Tiwanaku

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Tiahuanaco)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Koordinaten: 16° 33′ 18″ S, 68° 40′ 25″ W

Ruinenstätte Tiwanaku mit der Ortschaft Tiawanacu im Hintergrund
Der Ponce-Monolith im Vordergrund und rechts im Hintergrund das Sonnentor von Tiwanaku.

Tiwanaku (spanisch: Tiahuanaco) ist eine bedeutende Ruine­nstätte von Prä-Inka-Kulturen nahe der Ortschaft Tiawanacu im Westen Boliviens. Als eine der wichtigsten archäologischen Stätte Boliviens wurden es im Jahr 2000 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Erst ein Bruchteil der einstigen Stadt wurde freigelegt und von Archäologen untersucht.

Tiwanaku ist innerhalb Boliviens ein indigenes Symbol, global ist die Ruinenstätte eher berühmt für die Monumentalstruktur Pumapunku.[1]

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ob Tiwanaku der Eigenname der Stätte war oder erst während der spanischen Kolonialzeit aufkam, wird kontrovers diskutiert.[2] Unklar ist auch die Bedeutung. Eine Hypothese besagt, dass sich der Name zusammensetzt aus Tia (Ufer) und huanaco (vertrocknet), also soviel wie „vertrocknetes Ufer“ bedeutet. Eine andere Erklärung sieht Ti als Kurzform für den Sonnengott Inti, was zusammen mit wawan (Sohn) und hake (Volk) die Bedeutung „Volk der Söhne der Sonne“ ergäbe.[3]

Der spanische Jesuitenmissionar Bernabé Cobo behauptet in seinem Buch Historia del Nuevo mundo (Geschichte der Neuen Welt), dass Tiwanakus Eigenname Taypikala sei, was soviel wie „Stein in der Mitte/im Zentrum“ bedeutet. Dieser Name betont den Glauben der indigenen Bevölkerung in die transzendenten Rolle Tiwanakus bei der Entstehung der menschlichen Gesellschaft (siehe Abschnitt Indigene Legenden und Mythen).[4][5]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ruinenstätte liegt am zeitweise trockenfallenden Río Tiwanaku in der kargen Hochebene des Altiplano in knapp 4000 m Höhe, ca. 75 km (Fahrtstrecke) westlich von La Paz an der Hauptstraße nach Desaguadero (Grenzübergang nach Peru) und 15 km südöstlich des Titicacasees.

Indigene Legenden und Mythen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grund, warum Tiwanaku bei den indigenen Völkern als heilig angesehen wird, ist die Rolle von Tiwanaku bei der indigenen Schöpfungsgeschichte (Genesis) in der Andenwelt. Viele Mythen, die die Erschaffung der Welt bei Tiwanaku beschreiben wurden durch die spanischen Konquistadoren dokumentiert. Diese Mythen existieren in unzähligen Varianten, weisen jedoch signifikante Gemeinsamkeiten auf. Sie erzählen die Geschichte einer vormenschlichen Welt der Dunkelheit (da Sonne und Mond noch nicht erschaffen worden sind), die durch den Erschaffer Wiraqucha Pachyachachic (Erschaffer aller Dinge), der als unsichtbarer Herr beschrieben wird, zerstört wird. Nach dem Mythos stieg Wiraqucha aus dem Titicacasee empor und zerstört diese Welt erst durch ein Inferno und dann durch eine Sintflut. Während Wiraqucha emporstieg begann sich bei Tiwanaku „Tag und Nacht“ zu formieren und er befahl, dass sich „die Sonne in ihre Bahn begeben soll“. Er begab sich nach Tiwanaku und erschuf dort Riesen, Menschen, Tiere und alle anderen Dinge. Nachdem er die Bewohner und die Riesen von Höhlen, Flüssen und Quellen rief, die über die mystische Landschaft der Schöpfungszeit verstreut waren, verwandelte er einige der Riesen wegen ihres gotteslästerlichen Verhaltens aus Wut in Stein. Die Ursünde bestand also in einer unzureichenden Huldigung des Schöpfers. Zwei Überlebende, die zusammen mit Wiraqucha in Tiwanaku blieben wurden gesandt, um eine neue Rassen von Menschen im Namen des Schöpfers hervorzurufen.[6][7][8] Die Inkas glaubten, dass die monolithischen Skulpturen von Tiwanaku dem Schöpfergott Wiraqucha als Modelle dienten, um die ersten Menschen zu Erschaffen.[9]

