Věra Čáslavská

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Věra Čáslavská (1967)

Věra Čáslavská (* 3. Mai 1942 in Prag; † 30. August 2016 ebenda) war eine tschechoslowakische Kunstturnerin. Sie liegt (Stand 2016) mit sieben Goldmedaillen auf Platz 4 der erfolgreichsten Olympiateilnehmerinnen hinter Larissa Latynina (9 Gold), Birgit Fischer und Jenny Thompson (je 8 Gold), gewann aber mehr Einzelgold als diese.

Sportlicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Věra Čáslavská hatte zunächst als Eiskunstläuferin begonnen, bevor sie zum Kunstturnen kam. Ihre Goldmedaillensammlung begann sie mit drei Auszeichnungen bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio und setzte sie im Oktober 1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt fort, wo sie viermal Gold (Pferdsprung, Stufenbarren, Boden [gemeinsam mit Larissa Petrik] und Achtkampf Einzel) und zweimal Silber (Balken und Achtkampf Mannschaft) gewann. Jede einzelne dieser Medaillen widmete sie einem Helden des Prager Frühlings, darunter Alexander Dubček. Kurz nach dem Ende der Spiele heiratete sie in Mexiko-Stadt den Leichtathleten Josef Odložil, den Gewinner der olympischen Silbermedaille über 1500 m von 1964. Die Ehe wurde 1987 geschieden.

Der Schatten des Eisernen Vorhangs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Věra Čáslavská wurde neben Jacqueline Kennedy zur Frau des Jahres 1968, bevor sie im Schatten des Eisernen Vorhangs verschwand. Sie hatte 22 internationale Titel gewonnen. Doch nach ihrem Rückzug vom aktiven Sport erhielt sie keine der üblichen Anstellungen für verdiente Bürger ihres Landes. Der Grund war, dass sie in Mexiko-Stadt das Manifest der 2000 Worte mitunterschrieben hatte. Sie durfte das Land nicht verlassen und galt lange Zeit als Persona non grata. Věra Čáslavská widerrief im Gegensatz zu anderen bekannten Persönlichkeiten der Republik ihre Unterschrift nicht und durfte erst 1979 nach Mexiko ausreisen, wo sie als Trainerin arbeitete. Sie kehrte zurück, als ihr Bruder mit 33 Jahren in Haft starb.

Nachkommunistische Ära[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Fall des Kommunismus im November 1989 wurde sie rehabilitiert. So war sie von 1990 bis 1992 Beraterin von Präsident Václav Havel und Präsidentin der tschechisch-japanischen Gesellschaft. 1996 wurde sie zur Präsidentin des Nationalen Olympischen Komitees gewählt. Doch ein tragischer Zwischenfall am 6. August 1993 warf sie psychisch aus der Bahn.

Ihr ehemaliger Ehemann Josef wollte in jener Nacht ihren gemeinsamen Sohn Martin zurechtweisen, der in eine Schlägerei geraten war. Die beiden gerieten aneinander. Dabei erlitt Josef Odložil nach einem Stoß von Martin eine schwere Kopfverletzung, an der er nach fünfwöchigem Koma starb. Nach drei Jahren Haft kam Martin durch einen Gnadenerlass frei.

Věra Čáslavská lebte zuletzt zusammen mit ihrer Tochter am Rande Prags. Sie wurde 1991 in die International Women’s Sports Hall of Fame und 1998 in die International Gymnastics Hall of Fame aufgenommen.[1]

Mitte 2015 ließ Čáslavská über das Tschechische Olympische Komitee mitteilen, das bei ihr Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert wurde.[2] Sie starb Ende August 2016 im Alter von 74 Jahren an der Krebserkrankung.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Matthews, Ian Buchanan, Bill Mallon: The Guinness International Who’s Who of Sport. Enfield 1993, ISBN 0-85112-980-3.
  • Josef Bartoš, Stanislava Kovářová, Miloš Trapl: Osobnosti českých dějin. Alda, Olomouc 1995, Kap. Čáslavská Věra, S. 46, ISBN 80-85600-39-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Věra Čáslavská – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. International Women’s Sports Hall of Fame: Hall of Fame Members. Women’s Sports Foundation, 2011, abgerufen am 31. August 2016 (englisch).
  2. rp-online.de: Caslavska an Krebs erkrankt Artikel vom 14. Mai 2016
  3. derstandard.at: Weltsportlerin, Politaktivistin, Turnlegende: Věra Čáslavská mit 74 Jahren gestorben Artikel vom 31. August 2016