Ulexit

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Ulexit
Ulexite-237263.jpg
Faserig-knolliger Ulexit aus dem Borax Tagebau, Kramer Boratlagerstätte, Kern County, Kalifornien, USA (Größe: 85 mm × 65 mm × 65 mm)
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen
  • Fernsehstein
  • Televisions- bzw. TV-Stein
Chemische Formel CaNa[B5O6(OH)6]·5 H2O[1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Borate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
6.EA.25 (8. Auflage: V/H.14)
26.05.11.01
Ähnliche Minerale Howlith, Magnesit
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol triklin-pinakoidal; 1[2]
Raumgruppe P1 (Nr. 2)[1]
Gitterparameter a = 8,82 Å; b = 12,87 Å; c = 6,68 Å
α = 90,4°; β = 109,0°; γ = 105,0°[1]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2 bis 2,5
Dichte (g/cm3) 2,0
Spaltbarkeit vollkommen nach {010} und {100}, gut nach {110}, undeutlich nach {110}[3]
Bruch; Tenazität uneben quer zur Faser; spröde[3]
Farbe farblos, weiß, grau
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis undurchsichtig
Glanz Glasglanz, Seidenglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,491 bis 1,496[4]
nβ = 1,504 bis 1,506[4]
nγ = 1,519 bis 1,520[4]
Doppelbrechung δ = 0,028[4]
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 73° bis 78° (gemessen), 68° (berechnet)[4]
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten schwach löslich in Wasser

Ulexit, auch als Fernsehstein oder Televisionsstein bzw. TV-Stein bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Borate“ (ehemals Carbonate, Nitrate und Borate) mit der Formel CaNa[B5O6(OH)6]·5 H2O[1] und ist damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Calcium-Natrium-Borat.

Ulexit kristallisiert im triklinen Kristallsystem, entwickelt aber nur selten mit bloßem Auge sichtbare, nadelige bis prismatische Einzelkristalle. Meist findet er sich in Form von faserigen Mineral-Aggregaten, baumwollähnlichen Knollen oder kompakten parallelfaserigen, traubigen Massen und Adernfüllungen. Je nach Ausbildungsform ist Ulexit farblos und durchsichtig (Einkristall) bis undurchsichtig weiß (kompakte Massen). Durch Verunreinigung mit Tonmineralen kann er zudem eine graue Farbe annehmen. In faseriger Ausbildung zeigt das Mineral einen seidenähnlichen Glanz auf den Oberflächen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulexit wurde um 1849 von dem Hamburger Chemiker Georg Ludwig Ulex erstmals beschrieben und später nach ihm benannt.

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Ulexit zur gemeinsamen Mineralklasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort zur Abteilung der „Gruppenborate“, wo er als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe V/H.14 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Ulexit in die mittlerweile eigenständige Klasse der „Borate“ und dort in die Abteilung der „Pentaborate“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Struktur der Boratkomplexe, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Insel (Neso)-Pentaborate“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 6.EA.25 bildet.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Ulexit wie die veraltete Strunz’sche Systematik in die Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort in die Abteilung sowie gleichnamige Unterabteilung der „Wasserhaltige Borate mit Hydroxyl oder Halogen“ ein. Hier ist er ebenfalls als einziges Mitglied der unbenannten Gruppe 26.05.11 zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulexit kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2) mit den Gitterparametern a = 8,82 Å; b = 12,87 Å; c = 6,68 Å; α = 90,4°; β = 109,0° und γ = 105,0° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulexit, Darstellung des Bildleiteffektes

Bei faseriger Ausbildung und Glattschliff der Flächen senkrecht zur Faser ist das Mineral in der Lage, unterlegte Schriften oder Bilder an die Steinoberfläche zu projizieren. Aufgrund dieser Eigenschaft ist der Ulexit auch unter der Bezeichnung Fernsehstein, Televisionsstein oder kurz TV-Stein bekannt.

Unter UV-Licht zeigen manche Ulexite eine gelbe bis grünlichgelbe oder cremeweiße[3], möglicherweise auch blaue[5] Fluoreszenz. Ulexit ist mit einer Mohshärte von 2 bis 2,5 zwar sehr weich (noch mit dem Fingernagel ritzbar), jedoch auch sehr spröde und parallel zu den Fasern vollkommen spaltbar.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nadelige Ulexitkristalle mit aufsitzenden, teilweise körnigen Calcitkristallen aus Boron, Kern County, Kalifornien, USA (Größe: 4,4 cm × 3,8 cm × 2,2 cm)

Ulexit bildet sich sedimentär in austrocknenden Borax- oder Salzseen bzw. Salzsümpfen. Sind Kondensationskeime vorhanden, so kristallisiert das Mineral aus der Lösung in einer bevorzugten Wachstumsrichtung. Begleitminerale sind andere Boratminerale.

Fundorte sind unter anderem Jujuy und Salta in Argentinien; Departamento Potosí in Bolivien; New Brunswick, Neufundland und Labrador und Nova Scotia in Kanada; bei Antofagasta, Coquimbo und in der Region von Tarapacá in Chile; Qinghai und das autonome Gebiet Tibet in China; Hessen, Saarland und Thüringen in Deutschland; Zandschan im Iran; Atyrau in Kasachstan; Arequipa in Peru; Serbien; Kütahya, Zentralanatolien und die Marmararegion in der Türkei; sowie Kalifornien, Nevada und Oklahoma in den USA.[6]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulexit ist ein wichtiges Erz zur Gewinnung von Bor.

Faserige Varietäten von reinweißer Farbe werden zu Schmucksteinen verarbeitet, die im Cabochon-Schliff den begehrten Katzenaugeneffekt zeigen. Das Mineral reagiert allerdings auf jeden Wärmeeinfluss sehr empfindlich. Bereits heißes Wasser kann merklichen Schaden verursachen. Das Gleiche gilt für Reinigungsbehandlungen mit Laugen, Säuren, galvanischen Bädern und Ultraschall.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978 (Erstausgabe: 1891), ISBN 3-432-82986-8, S. 589.
  • Subrata Ghose, Che'ng Wan, Joan R. Clark: Ulexite, NaCaB5O6(OH)6·5H2O: structure refinement, polyanion configuration, hydrogen bonding, and fiber optics. In: American Mineralogist Band 63 (1978), S. 160-171 (PDF 1,3 MB)
  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 133.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ulexite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 350.
  2. Webmineral – Ulexite (englisch)
  3. a b c Ulexite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 67,8 kB)
  4. a b c d e Mindat – Ulexite (englisch)
  5. Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16. überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S. 218.
  6. Fundortliste für beim Mineralienatlas und bei Mindat
  7. Ulexit. In: Leopold Rössler: Edelstein-Knigge