Halle-Silberhöhe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wappen von Halle (Saale)
Silberhöhe
Stadtteil von Halle (Saale)
AltstadtAmmendorf/BeesenBöllberg/WörmlitzBüschdorfDamaschkestraßeDautzschDiemitzDieselstraßeDölauDölauer HeideFreiimfelde/Kanenaer WegFrohe ZukunftGebiet der DRGesundbrunnenGewerbegebiet NeustadtGiebichensteinGottfried-Keller-SiedlungHeide-Nord/BlumenauHeide-SüdIndustriegebiet NordKanena/BruckdorfKröllwitzLandrainLettinLutherplatz/Thüringer BahnhofNietlebenMötzlichNördliche InnenstadtNördliche NeustadtPaulusviertelPlanenaRadewell/OsendorfReideburgSaaleaueSeebenSilberhöheSüdliche NeustadtSüdstadtTornauTrothaWestliche NeustadtAm Wasserturm/ThaerviertelSüdliche InnenstadtLage des Stadtteils Silberhöhe in Halle (Saale) (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Koordinaten 51° 26′ 34″ N, 11° 58′ 15″ OKoordinaten: 51° 26′ 34″ N, 11° 58′ 15″ O.
Einwohner 12.432 (31. Dez. 2019)
Postleitzahlen 06128, 06132
Vorwahl 0345
Blick über den Rattmannsdorfer See auf die Silberhöhe nach dem Abriss von Dutzenden Hochhäusern[1]
Mündung der Weißen Elster in die Saale unterhalb der Silberhöhe
Wasserspielplatz

Die Silberhöhe ist ein Stadtteil im Stadtbezirk Süd von Halle (Saale). Der eigenständige, wenig mit dem übrigen Stadtgebiet verbundene Stadtteil ist geprägt von Plattenbauten, die dort ab dem Ende der 1970er Jahre errichtet wurden, um den Wohnbedarf der Beschäftigten der Großbetriebe, insbesondere der Chemieindustrie (z. B. die Kombinate BUNA und LEUNA), zu decken. Am Südrand des Stadtteils befindet sich die Mündung der Weißen Elster in die Saale.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baubeginn war im Jahr 1979. 1982 wurde die Silberhöhe an das Straßenbahnnetz der VEB Verkehrsbetriebe Halle (seit 16. Juni 1990 Hallesche Verkehrs-AG) angeschlossen. Die Silberhöhe ist in Wohnkomplexe bzw. Bauabschnitte unterteilt. Die höchsten Gebäude waren zwei 22-geschossige Punkthochhäuser, die inzwischen wieder abgerissen wurden. Im Gegensatz zur Planung für Halle-Neustadt lag kein städtebauliches Leitbild wie „die sozialistische Stadt“ zu Grunde, vielmehr ging es vorrangig um die Generierung von Wohnraum zur Lösung des Wohnungsmangels in der DDR.

Stadtumbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung lebten im Stadtteil Silberhöhe 39.000 Menschen in ca. 14.550 Wohnungen.[2] 2008 lebten dort jedoch nur noch knapp 14.000 Menschen,[3] was weniger als 36 % des Standes von 1990 entspricht. Einerseits ging der nach der Wiedervereinigung eingetretene Bevölkerungsrückgang in den neuen Bundesländern auch an Halle nicht spurlos vorüber. Andererseits waren die ehemals begehrten Wohnungen in den Plattenbausiedlungen im Vergleich zu modernisierten Altbauwohnungen unattraktiv geworden. Zudem hatte der Stadtteil Silberhöhe eine überwiegend junge Bevölkerung mit einem Durchschnittsalter, das fünf Jahre unter dem Stadtdurchschnitt lag, so dass der natürliche Wegzug den Bevölkerungsrückgang noch beschleunigte. Prognosen aus den Nullerjahren sagten für 2015 noch etwa 9.600 Einwohner voraus, was bei einer durchschnittlichen Personenanzahl pro Haushalt von 1,95 etwa 5.600 Wohneinheiten entsprochen hätte, die dann noch belegt gewesen wären.[2] Diese Prognosen erwiesen sich allerdings als zu negativ, da Ende 2019 12.432 Menschen in der Silberhöhe lebten und bereits seit 2008 eine deutliche Verflachung des Rückgangs zu beobachten ist (siehe Abschnitt Bevölkerungsentwicklung).

Zudem war im Stadtteil Silberhöhe ein anhaltender Prozess sozialer Segregation zu beobachten. Der Wohnungsleerstand nahm stetig zu. Daher wurde ab dem Jahr 2001 der Rückbau von Wohngebäuden, Schulen und Kindertagesstätten durchgeführt.[2][4] Insgesamt waren rund ein Drittel der Wohnungen (ca. 4.500) für den Abriss vorgesehen. Von den mehr als 40 Hochhäusern mit über 10 Etagen – darunter zwei Punkthochhäuser mit mehr als 20 Etagen – blieben nur zwei in der Wittenberger Straße, zwei in der Hanoier Straße, eines in der Coimbraer Straße sowie zwei in der Silbertalerstraße erhalten. Zwischen 2001 und 2013 wurden 5.786 Wohneinheiten abgerissen, so dass noch 7.666 Wohneinheiten übrig blieben.[3]

Ein wesentlicher Schritt für die Erneuerung war die ab 1998 erfolgte Einrichtung des Programms „Soziale Stadt“; hierbei gelang es der Stadt Halle, ihre beiden Großwohnsiedlungen in die staatliche Förderung einzubringen und insbesondere bei der Silberhöhe ein engagiertes Erneuerungskonzept zu initiieren. Kulturelle Aufwertung und vor allem der Abriss in großem Stil kennzeichnen nunmehr die Entwicklung dieses in den Vordergrund gerückten Stadtteils. Bereits im Jahre 1999 ist im Zusammenhang mit der Umstrukturierung auf der Silberhöhe das Stadtteilbüro vom Gebietsmanagement und der Stadt Halle (Saale) eingerichtet worden. Es übernimmt eine wichtige Funktion als Bindeglied bei der Vernetzung verschiedener Projekte und Initiativen. Hier finden wechselnde Ausstellungen und Veranstaltungen wie auch zum Kunstprojekt „Spur der Steine“ statt. Inzwischen ist die Silberhöhe durch die bewusste Verknüpfung von Kunst und Abriss als Begriff und Bild überregional bekannt. Neben dem Projekt „Spur der Steine“ ist insbesondere die ausführliche künstlerische Darstellung der Silberhöhe durch Film und Bildsequenzen innerhalb der Ausstellung „Shrinking Cities“ als Beispiel aus der Region Halle-Leipzig zu erwähnen.

Der Stadtteil selbst änderte sein Gesicht grundlegend durch den Abriss der Mehrzahl der Hochhäuser und die starke Veränderung des öffentlichen Raums. Geplant war, nach einem abgestimmten Konzept eine Rückbauleistung von über 7.200 Wohnungen durch die daran beteiligten sechs Wohnungsunternehmen zu erbringen, was sich aber nicht als notwendig erwies. Bei der Nachnutzung der Flächen orientierte man sich an dem Konzept der „Stadtverwaldung“ von Joseph Beuys. Eine Fläche von 3,6 Hektar sollte aufgeforstet werden. Mit dem Ziel der Renaturierung sollte durch die Anpflanzung von Laubbäumen auf großflächigen Rückbauarealen mitten im bewohnten Quartier ein natürlich wachsender Stadtwald entstehen, wobei aber später das Konzept zugunsten einer Waldstadt abgemildert wurde. Angedacht war es zunächst, zahlreiche Baumarten wie Erle, Spitz- und Bergahorn, Esche und Traubeneiche zu pflanzen und diese mit Haselnuss, Heckenkirsche, Hartriegel, Weißdorn und Wildrose zu ergänzen. Rund 20.000 Bäume sollten systematisch an diesem Standort angesiedelt werden, was fast einem Baum für jeden früheren Bewohner entsprochen hätte. Mit dem Ende des großflächigen Abrisses endeten aber auch die Baumpflanzaktionen. Auch ein angedachter Wald-See wurde nicht umgesetzt.[5]

Anlässlich des 1200-jährigen Stadtjubiläums von Halle im Jahr 2006 wurde im Jahr 2004 ein „Jubiläumshain“ konzipiert, der aus einem Baum für jedes Jahr bestehen sollte.[6] Im September 2020 wurde mit dem Bau des Fußball-Nachwuchsleistungszentrum des Halleschen FC im Nordwesten der Silberhöhe an der Karlsruher Allee begonnen. Es entsteht als Ersatz für die bisherige Anlage auf dem Sandanger, die beim Hochwasser 2013 schwer beschädigt wurde, und soll eine Fläche von 80.000 Quadratmetern ausfüllen.[7]

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die Einwohnerzahl der Silberhöhe in den 1990er Jahren stark zurückgegangen war, setzte sich der Trend bis zum Anfang der 2010er Jahre fort, aber verlangsamte sich bis dahin stark (siehe Diagramm). Seit einigen Jahren stagniert die Einwohnerzahl des Wohngebietes.

Quelle:

  • Bevölkerung der Stadt Halle (Saale) 1992–1997,[8]
  • Halle in Zahlen, offizielle Statistik der Stadt Halle (Saale) aus den Jahren 2000 bis 2019.[9]

Medien und Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

GRABUNGSSTAEDTE 2005

Die Silberhöhe war unter anderem Thema eines niederländischen Dokumentarfilms von Britta Hosman (2005, 30 Minuten) sowie eines Kurzfilms von Clemens von Wedemeyer (2003, 10 Minuten).

