Baumarkt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Eingang eines Baumarktes in Deutschland
Innenansicht eines Baumarktes in den USA
Innenansicht eines Baumarktes in Japan

Ein Baumarkt ist großflächiges Einzelhandelsgeschäft, das sich auf Materialien für Handwerker oder Hobbyheimwerker spezialisiert hat. Bekam man früher beispielsweise Werkzeuge und Nägel ausschließlich beim Eisenwarenhändler, Farben und Tapeten im Farbenfachgeschäft, Holz beim Holzhändler und Baustoffe im Baustoffhandel, so kann man in einem Baumarkt fast alles an einem Ort bekommen. Baumärkte wurden konzeptionell aus den USA übernommen, wo sie unter der Bezeichnung „Hardware Store“ bekannt sind. Es wird auch häufig von der „DIY-Branche“ (Abkürzung für: Do it yourself) gesprochen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte August 1959 eröffnete der Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler in Zürich-Albisrieden den ersten Baumarkt der Schweiz, dannzumal noch unter dem Namen Do-it-yourself (heute: Do it + Garden Migros).[1] Nach dem amerikanischen Vorbild der «Do-it-yourself-Bewegung» wollte Duttweiler den Menschen «vermehrte Möglichkeiten für eine positive Gestaltung der Freizeit» bieten.[2] Ein Jahr später eröffnete der erste deutsche Baumarkt, das Bauhaus. Das Unternehmen wurde 1960 von Heinz-Georg Baus in einer Garage in Mannheim gegründet. 1968 wurde von Otmar Hornbach in Bornheim (Pfalz) der erste kombinierte Bau- und Gartenmarkt in Deutschland eröffnet.

Marktsituation heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europa und weltweit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

OBI-Baumarkt in Wien-Favoriten mit rd. 10.000 m³ Verkaufsfläche (2014 eröffnet)

Mit über 30.000 m² Verkaufsfläche ist das Bauhaus in Frechen bei Köln derzeit (Stand: Oktober 2010) der größte Baumarkt Europas.

Die US-amerikanische The Home Depot Inc. mit Sitz in Atlanta ist der Marktführer in den USA und behauptet von sich, die größte Baumarktkette weltweit zu sein. Ihre größten Wettbewerber auf dem US-Markt sind Lowe's und Ace Hardware.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005 wurden gemäß dem Branchenmagazin „diy“ in Deutschland 104 neue Baumärkte eröffnet. Damit stieg die Zahl der Bau- und Heimwerker-Fachmärkte auf 4392. Nach der Definition des Branchenverbands BHB (Bundesverband Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte e. V.) muss ein Baumarkt allerdings mindestens 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche bieten und über eine bestimmte Warenklassifikation verfügen, um als solcher vom BHB anerkannt zu sein. Nach dieser Definition gab es 2021 in Deutschland 2091 Baumärkte mit einer durchschnittlichen Verkaufsfläche von 13261 Quadratmetern.[3]

Die schlechte Finanzlage vieler Baumärkte, eine mangelhafte Marktpositionierung und der starke Preiskampf setzen die Branche unter Druck. Eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young prognostizierte bereits 2005, dass von den damals 14 großen Baumarktketten im Jahr 2015 abhängig von der Wahl ihrer zukünftigen Strategie im besten Fall sieben, im schlechteren Fall nur drei Unternehmen übrig blieben.[4] Angesichts der Insolvenz des Baumarkt-Konzerns Praktiker im Jahr 2013 und dem damit verbundenen nahezu gleichzeitigen Verschwinden von drei Baumarktketten (Praktiker, Max Bahr und extra Bau+Hobby) traf diese Prognose zumindest teilweise tatsächlich ein.

2007 übernahm die Rewe-Kette sämtliche Marktkauf-Baumärkte und wandelte diese in Toom- oder B1-Baumärkte um.

Die größten Baumärkte in Deutschland waren 2020 Obi, Bauhaus, die Rewe-Group mit Toom und B1, Hagebau, Hornbach sowie Globus. Sie erreichten zusammen einen Umsatz von knapp 20,4 Mrd. Euro (Stand: 2020).[5]

Die umsatzstärksten Baumärkte in Deutschland
Unternehmen Sitz Anzahl der
Filialen 2012
Umsatz 2012 in
Deutschland brutto
Obi
(zur Unternehmensgruppe Tengelmann mit Sitz in Mülheim an der Ruhr)
Wermelskirchen 344 3.750 Mio. Euro
Bauhaus Belp (Schweiz) 126 2.730 Mio. Euro
Toom Baumarkt (mit B1 Discount Baumarkt)
(zur Rewe Group)
Köln-Porz 352 2.437 Mio. Euro
Hagebau mit hagebaumarkt, WERKERS WELT und Floraland Soltau 671 2.430 Mio. Euro
Hornbach Bornheim (Pfalz) 91 2.050 Mio. Euro
Globus St. Wendel 79 1.263 Mio. Euro
Hellweg (Baumarkt)
(gemeinsamer Einkaufsverbund DIYCO mit der BayWa AG)
Dortmund 135 963 Mio. Euro
Eurobaustoff Handelsgesellschaft (i&M Bauzentrum) Karlsruhe 324 950 Mio. Euro
EMV-Profi Lage 307 764 Mio. Euro

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich haben Lagerhaus, Obi, Bauhaus und Hornbach zusammen nahezu 90 % Marktanteil. Es gibt rund 870 Standorte mit zirka 1,57 Millionen Quadratmetern Verkaufsfläche.[6]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baumärkte in der Schweiz
Unternehmen Sitz Markteintritt Anzahl der
Filialen 2014[7]
Coop Bau+Hobby Basel 1976 74
Do it + Garden Migros Zürich 1959 47
Jumbo-Markt AG (Maus Frères Holding) Dietlikon 1974 41
OBI (Franchisenehmer Migros) Wermelskirchen, Deutschland 1999 10
Hornbach Bornheim (Pfalz), Deutschland 2002 6
Do it AG Chur 1983 4
Bauhaus Belp 2006 3

Große Baumarktketten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daneben gibt es noch größere selbstständige Gartencenter und Holzfachmärkte, die nebenbei auch Baumarktartikel anbieten. Zum Teil gehören sie weiteren Einkaufs- und Marketingverbünden an.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegfried Rohn (Hrsg.): 30 Jahre bau & heimwerker markt. Euro-Marketing der DIY-Branche. Über den Tag hinaus … Geschichte und Zukunft der Do-It-Yourself-Branche in Deutschland. Siegfried Rohn, Köln 1998.
  • DIY-Handel in Deutschland: Baumarkt-Filialunternehmen, Kooperationen + SB-Warenhäuser; Ettlingen: Dähne (CD-ROM-Ausgabe oder Druckausgabe), erscheint jährlich seit 1999
  • Egon Huppert, Christoph Schöffel: Baumarkt-Report; Dokumentation des Eurohandelsinstituts e. V., Verl. DHI, Dt. