Thüringisches Ulanen-Regiment Nr. 6

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Thüringisches Ulanen-Regiment Nr. 6
Fahne 6 UlRgt.png
Aufstellung 18. Februar 1813
Land Preußen
Truppengattung Kavallerie
Typ Ulanen
Stationierungsort Hanau

Das Thüringische Ulanen-Regiment Nr. 6 war ein Ulanen-Regiment der preußisch-deutschen Armee. Es wurde in den Befreiungskriegen als Teil des Lützowschen Freikorps aufgestellt und hörte als Regiment mit der Demobilisierung nach Ende des Ersten Weltkrieges 1918/19 zu bestehen auf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hanauer Francois-Kaserne, von 1891 bis 1914 Garnison des Regiments

Mit A.K.O. vom 18. Februar 1813 wurde dem Major Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow die Errichtung eines Freikorps genehmigt. Dessen rund 600 Mann starke Kavallerie gliederte sich in fünf Schwadronen, die mehrheitlich als Ulanen ausgestattet waren, während die 4. und 5. Schwadron Husaren waren. Die 2. Schwadron war anfänglich als Jäger zu Pferde organisiert. Nach Napoleons erster Abdankung wurde die ehemalige Jägerschwadron aufgelöst und das Korps in die Linientruppen übernommen. Die Infanterie wurde zum Infanterieregiment Nr. 25, die Kavallerie zum Ulanen-Regiment Nr. 6. Eine Schwadron wurde an das Husaren-Regiment Nr. 9 abgegeben und durch eine im Regiment gebildete neue 4. Schwadron ersetzt. Das Freikorps kämpfte eher glücklos in den Befreiungskriegen, hatte aber als Prototyp einer gesamtdeutschen Armee hohe propagandistische Wirkung. Von 1816 bis 1823 führte der Regimentsname den Zusatz 2. Westpreussisches. Bei der Niederwerfung der Badischen Revolution und des Pfälzischen Aufstandes 1849 stellte das Regiment drei Schwadronen der Reservekavallerie des improvisierten 1. Armee-Korps unter Moritz von Hirschfeld. 1860 erhielt es den Zusatznamen Thüringisches. Im gleichen Jahr wurde im Rahmen der umstrittenen Heeresreform die 4. Schwadron an das neu aufgestellte Ulanen-Regiment Nr. 11 abgegeben, 1866 die 5. Schwadron an das gleichfalls neu errichtete Ulanen-Regiment Nr.16. 1866 nahm das Regiment am Krieg gegen Österreich als Teil der 8. Infanterie-Division im I. Armeekorps teil und kämpfte in der Schlacht bei Königgrätz. 1867 erfolgte Vermehrung auf vier Schwadronen. 1870/71 im Krieg gegen Frankreich kämpfte es als Teil der 9. Kavallerie-Brigade in der 4. Kavallerie-Division und beteiligte sich unter anderem an der Schlacht bei Wörth, den Gefechten bei Haguenau und Steinburg, der Beschießung von Marsal, der Schlacht bei Sedan, der Einschließung von Paris, dem Gefecht bei Chartres, der Schlacht von Orléans, dem Gefecht von Patay, der Schlacht bei Loigny und Poupry, der Schlacht bei Beaugency und der Schlacht bei Le Mans. Im Ersten Weltkrieg war das Regiment zunächst an der Westfront im Einsatz. Anfang 1915 erfolgte Teilung des Regiments in zwei Halbregimenter, die jedoch gemeinsam in Serbien und Rumänien eingesetzt wurden. 1917 erfolgte Rückkehr nach Deutschland zur Küstensicherung in Schleswig. 1918 folgten Polizeiaufgaben in Oberitalien und schließlich Kurier- und Sicherungsaufgaben an der Westfront. Nach dem Waffenstillstand von Compiègne wurde das Regiment 1919 aufgelöst.

In der Reichswehr übernahm die 4. Eskadron des 16. Reiter-Regiments die Tradition der thüringischen Ulanen. In Langensalza, der Garnison der Eskadron, wurde 1925 ein von Heinrich Schwindsackl aus einheimischem Travertin geschaffenes Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen des Regiments im Weltkrieg eingeweiht. Im Rahmen der Aufrüstung der Wehrmacht wurde das Regiment 1934 zunächst in Reiter-Regiment Erfurt umbenannt, aber bereits am 15. Oktober 1935 aufgelöst und als Stamm für die ersten drei Kradschützen-Bataillone verwendet, die im Verlauf des Zweiten Weltkrieges als Panzeraufklärer aufgerieben wurden.

Erscheinungsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lützower Kavallerie im Gefecht 1813/14 (Im Vordergrund zwei Husaren, dahinter Jäger zu Pferde)

In den Befreiungskriegen waren die Uniformen der Lützower Kavallerie grundsätzlich schwarz, da diese Farbe der einzige Farbton war, der sich durch Einfärbung der in den Armeedepots und auf dem Markt vorhandene unterschiedlichen Tuchvorräte einheitlich herstellen ließ. Dazu kamen Rot als Abzeichenfarbe der Vorstöße und goldfarbene Messingknöpfe. Ulanen trugen die Litewka, Husaren Dolman und Mente. Allgemein wurden Tschakos getragen. Die Lanzenfähnchen der Ulanen waren Schwarz-Rot. Die eher zufällig entstandenen Uniformfarben gelten als Ursprung der „deutschen TrikoloreSchwarz-Rot-Gold. Diese Uniform wurde erst nach der Schlacht von Waterloo durch die reguläre preußischblaue Koletts und Tschapkas ersetzt. Als Linienregiment trugen die ehemaligen Lützower ponceaurote Abzeichen mit weißen Knöpfen. 1860 ersetzte die Ulanka das Kolett und auch sonst trug das Regiment die Standarduniform der preußischen Ulanen. 1903 erhielten die Epauletten den rot bekrönten Namenszug CR des Regimentsinhabers Christian IX. von Dänemark.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stellung des Regiments in der Armeeorganisation 1914[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chefs des Regiments[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regimentschef waren:

Kommandeure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1815–1817 Oberstleutnant Adolf von Lützow
  • 1817–1825 Oberst Ludwig von Schmidt
  • 1825–1831 Oberst Friedrich von Szerdahely
  • 1831–1835 Oberst Karl Wilhelm von Waldow
  • 1835–1842 Oberst Nicodemus von Podbielski
  • 1842–1844 Oberstleutnant Otto von Stülpnagel
  • 1844–1850 Oberst Friedrich Wilhelm Chorus
  • 1850–1855 Oberst Eduard Collins
  • 1855–1857 Oberstleutnant Ludwig von Kotze
  • 1857–1864 Oberst Wasa von der Goltz
  • 1864–1870 Oberst August von Langermann und Erlenkamp
  • 1870–1877 Oberst Hugo von Knobloch
  • 1877–1883 Oberst Arthur Zimmermann
  • 1883–1885 Oberstleutnant Adolph von Schoenfeldt
  • 1885–1888 Oberst Carl von Boehm
  • 1888–1892 Oberstleutnant Carl von Wenden
  • 1892–1893 von Schmidt
  • 1893–1896 Sieg
  • 1896–1897 von Stosch
  • 1897–1902 Freiherr von Fritsch
  • 1902– Herzog Wilhelm Karl von Urach

Garnison[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Angehörige des Regiments[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hugo F. W. Schulz: Die Preußischen Kavallerie-Regimenter 1913/1914. Weltbild, Augsburg 1992 (dort Seite 148f)
  • Heinrich Bothe, Geschichte des Thuringischen Ulanen-Regimentes Nr. 6, R.V. Decker, 1865, Digitalisat