Wanzl Metallwarenfabrik

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Wanzl Metallwarenfabrik

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Rechtsform GmbH
Gründung 1918/1947
Sitz Leipheim
Leitung
  • Gottfried Wanzl, Vorsitzender des Aufsichtsrates
  • Klaus Meier-Kortwig, Vorsitzender der Geschäftsführung
  • Bernhard Renzhofer, Geschäftsführer Vertrieb
  • Frank Derks, Geschäftsführer Finanzen
  • Harald P. Dörenbach, Geschäftsführer Technik
Mitarbeiterzahl 2031 (2010) [1]
Umsatz 260 Mio. Euro (2010) [1]
Branche Metallindustrie
Website www.wanzl.com

Wanzl-Hauptsitz in Leipheim
Einkaufswagen-Modell "Concentra", 1957
Luftaufnahme Werk 4 in Leipheim
Niederlassungsgebäude Wanzl Großbritannien

Die Wanzl Metallwarenfabrik GmbH ist der weltweit größte Hersteller von Einkaufswagen und Gepäcktransportwagen.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Leipheim beschäftigte im Jahr 2015 etwa 4000 Mitarbeiter in 22 Ländern. Die Jahresproduktion betrug etwa zwei Millionen Einkaufswagen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1918 gründete Rudolf Wanzl sen. in Giebau in Mähren eine Schlosserei, die er zum Waagen­baubetrieb und Landmaschinenhandel mit 20 Mitarbeitern ausbaute. Nach der Vertreibung erfolgte 1947 durch Rudolf Wanzl jun. die Neugründung in Leipheim, wo eine Werkstätte für Wagenbau und Reparaturdienst eingerichtet wurde. Der Anstoß, sich dem Thema Selbstbedienung zu widmen, kam vom Kassenhersteller NCR in Augsburg. Für einen Demonstrationsraum des Unternehmens wurden Einkaufskörbe in handwerklicher Einzelfertigung bestellt. In etwa zur selben Zeit bestellte die Hamburger Konsumgenossenschaft 40 Wagen und 100 Handkörbe für die Eröffnung des ersten deutschen Selbstbedienungsladens. Anfang der 1950er-Jahre reiste Rudolf Wanzl in die USA und kam dort in Kontakt mit dem Erfinder des Einkaufswagens, Sylvan Goldman. Noch auf dem Rückflug entwarf er ein eigenes, beweglicheres Modell, das die Basis aller heutigen Einkaufswagen bildet. 1951 wurde der erste Einkaufswagen mit festem Korb patentiert. Drei Jahre später schieden die teilhabenden Brüder Siegel aus dem Unternehmen aus und gründeten ein eigenes unter ihrem Namen, das nach Insolvenz 2007 von Wanzl übernommen wurde. Über viele Jahre hinweg waren so die beiden deutschlandweit größten Hersteller von Einkaufswagen in Leipheim ansässig.

1956 beschäftigt Wanzl 74 Mitarbeiter.

1960er-Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Erweiterung der Fertigungskapazitäten wird in Kirchheim ein neues Werk in Betrieb genommen. Zur Kundenlenkung und Diebstahlminimierung in den in Deutschland immer größeren werdenden Supermärkte nimmt Wanzl manuelle Zugangsdrehkreuze mit in sein Produktprogramm auf. 1966 beschäftigt das Unternehmen bereits 400 Mitarbeiter.

1970er-Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Expansion der deutschen Handelsketten ins nahegelegene Ausland werden die ersten Landesniederlassungen gegründet. Für die Deutsche Bundesbahn werden erstmals Gepäckwagen für Bahnhöfe geliefert. Im Zuge der erneuten Ausweitung der Produktion wird in der Nähe des Leipheimer Bahnhofes ein weiteres Werk gebaut. Zeitweise verfügte dieses Werk auch über einen eigenen Gleisanschluss. 1978 wird das Unternehmen mit dem Goldenen Zuckerhut ausgezeichnet.

1980er-Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Frankfurter Flughafen liefert das Familienunternehmen erstmals Gepäckwagen an einen Flughafen. Als Besonderheit können diese Wagen auch auf Rolltreppen transportiert werden. Um den französischen Markt besser bedienen zu können, wird im elsässischen Schlettstadt ein neues Werk gebaut. Die zunehmende Verbreitung von Baumärkten lassen die Produktionszahlen weiter ansteigen, Vertriebsniederlassungen in Großbritannien und Belgien werden aufgebaut. 1989 beschäftigt Wanzl 1600 Mitarbeiter.

1990er-Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1990 wurde in Leipheim das Werk 4 unweit der Autobahn A8 fertiggestellt. In diesem Werk befindet sich heute der Hauptsitz des Unternehmens. 1991 gründet Wanzl den Geschäftsbereich Ladenbau. Fortan werden die Einrichtungen ganzer Supermärkte geplant und Regalsysteme hergestellt. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs breitet sich das Selbstbedienungskonzept auch in Osteuropa aus und erschließt neue Märkte. 1995 wird unweit der früheren Heimat von Rudolf Wanzl ein Produktionswerk in Tschechien eröffnet. Nach zehnjähriger Tätigkeit als Geschäftsführer übernimmt Gottfried Wanzl 1998 die komplette Leitung des Unternehmens von seinem Vater. Großaufträge wie die Belieferung des neuen Flughafens von Hongkong mit Gepäcktransportwagen lassen die Beschäftigungs- und Umsatzzahlen weiter steigen. 1999 werden erstmals 1 Million Einkaufswagen pro Jahr gefertigt.

2000er-Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Märkte im klassischen Handelsgeschäft sind in Westeuropa zunehmend gesättigt, während gerade in Entwicklungsländern das Selbstbedienungsprinzip weiter auf dem Vormarsch ist. 2005 wird in Shanghai ein weiteres Wanzl-Werk mit Produktion und Verwaltung eröffnet. Mit dem zunehmenden Aufkommen des Onlinehandels erweitert Wanzl sein Produktprogramm um Kommissionier- und Lagerwagen. Ebenso werden erstmals auch Hotels mit einem speziellen Produktprogramm beliefert. Nach der Insolvenz des ehemaligen Wettbewerbers Siegel übernimmt Wanzl einen Großteil der Mitarbeiter.[2] Im selben Jahr erhält Wanzl den Bayerischen Qualitätspreis. Zum Ausbau des Geschäftsbereiches Ladenbau integriert das Unternehmen die Ulmer Schreinerei Unseld.[3]

2010er-Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 2012 stockte Wanzl ihre seit 2006 bestehende Beteiligung an der nordamerikanischen Unternehmensgruppe Technibilt auf 100 Prozent auf.[4]

Am 11. Februar 2012 brach ein Feuer im Galvanikgebäude aus. Die 40 x 40 m große Halle brannte dabei vollständig aus, es entstand Schaden in zweistelliger Millionenhöhe.[5] Knapp zwei Jahre nach dem Großbrand wurde am selben Standort die wiederaufgebaute Galvanikanlage in Betrieb genommen.[6]

Geschäftsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einkaufswagen aus Wanzl-Produktion, links aus der Produktserie EL (hier mit kleinerer Korbgröße), rechts aus der Serie DRC mit Bodenrost für Getränkekisten etc.
Wanzl-Kommissionierwagen KT3
Wanzl-Gepäcktransportwagen am Flughafen Phoenix

Retail Systems/Shop Solutions[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Einkaufswagen aus Metall stellt das Unternehmen seit einigen Jahren Einkaufswagen aus Kunststoff her. Diese laufen unter der Produktbezeichnung Tango sowie Salsa und werden insbesondere ins europäische Ausland, aber auch weltweit exportiert. Weitere Produkte zur Einrichtung von Handelsgeschäften wie Regale, Displays, Drehkreuze sowie komplette Ladeneinrichtungen gehören zum Produktspektrum.

Logistics + Industry[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2002 wurde das Produktsortiment für Industrie- und Logistikkunden in diesem Geschäftsbereich zusammenfasst. Neben Wagen zur Kommissionierung stellt das Unternehmen auch Transportcontainer oder Palettenaufsätze her.

Airport + Security Solutions[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Bahnhöfen und Flughäfen weltweit sind Gepäckwagen, Zutrittskontrollen und Raumteiler von Wanzl im Einsatz. Zu den Kunden zählen große Luftverkehrsdrehscheiben in Frankfurt, Hongkong oder Paris. Auch auf dem Eurostar-Zielbahnhof St Pancras sind Gepäckwagen von Wanzl im Einsatz.

Hotel Service[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Geschäftsbereich wurde im Jahr 2006 eingeführt. Es werden Produkte zur Hotel-Ausstattung wie z. B. Wäsche-, Servier- und Reinigungswagen angeboten. Die Wagen sind auch auf einigen Kreuzfahrtschiffen der AIDA Cruise Line zu finden.

Produktionsstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wanzl verfügt über drei Werke in Leipheim, eines in Kirchheim sowie jeweils eines in Frankreich (Sélestat), Tschechien (Hněvotín) und China (Shanghai).

Auslandsniederlassungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1970 wurden weltweit zahlreiche Service- und Vertriebsniederlassungen gegründet.

Geschäftsleitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gottfried Wanzl, ein Sohn des 2006 mit dem Bayerischen Gründerpreis in der Kategorie Lebenswerk ausgezeichneten Rudolf Wanzl junior,[7] ist Vorsitzender des Aufsichtsrates im Unternehmen. Im Jahr 2014 übernahm Klaus Meier-Kortwig den Vorsitz der Geschäftsleitung. Geschäftsführer für die Finanzen ist Frank Derks, für den Bereich Technik Harald P. Dörenbach und für den Vertrieb Bernhard Renzhofer.

Logos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Messen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wanzl ist regelmäßiger Aussteller auf der alle drei Jahre in Düsseldorf stattfindenden Messe EuroShop.

Konkurrenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Caddie, Stammsitz in Schiltigheim (Frankreich) mit sieben Tochtergesellschaften in anderen Ländern,[8] besteht seit 1928 und vertreibt Einkaufswagen in 130 Länder. Marsanz mit Sitz in Torrejon de Ardoz in der Nähe von Madrid vertreibt Einkaufswagen in 80 Länder. In China ist mittlerweile eine Vielzahl von Einkaufswagen-Herstellern entstanden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wanzl Metallwarenfabrik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jahresabschluss zum 31. Dezember 2010 Unternehmensregister, abgerufen am 15. Juli 2012.
  2. Wanzl übernimmt Siegel Donau 3 FM, 21. August 2007, abgerufen am 6. Juli 2015.
  3. Wanzl übernimmt Ulmer Betrieb. In: Augsburger Allgemeine, 5. Februar 2010, abgerufen am 7. Juli 2015.
  4. Auf voller Fahrt durch Nordamerika. In: Augsburger Allgemeine, 28. August 2013, abgerufen am 7. Juli 2015.
  5. Berthold Veh: Zweistelliger Millionen-Schaden bei Wanzl. In: Augsburger Allgemeine, 11. Februar 2012, abgerufen am 15. Juli 2012.
  6. Der Großbrand bei Wanzl ist Geschichte. In: Augsburger Allgemeine, 2. April 2014, abgerufen am 30. Juni 2015.
  7. Hermann Simon erwähnt die Wanzl Metallwarenfabrik in seinem gleichnamigen Buch als Beispiel für einen Hidden Champion. (Hidden Champions des 21. Jahrhunderts: Die Erfolgsstrategien unbekannter Weltmarktführer. Campus, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-593-38380-4, S. 21.)
  8. Company. Caddie.de, abgerufen am 15. Juli 2012.