beinpaares umgekehrt neun auf pro- und 10 auf retrolateraler Seite.[8]

Bestachelung der Extremitäten des weiblichen Paratyps[8]
Beinpaar  Femur Patella Tibia Metatarsus Tarsus
Pedipalpen - p1 (borstenartig) 5 - 12
Erstes Beinpaar p1 p1 3 (p2) 11 15
Zweites Beinpaar p2 p2 5 (p2) 14 14
Drittes Beinpaar - 3 (p2, r1) tibia 8 (p2, r2) 23 (p9, r2) 17
Viertes Beinpaar - r1 6 (p1, r2) 22 (p6, r2) 25

Das Opisthosoma des Paratyps ist 14,82 Millimeter lang und 12,07 Millimeter breit. Hier sind die posterolateralen insgesamt 6,2 Millimeter lang. In diesem Falle werden davon 2,4 Millimeter von dem Basalsegment eingenommen, während das mediane 1,32 und das apikale 2,48 Millimeter lang sind. Letzteres Segment weist eine Breite von 0,77 Millimetern auf.[8]

Genitalmorphologische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bulbi (männliche Geschlechtsorgane) der Sydney-Trichternetzspinne wurden ebenfalls anhand des Holotyps untersucht. Diese sind dort mit einer Länge von 4,26 Millimetern etwa gleich lang wie beide Tibien der Pedipalpen. Der teguläre (rückseitige) Bereich eines einzelnen Bulbus ist eher klein und vom Aufbau her etwas breiter als lang. Die Basis des Embolus (letztes Sklerit, bzw. Hartteil des Bulbus) ist schwach vom Tegulum (mittleres Sklerit des Bulbus) versetzt. Der Schaft des Embolus hat einen langen Verlauf, ist leicht gebogen und sehr verjüngt. Der distale Bereich des Embolus ist schwach verdreht und die Austrittsstelle für das Sperma ist breit gebaut. Die Länge des Embolus beträgt bei dem Holotypen 3,60 und dessen mediane Breite 0,25 Millimeter.[7]

Die eher länglichen und schmalen Spermatheken (Samentaschen) des weiblichen Paratyps sind 1,5 Millimeter lang und 0,41 Millimeter breit. Sie sind sanft zur Mittellinie gebogen und die Basaltrennung doppelt so breit wie eine Spermathek selbst.[8]

Ähnliche Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt mehrere der Sydney-Trichternetzspinne ähnliche Vertreter innerhalb der Familie der Atracidae, insbesondere innerhalb der Gattung Atrax selber. Als einzige der drei Arten Gattung trägt die Sydney-Trichternetzspinne Dorsalstacheln auf den Tibien der Pedipalpen und generell vergleichsweise viele Stacheln auf diesen Tibien selber. Das Männchen von Atrax sutherlandi hat einen Embolus, der verglichen mit dem der Sydney-Trichternetzspinne weniger länglich ausfällt. Das Männchen von Atrax yorkmainorum hat einen weniger Flachen Versatz der Basis des Embolus vom Tegulum aus. Außerdem hat A. sutherlandi eine geringere Endgröße als die Sydney-Trichternetzspinne.[7]

Von den Arten der zur gleichen Familie und ebenfalls in Australien vorkommenden Gattung Hadronyche kann die Sydney-Trichternetzspinne wie die anderen beiden Vertreter der Gattung Atrax durch den weniger hohen cephalischen Bereich unterschieden werden. Außerdem ist bei den Arten letzter Arten einschließlich der Sydney-Trichternetzspinne weniger robuste und schmalere Basalsegmente an den Cheliceren als es bei dem Großteil der Vertreter der Gattung Hadronyche der Fall ist.[9] Das Männchen von Illawarra wisharti hat eine mittelventrale Stachelreihe an allen Tarsen und beim Weibchen der Art ist das erste Beinpaar gänzlich stachellos. Außerdem sind beim Weibchen von Illawarra wisharti die Metatarsen des gleichen Beinpaars teilweise mit den Tarsen, die hier über vergrößerte Tarsalklauen verfügen, verschmolzen.[10]

Daneben wird die Sydney-Trichternetzspinne wie die anderen Arten der Familie der Atracidae gelegentlich mit den Arten der Gattung Missulena verwechselt, die im englischen Sprachraum als Mouse spiders (übersetzt „Mausspinnen“), zu denen auch die Kleine Rotkopf-Mausspinne (Missulena occatoria) zählt. Die Gattung zählt zur Familie der Actinopodidae, die, wie die der Atracidae zur Unterordnung der Vogelspinnenartigen (Mygalomorphae) zählt. Wesentliche Unterscheidungsmerkmale sind der bauchige cephalische Bereich und die ebenso geformten Cheliceren. Außerdem verfügen die Arten der Gattung Missulena über einen glänzenden Carapax und die dort an der Front befindlichen Augen sind weit beabstanded. Ferner sind die Spinndrüsen bei dieser Gattung wesentlich kürzer. Auch von Arten der Gattung Missulena geht für den Menschen eine höhere Gefahr aus. Allerdings gehen die meisten Bisse dieser Spinnen mit vergleichsweise glimpflich verlaufenden Symptomen einher.[11]

Ein weiterer Verwechslungskandidat der Sydney-Trichternetzspinne ist die nicht näher verwandte und im englischen Sprachraum als Black house spider (übersetzt „Schwarze Hausspinne“) bekannte Art Badumna insignis, die zur Familie der Desidae und somit zur Unterordnung der Echten Webspinnen (Araneomorphae) zählt. Mit einer maximalen Körperlänge von etwa zwei Zentimetern (einen beim Männchen) bleibt die Art jedoch meist wesentlich kleiner als die Sydney-Trichternetzspinne und kann wie alle Echte Webspinnen leicht durch die labidognathen (nach unten gerichteten) Cheliceren von allen Vogelspinnenartigen mitsamt der Sydney-Trichternetzspinne, unterschieden werden, deren Cheliceren orthognath (nach vorne gerichtet) ausgelegt sind. Badumna insignis hat außerdem ebenfalls eine schwärzliche Grundfärbung, ihr Opisthosoma ist jedoch mit samtigen Setae bedeckt. Badumna insignis legt ähnlich wie die Sydney-Trichternetzspinne ein Trichternetz zum Fangzweck an. Dieses erscheint jedoch stärker trichterförmig und hat einen aus mehreren zickzackartig angelegten Klebefäden angelegten Wohnröhreneingang. Außerdem legt die Art ihr Netzkonstrukt erhöht an Strukturen wie Baumstämmen oder Gebäuden an. Badumna insignis bevorzugt anders als die Sydney-Trichternetzspinne trockene Habitate und ist im Gegensatz zu dieser für den Menschen nicht wirklich gefährlich[12]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das namensgebende Verbreitungsgebiet der Sydney-Trichternetzspinne befindet sich im Gebiet der australischen Stadt Sydney. Nördlich reicht es an die Central Coast, auch östlich wird es durch die Küste begrenzt, südlich reicht es bis zur Illawarra-Region und westlich grenzt es an den Blue Mountains.[8]

Lebensräume und regionale Unterschiede[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steiniges Areal im Blue-Mountains-Nationalpark, einer der Lebensräume der Sydney-Trichternetzspinne.

Die bevorzugten Habitate (Lebensräume) der hygrophilen (feuchtigkeitsliebenden) Sydney-Trichternetzspinne bilden vor allem Küsten-, Hochland- und offene Wälder mit hohen Bäumen.[13] Dabei zeigt die Art insbesondere eine Bevorzugung der bewaldeten Gebiete im Zentrum des Sydneybeckens. Dazu zählen das Hornsby-Plateau im Norden, die Ausläufer der Blue Mountains im Westen und das Woronora-Plateau im Süden. Im Gegensatz dazu ist das Auftreten der Sydney-Trichternetzspinne in großflächigen Gebieten zentralwestlicher Teiles Sydneys und in den sandigen Küstenteilen der östlichen Vororte der Stadt sowie in der Botany Bay vergleichsweise gering. Dies liegt daran, dass die Art Gebiete mit sandigem Ton, Schiefer oder mit basalthaltigem Grund, in denen Feuchtigkeit besser gespeichert wird, bevorzugt.[6]

Auftreten in urbanen Gebieten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insbesondere geschlechtsreife Männchen, die auf der Suche nach Weibchen sind, gelangen bei der Suche nach einer Geschlechtspartnerin nicht selten in Vororte und gelangen dort in Gartenanlagen oder Gebäude. Auch Funde männlicher Tiere in Swimmingpools sind überliefert, wo diese über mehrere Stunden überleben können.[6] Innerhalb von Gebäuden finden die Tiere den Weg nicht selten in Kleidung, was die Wahrscheinlichkeit von Bissunfällen steigt.[4]

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sydney-Trichternetzspinne ist wie alle Arten der Familie der Atracidae nachtaktiv und lebt in tunnelartig ausgebauten Erdlöchern in bevorzugt feucht-kühler Umgebung, die mit trichter- oder röhrenförmigen Netzen ausgekleidet werden und sich häufig in geschützter Lage unter Steinen oder Totholz finden.[13] Weitere seitens der Spinne begehrte Areale sind größere Rillen unter Felsen. In urbanen Flächen nimmt die Art auch feuchten Böden unter Gebäuden, Spalten in Steingärten und Komposthaufen an.[14]

Die Sydney-Trichternetzspinne verbringt den Großteil ihres Lebens in ihrem Verlies. Sollte sie diesen verlassen, tut sie für gewöhnlich nur im Morgen vor Sonnenaufgang oder bei Störungen.[15] Lediglich nach schweren Regenfällen ist die Sydney-Trichternetzspinne auch häufig außerhalb ihres Unterschlupfes anzutreffen, da dieser zumeist überflutet wurde.[4] Wie viel Zeit die Art für dem Bau und die Reinigung ihres Baus in Anspruch nimmt, ist nicht bekannt. Überliefert ist jedoch, dass die Reinigung ebenfalls am Morgen vor Sonnenaufgang stattfindet.[15]

Zur eigenen Körperreinigung verlässt die Sydney-Trichternetzspinne ebenfalls ihre Wohnröhre. Zwecks dieser legt sich die Spinne dann auf eine Körperseite und reinigt die freiliegende mit den anderen Beinen. Dann wiederholt sie das gleiche umgekehrt und legt sich auf die Körperseite, auf die zuvor gesäubert wurde und reinigt dementsprechend die andere, auf der die Spinne als erstes lag.[16]

Jagdverhalten und Beutespektrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Beutespektrum der Sydney-Trichternetzspinne zählen auch kleinere Wirbeltiere wie die Eidechsenart Lampropholis guichenoti

Wie alle Spinnen lebt auch die Sydney-Trichternetzspinne [räuberisch und jagt wie alle Arten der Familie der Antracidae mithilfe eines Trichternetzes und somit als Lauerjäger.

Das Netz ist ein weißliches Seideknonstrukt mit einer Größe von 20 bis 60 Zentimetern, das in der von der Spinne selbstgegrabenen Erdröhre mündet. Die Röhre dient als Unterschlupf der Spinne und schützt diese sowohl vor Austrocknung als auch vor Überhitzung. Der Eingang zu der Röhre ist entweder y- oder t-förmig gestaltet und mit einem trichterförmigen Konstrukt versehen, das der Sydney-Trichternetzspinne neben ihrem Vorkommen ihren Trivialnamen eingebracht hat.[14] Die Erdröhre ist wie bei den anderen Arten der Familie nicht tiefer als 30 Zentimeter. In der Nacht verweilt die Spinne gerne am Ausgang der Wohnröhre und hält die Vorderbeine auf die Netzdecke.[17]

Der eigentliche Beutefang verläuft wie bei den anderen Arten der Familie der Atracidae. Gerät ein Beutetier auf die Netzfläche, reagiert die Spinne darauf umgehend und schnellt aus ihrem Unterschlupf hervor. Dabei kann sie wie alle mit einem Spinnennetz jagenden Spinnen die Vibrationen des Beutetieres auf der Netzdecke wahrnehmen und dieses somit orten. In Reichweite gelangt, versetzt die Spinne dem Beuteobjekt einen Giftbiss mithilfe der Cheliceren, was zu dessen Flucht- und Wehrfunfähigkeit führt.[17] Das Beutetier wird dann von der Spinne in die Erdröhre transportiert und dort verzehrt.[6] Zusätzlich kann die Sydney-Trichternetzspinne wie alle Arten der Familie Beutetiere auch freilaufend außerhalb des Unterschlupfes erlegen.[17] Dies kommt besonders dann vor, wenn der Fangerfolg durch das Netz geringer wird und die Art anschließend versucht, ihren Nahrungsbedarf anderweitig zu decken.[15]

Das Beutespektrum der Sydney-Trichternetzspinne besteht mitunter aus bodenbewohnenden Gliederfüßern, wie Käfern, Schaben, Tausendfüßern oder verschiedenen Insektenlarven.[14] Erweitert wird es durch Schnecken und kleine Wirbeltiere wie Frösche[14] oder kleinere Eidechsen.[6]

Abwehrverhalten und Verteidigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drohgebärde eines Weibchens

Die Sydney-Trichternetzspinne zeigt eine verglichen mit der vieler anderer Spinnen hohe Aggressivität auf und ist bei Störungen leicht zu einem charakteristischen Abwehrverhalten zu animieren, bei dem die Spinne gegenüber einem potentiellen Prädatoren (Fressfeind) zuerst eine für Vogelspinnenartige (Mygalomorphae) typische Drohgebärde vollführt und sich dabei aufrichtet, die vorderen Extremitäten in die Luft streckt und dem Angreifer die Cheliceren präsentiert. Ein Giftbiss kann als aktive Verteidigungsmethode seitens der Spinne folgen, sollte die Drohstellung keine Wirkung erzielen.[18]

Das Gift des Männchens wirkt dabei auf Wirbeltiere um das Fünffache stärker als das des Weibchens.[18] Dies liegt daran, dass dieses durch das aktive Aufsuchen eines Weibchens seinen schützenden Unterschlupf verlassen muss und dabei räuberischen Wirbeltieren wie Schmalfuß-Beutelmäusen (Sminthopsis) mit höherer Wahrscheinlichkeit ausgesetzt ist. Aufgrund der erhöhten Wirkungsvolligkeit des Gifts des Männchens der Sydney-Trichternetzspinne, kann dessen Biss auch beim Menschen mit schwerwiegenden Komplikationen einhergehen.[19]

Lebenszyklus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lebenszyklus der Sydney-Trichternetzspinne entspricht größtenteils dem anderer Arten der Familie der Antracidae und gliedert sich wie bei Spinnen üblich über mehrere Phasen. Diese werden von den Jahreszeiten mitbestimmt. Die Phänologie (Aktivitätszeit) der Art beläuft sich theoretisch auf das ganze Jahr.[6]

Aufsuchen und eines Weibchens und Spermaaufnahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sobald ein Männchen die Geschlechtsreife erlangt, sucht es ein Weibchen auf.[17] Dies geschieht bei der Sydney-Trichternetzspinne im Sommer und im Herbst. Um eine Austrocknung und eine Begegnung mit Prädatoren weitestgehend zu verhindern, verlässt das Männchen seinen Unterschlupf lediglich nachts und sucht Schutz auf, sobald der Tag anbricht.[6] Das Finden eines Weibchens wird dem Männchen über vom Weibchen abgegebene Pheromone (Botenstoffe), mit denen es die Fangfäden seines Netzes versieht, ermöglicht. Noch vor der Paarung fertigt das Männchen wie bei Spinnen üblich ein sog. Spermanetz an, auf dem es sein Sperma abgibt und dann über die Bulbi aufnimmt. Dieses ist wie bei den anderen Familie der Atracidae von eher geringer Größe[17]

Balz und Paarung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ist dem Männchen die Suche nach dem Unterschlupf eines geschlechtsreifen Weibchens geglückt, beginnt es mit einem für Vogelspinnenartige (Mygalomorphae) typischen Balzverhalten, bei dem es mit seinen Beinen auf die Spinnseide des Wohntrichters trommelt. Unabhängig von seiner Paarungswilligkeit wird das Weibchen das Männchen aggressiv empfangen und dabei seine Drohgebärde einnehmen sowie zum Männchen gerichtete Attackierungsversuche ausführen. Ist das Weibchen paarungswillig, wird es in einen tranceartigen Zustand verfallen, während das Männchen seine Balzbewegung fortführt und sich dem Weibchen annähert. Im Falle einer fehlenden Paarungsbereitschaft des Weibchens, etwa, weil das Männchen seine Balz fehlerhaft vollführt, wird das Weibchen seine Angriffsversuche fortführen. Flüchtet das Männchen nicht rechtzeitig, wird es dem Weibchen zu Opfer fallen.[16]

Die Paarung selber erfolgt in der für Vogelspinnenartige typischen Stellung, bei der beide Geschlechtspartner sich einander mit erhobenen Vorderextremitäten annähern und während der eigentlichen Paarung Apophysen am zweiten Beinpaar des Männchens zum Einsatz kommen, wie es bei Vogelspinnenartigen ebenfalls keine Seltenheit ist.[17] Mithilfe dieser hält das Männchen die basalen Bereiche der Femora des zweiten Beinpaares vom Weibchen fest. Gleichzeitig hält das Männchens mithilfe seiner Pedipalpen und dem ersten Beinpaar die Cheliceren des aufgerichteten Weibchens, wodurch dieses nach oben und hinten versetzt wird.[8] Dann erfolgt die Spermienübertragung nach dem für Spinnen gewöhnlichen Ablauf - Das Männchen führt seine Bulbi abwechselnd in die Geschlechtsöffnung des Weibchens ein, wobei das Männchen auch dabei seine Trommelbewegungen fortführt.[16]

Vermutlich kann sich das Weibchen der Sydney-Trichternetzspinne in einer Paarungssaison nur einmal und erst in der des Folgejahres erneut fortpflanzen. Im Gegensatz dazu verpaart sich das Männchen der Art innerhalb einer Paarungssaison wahrscheinlich mit mehreren Weibchen und wäre somit polyandrisch. Dies dürfte mit der kürzeren Lebensdauer des Männchens zusammenhängen, die dazu führt, das es lediglich eine Saison für Begattungen durchlebt. Unabhängig von seinem Erfolg wird das Männchen während oder nach der Paarungssaison keine Nahrung zu sich nehmen und anschließend verenden. Bei stetigen unerfolgt gebliebenen Paarungsversuchen versucht das Männchen ebenfalls bis zu seinem Ableben andere Weibchen zu finden.[20]

Eiablage und Schlupf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein begattetes Weibchen kann das vom Männchen übertragene Sperma sofort nutzen oder über längere Zeit in seinen Spermatheken aufbewahren. Dann fertigt es im späten Frühjahr oder im Sommer einen weißen Eikokon von runder Form und mit einem Durchmesser von etwa 20 Millimetern an. Er enthält 80 bis 250 Eier. Der Eikokon wird dann vom Weibchen bewacht.[21] Gleiches trifft auf die nach einiger Zeit schlüpfenden Jungtiere zu.[15] Diese verlassen dann im Spätsommer das Verlies ihrer Mutter.[21] Ab dann ist bei den Jungtieren auch Kannibalismus zu vermerken.[15]

Heranwachsen und Lebenserwartung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sobald die Jungtiere, die sich noch in der gleichen Paarungssaison der Mutter von ihr trennen, selbstständig werden, vollführen sie eine Lebensweise, die der der ausgewachsenen Spinnen gleicht und legen ebenso Trichternetze mit selbst gegrabenen Erdröhren an.[21] Um zu wachsen, müssen die Jungtiere der Sydney-Trichternetzspinne wie bei Gliederfüßern üblich häuten.[15] Die genaue Anzahl der benötigten Häutungen ist bei der Art jedoch bislang unbekannt.[22] Während sich Jungtiere bei gutem Nahrungsbedarf anfangs monatlich häuten können, sinkt jedoch mit zunehmenden Alter der Intervall der Häutungen, bis der zeitliche Abstand zwischen den Häutungen mehr oder weniger ein Jahr beträgt. Die ausgewachsenen Individuen häuten sich dann fest jährlich.[15]

Das Männchen der Sydney-Trichternetzspinne benötigt für das Heranwachsen insgesamt fünf Jahre und durchlebt dann im fünften auch seine einzige Paarungszeit. Die genaue Zeit des Heranwachsens beim Weibchen ist bisher ungeklärt. Es hat wie es bei Spinnen der Regel entspricht eine längere Lebenserwartung gegenüber dem Männchen von 15 bis 20 Jahren.[23]

Biss und Giftwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Biss der Sydney-Trichternetzspinne kann für Menschen tödlich sein und erfordert eine sofortige medizinische Behandlung.[24] Seit 1981 steht ein Gegengift zur Verfügung und seither sind keine weiteren Todesfälle gemeldet worden – von 1927 bis 1981 sind 13 Menschen an den Folgen eines Bisses gestorben. Die Giftwirkung geht vor allem von einem Protein namens Delta-Atracotoxin aus,[25] das Gegenstand zahlreicher Forschungen ist – ähnlich wie das Gift anderer gefährlicher Spinnen (wie etwa der Brasilianischen Wanderspinne Phoneutria nigriventer) wirkt das Gift direkt auf das Nervensystem des Menschen. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass das Gift vor allem für Menschen, Primaten und neugeborene Mäuse gefährlich ist, während es bei vielen anderen Säugetieren (wie Hund und Katze) kaum Wirkung entfaltet.

Bemerkenswert ist bei dieser Spinnenart, dass das Gift des nur bis zu etwa 2,5 Zentimeter großen Männchens vier bis sechs Mal stärker ist als das des mit bis zu etwa 4 Zentimetern (mit Beinen ca. 8 Zentimeter) deutlich größeren Weibchens.

Neben dieser Art gibt es in der Familie Hexathelidae weitere für den Menschen potenziell gefährliche Spinnen, wie Hadronyche formidabilis, die vom nördlichen New South Wales bis ins südliche Queensland vorkommt. Im Gegensatz zu Atrax robustus leben die Hadronyche-Spinnen in Bäumen oder in verrottenden Baumstämmen. Ihr Gift entfaltet im menschlichen Körper eine ähnlich starke Wirkung, zuweilen müssen auch Bisse dieser Arten mit dem Gegengift für Atrax robustus behandelt werden.

Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Symptome treten lokal starke durch die Bisswunde verursachte Schmerzen auf, die für mindestens 30 Minuten anhalten. Anfängliche Symptome des Gifts sind Schwitzen, Atemnot, Übelkeit und Erbrechen, Speichelfluss und Muskelfaszikulationen (Zuckungen). Anschließend können Verwirrung, Unruhe und Gesichtstaubheit eintreffen. Ohne Behandlung kann es zunächst zu einer Hypotonie, dann eine mehrere Stunden andauernde Hypertonie, Tachykardie und Arrhythmie kommen. In schwerwiegenden Fällen kommt es zum Herzinfarkt, Kreislaufversagen, Koma und Tod.[26][27]

Gegengift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das heute am häufigsten eingesetzte Gegengift wurde erstmals im Jahr 1981[28] von einem Forschungsteam um Struan Sutherland der Commonwealth Serum Laboratories entwickelt.[29] Es wird aus dem Blut von Hasen, welche mittels der Verabreichung kleiner Dosen Trichternetzspinnengift immunisiert wurden, gewonnen.[30][31] Für diesen Zweck werden tausende Trichternetzspinnen im Australian Reptile Park bei Sydney in Gefangenschaft gehalten und regelmäßig für ihr Gift "gemolken".[31] Die Herstellung einer Dosis Gegengift erfordert im Schnitt 70 Melkungen.[32]

Jährlich werden etwa 30–40 Sydney-Trichternetzspinnenbisse an Menschen gemeldet. Das Gegengift wird jedoch nur verabreicht, wenn das Bissopfer schwerwiegende Vergiftungssymptome aufweist, da nicht jeder Biss mit einer Giftinjektion verbunden ist.[33]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sydney-Trichternetzspinne erhielt bei ihrer Erstbeschreibung von Octavius Pickard-Cambridge 1877 die lateinische Bezeichnung Atrax robustus, die seitdem nie geändert wurde. Lediglich erhielt die Art vom australischen Entomologen und Arachnologen William Joseph Rainbow 1914 die Synonyme Euctimena tibialis und Poikilomorpha montana.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern: World Spider Catalog Version 19.5 – Atrax robustus. Abgerufen am 22. Dezember 2018.
  2. Andrew Watt: Funnel web spider. University of Melbourne, 4. Januar 2019, abgerufen am 31. Dezember 2020 (englisch).
  3. a b c d Vanessa Battishill: Husbandry Guidelines for FUNNEL WEB SPIDERS WITH PARTICULAR REFERENCE TO THE SYDNEY FUNNEL WEB Atrax robustus (Arachnida : Hexathelidae). In: Australasian Zoo Keeping. S. 13, abgerufen am 23. Februar 2021.
  4. a b c d e f g h Atrax robustus (O. P.-Cambridge, 1877) bei IPCS Inchem, abgerufen am 23. Februar 2020.
  5. Vanessa Battishill: Husbandry Guidelines for FUNNEL WEB SPIDERS WITH PARTICULAR REFERENCE TO THE SYDNEY FUNNEL WEB Atrax robustus (Arachnida : Hexathelidae). In: Australasian Zoo Keeping. S. 3, abgerufen am 23. Februar 2021.
  6. a b c d e f g Dr. Mike Gray: Sydney Funnel-web Spider. Australian Museum, abgerufen am 23. Februar 2021.
  7. a b c d e f g h i Michael R. Gray: A Revision of the Australian Funnel-web Spiders (Hexathelidae: Atracinae). In: Records of the Australian Museum. Band 62, Nr. 1, 2010, ISSN 0067-1975, S. 300, doi:10.3853/j.0067-1975.62.2010.1556., abgerufen am 23. Februar 2020.
  8. a b c d e f g h i j Michael R. Gray: A Revision of the Australian Funnel-web Spiders (Hexathelidae: Atracinae). In: Records of the Australian Museum. Band 62, Nr. 1, 2010, ISSN 0067-1975, S. 301, doi:10.3853/j.0067-1975.62.2010.1556., abgerufen am 23. Februar 2020.
  9. Michael R. Gray: A Revision of the Australian Funnel-web Spiders (Hexathelidae: Atracinae). In: Records of the Australian Museum. Band 62, Nr. 1, 2010, ISSN 0067-1975, S. 297, doi:10.3853/j.0067-1975.62.2010.1556., abgerufen am 23. Februar 2020.
  10. Michael R. Gray: A Revision of the Australian Funnel-web Spiders (Hexathelidae: Atracinae). In: Records of the Australian Museum. Band 62, Nr. 1, 2010, ISSN 0067-1975, S. 308, doi:10.3853/j.0067-1975.62.2010.1556., abgerufen am 23. Februar 2020.
  11. Australian Museum: Mouse Spiders. Australian Museum, abgerufen am 23. Februar 2021.
  12. Western Australian Museum: Sydney Funnel-web vs. Black-house. Western Australian Museum, abgerufen am 23. Februar 2021.
  13. a b Artbeschreibung der Sydney-Trichternetzspinne auf Clinical Toxinology Resources der Universität von Adelane (Link)
  14. a b c d Jason Fathallah: Atrax robustus. In: Animal Diversity Web. University of Michigan, abgerufen am 23. Februar 2021.
  15. a b c d e f g Vanessa Battishill: Husbandry Guidelines for FUNNEL WEB SPIDERS WITH PARTICULAR REFERENCE TO THE SYDNEY FUNNEL WEB Atrax robustus (Arachnida : Hexathelidae). In: Australasian Zoo Keeping. S. 37, abgerufen am 23. Februar 2021.
  16. a b c Vanessa Battishill: Husbandry Guidelines for FUNNEL WEB SPIDERS WITH PARTICULAR REFERENCE TO THE SYDNEY FUNNEL WEB Atrax robustus (Arachnida : Hexathelidae). In: Australasian Zoo Keeping. S. 38, abgerufen am 23. Februar 2021.
  17. a b c d e f Australian Museum: Funnel-web Spiders. Australian Museum, abgerufen am 23. Februar 2021.
