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Temperaturextrema

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Temperaturextrema sind die niedrigsten und höchsten gemessenen Temperaturen innerhalb eines Beobachtungszeitraums auf der Erde. Dieser Artikel beschreibt meteorologisch gemessene Lufttemperaturen.[1] Für weitere Wetter-bezogene Extrema siehe Wetterrekorde.

Messung und Verifizierung

Extreme Wetterelemente zu registrieren, gehört in der Meteorologie zur Tradition und dient insbesondere der klimatologischen Einordnung von Anomalien. Dabei haben sich für die weltweite Vergleichbarkeit internationale Standards eingebürgert (World Weather Watch Programme WWWP der World Meteorological Organization WMO). Vergleichbare Aufzeichnungen sollten die offizielle Tageshöchsttemperatur der Luft in zwei Meter Höhe über dem Erdboden in einer Thermometerhütte darstellen. Strahlungsbasierte Werte, wie sie beispielsweise mit moderner Satelliten-Fernerkundung gewonnen werden, werden für Statistiken üblicherweise nicht herangezogen.[2]

Extremwerte werden immer wieder kolportiert und auch regelkonform gemessen. Es hat sich jedoch eingebürgert, dass nur diejenigen Werte berücksichtigt werden, die von den nationalen amtlichen Wetterdiensten gemessen werden. Diese sorgen auch für die Verifikation der Werte.[3] So kommt es auch immer wieder vor, dass erst anhand von Extremwerten festgestellt wird, dass eine Wetterstation nicht den notwendigen Anforderungen entspricht.[3]

Die World Meteorological Organization Commission for Climatology (WMO CCl) gründete im Rahmen des Programmes OPAG 2 – Support Systems for Agrometeorological Services eine Gruppe, die das Weather and Climate Extremes Archive führt und die Werte einer nochmaligen Überprüfung unterzieht (Inaugural WMOCCL OPAG2 committee for the World).[4] Daher werden auch historische Spitzenwerte immer wieder korrigiert.[5] Die Harmonisierung alter Daten ist besonders für die Kalibrierung elektronischer Klimamodelle von aktueller Bedeutung.

Listen

Höchsttemperaturen (seit Beginn der Aufzeichnungen)

In dieser Tabelle sind besondere Hitzerekorde bzw. die höchsten Temperaturen für ausgewählte Regionen der Erde angeführt. Für eine Länderübersicht der höchsten Temperaturen, siehe Liste der Länder nach Extremtemperatur.

Temperatur
°C
Datum Ort Staat / Bundesstaat / Forschungsstation Bemerkung
56,7 °C 10. Juli 1913 Death Valley, Greenland Ranch (jetzt Furnace Creek) Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Höhe: 54,6 m unter dem Meeresspiegel, Hitzeweltrekord;[6] höchste gemessene Temperatur in Nordamerika[7] sowie der ganzen westlichen Hemisphäre.[8]
55,0 °C 7. Juli 1931 Kebili Tunesien Tunesien Höhe: 38,1 m, Hitzerekord in Afrika[9] sowie der ganzen östlichen Hemisphäre.[10]
54,0 °C 21. Juni 1942 Tirat Zvi Israel Israel Höhe: 220 m unter dem Meeresspiegel, Hitzerekord in WMO Region VI (Europa).[11]
53,9 °C 21. Juli 2016 Mitriba Kuwait Kuwait Höhe: 70 m, Hitzerekord in WMO Region II (Asien).[12]
53,7 °C 28. Mai 2017 Turbat Pakistan Pakistan Höhe: 129 m, wird von der WMO als vierthöchster Wert geführt.[12]
50,7 °C 13. Jan. 2022 Onslow (Western Australia) Australien Australien Höhe: 70 m, höchste jemals in einem Küstenort gemessene Temperatur.[13]
48,9 °C 11. Dez. 1905 Rivadavia Argentinien Argentinien Höhe: 205 m, Hitzerekord in Südamerika.[14]
48,8 °C 11. Aug. 2021 Syrakus Italien Italien Hitzerekord in WMO Region VI (Kontinentaleuropa und Teile Asiens (z. B. Israel, Türkei und Syrien)[15] Zuvor lag der Rekord in Athen und Eleusis, Griechenland, 236 m;[16] unbestätigt: 48,5 °C am 10. Aug. 1999 in Catenanuova, Italien, 185 m.[17]
21,0 °C 14. Juli 2019 Alert Kanada Kanada Höhe: 70 m, Hitzerekord in nördlichster dauerhaft bewohnter Siedlung.[18]
19,8 °C 30. Jan. 1982 Signy Island Vereinigtes Konigreich Signy-Station Höhe: m, Hitzerekord in der WMO Region VII (Antarktis).[19]
18,3 °C 6. Feb. 2020 Hope Bay Argentinien Argentinien Höhe: 13 m, Hitzerekord in der WMO Region VII (Antarktika & dazugehörende Inseln).[20][21]
−12,3 °C 25. Dez. 2011 Südpol — (Amundsen-Scott-Südpolstation) Höhe: 2835 m, Jahresdurchschnitt: −49,4 °C.[22]

