Wahrenberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wahrenberg
Gemeinde Aland
Wappen von Wahrenberg
Koordinaten: 52° 58′ 58″ N, 11° 40′ 42″ O
Höhe: 20 m ü. NHN
Fläche: 18 km²
Einwohner: 341 (2015)
Bevölkerungsdichte: 19 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. September 2010
Postleitzahl: 39615
Vorwahl: 039397
Wahrenberg (Sachsen-Anhalt)
Wahrenberg

Lage in Sachsen-Anhalt

Hauptstraße in Wahrenberg
Hauptstraße in Wahrenberg

Wahrenberg ist ein Ortsteil der Gemeinde Aland im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt.[1]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haufendorf liegt in der Region Altmark, direkt an der Elbe im äußersten Norden des Landkreises Stendal bzw. des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Auf der gegenüberliegenden, nordöstlichen Elbseite liegt in circa sechs Kilometern Entfernung die brandenburgische Stadt Wittenberge. Drei Kilometer südwestlich fließt der Aland vorbei, ein Nebenfluss der Elbe.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahrenberg ist eine der ältesten Siedlungen in der Altmark. Scherbenfunde deuten auf eine wahrscheinlich altslawische Siedlung des 9. oder 10. Jahrhunderts hin.[2]

Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 wird das Dorf als preter villam Wartenberg aufgeführt,[3] Die Burg Wittenberge hatte hier Einnahmen. Der Historiker Peter P. Rohrlach erläutert dazu: "Der Beleg ist eindeutig Wahrenberg zuzuordnen, da im unmittelbaren Zusammenhang mit Wittenberge genannt, das sich bereits im Besitz der Gans Edlen Herren zu Putlitz befand, den späteren Besitzern des hier behandelten Ortes". Weitere Nennungen sind 1498 to Wardenberge, 1516 to warenberghe, 1541 Warttenbergk und 1804 schließlich Wahrenberg.[4]

Um sich vor dem Hochwasser der Elbe zu schützen, wurden viele Höfe auf künstlich angelegten Hügeln (Warften) angelegt. Albrecht 'Der Bär' siedelte im 12. Jahrhundert holländische und friesische Deichbauern an, um die Gemarkung einzudeichen. Noch im Jahr 1753 gehörte das Dorf den Freiherren zu Putlitz, deren Burg, die Ganseburg, nicht weit entfernt am Aland stand.[5]

1818 gab es eine Schiffmühle in der Elbe.[2]

Herkunft des Ortsnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name stammt von den Elbhochwasser, vor denen man sich „wahren“ und „bergen“ musste.[5]

Elbfähre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1865 führte die Fährmannsfamilie Schultze/Fredrich die Elbfähre zwischen Wahrenberg und Wittenberge. Mit der Verstaatlichung 1960 ging sie an die Gemeinde. 1978 ging der Fährverkehr durch die neue Elbbrücke Wittenberge stark zurück. Nachdem der letzte Fährmeister Fuhrmann 1985 in den Ruhestand ging, kam der Fährbetrieb zum Erliegen.[6]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Wahrenberg wurde am 25. Juli 1952 aus dem Landkreis Osterburg in den Kreis Seehausen umgegliedert. Am 21. Dezember 1973 kam die Gemeinde zum Kreis Osterburg. Am 1. Juli 1994 wurde sie dem Landkreis Stendal zugeordnet.[7]

Am 1. September 2010 wurde Wahrenberg per Gesetz nach Aland eingemeindet.[8][9] Vorher wurde der Ort von der Verbandsgemeinde Seehausen (Altmark) mitverwaltet, gehörte ihr aber nicht an.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 419
1775 405
1789 517
1798 689
1801 723
Jahr Einwohner
1818 730
1840 825
1864 889
1871 830
1885 819
Jahr Einwohner
1892 [0]769[10]
1895 806
1900 [0]749[10]
1905 768
1910 [0]725[10]
Jahr Einwohner
1925 677
1939 705
1946 872
1964 569
1971 553
Jahr Einwohner
1981 484
1993 425
2006 348
2011 [00]328[11]
2012 [00]321[11]

Quelle wenn nicht angegeben:[2]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirchengemeinde Wahrenberg, gehörte früher zur Pfarrei Wahrenberg.[12] Die Kirchengemeinde gehört heute zum Kirchengemeindeverband Beuster-Aland im Pfarrbereich Beuster[13] des Kirchenkreises Stendal im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Wahrenberg stammen aus dem Jahre 1643.[14]

Die katholischen Christen gehören zur Pfarrei St. Anna in Stendal im Dekanat Stendal im Bistum Magdeburg.[15]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Letzter ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde war Gerhard Gorzny.[16]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 14. März 2006 durch den Landkreis genehmigt.

Blasonierung: „In Grün ein linksgewendeter silberner Storch mit schwarzer Flügeldecke und rotem Schnabel und Beinen, begleitet rechts oben und links unten von je drei goldenen Ähren.“[17]

Die Farben des Ortes sind – abgeleitet von Hauptmotiv und Schildfarben – Silber/(Weiß) - Grün.[17]

Das Wappen wurde vom Magdeburger Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet.

