Uwe Witt (Politiker)

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Uwe Witt (* 1. Oktober 1959 in Witten) ist ein deutscher Politiker (AfD). Seit der Bundestagswahl 2017 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages. Witt ist arbeits- und sozialpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion und Obmann der AfD-Bundestagsfraktion im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Deutschen Bundestages.[1]

Ausbildung, Studium, Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1977–1980 absolvierte Witt eine Ausbildung zum Betriebsschlosser bei der Thyssen Stahl AG. Er arbeitete dort zunächst als Schlosser und Schleifer, später als Sachbearbeiter für Personalplanung für Arbeiter und als stellvertretender Abteilungsleiter für Personalplanung und -bemessung. Zwischen 1985 und 1989 absolvierte er ein berufsbegleitendes Studium zum staatlich geprüften Techniker in der Fachrichtung Maschinentechnik am Westfalen Technikum in Dortmund und ein Aufbaustudium zum Personal-Betriebswirt (IDB), sowie Weiterbildungskurse für verhaltensorientierte Prozessoptimierung an der Universität Dortmund und für Personal- und Sozialwesen an der Ruhr-Universität Bochum. Ab 1994 war Witt neun Jahre lang für die Zechky Unternehmensgruppe als Personalleiter und später Mitglied der Geschäftsleitung tätig.[2]

Selbstständigkeit als Unternehmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Ausscheiden bei Zechky 2003 war Witt mit drei Unternehmen selbständig.

Mit seiner damaligen Ehefrau gründete Witt am 30. März 2006 die Firma Witt GmbH, die am 14. Juni 2006 beim Amtsgericht Walsrode unter HRB 101226 registriert wurde[3] und den Betrieb eines Wohn- und Therapiezentrums für behinderte Menschen zum Ziel hatte. Eine Zweigniederlassung war das Hotel Eichenhof im Elbtal in Heiddorf im Landkreis Ludwigslust/Mecklenburg-Vorpommern, das Witt zu einer Wohnstätte für Essgestörte umwandeln wollte, die unter dem Prader-Willi-Syndrom leiden. Durch eine durch die Gemeinde verhängte Veränderungssperre kam es nicht dazu. Zwischenzeitlich betrieb Witt dort ein Hotel und Restaurant. Zu dieser Zeit entstand eine Fernsehsendung von RTL II, Die Kochprofis, am 20. April 2008 in seinem Hotel.[4][5] Nach einem bis heute ungeklärten Dachstuhlbrand mit einem Schaden von 250.000 Euro am 5. Mai 2008 [6] und der Weigerung der Versicherung, den Schaden zu regulieren, musste Witt im November 2008 Insolvenz beantragen.[7][8] Das Insolvenzverfahren wurde durch Beschluss des Amtsgerichts Syke am 21. Januar 2013 mangels eines kostendeckenden Verfahrens eingestellt. Am 29. November 2013 wurde die Firma wegen Vermögenslosigkeit gelöscht.

Ferner betrieb Witt ein Unternehmen für Industriedienstleistungen und war Eigentümer einer Unternehmensberatung. Viele Jahre engagierte sich Witt in karitativen Einrichtungen zur Unterstützung behinderter Menschen. Zwischen 1977 und 1992 war er Mitglied der IG Metall.[9]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Witt trat 2013 in die Alternative für Deutschland ein und war zunächst Richter am Landesschiedsgericht der AfD Schleswig-Holstein. Nach dem Umzug nach Nordrhein-Westfalen wurde er im Juni 2014 als Beisitzer in den Vorstand des AfD-Kreisverbandes Ennepe-Ruhr gewählt. Nach einem Umzug Ende 2015 ist Witt Mitglied des AfD-Kreisverbandes Unna. Parallel wurde er zum arbeits- und sozialpolitischen Sprecher im Landesverband NRW berufen. Zudem ist er Leiter des Landes- und Bundesfachausschusses der Partei für Arbeit und Soziales.

Am 24. September 2017 zog Witt über den Listenplatz 13 von Nordrhein-Westfalen als Abgeordneter in den 19. Deutschen Bundestag für die AfD ein.[10] Witts Schwerpunkt ist die Arbeits- und Sozialpolitik. Er sieht sich als Teil des „linken Flügels“ der AfD.[11] Im Juni 2018 äußerte er in einem Interview zum Thema „Zieht die AfD Antisemiten an?“[12] die Hoffnung auf ein zweites, erfolgreiches Parteiausschlussverfahren gegen den wegen Antisemitismus-Vorwürfen umstrittenen baden-württembergischen AfD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon, obwohl einem solchen Vorgehen seitens des baden-württembergischen Landesvorstands im Januar 2018 „keinerlei Erfolgsaussichten“ eingeräumt wurden.[13] Witt selbst erklärte, er würde mit dem – nach internen Querelen aus der Landtagsfraktion ausgetretenen[14] – Gedeon nicht gemeinsam auf Podiumsdiskussionen auftreten und vertrat dabei die Meinung, "dass die Mehrheit der AfD-Mitglieder das ähnlich sieht."[12]

Am 8. November 2018 wurde er bei der Wahl der Kuratoriumsmitglieder der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas mit der Mehrheit der Abgeordneten von SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und FDP im Bundestag abgelehnt.[15]

