The House That Jack Built (2018)

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Filmdaten
OriginaltitelThe House That Jack Built
ProduktionslandDänemark, Deutschland, Frankreich, Schweden
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2018
Länge155 Minuten
Stab
RegieLars von Trier
DrehbuchLars von Trier
ProduktionLouise Vesth
KameraManuel Alberto Claro
SchnittMolly Marlene Stensgaard
Besetzung

The House That Jack Built ist ein Horror-Thriller von Lars von Trier, der am 14. Mai 2018 beim 71. Filmfestival von Cannes uraufgeführt wurde. Ein dänischer Kinostart ist für den 29. November 2018 geplant. Der Film erzählt die Geschichte des hochintelligenten Serienkillers Jack.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jack ist hochintelligent, hat aber auch das unbändige Verlangen, zu morden. Über 12 Jahre hinweg nimmt er in den USA der 1970er Jahre immer wieder anderen Menschen, in erster Linie Frauen, das Leben und entwickelt sich mehr und mehr zu einem wahren Serienkiller. Jack postuliert, dass jeder Mord ein Kunstwerk für sich sei. Da ihm die Polizei immer dichter auf den Fersen ist, geht er immer größere Risiken ein, um das ultimative Kunstwerk zu schaffen. Aus dem Off tauscht sich Jack wiederkehrend mit dem mysteriösen Verge aus, der erst am Ende des Films gezeigt wird.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Illustration aus dem Bilder- und Liederbuch This is the House that Jack Built von Randolph Caldecott aus dem Jahr 1887

Der Filmtitel ist eine Anspielung auf das beliebte englische Kinderlied This is the House that Jack Built, das aus einzelnen Versen besteht, die aufeinander aufbauen und so eine Geschichte erzählen. Das Lied ist in 12 unterschiedlich lange, immer umfangreicher werdende Versblöcke unterteilt, die 12 verschiedene Begebenheiten erzählen. Im letzten Versblock heißt es in der gängigsten Version:

im englischen Original: in der deutschen Übersetzung:
This is the horse and the hound and the horn
That belonged to the farmer sowing his corn
That kept the rooster that crowed in the morn
That woke the judge all shaven and shorn
That married the man all tattered and torn
That kissed the maiden all forlorn
That milked the cow with the crumpled horn
That tossed the dog that worried the cat
That killed the rat that ate the malt
That lay in the house that Jack built.
Das ist das Pferd und der Hund und das Horn
das dem Bauern gehörte, der seinen Mais aussäte
der den Hahn hielt, der am Morgen krähte
der den rasierten und geschorenen Priester weckte
der den verlumpten und dreckigen Mann verheiratet hat
der das ganz verlassene Mädchen geküsst hat
das die Kuh mit den gekrümmten Hörnern gemolken hat
die den Hund geschüttelt hat, der die Katze geärgert hat,
die die Ratte getötet hat, die den Malz gegessen hat,
der in dem Haus lag, das Jack gebaut hat

Die sich selbst aufbauende Geschichte erzählt jedoch nicht wirklich von Jacks Haus oder gar von Jack selbst, der dieses baute, sondern zeigt, wie dieses Haus indirekt mit anderen Personen und Dingen in Verbindung steht, so von dem verlumpten und dreckigen Mann, von dem ganz verlassenen Mädchen und von den Verbindungen dieser Personen und kleinen Ereignisse.

Auch im Film von Lars von Trier hat die Zahl 12 eine Bedeutung, da sich die Geschichte, in der Jack mordet, über 12 Jahre in den 1970er und zu Beginn der 1980er Jahre erstreckt.[1] Eric Kohn von IndieWire erklärt, Jack nehme im Film die Herausforderung von Verge an und kündigt seinen Plan an, „fünf zufällig ausgewählte Vorfälle über einen Zeitraum von zwölf Jahren“ zu beschreiben, die alle grausame Morde beinhalten. Über seine Verbrechen bringt er den Zuschauer auf den neuesten Stand.[2] Er erzählt anhand von «Ereignissen» («Incidents») nicht nur von seinen ersten Morden, sondern auch von seiner eigenen Biografie als Ingenieur. Jack wäre eigentlich lieber Architekt und versucht seit Jahren, sein eigenes Haus zu bauen[3], womit der Titel des Film direkt aufgegriffen wird.

Es gab bereits zuvor einige Bücher, Lieder und Filme, die den Titel des Kinderliedes und teilweise auch dessen Inhalt aufgriffen. So The House that Jack Built von Linda Evans aus dem Jahr 2001, ein gleichlautender Song von Aretha Franklin, aber auch von Alan Price aus dem Jahr 1967, der Song The House Jack Built von Metallica aus dem Jahr 1996, mehrere Filme aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit diesem Titel und der Kurzanimationsfilm The House that Jack Built von Ron Tunis.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stab und Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Matt Dillon bei der Premiere des Films im Rahmen der Filmfestspiele in Cannes im Mai 2018

Regie führt Lars von Trier, der auch das Drehbuch zum Film schreibt. IFC Films, die bereits Triers Film Antichrist aus dem Jahr 2009 veröffentlichten, erklärten im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele in Cannes 2017, dass sie auch die Vertriebsrechte für den Film erworben haben.[4]

Matt Dillon übernahm die Rolle von Jack.[5] Bruno Ganz spielt den mysteriösen Verge in seiner Gedankenwelt.

