Sydney-Trichternetzspinne

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Sydney-Trichternetzspinne
Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus), Weibchen

Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus), Weibchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Atracidae
Gattung: Atrax
Art: Sydney-Trichternetzspinne
Wissenschaftlicher Name
Atrax robustus
O. P.-Cambridge, 1877

Die Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus) ist eine Webspinne der Gattung Atrax und gehört zur Familie Atracidae.[1] Sie ist eine von drei Arten der Gattung und kommt sowohl im Stadtgebiet als auch in der Umgebung von Sydney vor. Ihr Biss kann auch für Menschen eine erhebliche Gefahr darstellen.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Männchen

Die Körperlänge der Sydney-Trichternetzspinne ohne Cheliceren und Spinnwarzen beträgt beim Weibchen etwa 35 und beim Männchen etwa 25 Millimeter. Der Körperbau der Spinne gleicht dem anderer Vertreter der Familie. Carapax, Cheliceren und Extremitäten verfügen über eine metallisch glänzende dunkelbraune bis schwarze Farbgebung. Eine ähnliche Grundfärbung hat auch das Opisthosoma, das jedoch an der Oberseite flaumig glänzend wirkt.[2]

Ähnliche Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sydney-Trichternetzspinne ähnliche Arten finden sich in der Familie Atracidae wieder, darunter die ebenfalls in Australien vorkommende Art Hadronyche modesta.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das namensgebende Verbreitungsgebiet der australischen Art ist die Stadt Sydney. Nördlich reicht es an die Central Coast, auch östlich wird es durch die Küste begrenzt, südlich reicht es bis zur Illawarra-Region und westlich grenzt es an den Blue Mountains.[3] Die bevorzugten Habitate bilden vor allem Küsten-, Hochland- und offene Wälder mit hohen Bäumen, wo die bodenbewohnende Sydney-Trichternetzspinne ihre Fangnetze herstellt.[2]

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sydney-Trichternetzspinne lebt in tunnelartig ausgebauten Erdlöchern in bevorzugt feucht-kühler Umgebung, die mit trichter- oder röhrenförmigen Netzen ausgekleidet werden und sich häufig in geschützter Lage unter Steinen oder Totholz finden. Es besteht aus einem weißen seidenartigen Rohr, das meist etwa 60 Zentimeter lang ist und als Aufenthaltsort der Spinne dient. Der T- oder Y-förmige Ausgang ist mit mehreren Streben zur Stabilisierung versehen. Neben der Funktion als Rückzugsort dient die Netzkonstruktion auch dem Beutefang und gleicht von der Funktion her den Trichternetzen anderer Spinnen, die solche errichten. In das Beuteschema fallen neben anderen Gliederfüßern auch kleine Wirbeltiere wie kleinere Amphibien oder Reptilien.[2]

Die Weibchen verbringen hier die meiste Zeit ihres Lebens und verlassen den Bau nur selten. Ein Anlass dafür kann in den Bau eindringendes Regenwasser sein, weshalb die Spinnen dann häufiger in menschlichen Behausungen angetroffen werden, wo sie Schutz suchen. Die Männchen gelangen auch bei ihren nächtlichen Streifzügen auf Paarungssuche in Häuser.

Biss und Giftwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drohendes Weibchen

Der Biss der Sydney-Trichternetzspinne kann für Menschen tödlich sein. Seit 1981 steht ein Gegengift zur Verfügung und seither sind keine weiteren Todesfälle gemeldet worden – von 1927 bis 1981 sind 13 Menschen an den Folgen eines Bisses gestorben. Die Giftwirkung geht vor allem von einem Protein namens Delta-Atracotoxin aus, das Gegenstand zahlreicher Forschungen ist – ähnlich wie das Gift anderer gefährlicher Spinnen (wie etwa der Brasilianischen Wanderspinne Phoneutria nigriventer) wirkt das Gift direkt auf das Nervensystem des Menschen. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass das Gift vor allem für Menschen, Primaten und neugeborene Mäuse gefährlich ist, während es bei vielen anderen Säugetieren (wie Hund und Katze) kaum Wirkung entfaltet. Das Gegengift wird aus dem Blut von mit Gift der Trichternetzspinne immunisierten Tieren gewonnen. Für eine Dosis Gegengift muss eine Trichternetzspinne etwa 70 Mal gemolken werden.