  18. a b Dr. Geoff Isbister: Australian Spider and Insect Bites. Universität von Sydney (The University of Sydney), archiviert vom Original am 23. Juli 2020; abgerufen am 23. Februar 2021.
  19. Warum die Top-Giftspinne so toxisch ist. In: Wissenschaft.de. Konradin Medien GmbH, 21. September 2020, abgerufen am 23. Februar 2021.
  20. Vanessa Battishill: Husbandry Guidelines for FUNNEL WEB SPIDERS WITH PARTICULAR REFERENCE TO THE SYDNEY FUNNEL WEB Atrax robustus (Arachnida : Hexathelidae). In: Australasian Zoo Keeping. S. 41, abgerufen am 23. Februar 2021.
  21. a b c Vanessa Battishill: Husbandry Guidelines for FUNNEL WEB SPIDERS WITH PARTICULAR REFERENCE TO THE SYDNEY FUNNEL WEB Atrax robustus (Arachnida : Hexathelidae). In: Australasian Zoo Keeping. S. 43, abgerufen am 23. Februar 2021.
  22. Vanessa Battishill: Husbandry Guidelines for FUNNEL WEB SPIDERS WITH PARTICULAR REFERENCE TO THE SYDNEY FUNNEL WEB Atrax robustus (Arachnida : Hexathelidae). In: Australasian Zoo Keeping. S. 44, abgerufen am 23. Februar 2021.
  23. Vanessa Battishill: Husbandry Guidelines for FUNNEL WEB SPIDERS WITH PARTICULAR REFERENCE TO THE SYDNEY FUNNEL WEB Atrax robustus (Arachnida : Hexathelidae). In: Australasian Zoo Keeping. S. 42, abgerufen am 23. Februar 2021.
  24. Gail Miriam Moraru, Jerome Goddard: Clinician’s Guide to Common Arthropod Bites and Stings *. In: The Goddard Guide to Arthropods of Medical Importance, Seventh Edition. ioCSL Pty Ltd, Parkville, Victoria 2013, ISBN 978-1-315-11528-3, S. 67–78 (Online [PDF; abgerufen am 21. Dezember 2020]).
  25. PROSITE documentation PDOC60018. ACTX-Familie. Swiss Institute of Bioinformatics (SIB), abgerufen am 15. August 2011 (englisch).
  26. Dr. med. Johann Josef Kleber: ATRAX ROBUSTUS: Bericht über die Bestandteile des Giftes Symptome des Bisses der Sydney-Trichternetzspinne
  27. Justin T. Binstead, Thomas M. Nappe: Funnel Web Spider Toxicity. In: StatPearls. StatPearls Publishing, Treasure Island (FL) 2020, PMID 30571015 (Online [abgerufen am 23. Dezember 2020]).
  28. Justin T. Binstead, Thomas M. Nappe: Funnel Web Spider Toxicity. In: StatPearls. StatPearls Publishing, Treasure Island (FL) 2020, PMID 30571015 (Online [abgerufen am 21. Dezember 2020]).
  29. James Tibballs: Struan Keith SutherlandAO MB BS MD DSc FRACP FRCPA. In: The Medical Journal of Australia. Band 177, Nr. 3, 5. August 2002, S. 160, doi:10.5694/j.1326-5377.2002.tb04706.x (englisch, Online [abgerufen am 21. Dezember 2020]).
  30. Julian White: Australian Funnel-Web Spiders. In: Critical Care Toxicology. Springer International Publishing, Cham 2016, ISBN 978-3-319-20790-2, S. 1–13, doi:10.1007/978-3-319-20790-2_105-1.
  31. a b Spider Venom Program - Australian Reptile Park | Visit our website. Australian Reptile Park, abgerufen am 21. Dezember 2020 (englisch).
  32. Jonathan Samuels: Anti-Venom Running Low For Deadliest Spider. In: Sky News. 2. Oktober 2012, archiviert vom Original am 8. Dezember 2012; abgerufen am 18. Dezember 2020 (englisch).
  33. Spider facts. Australian Museum, 10. Oktober 2019, abgerufen am 31. Dezember 2020 (englisch).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael R. Gray: A Revision of the Australian Funnel-web Spiders (Hexathelidae: Atracinae). In: Records of the Australian Museum. Band 62, Nr. 1, 2010, ISSN 0067-1975, S. 285–392, doi:10.3853/j.0067-1975.62.2010.1556.
  • Gerhard G. Habermehl: Gifttiere und ihre Waffen. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg 1994
  • Rainer F. Foelix: Biologie der Spinnen. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1992

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien