Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern

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Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e.V.
(VLAB)
Logo
Zweck Natur-, Umweltschutz und das Verhindern von Windkraftanlagen
Vorsitz: Johannes Bradtka
Gründungsdatum: 9. Oktober 2015
Mitgliederzahl: circa 9.000 (2016)
Sitz: Erbendorf
Website: www.landschaft-artenschutz.de

Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e.V., abgekürzt VLAB, ist eine sowohl durch den Freistaat Bayern als auch durch das Umweltbundesamt als Umwelt- und Naturschutzverband anerkannte Organisation. Der Verband hat in Bayern rund 9.000 Mitglieder.[1] Der Verband wurde von Energiewendegegnern gegründet. Ein Hauptziel der Arbeit ist, das Aufstellen von Windkraftanlagen und Fotovoltaikanlagen auf Freiflächen in Deutschland zu verhindern.

Finanziert wird der ehrenamtlich geleitete VLAB durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Seit 2015 ist Johannes Bradtka Vorsitzender. Der Verband ist bayernweit und in einigen Kreisgruppen sowie seit 2018 bundesweit in einigen Landesverbänden organisiert.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der VLAB ging hervor aus einer lokalen Verein mit dem Namen „Unser Hessenreuther Wald e.V.“, welche zu einem Verein mit dem Namen „Unser Hessenreuther Wald – Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e.V.“ wurde.[3] Das Waldgebiet liegt an der Grenze zwischen den oberpfälzischen Landkreisen Neustadt a.d. Waldnaab und Tirschenreuth. Vorsitzender des Vereins war Johannes Bradtka, (Forstbeamter, Aktivist und ehemaliges Mitglied des Bund Naturschutz in Bayern). Ziel war es, den Bau einer Autoteststrecke durch den Wald und Windkraftanlagen[4] zu verhindern. Nach dem Projekt zum Hessenreuther Wald lag der Schwerpunkt der Vereinsarbeit auf den vom VLAB behaupteten „Gefahren der Energiewende für Landschaft und Biodiversität.“[5]

Aus den Vorläuferorganisationen entstand der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e.V. (VLAB) 2015 gemeinsam mit weiteren Energiewendegegnern.[6]

Die Gründungsmitglieder gaben an, dass die traditionellen und großen Umweltschutzverbände die ursprünglichen Ziele des Natur-, Landschafts- und Artenschutzes zugunsten der Energiewende und des Klimaschutzes hintangestellt hätten. Als Stichwortgeber fungierte Enoch zu Guttenberg für den VLAB. Er hatte 1975 den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mitbegründet und war 2012 aus diesem wegen oben genannten Eindruckes wieder ausgetreten.[7] Die Entwicklungen, die zur Gründung des VLAB führten, gingen somit nicht ohne persönliche Konflikte vonstatten. Enoch zu Guttenberg stellte selbst fest, dass „frühere Mitstreiter“ aus dem Bereich des Naturschutzes inzwischen zu „erbitterten Gegnern“ geworden wären.[8] Von der Vereinsgründung bis zu seinem Tod 2018 war zu Guttenberg einer der beiden Ehrenpräsidenten des VLAB. Der andere ist Hubert Weinzierl, der von 1983 bis 1998 als Vorsitzender des BUND gewirkt hatte. Als Nachfolger zu Guttenbergs wurde im Oktober 2018 der Biologe Josef H. Reichholf zum neuen Ehrenpräsidenten des VLAB ernannt.[9]

Mit der Satzungsänderung vom 13. Oktober 2018 eröffnete der VLAB sein deutschlandweites Engagement, ohne den Namenszusatz "Bayern" zu ändern.[10] Faktisch übernimmt der VLAB damit gleichermaßen die Aufgaben eines Landes- wie eines Dachverbands. Die Gründung eines echten Dachverbands wird erwogen. Mit der Ausweitung des Wirkungskreises geht einher, dass zum VLAB zwei Landesverbände aus anderen Bundesländern gehören:

  • Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Baden-Württemberg (VLABW)[11]
  • Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Mecklenburg-Vorpommern (VLA-MV)[12]

Im Januar 2019 erhielt der VLAB durch das Umweltbundesamt die bundesweite Anerkennung als Umwelt- und Naturschutzvereinigung[13]: „Durch die Anerkennung kann sich der VLAB bundesweit bei Bau- und Infrastrukturprojekten einbringen, wenn er Belange von Natur- und Umweltschutz betroffen sieht. So kann der Verein vor Verwaltungsgerichten gegen Genehmigungsbescheide klagen - sonst ist dies nur direkt Beteiligten wie Anwohnern möglich.“[14]

Anfang 2020 erlangte der Verein bundesweite Bekanntheit, als er letztlich erfolglos gegen eine Kiefernforstrodung für die Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg klagte.[15] Zuvor war er gemäß Nau.ch "vor allem durch Aktionen gegen Windkraft und als Gegner der Energiewende" aufgefallen.[16]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der VLAB möchte den Bau von Windkraftanlagen verhindern

Hauptziele der Organisation sind laut Website "der Erhalt der Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft" und der Kampf "gegen die Auswüchse der Energiewende".[17] Gemäß Spiegel Online lehnt der VLAB "die Energiewende vehement ab, klagt gegen Windanlagen [...] protestiert gegen den Bau von Stromtrassen" und ist "aus Prinzip" gegen den Elektroautohersteller Tesla.[6]

Nach eigenen Angaben sieht der VLAB sieht im derzeitigen Klimawandel ein "großes, global drängendes Problem" und spricht sich generell für "einen nachhaltigen und ökologisch verträglichen Ausbau der Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien" aus. Gleichzeitig fordert er einen Baustopp für weitere "Windräder und großer Fotovoltaik- Freiflächenanlagen in den Kulturlandschaften und Wäldern". Stattdessen sollen fossile Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke ergänzt durch Biogasanlagen die Energieversorgung tragen, "bis neue Formen der nachhaltigen, umweltfreundlichen Energieerzeugung entwickelt werden".[18] Die Energiewende hält die Organisation für ungeeignet "zur Reduzierung des weltweiten CO2-Ausstoßes".[6]

Insbesondere spricht sich der VLAB strikt gegen die Nutzung der Windenergie aus[19] und plädiert vehement für eine Beibehaltung der bayerischen 10-H-Abstandsregelung.[20] Diese besagt, dass der Abstand einer Windkraftanlage zur nächsten Siedlung mindestens das Zehnfache ('10H') der Gesamthöhe betragen muss, was bei modernen Anlagen etwa 2 Kilometer sind.[21] Anstelle vom Neubau von Windkraftanlagen will der VLAB die Laufzeit von Kernkraftwerken verlängern.[22]

Ein konkretes Tierschutzprojekt des VLAB ist die Wiederansiedlung des Habichtskauzes in der Oberpfalz

Der VLAB ist zudem deutschlandweit vernetzt mit Organisationen, bei denen es Überschneidungen hinsichtlich der Ziele gibt, wie der Deutschen Wildtier Stiftung. Weitere Zusammenarbeit gibt es mit Vernunftkraft, der Dachorganisation von Windkraftgegnern in Deutschland.[6]

Ein konkretes Tierschutzprojekt des VLAB ist die Wiederansiedlung des Habichtskauzes im Naturpark Steinwald in der Oberpfalz.[23][24] In mehreren Wellen wurden Tiere aus Zoos und Wildparks nach einer vierwöchigen Übergangszeit in einer Voliere in der Natur freigelassen, zuletzt sieben Vögel im Juni 2019.[25] Ein weiteres Engagement des Verbands ist die Prüfung von Bauvorhaben hinsichtlich der Flächenversiegelung und des Natur- und Artenschutzes. So reichte der VLAB im Sommer 2019 seine Einwendungen gegen eine Ortsumfahrung im oberfränkischen Dormitz bei der zuständigen Bezirksregierung ein.[26]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der VLAB ist Mitglied der energiewende-kritischen "Bundesinitiative Vernunftkraft e.V.", die nach Aussage des Landesgeschäftsführers des BUND Brandenburg, Axel Kruschat, den menschengemachten Klimawandel leugnet.[27] Das Magazin t3n wies darauf hin, dass Vertreter des VLAB in Interviews den menschengemachten Klimawandel bestritten haben und es zudem personelle Überschneidungen mit Vernunftkraft gebe.[28] Vernunftkraft ist ebenfalls institutionelles Mitglied des VLAB.[29]

Jürgen Holl, der Geschäftsführer der Kreisgruppe Neustadt/Waldnaab des Bund Naturschutz in Bayern, und Ali Daniel Zant von der Weidener Greenpeace-Ortsgruppe sehen die Anerkennung des VLAB als Umwelt- und Naturschutzverein kritisch. Der Verein sei in erster Linie gegründet worden, um Windkraftanlagen zu verhindern:

„Mit Umweltschutz hat der VLAB nämlich überhaupt gar nichts am Hut. Unter dem Deckmantel des Artenschutzes verbirgt sich ein Verein, der in erster Linie Windkraftanlagen verhindern will.“

Jürgen Holl[30]

