Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg

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Gigafactory Berlin-Brandenburg
Fabrikgelände in Grünheide (links Berliner Ring, rechts Gewerbegebiet)

Fabrikgelände in Grünheide (links Berliner Ring, rechts Gewerbegebiet)

Daten
Ort Grünheide (Mark), Deutschland
Bauherr Tesla Brandenburg SE
Baustil Fabrikgebäude
Baujahr ab 2020
Grundfläche 150.000 m²
Koordinaten 52° 24′ 0″ N, 13° 48′ 0″ OKoordinaten: 52° 24′ 0″ N, 13° 48′ 0″ O
Gigafactory Berlin-Brandenburg (Brandenburg)
Gigafactory Berlin-Brandenburg
Grünheide und Fangschleuse mit Werlsee, im Hintergrund das Baugelände
Gewerbegebiet und Baustelle April 2020

Die Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg ist eine geplante Großfabrik des Automobilherstellers Tesla im märkischen Grünheide, innerhalb des Berliner Agglomerationsraums. Baustart war im ersten Quartal 2020. Im Jahr 2021Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren soll die Produktion mit dem Tesla Model Y aufgenommen werden. Später soll das Model 3 folgen. Das Gesamtprojekt soll einen Kostenumfang von bis zu 4 Milliarden US-Dollar haben und bis zu 10.000 Arbeitsplätze schaffen. In der Endausbaustufe sollen bis zu 500.000 Fahrzeuge pro Jahr produziert werden.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 12. November 2019 kündigte Elon Musk anlässlich der Verleihung des Goldenen Lenkrads den Bau einer Gigafactory in Deutschland an. Die Produktionsstätte für Elektrofahrzeuge und Batterien soll in Grünheide in der Nähe des Flughafens Berlin Brandenburg errichtet werden. In Berlin selbst ist zudem ein Design- und Entwicklungszentrum geplant.[3] Bis zuletzt war zudem der Standort zwischen Weilerswist und Euskirchen ein Favorit für den Zuschlag der Gigafactory.[4]

Laut Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach sollen durch die Investition in mehrfacher Milliardenhöhe „in der ersten Ausbaustufe über 3000 Arbeitsplätze“ entstehen. Analog zur Tesla Gigafactory 3 in Shanghai schätze er in der Vollausbaustufe 7000 bis 8000 Arbeitsplätze.[5]

Anfang Januar 2020 startete das Genehmigungsverfahren[6] und der Brandenburger Landtag billigte den Kaufvertrag des Waldstücks.[7] Es wurde zu DDR-Zeiten von der Stasi genutzt, die dort in einer abgeriegelten geheimen Siedlung mit 500 Mitarbeitern Terroristen ausgebildet haben soll, Pakete aus Westdeutschland durchsuchte und den Besitz ausgereister DDR-Bürger einlagerte.[8] Der Kaufpreis für das 302 Hektar große Grundstück soll etwa 41 Millionen Euro betragen.[9] Die Bauarbeiten haben noch im selben Quartal begonnen. Die Fertigstellung soll im Juli 2021 erfolgen. Errichtet werden sollen Anlagen zur Fahrzeugteile-, Batterie- und Antriebsfertigung, zur Endmontage sowie zur Standortlogistik.[10]

Bei den öffentlichen Unterlagen handelt es sich um die erste Ausbaustufe (ein Teil der Parkplätze und das erste Gebäude). Es sollen noch 3 weitere Gebäude des gleichen Ausmaßes, zusätzliche Parkplätze und Nebenanlagen folgen.[11]

Das von Tesla erworbene Bauland liegt innerhalb des Geltungsbereichs eines qualifizierten Bebauungsplanes nach § 30 BauGB und ist als Industriegebiet gem. § 9 BauNVO ausgewiesen. Der Bebauungsplan Nr. 13 „Freienbrink-Nord“ der Gemeinde Grünheide, der bereits im Jahr 2000 als Satzung beschlossen wurde, war ursprünglich für die Ansiedelung einer neuen Produktionsstätte der BMW AG vorgesehen. Das Unternehmen entschied sich jedoch im Sommer 2000 für einen Standort im Bundesland Sachsen. Die Lage des Plangebietes nördlich des Güterverkehrszentrums Berlin Ost/Freienbrink verschafft Tesla aufgrund seiner Verkehrsanbindung und des vorhandenen Flächenpotenzials gute Standortbedingungen. Das Vorhandensein eines passenden rechtsverbindlichen Bebauungsplans verschafft Tesla zudem einen Zeitvorteil in der Projektierung.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Fangschleuse an der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn

Der Flughafen Berlin Brandenburg liegt knapp 30 km von der Gigafactory entfernt. Der Berliner Ring grenzt mit der Abfahrt Freienbrink direkt westlich an das Firmengelände. Der Oder-Spree-Kanal liegt 5 km südlich.

Mit der Eröffnung der Gigafactory plant das Brandenburger Infrastrukturministerium Züge der Regionalexpresslinie RE1 zwei Mal pro Stunde am Bahnhof Fangschleuse halten zu lassen. Dieser befindet sich jedoch gut zwei Kilometer vom geplanten Werk entfernt, sodass Pendelbusse von den Bahnhöfen Erkner, Fangschleuse und Königs Wusterhausen angedacht werden. Insgesamt wird damit gerechnet, dass gut 80 bis 90 Prozent der Belegschaft jedoch mit dem eigenen Auto anreisen werden.[12]

Für die Warenan- wie ablieferung bestünde die Möglichkeit die bereits bestehende Stichstrecke von der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn zum Güterverkehrszentrum Freienbrink zu nutzen. Die 2005 von der Deutschen Regionaleisenbahn erworbene Strecke ist etwa vier Kilometer lang.[13]

Ende Februar 2020 haben die Gemeindevertreter von Grünheide die Auslegung einer überarbeiteten Fassung des Bebauungsplanes, der in seiner aktuellen Fassung noch aus dem Jahr 2004 stammt, beschlossen[14]. Demnach soll u. a. der Bahnhof Fangschleuse Richtung Westen näher zum zukünftigen Haupttor verschoben und der beschrankte Bahnübergang durch eine Über- oder Unterführung ersetzt werden.

Netzanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Anbindung der Gigafactory erhielt E.DIS Netz als zuständiger Verteilnetzbetreiber den Auftrag zur Herstellung eines Anschlusses auf 110 kV Hochspannungsebene. Die Anschlussleistung soll etwa 109 Megawatt betragen.[15]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Demonstration gegen die Fabrik am 22. Februar 2020 in Erkner.

Die Ankündigung, einen rund 150 Hektar großen Kiefernforst für die Errichtung zu roden, führte zu wiederkehrenden Protesten in der Region.[16] Bereits vor Zusage des Baustarts sorgte Teslas CEO Elon Musk für einen gewissen Ausgleich, indem er per Spende die Pflanzung von einer Million Bäumen unterstützte. Die Anzahl liegt etwa dreifach über dem vermutlich zu fällenden Kontingent.[17] Auf die Vorwürfe der Protestierenden, als Bürgerschaft nicht genug Partizipationsmöglichkeit zu haben, eröffnete der Konzern ein Bürgerbüro in der Gemeinde Grünheide. Dieses soll eine Anlaufstelle für interessierte und besorgte Bürger sein und ein Forum für Debatten bieten.[18]

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg stoppte die Rodung der ersten 90 Hektar Waldfläche nur wenige Tage nach Beginn. Das Gericht gab damit Eilanträgen der Umweltverbände Grüne Liga Brandenburg und Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern statt, nach dem eine Abholzung unzulässig sei, bis vollständige Rechtssicherheit bezüglich der Bauanträge bestehe. Das OVG wies die Beschwerde am 20. Februar 2020 zurück.[19]