o.n.A. = Ohne nähere Angabe

Nicht anerkannt: angeblich 58 °C am 13. September 1922 in al-ʿAzīzīya im heutigen Libyen[23] sowie angeblich 57,1 °C am 27. August 1884 in Ouargla im heutigen Algerien.[24]

Tiefsttemperaturen (seit Beginn der Aufzeichnungen)

In dieser Tabelle sind besondere Kälterekorde bzw. die niedrigsten Temperaturen für ausgewählte Regionen der Erde angeführt. Für eine Länderübersicht der niedrigsten Temperaturen, siehe Liste der Länder nach Extremtemperatur.

Temperatur
°C
Datum Ort Staat /
Forschungsstation
Bemerkung
−89,2 °C 21. Juli 1983 Wilkesland — (Wostok-Station) Höhe: 3420 m, Kältepol der Südhalbkugel[25] sowie der gesamten Erde
−69,6 °C 22. Dez. 1991 Klinck Site[26], 70 km W von Summit Gronland Grönland Höhe: 3105 m, erst 2020 bei der Auswertung alter Messdaten festgestellt, Kältepol der Nordhalbkugel[27]
−67,8 °C 5. und 7. Feb. 1892 Werchojansk Russland Russland Oimjakon und Werchojansk gelten beide als Kältepol Asiens[28]
−67,8 °C 6. Feb. 1933 Oimjakon Russland Russland
−63,0 °C 3. Feb. 1947 Snag, Yukon Kanada Kanada Kältepol Nordamerikas (ohne Grönland)[29]
−58,1 °C 31. Dez. 1978 Ust-Schtschuger Russland Russland Höhe: 85 m, Kältepol Europas[30]
−51,5 °C 28. Jan. 1999 Pokka bei Kittilä in Lappland Finnland Finnland Etwa 150 km nördlich des Polarkreises
−32,8 °C 1. Juni 1907 Sarmiento, Tierra del Fuego Argentinien Argentinien Höhe: 268 m, Kältepol Südamerikas[31]
−25,6 °C 17. Juli 1903 Ranfurly Neuseeland Neuseeland Höhe: 423 m, Kältepol des Südwestpazifiks[32]
−23,9 °C 11. Feb. 1935 Ifrane Marokko Marokko Höhe: 1635 m, Kältepol Afrikas[33]

Größte Temperaturunterschiede

In Nord- und Zentralasien gibt es die größten Temperaturunterschiede im Jahresverlauf: Die riesige Landmasse Asiens verursacht ein ausgeprägtes Kontinentalklima mit starken Temperaturgegensätzen. Die trockenheißen Sommer und trockenkalten Winter werden oft nur von kurzem Frühling und Herbst getrennt.