Die Künstlerin Dagmar Schmidt bildete in den Grundmauern eines abgerissenen Wohnblocks die Lebenswelt in den umgebenden Bauten am ausgehenden 20. Jahrhundert nach. Das Mobiliar in dem mit „GRABUNGSSTAEDTE“ bezeichneten Kunstwerk ist ebenfalls aus Beton. Für das Kunstwerk erhielt die Künstlerin 2006 – als erste Frau – den mit 50.000 Euro dotierten „mfi Preis Kunst am Bau“. Seit dem Jahr 2015 nimmt die Installation jährlich am Tag des offenen Denkmals teil.[10]

Im Jahr 2008 fand ein internationales Holzbildhauersymposium unter dem Motto „Acht Türme für die Silberhöhe“ statt, dessen Ergebnisse nördlich des Anhalter Platzes aufgestellt wurden. Weitere Kunstwerke sind die „Große weibliche Figur mit Tuch“ von Bernd Göbel (1981), der Wasserspielbrunnen „Früchte des Meeres“ (1995) von Michael Weihe das „Labyrinth über blauem Garten“ von Hartmut Renner & Rainer Henze (1997) oder auch die Metall-Emaille-Gruppe „Familie“ (2012) von Heike Lichtenberg.[11][12][13][14][15]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Nordrand des Stadtteils liegt der Haltepunkt Halle-Silberhöhe an der Bahnstrecke Halle–Kassel, der von der Linie S7 Hauptbahnhof–Nietleben der S-Bahn Mitteldeutschland halbstündlich bedient wird. Zudem verläuft in Nord-Süd-Richtung die Trasse der Straßenbahn Halle (Saale) durch den Stadtteil, auf der zwei Linien jeweils im 15-Minuten-Takt fahren. Angesichts der stabilen Einwohnerentwicklung soll auch langfristig das Angebot nicht eingeschränkt werden.[16]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ronald Kunze: Vitalisierung und Abriss. Zur kulturellen Aufwertung im Stadtumbau; in: Tobias Pfeifer (Hg.), S. 30–34, Halle (Saale) 2005
  • Tobias Pfeifer (Hg.): Spur der Steine. Projektbericht. Halle (Saale) 2005
  • Robert Schlotter: Halle-Silberhöhe; Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2009 (ISBN 978-3-89812-663-2)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Silberhöhe (Halle) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. links Hochhäuser Ouluer Straße (Südstadt II), Mitte links Hochhäuser Murmansker Straße Ecke Elsa-Brändström-Straße (mittlerweile abgerissen), Mitte rechts, rechts Hochhäuser Merseburger Straße), im Vordergrund Hohes Ufer
  2. a b c Halle-Silberhöhe - Umbau zur Waldstadt. In: Diercke-Weltatlas. Abgerufen am 25. Januar 2021 (Online-Ausgabe, mit Karte auf der der Abriss markiert ist).
  3. a b Rosemarie Sackmann, Reinhold Sackmann: Waldstadt Silberhöhe. Bericht zur aktuellen Situation und zu Entwicklungsmöglichkeiten einer ostdeutschen Großwohnsiedlung in Halle (Saale)(=Der Hallesche Graureiher 2014 - 1), Halle (Saale) 2014, S. 26. Abrufbar im Internetangebot des Instituts für Soziologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; abgerufen am 19. Februar 2021.
  4. Heidi Pohle: Silberhöhe: Abriss-Birne klopft. In: Mitteldeutsche Zeitung. 15. Juni 2001, abgerufen am 25. Januar 2021.
  5. VR-Projekt - Waldstadt - Halle Silberhöhe. Institut CA&D, 2006, abgerufen am 25. Januar 2021.
  6. Tobias Fischer: Jubiläumshain kommt auf die Silberhöhe. In: hallelife.de. 21. Juni 2004, abgerufen am 25. Januar 2021.
  7. Neubau für den Nachwuchs gestartet. Hallescher Fußball Club, 3. September 2020, abgerufen am 24. Januar 2021.
  8. Stadt Halle (Saale), Abteilung Statistik und Wahlen: Bevölkerung der Stadt Halle (Saale) 1992-1997. Veröffentlicht als CD in 1998, zu finden online unter: https://halle.de.
  9. Stadt Halle (Saale), Fachbereich Einwohnerwesen: Halle in Zahlen. (online) aus den Jahren 2000 bis 2019.
  10. Dagmar Schmidt: GRABUNGSSTAEDTE. Rezeptionsforschung Kunst im öffentlichen Raum. Dagmar Schmidt, abgerufen am 25. Januar 2021 (Internetauftritt mit 360-Grad-Rundgang und Dokumentation der Installation).
  11. Früchte des Meeres (Silberhöhe). In: Halle im Bild. 22. März 2015, abgerufen am 25. Januar 2021.
  12. Acht Türme für die Silberhöhe. In: Halle im Bild. 31. März 2015, abgerufen am 25. Januar 2021.
  13. Große weibliche Figur mit Tuch. In: Halle im Bild. 28. März 2015, abgerufen am 25. Januar 2021.
  14. Labyrinth über blauem Garten. In: Halle im Bild. 11. Oktober 2015, abgerufen am 25. Januar 2021.
  15. Familie. In: Halle im Bild. 26. Mai 2018, abgerufen am 25. Januar 2021.
  16. Oliver Müller-Lorey: Schrumpfungsszenarien nicht eingetreten: Silberhöhe behält zwei Straßenbahn-Linien. In: Mitteldeutsche Zeitung. 6. Dezember 2017 (mz-web.de [abgerufen am 29. März 2018]).