Tabakwerbung

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Als Tabakwerbung wird Werbung für Tabakerzeugnisse bezeichnet. Tabakwerbung unterliegt in vielen Ländern gesetzlichen Beschränkungen.

Neben den gesetzlichen Vorschriften, haben sich zahlreiche Unternehmen der Tabakindustrie auch einer freiwilligen Selbstverpflichtung unterworfen. Darin ist unter anderem der Verzicht auf Fotomodels vorgesehen, die jünger als 30 Jahre alt sind oder wirken. Die Regelungen werden offenbar derzeit überarbeitet und sind auf der Webseite des einschlägigen Deutschen Zigarettenverbands (DZV) (vormals: Verband der Cigarettenindustrie (VdC)) nur auszugsweise online abrufbar[1].

Trotz dieser Beschränkungen (in der Saison 2009 war Tabakwerbung nur bei 7 der 17 Formel-1-Rennen erlaubt) war Phillip Morris bis 2010 Hauptsponsor des Rennstalls Ferrari.[2]

Die Tabakindustrie bedient sich außerdem verschiedener Marketingstrategien, die nicht in den Bereich klassischer Werbung fallen. Man spricht hier von Below-the-line-Marketing. Hierunter fällt zum Beispiel die Werbung am Verkaufsort in Form von auffälligen Displays, die den Fachhändlern zur Verfügung gestellt werden oder an Supermarktkassen und Zigarettenautomaten angebracht werden sowie folgende Beispiele.

Das Verteilen von Gratiszigarettenproben ist zwar den Händlern untersagt, nicht aber den Herstellern. So können auf zielgruppenspezifischen Veranstaltungen wie z. B. in Diskotheken, auf Festivals oder auf dem Unicampus Gratisproben verteilt werden. Außerdem besteht für volljährige Personen die Möglichkeit Probepackungen über das Internet zu bestellen. Der Zugang hierzu ist allerdings häufig durch eine Überprüfung des Alters und des Wohnsitzes über die Schufa Holding AG beschränkt. Hinzu kommen unter anderem Gewinnspiele, das Verteilen von Merchandiseprodukten, das Organisieren von Veranstaltungen, die persönliche Kommunikation z. B. über E-Mails, das unaufdringliche Ausstatten des Lebensumfeldes der Zielgruppe (Ambient Media), Flagshipstores, Markentransfer und Produktplatzierung.

Situation in der Europäischen Union[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werbung für Tabakerzeugnisse ist in den Ländern der europäischen Union unterschiedlich stark eingeschränkt. Einheitlich ist durch eine EU Richtlinie (2003/33/EG) Tabakwerbung im Internet, in Zeitungen und Zeitschriften seit 1. Januar 2007 verboten. Alle Mitgliedsstaaten außer Deutschland haben mittlerweile aber Gesetze eingeführt, welche die Tabakwerbung sowie Sponsoring deutlich umfassender verbieten.

Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Werbung für Tabakerzeugnisse ist in Deutschland deutlich weniger eingeschränkt als in allen anderen EU-Ländern. So erreicht Deutschland im Tabakkontrollindex der europäischen Krebsligen von 2016 im Bereich Werbe - und Sponsoringverbote nur 4, die restlichen EU Staaten aber zwischen 6 und 13 von 13 möglichen Punkten.[3] Zum Weltnichtrauchertag 2013 forderte die Deutsche Krebshilfe in einer Allianz mit dem „Aktionsbündnis Nichtrauchen“ den Gesetzgeber auf, „endlich ein umfassendes Tabakwerbeverbot“ einzuführen. Unterstützer sind neben Medizinern Gesundheitsorganisationen wie: Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg, Deutsche Herzstiftung u. a.[4] Der EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaits kritisierte die – nach seiner Ansicht – laxe Anti-Tabak-Politik Deutschlands anlässlich des Weltnichtrauchertages 2015: „Die Bundesrepublik zählt zu den EU-Staaten, die nicht den politischen Willen haben, die Situation zu ändern.“[5]

Komplett verboten sind in Deutschland derzeit beispielsweise Werbung im Internet, in Radio- und TV-Spots sowie in Printmedien, sofern es sich nicht um Fachzeitschriften des Tabakhandels oder Rauchergenussmagazine handelt.[6] Das Sponsoring von Veranstaltungen ist unter der Bedingung eines eingeschränkten lokalen Wirkungskreises möglich, das heißt solange die Veranstaltungen keine grenzüberschreitende Wirkung haben. Andere EU-Länder haben auch bei regionalen Veranstaltungen deutlich strengere Regulierungen. Audiovisuelle Mediendienste oder Sendungen dürfen nicht von Tabakherstellern gesponsert werden. Das Verteilen von Gratis-Zigaretten ist ebenfalls nur noch in begrenztem Rahmen möglich. Obwohl Deutschland bereits 2004 das WHO-Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs (FCTC) ratifiziert hat, ist Außenwerbung in Form von Plakaten und Leuchtreklamen und Kinowerbung nach 18 Uhr weiterhin erlaubt, in allen anderen EU-Ländern sind auch diese Arten der Werbung komplett verboten.[7] Erlaubt ist im Übrigen noch die Imagewerbung von Tabakunternehmen, welche unter anderem im Internet Anwendung findet. Webpräsenzen der Hersteller bieten zum Beispiel die Möglichkeit einer sachlichen Kommunikation von Firmenphilosophie und Corporate Social Responsibility-Bemühungen. Zum Teil ist diesen Firmenwebseiten eine Alters- und Rauchstatusabfrage vorgeschaltet.[6]