Genannt sind in der Tabelle nur Landes-Spitzenwerte.

Spanne
ΔT in K
Tmid
°C
Tmin
°C
Tmax
°C
Ort Staat / Forschungsstation Bemerkung
105,1 −15,25 −67,8 +37,3 Werchojansk Russland Russland [23]
92,3 −6,5 −53 +39,3 Mohe (Heilongjiang) China Volksrepublik Volksrepublik China
87,7 5,25 −38,6 +49,1 Turkestan o.n.A. Kasachstan Kasachstan
87,6 −5,2 −49,0 +38,6 Ulaanbaatar Mongolei Mongolei
85,8 3,1 −39,8 +46,0 Karakalpakistan o.n.A. Usbekistan Usbekistan
81,4 6,9 −33,8 +47,6 Serhetabat (Kuschka) Turkmenistan Turkmenistan
77 −50,7 −89,2 −12,2 Wilkesland, Antarktika — (Wostok-Station) Amundsen-Scott: 70,5 K / −82,8 °C / −12,3 °C

Am Mars wurden ähnlich große Temperaturdifferenzen – auf der Oberfläche – gemessen: Viking Lander maß −107 °C/−17,2 °C; ΔT = 89,8 K.[34]

Weiteres

Im November 1911 fiel die Temperatur in Springfield (Missouri) bei einem Temperatursturz um rund 40 °C, so dass dort innerhalb eines Tages sowohl der Hitzerekord als auch der Kälterekord für den Monat November gebrochen wurde.[35]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. WMO (2018): Guide to Instruments and Methods of Observation
  2. Global Weather & Climate Extremes. wmo.asu.edu; abgerufen am 22. Dezember 2013
  3. a b Der von der ZAMG gemessene Allzeit-Rekord von 40,6 °C in Neusiedl (Hitzewelle in Europa 2013) wurde als „meteorologisch nicht realistischer“ Ausreißer beurteilt und zurückgezogen; Erstmals über 40 °C. ZAMG, 8. August 2013. Neuer Hitze-Rekord: 40,5 °C in Bad Deutsch-Altenburg. ZAMG, 9. August 2013.
    Ähnliches für den Jahres-Rekord von 38,6 °C 2015: die Messung wurde als „nicht ganz repräsentativ für die Umgebung“ festgestellt, die Messstelle soll deswegen verlegt werden; Gars war Hitzepol! Oder doch nicht? NÖN, 27. Juli 2015.
  4. About Weather Archive: Mission Statement. (Memento vom 23. August 2015 im Internet Archive) Committee Record Assessment. (Memento vom 23. August 2015 im Internet Archive) Website der Arizona State University; abgerufen am 16. August 2015.
  5. Recent Investigations. (Memento vom 11. August 2015 im Internet Archive) wmo.asu.edu
  6. World: Highest Temperature. In: wmo.asu.edu. World Meteorological Organization, abgerufen am 29. Dezember 2018 (englisch).
  7. WMO Region IV (North America): Highest Temperature. In: wmo.asu.edu. World Meteorological Organization, abgerufen am 29. Dezember 2018 (englisch).
  8. Western Hemisphere: Highest Temperature. In: wmo.asu.edu. World Meteorological Organization, abgerufen am 29. Dezember 2018 (englisch).
  9. WMO Region I (Africa): Highest Temperature. In: wmo.asu.edu. World Meteorological Organization, archiviert vom Original am 4. Januar 2013; abgerufen am 29. Dezember 2018 (englisch).
  10. Eastern Hemisphere: Highest Temperature. In: wmo.asu.edu. World Meteorological Organization, abgerufen am 29. Dezember 2018 (englisch).
  11. WMO Region VI (Europe): Highest Temperature. In: wmo.asu.edu. World Meteorological Organization, abgerufen am 29. Dezember 2018 (englisch).
  12. a b WMO verifies 3rd and 4th hottest temperature recorded on Earth. In: World Meteorological Organization. 18. Juni 2019 (wmo.int [abgerufen am 29. Juli 2019]).