Dreharbeiten und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten wurden im März 2017 in Schweden begonnen.[6] Hier drehte man in der von Trier geschätzten und vertrauten Umgebung von Trollhättan[7] und Bengtsfors.[8] Weitere Aufnahmen entstanden in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen. Die Tierrechtsorganisation PETA hatte bestätigt, dass keinem Tier während der Dreharbeiten Schaden zugefügt wurde. Körperteile der im Film gezeigten, gequälten Ente wurden aus Silikon gefertigt.[9]

Die Rechte für die Vermarktung des Films in den USA liegen bei IFC Films.[10]

Die Premiere von The House That Jack Built erfolgte am 14. Mai 2018 außer Konkurrenz beim 71. Filmfestival von Cannes[11], lief dort jedoch ohne den offiziellen Festivaltrailer, der den Filmen normalerweise vorgeschaltet ist. Damit ist Von Trier erstmals seit dem Eklat um ihn bei den Filmfestspielen 2011 wieder mit einem Film beim Festival vertreten.[12] Kurz vor der Premiere in Cannes wurde ein erster Trailer zum Film veröffentlicht.[13] Im Juli und August 2018 soll der Film beim polnischen Filmfestival Nowe Horyzonty gezeigt werden[14], im Oktober 2018 beim Sitges Film Festival.[15] Am 29. November 2018 soll der Film in die dänischen Kinos kommen.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insider, die Aufnahmen aus The House That Jack Built bereits vor seiner Premiere gesehen hatten, beschrieben Szenen extremer Brutalität und Gewalt und vergleichen sie mit Lars von Triers umstrittenen Film Antichrist mit Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe.[16] Bei der Premiere in Cannes im Mai 2018 hatten einige Gäste den Kinosaal vorzeitig verlassen, weil ihnen der Film zu brutal gewesen war. Der Film sorgte auch für Empörung, weil darin Kinder ermordet wurden[17][18], einige Zuschauer empfanden Szenen als „unerträglich“ und „grausam“. Diese ersten Reaktionen hätten dem Film jedoch nicht völlig geschadet, so die Deutsche Welle, da das viele Gerede und Getwittere vor allem PR bringe, und viele User hätten geschrieben, dass sie von der Berichterstattung über den Boykott im Saal neugierig geworden seien und den Film nun einmal mehr sehen müssten.[19] Auch Carmine Carpenito von blairwitch.de glaubt, für von Trier dürfte die Rechnung erneut vollends aufgegangen sein, da er Cannes vermutlich wieder einmal als das Gesprächsthema Nummer eins verlassen dürfte.[20]

Insgesamt stieß der Film bei den Kritikern auf geteiltes Echo.[21]

Wenke Husmann von Zeit Online meint, mit The House That Jack Built scheitere Lars von Trier daran, einen Killer zu verstehen. Weiter vergleicht Husmann den Film mit einer Art Abstieg in Dantes Höllenschlund, dessen optische Umsetzung irgendwo zwischen Botticellis Mappa dell'Inferno und Peter Jacksons Der kleiner Hobbit liege.[22]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: The House That Jack Built – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.hollywoodreporter.com/news/cannes-festival-snub-lars-von-trier-house-jack-built-1102021
  2. http://www.indiewire.com/2018/05/the-house-that-jack-built-review-lars-von-trier-1201964207/
  3. https://www.srf.ch/kultur/film-serien/71-filmfestival-cannes-der-provokateur-lars-von-trier-geht-in-cannes-aufs-ganze
  4. The most bizarre movies coming out in 2018 that will melt your mind. In: looper.com. Abgerufen am 24. April 2018.
  5. The House That Jack Built – Matt Dillon für Lars von Trier als Jack the Ripper In: moviepilot.de 3. November 2016.
  6. Daniel Krüger: Lars von Trier dreht gerade den angeblich verstörendsten Film seiner Karriere. In: musikexpress.de, 9. März 2018.
  7. Jennifer Ullrich: Filmstarts am Set von... Lars von Triers Serienmörder-Film „The House That Jack Built.“ In: filmstarts.de, 15. März 2017.
  8. Danska provokatören Lars von Trier intar Bengtsfors. In: svt.se, 7. März 2017.
  9. http://www.indiewire.com/2018/05/peta-defends-lars-von-trier-the-house-that-jack-built-duck-mutilation-1201965931/
  10. Brent Lang: Lars von Trier Serial Killer Drama ‘The House That Jack Built’ Lands at IFC. In: Variety, 25. Mai 2018.
  11. The Screenings Guide 2018. In: festival-cannes.com, 2. Mai 2018 (abgerufen am 3. Mai 2018)
  12. Updated Selection Line-up of the 71st Festival de Cannes. In: festival-cannes.com, 18. April 2018 (abgerufen am 22. April 2018).
  13. https://www.musikexpress.de/the-house-that-jack-built-trailer-lars-von-trier-1058321/
  14. The House That Jack Built. In: nowehoryzonty.pl. Abgerufen am 15. Juli 2018.
  15. Nicolas Cage and Ed Harris will receive the Grand Honorary Award at a Sitges Festival hitting its high point with a concert by John Carpenter. In: sitgesfilmfestival.com, 19. Juli 2018.
  16. https://www.hollywoodreporter.com/news/cannes-festival-snub-lars-von-trier-house-jack-built-1102021
  17. https://www.thewrap.com/house-that-jack-built-lars-von-trier-cannes-first-reactions-vomitive-torturous/
  18. http://www.filmstarts.de/nachrichten/18518734.html
  19. http://www.dw.com/de/lars-von-trier-schockt-mit-einem-horror-thriller/a-43803747
  20. http://www.blairwitch.de/news/the-house-that-jack-built-schockiert-cannes-65121/
  21. https://www.rottentomatoes.com/m/the_house_that_jack_built_2018
  22. Wenke Husmann: "The House That Jack Built": Stumpfe Schocks. In: Zeit Online. 16. Mai 2018, abgerufen am 18. Mai 2018.