Tychy

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Tychy
Wappen von Tychy
Tychy (Polen)
Tychy
Tychy
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Schlesien
Powiat: Kreisfreie Stadt
Fläche: 81,72 km²
Geographische Lage: 50° 8′ N, 18° 59′ OKoordinaten: 50° 7′ 55″ N, 18° 59′ 29″ O
Einwohner: 128.480
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 43-100
Telefonvorwahl: (+48) 32
Kfz-Kennzeichen: ST
Wirtschaft und Verkehr
Straße: KatowiceBielsko-Biała
Schienenweg: KatowiceBielsko-Biała
Nächster int. Flughafen: Katowice
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Gminagliederung: 17 Stadtteile
Fläche: 81,72 km²
Einwohner: 128.480
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 1572 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2477011
Verwaltung (Stand: 2015)
Stadtpräsident: Andrzej Dziuba (parteilos)[2]
Adresse: al. Niepodległości 49
43-100 Tychy
Webpräsenz: www.tychy.pl



Marktplatz im früheren Stadtkern
Kirchvorplatz in der Altstadt
Sitz der Stadtverwaltung
Gebäude des alten Postamtes
Ehemaliger Güterbahnhof

Tychy [ˈtɨxɨ], deutsch Tichau, ist eine Stadt in der Woiwodschaft Schlesien im südlichen Teil der Republik Polen. Sie genießt als Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur und vor allem aufgrund der seit 1629 betriebenen größten polnischen Brauerei Tyskie, der ansässigen Automobilindustrie und dem professionellen Sportverein GKS Tychy eine überregionale Bedeutung. Als Teil der Schlesischen Metropolregion gehört sie darüber hinaus zum zweitgrößten Ballungsraum Polens mit über zwei Millionen Einwohnern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archäologische Funde auf dem Friedhof im Stadtteil Cielmice belegen, dass bereits in der Altsteinzeit im heutigen Stadtgebiet von Tychy eine Siedlung existiert haben muss.

Ab 874 gelangte die Gegend um Tychy unter der Herrschaft von Svatopluk I. an das Mährerreich. Nach dessen Untergang eroberte 985 der polnische Herzog Mieszko I. die Region, wodurch sie spätestens ab 1025 dauerhaft zum Königreich Polen gehörte. 1336 wurde sie in Folge von Erbstreitigkeiten allerdings zum Lehen des Königreichs Böhmen ernannt und damit Teil des Heiligen Römischen Reiches.

Die älteste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt von 1467. In dem in lateinischer Sprache verfassten Protokoll wird dieser als Tichi bezeichnet. Zu jener Zeit war der Ort ein Straßendorf und erhielt um 1500 seine erste eigene Holzkirche im Bereich der heutigen Altstadt. Der Name deutet auf eine ursprüngliche Bezeichnung der ersten Bewohner hin, die Nachfahren oder Gefolgsleute eines Tymoteusz, im Diminutiv verkürzt Tych genannt, gewesen sein müssen. Der Begriff Tychy bezeichnete demnach zu Beginn im Plural primär die Bewohner des Ortes.[3] 1526 fiel Tychy unter die Kontrolle der Habsburgermonarchie, wodurch es vermutlich erstmals seinen deutschsprachigen Namen Tichau erhielt.

1629 wurde im Norden des Ortes die heutige Brauerei gegründet. 1640 folgte die Errichtung einer Eisenhütte und 1650 gingen schließlich die erste Ziegelei und eine Brennerei in Betrieb. Gegenüber der Brauerei wurde 1685 zudem ein Jagdschloss erbaut, das noch heute als Tagungszentrum dient.

In Folge des ersten Schlesischen Krieges fiel der Ort 1742 an das Königreich Preußen. Unter König Friedrich Wilhelm IV. erhielt er 1850 erstmals als Gemeinde Selbstverwaltungsrechte und 1866 ein eigenes Postamt sowie 1868 einen Eisenbahnanschluss, der 1898 die Gründung einer zweiten Brauerei begünstigte. Seit 1887 existiert darüber hinaus eine Zellulose- und Papierfabrik im Ort.

Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Tychy zum Abstimmungsgebiet in Schlesien und kam durch Beschluss des Völkerbundes 1922 zum seit 1918 wieder unabhängigen Polen. 83 % der Einwohner stimmten für die Republik Polen, 17 % für das Deutsche Reich. Vom Rat der autonomen Woiwodschaft Schlesien erhielt Tychy 1933 seine ersten Stadtrechte und im Jahr darauf eine städtische Verfassung.