  13. Martin Pscherer, Claudia Träger: Höllische Hitze in Australien. 50,7 Grad in Onslow - Temperaturrekord eingestellt - der Kontinent glüht. In: wetter.de. RTL interactive, 15. Januar 2022, abgerufen am 15. Januar 2022.
  14. WMO Region III (South America): Highest Temperature. In: wmo.asu.edu. World Meteorological Organization, abgerufen am 29. Dezember 2018 (englisch).
  15. WMO confirms verification of new continental European temperature record. In: wmo.int. World Meteorological Organization, 30. Januar 2024, abgerufen am 13. Juli 2024 (englisch).
  16. WMO Region VI (Europe, Continent only): Highest Temperature. In: wmo.asu.edu. World Meteorological Organization, abgerufen am 29. Dezember 2018 (englisch).
  17. Annali 1999. (Memento vom 1. April 2013 im Internet Archive) osservatorioacque.it
  18. Temperaturrekord in nördlichster dauerhaft bewohnter Siedlung. In: nzz.ch. 17. Juli 2019, abgerufen am 21. Juli 2019.
  19. WMO Region VII (Antarctica): Highest Temperature. In: wmo.asu.edu. World Meteorological Organization, abgerufen am 29. Dezember 2018 (englisch).
  20. WMO Region VII (Antarctica mainland & adjoining islands): Highest Temperature. In: wmo.asu.edu. World Meteorological Organization, abgerufen am 2. Juli 2020 (englisch).
  21. WMO: Wärmerekord auf antarktischem Kontinent bestätigt. orf.at, 2. Juli 2021; abgerufen am 2. Juli 2021.
  22. Office of Polar Programs. antarcticsun.usap.gov.
  23. a b World Meteorological Organization Global Weather & Climate Extremes Archive. wmo.asu.edu; abgerufen am 30. Mai 2014.
  24. Ouargla. Météo-Climat; abgerufen am 20. August 2018.
  25. WMO Region VII (Antarctica): Lowest Temperature. In: wmo.asu.edu. World Meteorological Organization, abgerufen am 29. Dezember 2018 (englisch).
  26. Greenland Automatic Weather Stations - Klinck Site. Abgerufen am 11. Juli 2023.
  27. New Coldest Northern Hemispheric Temperature Record. In: wmo.asu.edu. Ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 19. Februar 2022 (englisch).@1@2Vorlage:Toter Link/wmo.asu.edu (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)
  28. WMO Region II (Asia): Lowest Temperature. In: wmo.asu.edu. World Meteorological Organization, abgerufen am 29. Dezember 2018 (englisch).
  29. WMO Region IV (North America): Lowest Temperature. In: wmo.asu.edu. World Meteorological Organization, abgerufen am 29. Dezember 2018 (englisch).
  30. WMO Region VI (Europe, Continent only): Lowest Temperature. In: wmo.asu.edu. World Meteorological Organization, abgerufen am 29. Dezember 2018 (englisch).
  31. South America: Lowest Temperature. In: wmo.asu.edu. World Meteorological Organization, abgerufen am 29. Dezember 2018 (englisch).
  32. WMO Region V (Southwest Pacific): Lowest Temperature. In: wmo.asu.edu. World Meteorological Organization, abgerufen am 29. Dezember 2018 (englisch).
  33. WMO Region I (Africa): Lowest Temperature. In: wmo.asu.edu. World Meteorological Organization, abgerufen am 29. Dezember 2018 (englisch).
  34. The Latest Weather Report from Mars. mars.jpl.nasa.gov – mit der Beschreibung der Technologie des Mars Pathfinder.
  35. Mauro Hermann: Legendäre Kaltfronten - Krasser Temperaturrückgang? Da geht noch mehr. In: srf.ch. 9. April 2024, abgerufen am 9. April 2024.