Sarcelles

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Sarcelles
Wappen von Sarcelles
Sarcelles (Frankreich)
Sarcelles
Region Île-de-France
Département Val-d’Oise
Arrondissement Sarcelles
Kanton Sarcelles (Hauptort)
Gemeindeverband Roissy Pays de France
Koordinaten 49° 0′ N, 2° 23′ OKoordinaten: 49° 0′ N, 2° 23′ O
Höhe 46–142 m
Fläche 8,45 km2
Einwohner 56.828 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 6.725 Einw./km2
Postleitzahl 95200
INSEE-Code

Rathaus von Sarcelles.

Sarcelles ist eine Stadt in Frankreich und die Unterpräfektur des Arrondissements Sarcelles im Département Val-d’Oise mit 56.828 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) auf einer Fläche von 8,45 km². Sie liegt an der nördlichen Peripherie von Paris und besitzt die älteste Großwohnsiedlung der Île-de-France. Die Einwohner werden Sarcellois genannt.

Geschichte und Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während seine Bevölkerungszahl in den 1950er Jahren noch bei etwa 8.000 lag, stieg diese bis 1962 auf etwa 35.000 und überschritt die 50.000 Ende der 1960er Jahre. Von 1955 bis 1975 wurden 12368 Wohnungen gebaut.[1]

Sarcelles hat seit den 1960er Jahren eine große jüdische sephardische Gemeinde. Nach der Unabhängigkeit von Tunesien und Marokko 1956 wurden viele dort lebende Juden Opfer von Ausschreitungen; nach der Suez-Krise 1956, nach dem Sechstagekrieg 1967 und dem Jom-Kippur-Krieg 1973 erlitten Juden in Ägypten dasselbe Schicksal. Nach der Unabhängigkeit von Algerien 1962 mussten so gut wie alle Juden dieses Land verlassen. Viele der jüdischen Flüchtlinge aus Nordafrika ließen sich in Sarcelles nieder.

Ein Großteil der Einwohner von Sarcelles bzw. deren Eltern stammen aus Schwarz- und Nordafrika sowie aus der französischen Karibik. Zudem gibt es eine bedeutende Gemeinde der Assyrer (auch Aramäer oder Chaldäer genannt).

Als einer der typischen Pariser Vororte (frz. Banlieue) mit Großwohnsiedlungen in Plattenbauweise wurde Sarcelles zu einem Synonym für die Isolation der Bewohner solch anonymer und menschenfeindlicher Umgebungen. Der Begriff Sarcellite [2] bezeichnet im Französischen genau diese problematische Lebenssituation. Bereits seit den frühen 2000er Jahren gilt Sarcelles als einer der gefährlichsten Vororte von Paris.[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katholische Kirche Saint-Pierre-et-Saint-Paul aus dem 12. Jahrhundert.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sarcelles hat zwei katholische Kirchen, eine kleine protestantisch-reformierte Kirche, sieben Synagogen und zwei Moscheen. Im Juli 2014 verwüsteten zumeist jüngere muslimische Männer bei antisemitischen Ausschreitungen Teile des „La Petite Jérusalem“ genannten sefardischen Wohnviertels in Sarcelles.[4] Dabei skandierten sie u.a. „Tod den Juden!“ [5]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Le Patrimoine des Communes du Val-d'Oise (= Collection le patrimoine des communes de France, Bd. 95). Flohic Éditions, Bd. 2, Paris 1999, S. 817–827, ISBN 2-84234-056-6.
  • Sarcelles : du village au grand ensemble. L’Atelier de Restitution du Patrimoine et de l’Ethnologie (ARPE), Cergy o.J. <nach 2008>.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sarcelles – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sarcelles : du village au grand ensemble. L’Atelier de Restitution du Patrimoine et de l’Ethnologie (ARPE), S. 16.
  2. Sarcellite im dictionnaire.reverso.net: de Sarcelles, désigne les problèmes posés par la vie dans les grands ensembles; abgerufen am 22. Juli 2014
  3. Rahsaan Maxwell: Ethnic Minority Migrants in Britain and France: Integration Trade-Offs, Cambridge 2012, S. 170ff.
  4. Michaela Wiegel: „Kommt mit Schlagstöcken, Feuerlöschern und Granatwerfern!“ Propalästinensische Demonstranten lassen ihrem Hass freien Lauf und verwüsten das jüdische Wohnviertel von Sarcelles. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Juli 2014, S. 3.
  5. Stefan Ulrich: Furcht vor Pogromen. In Frankreich schlagen Demonstrationen gegen Israel immer öfter in antisemitische Krawalle um. In: Süddeutsche Zeitung, 23. Juli 2014, S. 8.