Ultraschall (Club)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Ultraschall war ein Technoclub in München, der vom 17. Juni 1994 bis zum 31. Januar 2003 existierte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der im Sprachgebrauch oft nur kurz als U-Schall oder Schall bezeichnete Club zählte neben den Berliner Clubs Tresor und E-Werk, den Frankfurter Etablissements Dorian Gray und Omen und den ebenfalls in München damals ansässigen Clubs KW, Natraj Temple und Millennium in den 1990er Jahren zu den bekanntesten Clubs der Technokultur in Deutschland.[1] Laut FazeMag war das Ultraschall „für viele Techno-Fans neben dem Tresor der authentischste Techno-Club“.[2]

Ursprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ursprung des Ultraschalls lag in den monatlichen Ultraworld-Partys auf dem Gelände eines alternativen Kulturzentrums, in dem sonst überwiegend Punk-Konzerte stattfanden (Kulturstation in Oberföhring, das heutige Kafe Kult). Diese Clubnächte zeigten sich sehr von der aufkeimenden Berliner Techno-Szene und hierbei insbesondere von den Clubs Tresor und Planet inspiriert. Sie gehören zu den ersten Veranstaltungen in München überhaupt, auf denen elektronische Musik gespielt wurde. Aufgrund der großen Beliebtheit der Partys und der mangelnden Belüftungsmöglichkeiten war es notwendig, die Musik alle zwei Stunden für ca. 10 Minuten zu unterbrechen, um die Fenster zu öffnen und neuen Sauerstoff zuzuführen.

Ultraschall I[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. Juni 1994 wurde dann in der ehemaligen Küche der Kantine des seinerzeit zum Kulturzentrum umgestalteten ehemaligen Flughafens München-Riem das Ultraschall von Dorothea Zenker, Peter Wacha und David Süss eröffnet (heute als Ultraschall I oder auch altes Ultraschall bezeichnet). Der Club gilt als erster reiner Technoclub in München überhaupt, nachdem in der bayerischen Landeshauptstadt zuvor nur einzelne Clubnächte und Raves stattgefunden hatten (unter anderem im Parkcafé, im Nachtwerk und im Babalu Club). Mit avantgardistischen Dekorationen und dem Gesamtkonzept des Clubs als "Erlebniswelt", in der neben der Musik auch Lichtinstallationen und Videokunst breiten Raum einnahmen, erwarb sich das Ultraschall I internationale Reputation. Mitglied der Ultraworld-Crew und Resident DJ des Clubs war u.a. Monika Kruse.

Da das Gelände des alten Münchener Flughafens für die Messestadt Riem benötigt wurde, wurde das Kulturzentrum im Sommer 1996 geschlossen. Somit musste auch das Ultraschall I schließen.

Ultraschall II[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das komplette Kulturzentrum Riem zog in die Nähe des Münchener Ostbahnhofs in den Kunstpark Ost im Münchner Stadtteil Berg am Laim um. Das Ultraschall wurde dort in der Kartoffeltrocknungsanlage der ehemaligen Pfanni-Werke unter dem Namen Ultraschall II am 13. September 1996 von Michi Kern und Kollegen[3] wieder eröffnet. Der Main Floor in der neuen Location, der durch Säulen unterteilt war, war bekannt für den durch die reflektierenden Fliesen an den Wänden verursachten klirrenden, kalten Sound,[4] sowie für den durch die Bässe stark vibrierenden Holzfußboden.[5] Die neuen Räumlichkeiten waren erheblich größer und boten damit die Möglichkeit der Einrichtung eines zweiten, kleineren Floors. Aufgrund der Dekoration mit grünen Flokati-Stoff wurde dieser bald als "Grüner Raum" bekannt. Ab 1998 diente dieser Raum als Homebase für den unter anderem von Tobi Neumann initiierten Flokati House Club, der 2004 in die Diskothek Harry Klein wechselte. Samstags diente der Raum vorwiegend als Chill-Out für den etwa 1.500 Personen fassenden "Mainfloor", den regelmäßig auch internationale DJ-Größen wie Jeff Mills, Carl Craig, Jay Denham oder Green Velvet beschallten. Wie das Ultraschall I legte auch der Nachfolger viel Wert auf Lichtinstallationen und live gemixte Visuals (von der Highflyer-Crew). Mit dem Ende des Kunstparks Ost schloss auch das Ultraschall II am 31. Januar 2003 seine Pforten, nachdem Verhandlungen mit der Stadt München und den Betreibern der Kultfabrik über einen weiteren Betrieb ergebnislos verlaufen waren.

Nachfolger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den umgebauten Hallen des Ultraschall II-Mainfloors eröffnete am 12. März 2005 offiziell der Octagon-Club, nachdem im Jahr 2004 bereits das Phosphor einen Neuanfang versucht hatte. Ein Teil der Mitarbeiter und Gesellschafter der Ultraschall GmbH (= Trägergesellschaft des Ultraschall II) betreibt heute das Harry Klein, welches den Grünen Raum im Ultraschall verkörperte. Der andere Teil betreibt heute den Club Rote Sonne, welche an die Ultraworld von damals erinnert. Zuletzt residierte noch der Nox Club in den ehemaligen Räumlichkeiten des Ultraschall, bevor das tiefliegende Fabrikgebäude im Januar 2016 abgerissen wurde, um Platz für das neue Werksviertel zu schaffen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vergl. Ronald Hitzler, Michaela Pfadenhauer: Eine posttraditionale Gemeinschaft: Integration und Distinktion in der Techno-Szene. In: Frank Hillebrandt, Georg Kneer, Klaus Kraemer (Hrsg.): Verlust der Sicherheit? Lebensstile zwischen Multioptionalität und Knappheit. VS Verlag für Sozialwissenschaften 1998 / Springer-Verlag 2013, ISBN 978-3-531-13228-0, S. 85, 4. Fn., doi:10.1007/978-3-322-83316-7.
  2. 20 legendäre Clubs, die es leider nicht mehr gibt. In: Faze Magazin. 11. November 2016, abgerufen am 27. Juni 2017.
  3. Karin Gabler: Der Yogamann, AGHZ, Nr. 2010/3, 16. Januar 2010.
  4. Tanith: Die Oral History des Münchner Ultraschall. In: Tanithblog. 16. Oktober 2014, abgerufen am 27. Juni 2017.
  5. Sven von Thülen: Der Klang des Ultraschall: Die Geburt der Münchener Techno-Szene. In: Das Filter. 10. Dezember 2014, abgerufen am 27. Juni 2017.

Koordinaten: 48° 7′ 32″ N, 11° 36′ 24″ O