Auch die Grüne Liga Brandenburg distanzierte sich im Februar 2020 vom VLAB und erklärte, die hätten keine Gemeinsamkeiten mit "Verbände[n], die den menschengemachten Klimawandel leugnen oder sich für Kohle- oder Atomstrom aussprechen".[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Georg Etscheit (Hrsg.): Geopferte Landschaften. Wie die Energiewende unsere Umwelt zerstört. München 2016, S. 19. Die Mitgliederzahl "9.000" ist auch belegt bei: Thomas Pfeuffer: Ein Kampf gegen Windmühlen?, in: Main-Post vom 30. September 2017, S. 28.
  2. VLAB: § 10b der Satzung: https://www.landschaft-artenschutz.de/wp-content/uploads/Satzung-Stand-13.-Oktober-2018.pdf
  3. Kleine Anfrage beim Bayerischen Landtag
  4. Webseite des damaligen Vereins
  5. Neuer Umweltverband will Bund Naturschutz Konkurrenz machen, in: Augsburger Allgemeine vom 2. August 2015.
  6. a b c d e Rechte Verbindungen in der Umweltbewegung. Naturschützer streiten über Tesla-Werk. In: Spiegel Online, 18. Februar 2020. Abgerufen am 18. Februar 2020.
  7. Enoch zu Guttenberg: Ich trete aus dem BUND aus. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 13. Mai 2012, abgerufen am 19. Juni 2013.
  8. Enoch zu Guttenberg: Stählerne Monster. In: Georg Etscheit (Hrsg.): Geopferte Landschaften. Wie die Energiewende unsere Umwelt zerstört. München 2016, S. 27.
  9. VLAB: Pressemitteilung vom 14. Oktober 2018: https://www.landschaft-artenschutz.de/wp-content/uploads/Pressemeldung-VLAB-w%C3%A4hlt-Josef-H.-Reichholf-zum-Ehrenpr%C3%A4sidenten.pdf
  10. VLAB: § 10b der Satzung: https://www.landschaft-artenschutz.de/wp-content/uploads/Satzung-Stand-13.-Oktober-2018.pdf
  11. VLABW: Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Baden-Württemberg
  12. VLA-MV: http://www.vla-mv.de/startseite.html
  13. Umweltbundesamt: Vom Bund anerkannte Umwelt- und Naturschutzvereinigungen, S. 10 (Stand: 5. Februar 2019. URL: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/2378/dokumente/anerkannte_umwelt-_und_naturschutzvereinigungen_0.pdf). Siehe auch Bericht des Bayerischen Rundfunks vom 25. März 2019. URL: https://www.br.de/nachrichten/bayern/konkurrenz-fuer-bund-und-nabu-vlab-nun-bundesweit-anerkannt,RLkg0CL (Aufruf 31. Juli 2019).
  14. Wolfgang Würth: Im Naturschutz erste Liga, in: O-Netz vom 13. Februar 2019. (Aufruf 14. März 2019).
  15. Tesla darf für Werk in Grünheide weiter den Wald roden. In: Potsdamer Neueste Nachrichten, 20. Februar 2020. Abgerufen am 21. Februar 2020.
  16. Naturschützer im Streit um Tesla-Rodungsstopp weiter in Defensive. In: Nau.ch, 19. Februar 2020. Abgerufen am 21. Februar 2020.
  17. Wir über uns. Internetseite des VLAB. Abgerufen am 18. Februar 2020.
  18. VLAB: https://www.landschaft-artenschutz.de/wp-content/uploads/Kernanliegen.pdf
  19. Verein aus Bayern gegen Tesla-Projekt. In: Potsdamer Neueste Nachrichten, 4. Februar 2020. Abgerufen am 17. Februar 2020.
  20. https://www.landschaft-artenschutz.de/vlab-fuer-den-uneingeschraenkten-erhalt-der-10-h-abstandsregelung/
  21. "Bayerisches Gericht gibt Windkraftgegnern Recht", in: Spiegel Online vom 9. Mai 2016.
  22. Auch Vogelschützer für Windkraft und gegen Abstandsregel. In: Bayerischer Rundfunk, 30. Januar 2020. Abgerufen am 18. Februar 2020.
  23. Habichtskäuze werden im Steinwald ausgesetzt. Bayerischer Rundfunk, 29. Juni 2017, abgerufen am 2. August 2019.
  24. Habichtskäuze sollen in Nordbayern heimisch werden. Bayerischer Rundfunk, 25. Februar 2019, abgerufen am 2. August 2019. Vgl. Habichtskauz-Projekt
  25. Sieben weitere Habichtskäuze ziehen nach Nordbayern. Süddeutsche Zeitung, 21. Juni 2019, abgerufen am 21. August 2020.++ (Aufruf 1. August 2019), in: Main-Post vom 22. Juni 2019, Rubrik Franken, S. 10.
  26. Artikel in "Wiesentbote" vom 17. Juni 2019. URL: https://www.wiesentbote.de/2019/06/17/einwendung-des-vlab-gegen-die-ortsumgehung-dormitz-im-landkreis-forchheim/ (Aufruf 31. Juli 2019).
  27. Franziska Hoppen: Hintergrund zu VLAB: Warum ein Verein aus Bayern bei Tesla mitmischt. In: rbb24. 14. Februar 2020, abgerufen am 16. Februar 2020.
  28. Tesla-Fabrik in Grünheide: Wertvoller Wald oder nutzlose Monokultur?. In: t3n, 19. Februar 2020. Abgerufen am 19. Februar 2020.
  29. Vernunftkraft, 26. Januar 2017
  30. Wolfgang Würth: Keine Freude über Erfolg des VLAB. In: Onetz. 20. Februar 2019, abgerufen am 16. Februar 2020.