Die Details des Werbeverbots sind in der Richtlinie 2003/33/EG[8] sowie den §§ 19 bis 21 des Tabakerzeugnisgesetzes (TabakerzG) geregelt.

Beide Vorschriften gelten nebeneinander und überlagern sich zum Teil. Daneben gibt es ergänzende Regelungen wie die deutsche Tabakerzeugnisverordnung[9], die die Vorschriften des Tabakerzeugnisgesetzes weiter konkretisiert.

Historische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Radio und Fernsehen sind seit 1975 Werbespots für Zigaretten und Tabakerzeugnisse verboten.[10]
  • Sponsoring von Rundfunk- und Fernsehsendungen durch Zigarettenhersteller ist seit 1. August 1999 durch Rundfunkstaatsvertrag verboten.
  • Im Kino ist Tabakwerbung vor 18 Uhr seit 23. Juli 2002 durch das Jugendschutzgesetz verboten.
  • Kostenlose Abgabe von Zigaretten und Zigarettenpackungen mit weniger als 17 Zigaretten sind seit 23. Juli 2004 durch das „Gesetz zur Verbesserung des Schutzes junger Menschen vor Gefahren des Alkohol- und Tabakkonsums“ verboten.
  • Sponsoring von grenzüberschreitenden Veranstaltungen durch Zigarettenhersteller ist ebenfalls seit 1. Januar 2007 verboten.
  • Eine Initiative von der Drogenbeauftragten MdB Marlene Mortler (CSU) zur Verschärfung des Tabakwerbeverbots im Jahr 2014 schlug fehl.[11]
  • Zum Jahresende 2016 hat die Stiftung Deutsche Krebshilfe erstmals Bundesregierung und Parlament öffentlich kritisiert, dass sie noch immer kein „vollständiges Tabakwerbeverbot“ in Deutschland bewirkt haben. Eine Folge sei nach neuesten Zahlen aus dem Robert Koch-Institut Berlin die jährliche Zunahme der Lungenkrebsraten bei Frauen, führte die Krebshilfe an. [12]
  • Eine Initiative zu Verschärfung des Werbeverbotes scheiterte in den Jahren 2016/17 erneut. Zwar hatte das Kabinett bereits 2016 einem Antrag für ein Außenwerbeverbot ab 2020 zugestimmt, die Unionsfraktion, allen voran Volker Kauder, hat sich dann aber bis zum Ende der Legislaturperiode im Herbst 2017 geweigert das Gesetz im Bundestag zur Abstimmung zu bringen. Kritiker machen dafür den hohen Einfluss der Tabaklobby in Teilen der CDU/CSU verantwortlich.

Einheitsverpackung (Plain packaging)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Einheitsverpackung

Auch die Zigarettenpackung ist als aktives Kommunikations- und Werbemittel zu betrachten.[3], weswegen mittlerweile einige Länder schmucklose Schachteln ohne Markenlogos eingeführt haben, das sogenannte "Plain Packaging".

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe Deutscher Zigarettenverband (DZV)
  2. Süddeutsche Zeitung, 13. Januar 2007: Standleitung zu Schumacher.
  3. Tobacco Control Ranking Scale 2016 (Scala auf Seite 10 bzw. 20)
  4. Pressekonferenz zum Welt-Nichtrauchertag der WHO, Berlin, 29. Mai 2013.
  5. Deutscher Kampf gegen Tabakkonsum zu lax. In: Ärzte Zeitung, 29. Mai 2015. 
  6. a b Änderungen des Vorläufigen Tabakgesetzes
  7. DKFZ: Tabakwerbung und Sponsoring – Situation in Deutschland und Europa
  8. Richtlinie 2003/33/EG
  9. Tabakerzeugnisverordnung - TabakerzV
  10. Augsburger Allgemeine vom 18. Juni 2009, Rubrik „Das Datum“.
  11. Bundesdrogenbeauftragte für Verbot von Tabakwerbung. In: Die Zeit, 29. Juni 2014.  „"Noch in diesem Jahr möchte ich intensive Gespräche in der Bundesregierung darüber führen.", sagte Mortler der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.“ 
  12. Presseerklärung für die Neue Osnabrücker Zeitung vom 30. November 2016