Die Flagge ist grün-weiß-grün (1:4:1) gestreift (Längsform: Streifen senkrecht verlaufend, Querform: Streifen waagerecht verlaufend) und mittig mit dem Ortswappen belegt.[17]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche Wahrenberg
Kriegerdenkmal
  • Die evangelische Dorfkirche Wahrenberg wurde im 13. Jahrhundert in der Zeit der Frühgotik errichtet. Im 18. Jahrhundert wurde sie umgebaut.[5]
  • Der Ortsfriedhof ist auf dem Kirchhof.
    • Grabstätte auf dem Ortsfriedhof und Gedenktafel am Gemeindebüro für den Bürgermeister Ewald Fredrich, der im April 1945 zusammen mit dem Arzt Albert Steinert versucht hatte, den Ort vor dem Beschuss durch US-amerikanische Truppen zu bewahren und dafür vom Wehrmachtskommandanten von Wittenberge ermordet wurde. Ein weiteres Opfer des Kommandanten Rauterberg wurde der 17-jährige Wehrmachtssoldat Bruno Makosch, der in letzter Minute erschossen wurde.
  • In Wahrenberg steht ein Denkmal für die Gefallenen der Kriege zwischen 1813 und 1871.[18]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vereinsregister des Amtsgerichts Stendal sind sechs Vereine im Dorf aufgeführt.

  • Anglerclub Wahrenberg e. V.
  • Förderverein Wahrenberg e. V.
  • Imkerverein Wahrenberg und Umgebung e. V.
  • Seniorenclub Wahrenberg e. V.
  • Separationsinteressentengemeinde Wahrenberg e. V.
  • SV Wahrenberg 38 e. V.

Der Fremdenverkehrsverein Wahrenberg e. V. wurde 2011 aufgelöst.

Leben, Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorfbild wird von Fachwerkbauten und Dreiseithöfen aus dem 17. und 18. Jahrhundert geprägt.[5] Durch die immer wiederkehrenden Elbhochwässer sind die Elbauen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Bekannt ist die Gegend für ihren Storchenreichtum. Im März 2013 gab es in Wahrenberg 19 Storchennester.

Im etwa vier Kilometer entfernten Geestgottberg besteht Anschluss an die Bundesstraße 189 und die Regionalbahnlinie Magdeburg-Schwerin.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bruno Krüger (1922–1983), in Wahrenberg geborener Finanzbeamter und Parteifunktionär der DDR-Blockpartei LDPD

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wahrenberg – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hauptsatzung der Gemeinde Aland. 2. Juli 2015 (verwaltungsportal.de [PDF; 275 kB; abgerufen am 21. Februar 2016]).
  2. a b c Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, S. 2338–2342, doi:10.35998/9783830522355.
  3. Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, S. 23, Wittenberg (archiviert auf archive.org (Memento vom 4. November 2018 im Internet Archive)).
  4. Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. Band 1. Berlin 1804, S. 321 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000735~SZ%3D00343~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  5. a b c d Hansestadt Seehausen: Seehausen: Wahrenberg. Abgerufen am 20. Juni 2019.
  6. Antje Reichel: Geschichte der Fähren in der Altmark. Hrsg.: Altmärkischer Heimatbund e. V. (= Die Altmark in Geschichte und Gegenwart. Band 5). Osterburg 2011, S. 18 (werben-elbe.de [PDF]).
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 344, 346.
  8. StBA: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010
  9. Gesetz über die Neugliederung der Gemeinden im Land Sachsen-Anhalt betreffend den Landkreis Stendal (GemNeuglG SDL) Vom 8. Juli 2010. 8. Juli 2020, GVBl. LSA 2010, 419, § 2, § 4 (sachsen-anhalt.de [abgerufen am 28. Dezember 2020]).
  10. a b c Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, DNB 578458357, OCLC 614308966, S. 175.
  11. a b Andreas Puls: Orte verlieren 122 Einwohner in 12 Monaten. In: Volksstimme Magdeburg, Lokalausgabe Osterburg. 21. Februar 2013 (volksstimme.de [abgerufen am 19. Juni 2019]).
  12. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 108 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
  13. Pfarrbereich Beuster. Abgerufen am 13. Dezember 2020.
  14. Ernst Machholz: Die Kirchenbücher der evangelischen Kirchen in der Provinz Sachsen. In: Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte. 30. Heft, 1925, ZDB-ID 504809-6, S. 16 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
  15. Bistum Magdeburg, Online-Bistumskarte. 2013, abgerufen am 28. Dezember 2020.
  16. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Gemeinde Wahrenberg – Landkreis Stendal, Bürgermeisterwahl am 24. Februar 2008
  17. a b c Landkreis Stendal: Genehmigung des Wappens und der Flagge der Gemeinde Wahrenberg. In: Amtsblatt für den Landkreis Stendal. 16. Jahrgang, Nr. 7, 5. April 2006, ZDB-ID 2665593-7, S. 66 (landkreis-stendal.de [PDF; 747 kB; abgerufen am 28. Dezember 2020]).
  18. Onlineprojekt Gefallendenkmäler. In: Wahrenberg auf www.denkmalprojekt.org. 1. August 2014, abgerufen am 20. Juni 2019.