Witt ist arbeits- und sozialpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion und Obmann der AfD-Bundestagsfraktion im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Deutschen Bundestages.[16] Er ist einer der Sprecher der Alternativen Mitte innerhalb der AfD Nordrhein-Westfalen[17] sowie in der Bundesarbeitsgruppe der AM[18] und steht nach eigener Aussage für „konservativ-freiheitliche und patriotisch-bürgerliche Politik“.[19]

Alternative Vereinigung der Arbeitnehmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uwe Witt ist Gründer der Alternativen Vereinigung der Arbeitnehmer (AVA), die als eingetragener Verein (e.V.) organisiert ist. Witt bekleidet das Amt des Bundesvorsitzenden seit Gründung der AVA am 19. Februar 2015 ununterbrochen.[20]

Die AVA positioniert sich politisch nach einem Bericht von Correctiv zufolge, wie Witt, eher links – im Gegensatz zur AidA (Arbeitnehmer in der AfD)[21] und der, dem Bericht von Correctiv nach, noch weiter politisch rechts stehenden ALARM (alternativer Arbeitnehmerverband Mitteldeutschland),[22] Witt kritisierte die kurz zuvor von der IG Metall ausgehandelte Möglichkeit, die Wochenarbeitszeit vorübergehend auf 28 Stunden pro Woche zu verringern, da das für Betriebe „kaum machbar“ sei. Statt einer Erhöhung des Mindestlohns befürwortet er den Abbau von Subventionen, der auch im Wahlprogramm der AfD steht: „Wir wollen kleine und mittelständische Unternehmen wieder in die Lage versetzen dauerhaft Gewinne zu machen, damit sie gute Löhne zahlen können“.[23]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Witt ist geschieden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Parlament, Nr. 6-8, 05 Februar 2018, S. 4 u. 5;https://www.bundestag.de/abgeordnete/biografien/W/-/524648
  2. http://www.ava-bund.de/Ueber-uns/
  3. Witt GmbH - Estorf kostenpflichtig abgerufen am 23. Oktober 2017
  4. Küchenparty war voller Erfolg - 130 Gäste erlebten Kochprofi-Einsatz am Herd im ausverkauften „Eichenhof“ abgerufen am 24. Oktober 2017
  5. Die Kochprofis - Einsatz am Herd: Eichenhof im Elbtal abgerufen am 24. Oktober 2017
  6. Dachstuhlbrand im Eichenhof: Rund 250000 Euro Schaden nach Feuer im Hotel abgerufen am 24. Oktober 2017
  7. Eichenhof-Hotelier Uwe Witt aus Heiddorf musste jetzt Insolvenz anmelden abgerufen am 23. Oktober 2017
  8. Insolvenz Uwe Witt GmbH - Aktenzeichen 15 IN 274/08 abgerufen am 18. Dezember 2014
  9. http://www.ava-bund.de/Ueber-uns/
  10. Bundestag.de: Uwe Witten
  11. AfD-Fraktion: Albrecht Glaser soll AfD-Bundestagsvizepräsident werden in der Zeit vom 27. September 2017, abgerufen am 19. Oktober 2017
  12. a b Ricarda Breyton: Zieht die AfD Antisemiten an? In: welt.de. 21. Juni 2018, abgerufen am 22. Juni 2018..
  13. Willi Reiners: AfD schließt Wolfgang Gedeon nicht aus. In: stuttgarter-nachrichten.de. 10. Januar 2018, abgerufen am 22. Juni 2018.
  14. In dem genannten Interview mit Ricarda Breyton behauptete Witt wohl irrtümlich, die Baden-Württemberger AfD-Fraktion habe Gedeon "ausgeschlossen"; Gedeon selbst hatte verkündet: „Ich habe mich aus freien Stücken zu diesem Schritt [d.i. zum Austritt aus der Fraktion] entschlossen“, er sei dabei „nicht gedrängt oder unter Druck gesetzt worden“, so Jörg Braun, Gabriele Renz: Wolfgang Gedeon: Darum hat er seinen Rücktritt aus der AfD-Fraktion erklärt. In: südkurier.de. 6. Juli 2016, abgerufen am 23. Juni 2018.
  15. Kuratorium der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas gewählt, Deutscher Bundestag, 9. November 2018
  16. Das Parlament, Nr. 6-8, 05 Februar 2018, S. 4 u. 5; https://www.bundestag.de/abgeordnete/biografien/W/-/524648
  17. Alternative Mitte - Unsere Sprecher abgerufen am 24. Oktober 2017
  18. Gruppe AM Deutschland. In: Alternative Mitte Deutschland. (mitte-der-alternative.de [abgerufen am 14. Januar 2018]).
  19. Kurzbiografie, AfD Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 19. Oktober 2017
  20. http://www.ava-bund.de/Ueber-uns/
  21. (Memento des Originals vom 8. Dezember 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/aidabund.de
  22. https://correctiv.org/blog/ruhr/artikel/2017/05/01/der-arbeiterkampf-der-afd/
  23. Klaus Brandt, Theresa Martus: Arbeiterpartei AfD? So wirbt die Partei um Ex-SPD-Mitglieder, Berliner Morgenpost, 5. April 2018.