Entdeckung und Forschungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits der Conquistador Francisco Pizarro soll die Gegend im Jahr 1532 besucht und geplündert haben. Die Reste der Stadt wurden erstmals im 16. Jahrhundert von Pedro de Cieza de León beschrieben; er stieß im Jahr 1549 auf die Ruinen, als er auf der Suche nach der Hauptstadt der Inkas in Qullasuyu war.[10] Der deutsche Naturforscher Alphons Stübel war einer der ersten, der Ausgrabungen in Tiwanaku vornahm.[11]

Zu den ersten Forschungsreisenden der Moderne zählten Max Uhle, der den Ort besuchte, als er noch ein Übungsplatz der bolivianischen Streitkräfte war, und Arthur Posnansky, dem es gelang, die Überreste zu fotografieren, bevor Tiwanaku als Steinbruch für den Kirchen-, Profan- und Eisenbahnbau genutzt wurde. Die erste stratigraphische Grabung leitete 1934 der Archäologe Wendell Clark Bennett. Drei Jahrzehnte später legte der Peruaner Luis Lumbreras weitere Keramik-Artefakte aus der frühen, klassischen und späten Kulturabfolge frei, die Bennetts frühere Hypothesen bestätigten: Die Leitkeramik zeigt demnach deutliche Stilsprünge. Nachdem zunächst halbkugelförmige Krüge und rundbauchige Flaschen mit ausladendem Hals überwiegen, die mit komplexen geometrischen Mustern und Tierzeichnungen dekoriert wurden, dominierten in der mittleren Klassik becherförmige Keros im Stil der Nazca-Kultur. Auch diese sind reich mit Symboltieren ornamentiert und tragen neuartige kultisch-martialische Elemente wie Kopfjäger und Enthauptete. In der „dekadenten“ oder „expansiven“ Spätphase verarmten Muster und Farben zusehends, die Keramik wurde zu einem reinen Handelsgut für den Karawanenhandel.[12]

Fotos von archäologischen Ausgrabungen 1903–1904

Plünderung, Zerstörung und Amateurarchäologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tiwanaku ist eine der größten geplünderten archäologischen Stätten Südamerikas. Plünderer haben in den letzten 500 Jahren Pumapunku und den Rest von Tiwanaku so stark geplündert und zerstört, dass keiner der Monolith­blöcke mehr an seiner ursprünglichen Position steht.[13]

Max Uhle war über den Zustand der Fundstätte Tiwanaku entsetzt und forderte die bolivianische Regierung zu deren entschiedenerem Schutz auf. Er habe gesehen, wie Militärschützen das Sonnentor als Zielscheibe benutzten.[14] Dreißig Jahre später rette Arthur Posnansky fotografisch für die Archive, was vom Tempelkomplex übrig blieb. Zuvor war die Stätte bereits zum größten Steinbruch für den Kirchen-, Eisenbahn- und Profanbau von La Paz verkommen. Im Folgenden wurde versucht, Teile der präkolumbischen Ruinenstätte zu rekonstruieren. Carlos Ponce Sanginés führte Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre Rekonstruktionen durch. Die Rekonstruktion war so dilettantisch, dass sie eine völlig verzerrte Sicht auf die Tektoniken der Tiwanaku-Architektur wiedergibt.[15][16]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das historische Tiwanaku war das religiöse und administrative Zentrum von vorinkaischen Kulturen rund um den Titicacasee in der Zeit von 1500 v. Chr. bis 1200 n. Chr. Die Sprache war vermutlich Puquina.[17] Die ersten Besiedlungsspuren stammen aus dem 15. Jahrhundert v. Chr. Um 300 v. Chr. begann Tiwanaku, zu einem Zentrum für Religion und Kultur anzuwachsen, und fand seinen Höhepunkt zwischen 600 und 900 n. Chr.[10]