Dass eine Trinkwasserschutzzone (Zone III A, III B) unter dem Gebiet liegt[20], wurde der Öffentlichkeit erstmals am 16. Januar 2020 bekannt gegeben, nachdem der Kaufvertrag unterzeichnet war. Die Trinkwasserschutzzone umfasst 2/3 des Gebietes. Eine ältere Version der Verordnung dazu datiert auf das Jahr 2001[21], aktuell ist die Fassung vom 21. März 2019[22]. Das betroffene Wasserwerk Strausberg-Erkner hat außerdem darauf hingewiesen, dass die Wasserversorgung innerhalb des gewünschten Zeitrahmens nicht gesichert sei.[23] Der aktuellen Verordnung ging eine langjährige kontroverse Diskussion[24] mit mehren öffentlichen Auslegungen und Anhörungen voraus[25]. Zwischenzeitlich hatte die Gemeinde Grünheide geplant, das Industriegebiet als Erweiterungsfläche für das GVZ Freienbrink zu nutzen[26].Am 5. Februar 2020 wurde darauf hingewiesen, dass Tesla nahezu das Doppelte des Wassers (18,2 Mio. m³, anstelle von 10,3 Mio. m³ pro Jahr) benötigen würde, das an Grundwasser in dem Gebiet überhaupt vorhanden sei. Am 12. Februar 2020 teilte Umweltminister Vogel jedoch mit, dass Tesla lediglich maximal 2,1 Mio. m³ Wasser pro Jahr benötigen würde und die WSE das bereits zum damaligen Zeitpunkt genehmigte Förderkontingent von 15 Mio. m³ pro Jahr mit tatsächlich geförderten 10,8 Mio. m³ in 2018 bei weitem nicht ausschöpfe[27]. Das Grundwasser würde außerdem auf Grund der Trockenheit der Jahre 2018 und 2019 und des Sandbodens zurückgehen. Innerhalb des WSE-Gebietes, jedoch deutlich außerhalb des Baugrundstückes, liege außerdem eine Phenolaltlast. Auch sei die Entsorgung einer erhöhten Abwassermenge nicht gesichert. Entgegen den hier nicht belegten Fakten zu den Wassermengen gab der Wirtschaftsminister von Brandenburg, Jörg Steinbach, bereits am 11. Dezember 2019 gegenüber den Medien Entwarnung. Er erklärte, dass die Wasserversorgung gesichert sei. Dieser Aussage widersprach das Wasserwerk Strausberg-Erkner ausdrücklich. Da die eigenen Kapazitäten und die der anliegenden Wasserwerke nicht ausreichten, könne man dem Plan von Tesla derzeit nicht folgen. Der Presse wurde dabei durch die Kommune Strausberg in der außerordentlichen öffentlichen Sitzung erstmals bekannt, dass Gutachten zum Bericht über Fragen des Grundwasser- und Naturschutzes und zum benötigten Trinkwasser noch nicht vorhanden seien und die Kommune daher zu der Aussage des Wirtschaftsministers noch keine Stellung beziehen könne.[28] Mittlerweile hat die WSE jedoch klargestellt, dass genügend Wasser auch für Tesla gefördert werden könne und für das zusätzliche Schmutzwasser Kapazitäten im Klärwerk Münchehofe bereit stünden[29]. Dies setzt jedoch u. a. finanzielle Unterstützung und zeitnahe Genehmigungen voraus.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tesla Gigafactory 4 – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frederic Lambert: News about Gigafactory 4. In: electrek.co. Abgerufen am 15. Dezember 2019 (englisch).
  2. Fred Lambert: Tesla Gigafactory 4 will produce 500,000 Model Y and Model 3 cars per year. In: Electrek. 11. Dezember 2019, abgerufen am 25. Januar 2020 (amerikanisches Englisch).
  3. Anja Krüger: Tesla-Fabrik in Brandenburg: Silicon Valley kommt nach Grünheide. In: Die Tageszeitung. 13. November 2019, ISSN 0931-9085 (Online [abgerufen am 14. November 2019]).
  4. Tesla-Werk wird nicht im Kreis Euskirchen angesiedelt, wochenspiegel.de, vom 13. November 2019 (abgerufen am 24. Februar 2020)
  5. Hoffnung auf 8000 Jobs in Tesla-Fabrik bei Berlin. In: dpa. Berliner Morgenpost, 13. November 2019, abgerufen am 2. Dezember 2019.
  6. Bekanntmachung des Landesamtes für Umwelt vom 2 Januar 2020: Errichtung und Betrieb einer Anlage für den Bau und die Montage von Elektrofahrzeugen mit einer Kapazität von jeweils 100.000 Stück oder mehr je Jahr am Standort 15537 Grünheide (Mark). Amtsblatt für Brandenburg, 31. Jahrgang, Nummer 1, Potsdam, den 3. Januar 2020 (PDF)
  7. Brandenburger Finanzausschuss billigt Kaufvertrag für Tesla. RBB24, 9. Januar 2020, abgerufen am 10. Januar 2020.
  8. Geheimobjekt in Grünheide. Im Tesla-Wald schlummert Stasi-Vergangenheit. rbb, 3. März 2020.
  9. Fred Lambert: Tesla's $45m deal to acquire land outside Berlin is approved, but not out of the woods yet. In: Electrek. 9. Januar 2020, abgerufen am 25. Januar 2020 (amerikanisches Englisch).
  10. Tesla will in Brandenburg mehrere Elektroautomodelle fertigen. In: Berliner Zeitung. 4. Januar 2020 (Online).
  11. Fred Lambert: Tesla plans to build 'future vehicles' at Gigafactory 4 as new details emerge. In: Electrek. 6. Januar 2020, abgerufen am 25. Januar 2020 (amerikanisches Englisch).
  12. Peter Neumann: Für Tesla spielt der Schienenverkehr keine Rolle. In: Berliner Zeitung. 22. März 2020, abgerufen am 29. März 2020 (deutsch).
  13. Peter Neumann: Lange Güterzüge können direkt zum Tesla-Gelände fahren. In: Berliner Zeitung. 28. März 2020, abgerufen am 29. März 2020.
  14. Anke Beißer: Gigafactroy: Neue Straße für Tesla in Grünheide bei Berlin erwogen. 29. Februar 2020, abgerufen am 5. April 2020.
  15. Philip Barnstorf: Tesla könnte so viel Strom verbrauchen wie Chemnitz. In: rbb24. Abgerufen am 11. März 2020.
  16. Berliner Zeitung: Tesla will 90 Hektar Kiefernforst abholzen. Abgerufen am 24. Februar 2020 (deutsch).
  17. Tesla Gigafactory 4. In: Electrek. Abgerufen am 25. Januar 2020 (amerikanisches Englisch).
  18. Brandenburg: Tesla eröffnet Bürgerbüro – DER SPIEGEL. Abgerufen am 25. Januar 2020.
  19. Tesla darf Wald für Autofabrik in Grünheide weiter roden. Berliner Morgenpost online, 20. Februar 2020.
  20. Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für das Wasserwerk Erkner, Wasserfassungen Neu Zittauer und Hohenbinder Straße. Land Brandenburg, 2. April 2019, abgerufen am 27. März 2020.
  21. Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für das Wasserwerk Erkner. Abgerufen am 5. April 2020.
  22. Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für das Wasserwerk Erkner, Wasserfassungen Neu Zittauer und Hohenbinder Straße. Abgerufen am 5. April 2020.
  23. Tesla Grünheide Wasserversorgung und Schmutzwasserentsorgung derzeit NICHT gesichert. (PDF) 16. Januar 2020, abgerufen am 19. Februar 2020.
  24. Joachim Eggers: Versorgung: Trinkwasserschutz neu geregelt. 11. April 2019, abgerufen am 23. Mai 2020.
  25. Joachim Eggers: Wasserschutz kontra Stadterweiterung. 28. Februar 2014, abgerufen am 23. Mai 2020.
  26. Manja Wilde: Wald kann Gewerbefläche werden. 16. Juli 2017, abgerufen am 23. Mai 2020.
  27. Wasserproblem für Tesla-Fabrik sind gelöst. Abgerufen am 5. April 2020.
  28. Informationen zur außerordentlichen Sitzung der Verbandsversammlung Strausberg, 5. Februar 2020. (PDF) 5. Februar 2020, abgerufen am 19. Februar 2020.
  29. Wasserverband Straußberg-Erkner: Informationen zur Sitzung der Verbandsversammlung am 16. März 2020. 16. März 2020, abgerufen am 5. April 2020.