Tatoi

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Teilansicht des Tatoi

Tatoi (griechisch Τατόι (n. sg.)) liegt 20 km nördlich von Athen in Dekeleia und war die Sommerresidenz, dann Hauptresidenz und Grablege der ehemaligen griechischen Königsfamilie und Geburtsstätte von König Georg II. Das Gelände ist dicht bewaldet und liegt am Südosthang des Parnitha-Gebirges. Die Gebäude sind in sehr schlechtem Zustand.[1]

Königspaläste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der griechische König Otto residierte von 1832 bis 1834 in Nafplio, bevor er die Hauptstadt nach Athen verlegte. 1841 zog König Otto in das von Friedrich von Gärtner erbaute Schloss (= Alter Königspalast), das heute das Griechische Parlament beherbergt. Ein Brand Heiligabend 1909 zerstörte große Teile des Schlosses, worauf König Georg I. zunächst provisorisch in den Kronprinzenpalais (= Neuer Königspalast) einzog. Dieser wurde von 1891 bis 1897 von Ernst Ziller für den Kronprinz und späteren König Konstantin I. erbaut. Nach der Ermordung Georg I. 1913 in Thessaloniki und der Thronbesteigung Konstantin I. wurde der Kronprinzenpalais definitiv zum Neuen Königspalast. Heute ist er der Amtssitz des Griechischen Präsidenten.

Das Anwesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

König Georg I. kaufte das Grundstück 1871 und ließ einen Palast nach dem Vorbild des Zarenpalastes in Peterhof errichten (seine Frau Olga war eine geborene Großfürstin von Russland). Die griechischen Könige residierten zuerst im Alten Königspalast auf dem Syntagma-Platz in Athen (jetzt Parlament) und danach im Neuen Königspalast (jetzt Residenz des Staatspräsidenten). König Paul gab aus Kostengründen auch diesen auf und machte Tatoi zu seiner ständigen Residenz. Der Palast gleicht jedoch eher einem größeren Landhaus als einem Königspalast. Das Gebäude ist heute in einem sehr schlechten Zustand und wird zur Zeit renoviert.

Zu der Liegenschaft gehört auch ein großer Bauernhof; die Butter von Tatoi wurde zur Zeit der griechischen Monarchie auf den Athener Märkten verkauft. Nebenbei wurden auch Wein, Milch, Fleisch und Käse für den Eigenverbrauch am Hof selbst erzeugt.

Im Schlosspark von Tatoi, zirka einen Kilometer vom Palast entfernt, befindet sich auf einem von Pinien und Zypressen bewaldeten Hügel der Königliche Friedhof von Tatoi. Die Gräber liegen im Freien und sind chronologisch angeordnet. Derzeit sind auf dem Friedhof 21 Personen, darunter fünf Könige, bestattet.

Eigentümer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Anwesen wurde von der königlichen Familie erst als Sommersitz, nach Aufgabe des Schlosses am Sýntagma-Platz als ganzjähriger Sitz benutzt. Mit Ausrufung der Griechischen Republik wurde das Anwesen vom Staat als Eigentum betrachtet.

Als sich Vorwürfe in der Öffentlichkeit gegen diese Haltung mehrten, wurden 1991 alle Gegenstände aus dem nun abgesperrten Schloss an Konstantin II. zurückgegeben. Die Konfiszierung von Tatoi und anderer Vermögensgegenstände des gestürzten Königs Konstantins II. ohne Kompensationszahlungen führte zu einem Rechtsstreit vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Der Ex-König argumentierte, dass das Anwesen seinerzeit von seinen Vorfahren rechtmäßig erworben worden sei und darum zum Privatvermögen der Familie gehöre. Der griechische Staat entgegnete, dass die Liegenschaft der königlichen Familie zur Ausübung ihrer staatlichen Repräsentation diente und darum mit der Abschaffung der Monarchie automatisch öffentliches Eigentum wurde. Das Gericht entschied sich für einen Kompromiss: Der im Exil lebende König wurde entschädigt, das Anwesen blieb jedoch im Eigentum der Griechischen Republik.

Im Jahr 2007 sprach die damalige griechische Regierung davon aus dem Anwesen ein Museum zu machen.[2]

Presseberichten zufolge wurden 2012 für Tatoi ebenso wie für anderen griechischen Staatsbesitz Käufer gesucht.[3]

Der 2012 gegründete "Freundeskreis des Anwesens Tatoi" hat sich zum Ziel gesetzt das ehemalige königliche Anwesen zu restaurieren und zu einem Museum und öffentlichem Veranstaltungsort umzuwandeln, zurzeit jedoch ohne Aussicht auf politische Unterstützung und mit geringen finanziellen Ressourcen ausgestattet.[4]

Derzeit kümmert sich der Griechische Staat um das Anwesen so gut wie kaum. Schäden durch die Zeit haben viele Gebäude und die alten königlichen Autos weitgehend zerstört. Diebstähle, Vandalismus und illegales Abzweigen der Wasserversorgung geschehen monatlich. Im Falle eines Feuers wären alle Gebäude sowie die umfangreiche Flora und Fauna völlig schutzlos. Der Sicherheitsdienst für das Gelände wurde abgeschafft. In einem Fall von Geschichtsfälschung wurde das Gelände als Ehemalige Bischöfliche Residenz umbenannt. Eine politische Idee zur Umwandlung von Tatoi in eine private Winzerei oder einem Resort mit Grills und Cafes würde dem Anwesen seine Historizität rauben und bekam daher von vielen Seiten Kritik. Eine Mehrheit von Personen und Organisationen würde das Anwesen gern als Museum nutzbar machen.[5][6][7] Das ehemalige königliche Anwesen in Polydendri wird ebenso vernachlässigt, die Gebäude verfallen.[8]

Flugplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unweit des Anwesens befindet sich auch der ehemalige Flugplatz Tatoi, welcher einst der erste Athener Flughafen war und heute das Museum der Griechischen Luftstreitkräfte beherbergt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geneviève Lüscher: Tatoï: Die vergessene Monarchie In: NZZ am Sonntag vom 13. August 2017
  2. Reuters report
  3. Matthew Sparkes: Greece sells off London consulate and royal cemetery. Daily Telegraph vom 19. September 2012, Zugriff am 17. Dezember 2012
  4. Tatoi Friends Association
  5. Λεηλασία, ασυδοσία, κλοπές κι εγκατάλειψη. Το Τατόι αναστενάζει..., 10.12.2016
  6. Τατόι: «Κίνδυνος μετατροπής του σε ένα απέραντο καφενείο», 10.12.2016
  7. Οι τελευταίες μέρες του πρώην Βασιλικού Κτήματος στο Τατόι , 10.12.2016
  8. Το εγκαταλελειμμένο πρώην Βασιλικό Κτήμα στο Πολυδένδρι Λάρισας, 10.12.2016

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 38° 9′ 17″ N, 23° 47′ 41″ O