Durch Altersbestimmung an ausgegrabenen Keramikgegenständen sind chronologische Phasen zu erkennen, die zwischen 300 v. Chr. und 1000 n. Chr. liegen. Die Hauptphase der Bebauung konnte zusätzlich durch vielfache Datierungen mit der C14-Methode auf den Zeitraum zwischen 600 und 900 n. Chr. eingegrenzt werden, was mit der Chronologie der Keramikphasen IV und V übereinstimmt.[18] In seiner Blütezeit reichte der Einfluss von Tiwanaku von der Atacama-Wüste an der pazifischen Küste bis zur Provinz Cochabamba sowie Teilen des heutigen Argentiniens.

Am Ende des ersten Jahrtausends fiel Tiwanaku einer klimatischen Veränderung und der damit verbundenen Dürreperiode zum Opfer. Diese führte dazu, dass die Stadt für viele Jahre verlassen wurde. Anders als zuvor durch Posnansky angenommen, lag Tiwanaku nicht direkt am Titicacasee[19], sondern war auf Regenlandwirtschaft angewiesen, wozu in den Feldern um Tiwanaku fortschrittliche Bewässerungs- und Speichersysteme errichtet wurden.[20]

Als die Inka das Gebiet erreichten, fanden sie Tiwanaku bereits verlassen vor. In der Spanischen Kolonialzeit wurde das historische Areal geplündert und bis ins 20. Jahrhundert hinein als Steinbruch benutzt. Die meisten Forscher sehen in der heutigen Aymara-Bevölkerung des Titicaca-Beckens Nachkommen der früher heterogeneren Bevölkerung der Region von Tiwanaku, der Lupaca und Pacajes, die nach dem 16. Jahrhundert in den Aymara aufgegangen seien. Andere Forscher halten die Pukina für die Träger der frühen Dynastien von Tiwanaku.[21]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tiwanaku-Architektur (insbesondere der Pumapunku-Stil) weist sowohl technische als auch architektonische Merkmale auf, die einzigartig sind. Viele dieser Merkmale sind bemerkenswerte Erfindungen, die nach heutigem Stand des Wissens weder in der Architekturgeschichte der Anden noch sonst wo auf der Welt bekannte Vorläufer haben.[22]

Steinbearbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund genauer petrographischer und chemischer Analysen sowie einem Vergleich mit bekannten Steinbrüchen haben Archäologen geschlossen, dass einige Steinquader von Tiwanaku aus einem etwa zehn Kilometer entfernten Steinbruch in der Nähe des Titicacasees über eine erhebliche Steigung bis nach Tiwanaku transportiert wurden.

Puma Punku7.jpg
Puma Punku12.JPG


Steinbearbeitung bei Pumapunku.

Die bekannten und dokumentierten Werkzeuge der Inka-Steinmetzkunst sind Schlagsteine, Bronze-Stemmeisen, Lot und Seile. Diese seien aber nach den Architekturhistorikern Jean-Pierre Protzen und Stella Nair bei den Steinblöcken von Tiwanaku nicht verwendet worden. Nach diesen Autoren gebe es Hinweise auf die gelegentliche Verwendung von einer Art Sägen oder Feilen sowie Schleifmaschinen. Die Oberflächenbearbeitung der Steinquader der Inka würde nicht so perfekt sein wie die der Tiwanakaner. Insgesamt stellen Jean-Pierre Protzen und Stella Nair fest, dass die Tiwanakaner bei den glatten Oberflächen, perfekt ebenen Flächen und den exakten rechten Innen- und Außenwinkel bei den fein zugerichteten Steinen auf Techniken zurückgriffen, die den Inka unbekannt waren und der heutigen Archäologie zu dieser Zeit noch unbekannt sind. Die scharfen und präzisen Innenwinkel von 90 ° wurden höchstwahrscheinlich nicht mit Schlagsteinen angefertigt. Egal wie fein die Spitze des Schlagsteins sei, er könne niemals die scharfen rechten Innenwinkel erzeugen, die beim Tiwanaku-Mauerwerk zu sehen seien. Die Bauwerkzeuge der Tiwanakaner, mit vielleicht der möglichen Ausnahme von Schlagsteinen, bleiben nach Jean-Pierre Protzen und Stella Nair im Wesentlichen unbekannt und müssen noch entdeckt werden.[23] Nach der Kunsthistorikerin Jessica Joyce Christie hätten die Experimente von Jean-Pierre Protzen und Stella Nair gezeigt, dass die Tiwanaku-Baumeister möglicherweise über zusätzliche Werkzeuge verfügten, die die Erstellung exakter geometrischer Schnitte und Formen ermöglichten und über die die Archäologie derzeit keine Aufzeichnungen hat.[24]