Das Gift der Sydney-Trichternetzspinne setzt sich aus mehreren Molekül-Elementen zusammen, darunter aus dem arteigenen Atrax- oder Robustoxin. Weitere Bestandteile sind neurotoxisches Atraxin, alkalische Phosphatase, Aminobutyrat als freie Aminosäuren, Hyaluronidase, Serotonin, Phosphodiesterase, Polyamine, Glycerin, Harnstoff, Glucose, Tyramin, Oktopamin, Protease, nierenschädigendes Spermin und möglicherweise nierenschädigendes Spermidin, GABA, Trimethylsilyl und Pentafluoropropionat-Derivate.[4]

Als Symptome treten lokal starke Schmerzen auf, die für mindestens 30 Minuten anhalten, dazu können Hautrötungen, Schwitzen, Gänsehaut und Muskelfaszikulationen (Zuckungen), ausgelöst durch das Acetylcholin, auftreten. Das Katecholamin verursacht Schwitzen, Speichelfluss, Zuckungen, Spasmen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Miosis und eine in einem Zeitraum zwischen 10 Minuten bis zu einer Stunde nach dem Biss einsetzende zuerst periorale Taubheit. Schäden des Zentralnervensystems sind Reflexsteigerung, Krämpfe, Angst, Verwirrtheit, Delirium, Koma und generalisiertes Muskelfaszikulieren und Spasmen, welche Kiefer-, Nackenmuskulatur betreffen. Eine parasympathische Miosis und später auch eine Mydriasis betrifft das Auge des Bissopfers. Als Schäden der Lunge treten neben Dyspnoe mitunter Lungenödeme auf. Herzschäden beinhalten eine initiale Hypotonie, dann eine mehrere Stunden andauernde Hypertonie, Tachykardie, Arrhythmie und hypertonen Herzinfarkt und in schwerwiegenden Fällen nach mehreren Stunden eine Hypotonie und Kreislaufversagen durch adrenerge Entspeicherung.[4]

Bemerkenswert ist bei dieser Spinnenart, dass das Gift des nur bis zu etwa 2,5 Zentimeter großen Männchens vier bis sechs Mal stärker ist als das des mit bis zu etwa 4 Zentimetern (mit Beinen ca. 8 Zentimeter) deutlich größeren Weibchens. Es wird berichtet, dass die Kieferklauen kräftig genug seien, um weiches Schuhwerk oder den Fingernagel eines Kindes zu durchdringen. Aufgrund der Ausrichtung und Länge der Kieferklauen wird deren Einsatz durch die Drohgebärde des Aufrichtens der Spinne begünstigt.

Neben dieser Art gibt es in der Familie Hexathelidae weitere für den Menschen potenziell gefährliche Spinnen, wie Hadronyche formidabilis, die vom nördlichen New South Wales bis ins südliche Queensland vorkommt. Im Gegensatz zu Atrax robustus leben die Hadronyche-Spinnen in Bäumen oder in verrottenden Baumstämmen. Ihr Gift entfaltet im menschlichen Körper eine ähnlich starke Wirkung, zuweilen müssen auch Bisse dieser Arten mit dem Gegengift für Atrax robustus behandelt werden.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sydney-Trichternetzspinne erhielt bei ihrer Erstbeschreibung von Octavius Pickard-Cambridge 1877 die lateinische Bezeichnung Atrax robustus, die seitdem nie geändert wurde. Lediglich erhielt die Art vom australischen Entomo- und Arachnologen William Joseph Rainbow 1914 die Synonyme Euctimena tibialis und Poikilomorpha montana.[5]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard G. Habermehl: Gifttiere und ihre Waffen. Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 1994
  • Rainer F. Foelix: Biologie der Spinnen. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1992

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern: World Spider Catalog Version 19.5 – Atrax robustus. Abgerufen am 22. Dezember 2018.
  2. a b c Artbeschreibung der Sydney-Trichternetzspinne auf Clinical Toxinology Recources der Universität von Adelane (Link)
  3. Michael R. Gray: A Revision of the Australian Funnel-web Spiders (Hexathelidae: Atracinae) Records of the Australian Museum 62, S. 285–392, 2010. (Bericht über die die in Australien vorkommende Vertreter der Familie Atracidae (PDF, englisch))
  4. a b Bericht üebr die Bestandteile des Giftes Symptome des Bisses der Sydney Trichternetzspinne von Dr. med. Johann Josef Kleber (Link)
  5. Die Sydney-Trichternetzspinne im World Spider Catalog (Link)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Atrax robustus im World Spider Catalog