Pollitz

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Pollitz
Gemeinde Aland
Koordinaten: 52° 58′ 8″ N, 11° 37′ 37″ O
Höhe: 20 m ü. NHN
Fläche: 19 km²
Einwohner: 270 (2015)
Bevölkerungsdichte: 14 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 39615
Vorwahl: 039395
Pollitz (Sachsen-Anhalt)
Pollitz

Lage von Pollitz in Sachsen-Anhalt

Fachwerkhaus in Pollitz
Fachwerkhaus in Pollitz

Pollitz ist ein Ortsteil der Gemeinde Aland im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt.[1]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Pollitz liegt im äußersten Norden von Sachsen-Anhalt am Aland, wenige Kilometer vor dessen Mündung in die Elbe bei Schnackenburg. Die Aland-Elbe-Niederung im Norden des Dorfes ist Naturschutzgebiet und EU-Vogelschutzgebiet.[2] Aus Sicht der Siedlungsgeografie ist die Ortslage ein durch Gutsbildung stark deformiertes Straßendorf mit Kirche.[3]

Nachbarorte sind Wanzer im Norden, Scharpenhufe im Südosten und Deutsch im Westen.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heutige Ortsteil Pollitz besteht laut Ortsteilverzeichnis Land Sachsen-Anhalt[4] aus Pollitz und der kleineren Ansiedlung Kahlenberge-Ziegelei, die aus zwei Wohnplätze besteht: Kahlenberge und Ziegelei.[2] Noch im Jahre 2011 wurde auch Vor Pollitz im Ortsteilverzeichnis als Ansiedlung genannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortsmitte von Pollitz (1950er Jahre)

Pollitz wurde ursprünglich von den Wenden als Rundlingsdorf angelegt, was im Winkel noch gut zu erkennen ist. Die erste nachweisbare urkundliche Erwähnung stammt von 1208, wobei die Wenden schon hunderte von Jahren früher dort siedelten, was aus einem Urnenfeld in der Pollitzer Feldmark ersichtlich ist. Der Name Pollitz ist wendischen Ursprungs und bedeutet Feldtal.[5] Im Jahre 1310 schenkte Waldemar, Markgraf der Mark Brandenburg, Pollitz an das Kloster Amelungsborn östlich des Voglers. Der heutige Ort ging aus zwei verschiedenen Dörfern hervor. Neben dem wendischen Pollitz entstand das deutsche Dorf Fiefhufen.[6] Bis zum 16. Jahrhundert hatten die beiden Dörfer noch eigene Schulzen.

Der Historiker Peter P. Rohrlach weist darauf hin, dass die Behauptung, es habe ursprünglich Wendisch- und Deutsch Pollitz gegeben, aus den vorhandenen Quellenbelegen nicht bestätigt werden kann. Außerdem war Fiefhufen kein selbständiges Dorf, sondern es war Hennigs Holz von „viff huffen auer den Alandt“, gepachtet vom Schulzen der von Jagow.[3] Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahre 1319 als Polnitz.[7] Die erste Erwähnung im Jahre 1208 von Deutsch als Duceke bezieht sich auf das benachbarte Dorf Deutsch.[8]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Kaufhaus

Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Pollitz aus dem Landkreis Osterburg mit der Landgemeinde Pollitz vereinigt.[9] Gleichzeitig wurde der Gutsbezirk Scharpenhufe[10] mit der Landgemeinde Pollitz vereinigt (mit den Wohnplätzen Ganseburg, Nattewisch, Ziegelei), mit Ausnahme der Kolonie Dosse, die zur Landgemeinde Groß Garz kam.[11]

Am 25. Juli 1952 wurde die Gemeinde Pollitz vom Landkreis Osterburg in den Kreis Seehausen umgegliedert. Am 2. Juli 1965 kam die Gemeinde zum Kreis Osterburg. Am 1. Juli 1994 kam sie schließlich zum Landkreis Stendal.[12]

Bis zum 31. Dezember 2009 war Pollitz eine selbständige Gemeinde mit dem Ortsteil Pollitz und den Wohnplätzen Kahlenberge und Ziegelei sowie dem Ortsteil Scharpenhufe mit dem Wohnplatz Nattewisch.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag haben die Gemeinderäte der Gemeinden Aulosen (am 23. Juni 2009), Krüden (am 17. Juni 2009), Pollitz (am 19. Juni 2009) und Wanzer (am 9. Juni 2009) beschlossen, dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Aland vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[13]

Zur früheren Landgemeinde Pollitz gehörten:

  • das Dorf Pollitz
  • Vor Pollitz (Menzendorfshof),[14] ein Ackerhof, 1,5 Kilometer südwestlich des Dorfes
  • Neuhof (Wellenhof)[14], ein früheres Gut, einen Kilometer südwestlich des Dorfes

Ab 1928 kamen vom früheren Gutsbezirk Pollitz dazu:

Ab 1929 bis Ende 2009 gehörten die Orte vom früheren Gutsbezirk Scharpenhufe dazu:

  • das Dorf Scharpenhufe etwa zwei Kilometer südöstlich von Pollitz
  • Ganseburg[10] (Kolonie Gänseburg)[16] zwei Kilometer ostnordöstlich von Scharpenhufe, existiert heute nicht mehr
  • Nattewisch[10] (Nathewisch) knapp einen Kilometer östlich von Scharpenhufe
  • Ziegelei[10] ein Kilometer nördlich von Scharpenhufe, existiert heute nicht mehr

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 226
1775 232
1789 246
1798 262
1801 332
1818 313
Jahr Einwohner
1840 370
1864 416
1871 227
1885 333
1895 313
1905 319
Jahr Einwohner
1925 575
1939 491
1946 733
1964 627
1971 586
1981 457
Jahr Einwohner
1993 420
2006 292
2011 420
2012 292

Quellen:[3][17]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirchengemeinde Pollitz, gehörte früher zur Pfarrei Groß Wanzer.[18] Die Kirchengemeinde gehört heute zum Kirchengemeindeverband Beuster-Aland im Pfarrbereich Beuster[19] des Kirchenkreises Stendal im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der letzte Bürgermeister der Gemeinde Pollitz war Wolfgang Bolte.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche von Pollitz
Grabstätte der Familie von Jagow auf dem Friedhof

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vereinsregister des Amtsgerichts Stendal sind verzeichnet:

  • Angelsportverein Pollitz und Umgebung e.V.
  • Förder- und Heimatverein für die Orte Pollitz und Scharpenhufe e.V.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Ort führt die Verbindungsstraße von Seehausen (Altmark) zur Bundesstraße 493 bei Schnackenburg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII) – Band 2 – L–Z. In: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. BWV Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, S. 1687 ff.
  • Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, G.m.b.H., Salzwedel 1928, DNB 578458357, S. 176.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Pollitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hauptsatzung der Gemeinde Aland. 2. Juli 2015 (verwaltungsportal.de [PDF; 275 kB; abgerufen am 21. Februar 2016]).
  2. a b Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  3. a b c Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 1687–1691.
  4. Ortsteilverzeichnis Land Sachsen-Anhalt (Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile), Gebietsstand Januar 2014, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), 2016
  5. Ortsteil Pollitz. Website der Gemeinde Aland
  6. Chronik von Pollitz zu 1310
  7. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 2. Band 1. Berlin 1843, S. 433 (Digitalisat).
  8. Hermann Krabbo: Regesten der Markgrafen von Brandenburg aus askanischem Hause. Hrsg.: Verein für Geschichte der Mark Brandenburg. 1. Lieferung. Duncker & Humblot, Leipzig 1910, S. 111, Nr. 536 (uni-potsdam.de).
  9. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 213.
  10. a b c d Gemeindelexikon für die Provinz Sachsen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen bearbeitet vom Königlich Preußischen Statistischen Landesamte. In: Königliches Preußisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Heft 7, 1909, DNB 365941735, ZDB-ID 1046036-6, S. 103 (Nr. 178).
  11. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 214.
  12. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 344, 347.
  13. Landkreis Stendal (Hrsg.): Amtsblatt. 19. Jahrgang, Nr. 17. Stendal 12. August 2009, S. 204 ff. (landkreis-stendal.de [PDF; 6,8 MB; abgerufen am 2. Dezember 2015]).
  14. a b Gemeindelexikon für die Provinz Sachsen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen bearbeitet vom Königlich Preußischen Statistischen Landesamte. In: Königliches Preußisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Heft 7, 1909, DNB 365941735, ZDB-ID 1046036-6, S. 100 (Nr. 101).
  15. a b c Gemeindelexikon für die Provinz Sachsen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen bearbeitet vom Königlich Preußischen Statistischen Landesamte. In: Königliches Preußisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Heft 7, 1909, DNB 365941735, ZDB-ID 1046036-6, S. 102 (Nr. 171).
  16. Meßtischblatt 40: Wittenberge. Reichsamt für Landesaufnahme, 1873, abgerufen am 16. Juni 2019.
  17. Andreas Puls: Orte verlieren 122 Einwohner in 12 Monaten. In: Volksstimme Magdeburg, Lokalausgabe Osterburg. 21. Februar 2013 (volksstimme.de [abgerufen am 10. Juni 2019]).
  18. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 107 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 16. Juni 2019]).
  19. Pfarrbereich Beuster. Abgerufen am 16. Juni 2019.