Miniaturrepliken von Monumentalarchitektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Mitte des Bildes: Sogenannter „Modellstein“, der möglicherweise ein Miniatur-Architekturmodell einer Tempelanlage bei Tiwanaku darstellt.

Ein weiteres bemerkenswertes Detail der Tiwanaku-Architektur sind „Modellsteine“, die akkurate Repliken von einst stehender Monumentalarchitektur zu sein scheinen. Beispielsweise existieren Miniaturtore, von denen Architekturhistoriker annehmen, dass sie perfekte Miniatur-Repliken der Monumentaltore von Pumapunku sind. Beim Prozess der Reduzierung wurde eine bestimmte Tranformationsformel angewandt.[25] Der sogenannte „Modellstein“ bei Kantatayita ist möglicherweise ein Miniatur-Architekturmodell von Kalasasaya. Zudem ist der viel bewunderte Monolith namens „Schreibtisch der Inka“ (spanisch: Escritorio del Inka) ein genaues Modell von Pumapunkus Monumentalarchitektur in reduzierter Form und wird daher auch „architektonischer Rosetta-Stein“ genannt.[26] Rekonstruktionen der in Ruinen liegenden Tempelanlagen und der Torfragmente, die einst puzzleartig zusammengesetzt wurden, orientieren sich auch an diesen Modellsteinen. Die Tatsache, dass viele dieser Monolithen in mehreren Exemplaren ausgeführt wurden, spricht nach Architekturhistorikern für eine Massenproduktion.[27] Zudem existieren Miniaturrepliken von „kegelförmigen Aussparungen“ unbekannter Funktion, die in die Tore von Tiwanaku eingearbeitet sind.[28]

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das eigentliche Zeremonialzentrum von Tiwanaku besteht aus mehreren Baugruppen, die allesamt auf die beiden Tagundnachtgleichen hin ausgerichtet sind:

  • Der halbunterirdische Tempel von Tiwanaku, eine nahezu quadratische Anlage (26 × 28 m) im Osten der Anlage, ist von etwa 2 m hohen und mit steinernen Köpfen bestückten Umfassungsmauern umgeben. Es ist eines der ältesten Bauwerke von Tiwanaku.[29]
  • Kantatayita ist ein zur Seite von Akapana in Ruinen liegender Tempelkomplex
  • Das zur Kalasasaya-Plattform hinaufführende Doppeltor gibt den Blick frei auf die ungefähr mittig in der inneren Plattform stehende monolithische Andesitfigur des Ponce-Monolithen. Die beiden Teile der Plattform sind von zwei rechteckigen, maximal etwa 3 m hohen Mauern umgeben, deren äußere aus aufgestellten Megalithen mit dazwischen befindlichen, teilweise restaurierten Füllungen aus exakt behauenen Steinen besteht; bei der inneren Mauer fehlen die Megalithen.
  • Außerhalb der Ostmauer der Plattform befindet sich der Putuni (veraltet auch „Palast der Sarkophage“ genannt).
  • Außerhalb der Plattform-Nordseite erhebt sich die einst von Menschen aufgeschüttete und heute nur noch etwa 15 m hohe Akapana-Plattformhügel mit ihrer Mauereinfassung aus Megalithen und Füllsteinen.
  • Bei La K’arana (auch La K’araña) handelt es sich möglicherweise um eine Wohnanlage
  • Mollo Kontu ist ein kleiner terrassierter Plattformhügel
  • Ost-Akapana ist ein weiteres Areal von Tiwanaku
  • Ch’iji Jawira, hier wurde in Fülle Keramik ausgegraben
  • Lakakollu ist ein weiterer künstlich angelegter Hügel
  • Kherikala (auch Kerikala) und Chunchukala sind architektonische Komplexe, die wahrscheinlich einst Monumentalkomplexe besessen haben
Umgebung
  • Wenige hundert Meter entfernt liegen die Ruinen von Pumapunku, dessen äußerst präzise gefertigten Monolithen zu einem heute in Ruinen liegenden Monumentalkomplex der Tiwanaku-Kultur gehören