Zur Zeit der deutschen Besetzung während des Zweiten Weltkrieges errichteten die Nationalsozialisten in der Nähe von Tychy 1940 das Konzentrationslager Auschwitz, von dem es insgesamt 40 Nebenlager in Schlesien gab, jedoch keines direkt in Tychy.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden Tychy 1945 durch die sozialistische Übergangsregierung die Stadtrechte vorerst wieder aberkannt. 1949 begann man in dem Gebiet um Tychy Steinkohlebergbau zu betreiben. In diesem Rahmen wurde die Stadt, nachdem sie 1951 endgültig Stadtrechte erhalten hatte, bis 1965 planmäßig ausgebaut. Maßgeblich für die architektonische Gestaltung und den Ausbau der Stadt waren das Architektenpaar Kazimierz Wejchert und Hanna Adamczewska-Wejchert sowie Tadeusz Teodorowicz-Todorowski, die aus Tychy eine moderne Stadt im Sinne des Realsozialismus machen sollten.

Trotz zahlreicher typischer Plattenbauten aus dieser Zeit, unterscheidet sich Tychy größtenteils von den anderen Städten des Oberschlesischen Industriereviers durch seine zahlreichen Grünflächen, Freizeitanlagen, breite Straßenalleen und seine Randlage nahe den beskidischen Wäldern sowie dem Paprotzaner See mit seinem Bach Gostynia. Das 1968 eröffnete Eisstadion und 1970 erbaute sowie 2014 modernisierte Fußballstadion stellen weitere wichtige Alleinstellungsmerkmale für das rund 15 Kilometer südlich von Katowice gelegene Tychy dar. Prägender als der Bergbau war für Tychy zudem die Automobilfertigung im 1973 gegründeten Fahrzeugwerk.

Nach dem Systemwechsel in Polen 1989 hat sich das Bild der Stadt stark verändert, was den vielen neuen Wohnsiedlungen, in denen vermehrt Einfamilienhäuser entstehen, sowie dem Umbau und Ausbau zentraler Punkte im Stadtkern zu verdanken ist.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedeutung erlangte die Stadt vor allem durch ihr Bier, das seit dem 17. Jahrhundert in Tychy gebraut wird. Heute unterhält das größte polnische Brauereiunternehmen, die Kompania Piwowarska, die 1629 gegründete Brauerei in Tychy, in der auch ausländische Markenbiere hergestellt werden. Darüber hinaus sind der Steinkohlebergbau, die Zellulose-, Papier-, Baustoff- und Nahrungsmittelindustrie sowie der Maschinenbau bedeutend für die Stadt. Ansässig ist in Tychy auch die Schlesische Blumenmesse, was Tychy zur wichtigsten Drehachse für den Blumenhandel innerhalb Polens macht.

Außerdem werden im Fahrzeugwerk des Herstellers Fiat, das früher dem staatlichen Unternehmen FSM gehörte, Autos für den europäischen Markt gebaut. Bis 1991 war dies vor allem der populäre polnische Kleinwagen Polski Fiat 126p, in Polen als Maluch bekannt, später der Fiat Cinquecento, das Nachfolgemodell Seicento und der neue Panda. Derzeit werden in dem Werk die neue Retroversion des populären 500 und der Lancia Ypsilon gebaut. Seit 2008 fertigt der Konzern Ford in Tychy zudem jährlich 120.000 Fahrzeuge des Ford Ka II. Durch den Ausbau der Kapazitäten für die neuesten Modelle wurde der Standort enorm ausgebaut.

In Tychy gibt es aufgrund der Bedeutung innerhalb der Automobilbranche zahlreiche Unternehmen der Automobilzulieferindustrie. Zu diesen zählen vor allem Unternehmen deutschen und japanischen Ursprungs.

Tychy gehört darüber hinaus zur sogenannten Sonderwirtschaftszone Tychy-Katowice, wodurch Neuansiedlungen von Unternehmen steuerlich begünstigt werden. Gleichzeitig ist sie Teil der über zwei Millionen Einwohner zählenden Schlesischen Metropolregion, innerhalb der sie zu den wohlhabendsten Gemeinden zählt.[4]

Wissenschaft und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1990 wurde in Tychy ein staatliches Kolleg für Fremdsprachenlehrer gegründet. Seit 1996 besitzt die Stadt zudem eine Hochschule für Management und Sozialwesen.

Jährlich stattfindende Kulturveranstaltungen sind unter anderem der Schlesische Gitarrenherbst und die Ausstellung Musik in der Malerei. Außerdem ist in der Stadt ein modernes Rehabilitierungszentrum zu finden, das sich unmittelbar am beliebten Paprotzaner See befindet.

Hervorgebracht hat die Stadt viele erfolgreiche und namhafte Sportler für den Fußball und den Eishockey, die in den Ligen Mittelwesteuropas und Nordamerikas spielen. International bekannt ist ebenso die Bluesrockband Dżem um den verstorbenen Musiker Ryszard Riedel.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tychy unterhält zu folgenden Städten Partnerschaften:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tychy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Website der Stadt (BIP), Prezydent, abgerufen am 3. Februar 2015
  3. Polska z Miodkiem, Tychy. In: vod.tvp.pl. Abgerufen am 3. Februar 2016.
  4. Wyborcza.pl. In: m.katowice.wyborcza.pl. Abgerufen am 6. Februar 2016.