Von allen oben genannten Bezeichnungen für Tiwanakus Areale haben nur Akapana und Pumapunku historische Bedeutung; von beiden berichtete der spanische Jesuiten-Missionar Bernabé Cobo und damit reichen sie bis mindestens 1610 zurück.[30]

Steinskulpturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die bekannteste Sehenswürdigkeit ist das Sonnentor von Tiwanaku. Es ist 2,85 m hoch und 3,82 m breit und wurde in handwerklich perfekter Steinbearbeitung aus einem einzigen Andesitblock hergestellt. Es wurde im Jahr 1908 wieder aufgerichtet; zuvor fanden Forscher es in zwei Teile zerbrochen, liegend und bis zu einem Viertel seiner Höhe im Boden versunken. Sein Gewicht wird auf neun Tonnen geschätzt. An ihm findet sich ein Fries mit einer frontal abgebildeten Figur. Nach Ansicht von einigen Autoren soll es sich bei der Figur um Wiraqucha bzw. in Aymara: Willkatata oder Thunupa handeln. Es liegen allerdings keine Belege vor, dass es sich um eine Gottheit handelt. Diese Annahme wird daher auch als Faktoid bezeichnet.[31] Die problematische Bezeichnung „Stabgottheit“ ist auf die oberflächliche visuelle Ähnlichkeit der länglich vertikalen Objekte mit Stäben zurückzuführen, die die frontal abgebildete Figur am Sonnentor in den Händen hält. Zudem zeigen sowohl der Bennett- als auch der Ponce-Monolith subsidiäre Figuren, die von der zentralen Figur abgewandt sind. Sollten die zentralen frontal abgebildeten Figuren tatsächlich Gottheiten sein, wäre es höchst ungewöhnlich, dass sich die subsidiären Figuren von ihnen abwenden.[32] Das maskenhafte Gesicht der frontal abgebildeten Figur wird von einem „strahlenförmigen Kopfputz“ umrahmt. Ein ähnliches Motiv befindet sich auch auf der Raimondi-Stele aus Chavín de Huántar. In Flachrelief sind drei Reihen von unterschiedlichen (in der Gesamtsumme 48) subsidiären Figuren abgebildet (zählt man allerdings die Figuren der peripheren Sektionen des Frieses nicht mit, die höchstwahrscheinlich nachträglich angefertigt wurden dann sind es lediglich 30 subsidiäre Figuren), die der frontal abgebildeten Zentralfigur zugewandt sind (jeweils 24 (15) zu jeder Seite der Zentralfigur). Im unteren Bereich befindet sich ein Mäanderfries, welches mit 11 strahlenförmigen körperlosen Köpfen alterniert. Am Sonnentor wird jährlich die Wintersonnenwende (Willakakuti oder Willkatuti) gefeiert, das Neujahrsfest der Aymara.
  • Das im Vergleich zum Sonnentor deutlich schlankere, aber ebenfalls monolithische Mondtor steht etwa 200 m nordwestlich der Kalasasaya-Plattform. Im Gegensatz zur Ikonografie des Sonnentors sind die Figuren und Ornamente des Mondtors weit davon entfernt, präzise zu sein.
  • Im halbunterirdischen Tempel von Tiwanaku wurde im Jahr 1932 der etwa 7,3 m hohe und 20 t schwere Bennett-Monolith ausgegraben, der heute im örtlichen Museum steht.
  • Eine weitere bedeutende Skulptur von Tiwanaku ist der ca. 3,50 m hohe sogenannte Ponce-Monolith. Er ist mitsamt Sockel etwa 3,50 m hoch. Sein Gesicht ist starr nach vorne gerichtet; die weitgeöffneten Augen sowie Mund und abgebrochene Nase sind eher schematisch dargestellt. In den eng an den Körper geschmiegten Händen hält er zwei (Zeremonial-)Gegenstände. Auf seinem rechten Oberarm wurde von den Spaniern ein Kreuz eingeritzt.
  • Eine weitere Figur, der man den Namen Mönch-Monolith bzw. Fraile-Monolith (spanisch fraile für „Mönch“) gegeben hat, steht in der Südwestecke der Plattform.
  • Ein Chachapuma aus Basalt wurde an der Basis der westlichen Treppe von Akapana entdeckt

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alan Kolata: The Tiwanaku – portrait of an Andean civilization, Cambridge 1993, ISBN 1-55786-183-8.
  • Helene Gerov, (et al.): Technik aus vor-inkaischen Kulturen – Tiahuanaco, Wien 1995.
  • Henri Stierlin: Die Kunst der Inka und ihrer Vorläufer – von Valdívia bis Machu Picchu, Stuttgart 1997, ISBN 3-7630-2349-6.
  • Garret G. Fagan: The seventy great mysteries of the ancient world. Unlocking the secrets of past civilizations, New York 2001.
  • John Wayne Janusek: Identity and Power in the Ancient Andes: Tiwanaku Cities Through Time, London u. New York 2004, ISBN 0-415-94634-4.
  • David M. Jones: The illustrated history of the Incas – the extraordinary story of the lost world of the Andes, chronicling the ancient civilizations of the Paracas, Chavin, Nasca and Moche and other tribes and cultures of ancient South America, London 2007, ISBN 1-84476-369-2
  • Garret G. Fagan (Hrsg.): Archaeological fantasies. How pseudoarchaeology misrepresents the past and misleads the public, Abingdon u. a. 2007.
  • Walt Becker: Missing Link, München 2008, ISBN 978-3-426-50003-3.
  • Doris Kurella: Kulturen und Bauwerke des Alten Peru. Geschichte im Rucksack (= Kröners Taschenausgabe. Band 505). Kröner, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-520-50501-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Inhalte in den
Schwesterprojekten der Wikipedia:

Commons-logo.svg Commons – Medieninhalte (Kategorie)
Wikivoyage-Logo-v3-icon.svg Wikivoyage – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jeb J. Card: Spooky archaeology: Myth and the science of the past. University of New Mexico Press (2018), S. 122.
  2. Adolph Francis Alphonse Bandelier: The ruins at Tiahuanaco. The Society, 1911, S. 6.
  3. Thomas Pampuch, Agustín Echalar Ascarrunz: Bolivien. In: Beck’sche Reihe. 3., aktualisierte Auflage. Band 813. Verlag C. H. Beck, 1998, ISBN 3-406-44113-0, ISSN 0932-5352 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Margaret Young-Sánchez: Tiwanaku: ancestors of the Inca. University of Nebraska Press, 2004, ISBN 0-8032-4921-7, S. 100 (englisch).
  5. Adolph Francis Alphonse Bandelier: The ruins at Tiahuanaco. The Society, 1911, S. 6 ff.
  6. Alan Kolata: The Tiwanaku: portrait of an Andean civilization. Cambridge: Blackwell (1993), ISBN 1-55786-183-8, S. 5 ff.
  7. Terence N. d'Altroy: The incas Band 13. John Wiley & Sons (2014), S. 85.
  8. Jessica Joyce Christie: Memory landscapes of the Inka carved outcrops Lexington Books (2015), S. 112.
  9. Sonia Alconini, R. Alan Covey: The Oxford handbook of the Incas. Oxford University Press, (2018), S. 550.
  10. a b Alan Kolata: The Tiwanaku – portrait of an Andean civilization. Wiley-Blackwell, 1993, ISBN 1-55786-183-8 (englisch).
  11. William Harris Isbell et al. (Hrsg.): Huari Administrative Structure: Prehistoric Monumental Architecture and State Government. Dumbarton Oaks, 1991, ISBN 0-88402-186-6, S. 3, 4 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  12. Rolf Seeler: Peru und Bolivien – Indianerkulturen, Inka-Ruinen und barocke Kolonialpracht der Andenstaaten. In: DuMont Kunstreiseführer. 1. Auflage. DuMont Buchverlag, Köln 2001, ISBN 3-7701-4786-3, S. 278–284.
  13. Alexei Vranich: Reconstructing ancient architecture at Tiwanaku, Bolivia: the potential and promise of 3D printing., S. 15.
  14. Rolf Seeler: Peru und Bolivien. Indianerkulturen, Inka-Ruinen und barocke Kolonialpracht der Andenstaaten. DuMont, Köln 2001, ISBN 3-7701-4786-3, S. 278, (einsehbar bei Google.Books).
  15. Rolf Seeler: Peru und Bolivien. Indianerkulturen, Inka-Ruinen und barocke Kolonialpracht der Andenstaaten. DuMont, Köln 2001, ISBN 3-7701-4786-3, S. 278, (einsehbar bei Google.Books).
  16. Jean-Pierre Protzen, Stella E. Nair: On Reconstructing Tiwanaku Architecture: The Journal of the Society of Architectural Historians. (2000) Band 59, Nr. 3, Seiten: 358–371. hier: 360.
  17. P Heggarty, D Beresford-Jones: The Encyclopedia of Global Human Migration. Hrsg.: I Ness, P Bellwood. Wiley-Blackwell, Oxford 2013, Andes: linguistic history, S. 401–9.
  18. Fagan 2007
  19. Posnansky 1945
  20. Garret G. Fagan: The seventy great mysteries of the ancient world – Unlocking the secrets of past civilizations. Neue illustrierte Auflage. Thames & Hudson, 2001, ISBN 0-500-51050-4 (englisch).
  21. John Wayne Janusek: Ancient Tiwanaku (= Case Studies in Early Societies. Nr. 9). Cambridge University Press, 2008, ISBN 978-0-521-81635-9, S. 50 ff. (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  22. Jean-Pierre Protzen, Stella Nair: The Stones of Tiahuanaco: a study of architecture and construction. (= Cotsen Institute of Archaeology Press. Band 75). 1997, S. 202.
  23. Jean-Pierre Protzen, Stella Nair: Who taught the Inca stonemasons their skills? A comparison of Tiahuanaco and Inca cut-stone masonry. The Journal of the Society of Architectural Historians (1997). Band 56, Nr. 2, Seiten: 146–167. hier: 165.
  24. Jessica Joyce Christie: Memory landscapes of the Inka carved outcrops. Lexington Books (2015), S. 41.
  25. Helaine Silverman, William H. Isbell: Andean Archaeology II: Art, Landscape, and Society. Springer, 2015, S. 213.
  26. Alexei Vranich: Reconstructing ancient architecture at Tiwanaku, Bolivia: the potential and promise of 3D printing., S. 6.
  27. Jean-Pierre Protzen, Stella Nair: The Stones of Tiahuanaco: a study of architecture and construction. (= Cotsen Institute of Archaeology Press. Band 75). 1997, S. 151.
  28. Helaine Silverman, William H. Isbell: Andean Archaeology II: Art, Landscape, and Society. Springer (2015), S. 204.
  29. Antje Gunsenheimer, Ute Schüren: Amerika vor der europäischen Eroberung. Frankfurt/Main: S. Fischer (2016)
  30. Jean-Pierre Protzen, Stella Nair: The Stones of Tiahuanaco: a study of architecture and construction. Band 75, Cotsen Institute of Archaeology Press (1997), S. 214.
  31. Mathieu Viau-Courville: Spatial configuration in Tiwanaku art. A review of stone carved imagery and staff gods. In: Boletín del Museo Chileno de Arte Precolombino. Band 19, Nr. 2, 2014, ISSN 0716-1530, S. 24 (spanisch, scielo.conicyt.cl [PDF; 2,2 MB; abgerufen am 5. Juli 2021]).
  32. Mathieu Viau-Courville: Spatial configuration in Tiwanaku art. A review of stone carved imagery and staff gods. In: Boletín del Museo Chileno de Arte Precolombino. Band 19, Nr. 2, 2014, ISSN 0716-1530, S. 22 (spanisch, scielo.conicyt.cl [PDF; 2,2 MB; abgerufen am 5. Juli 2021]).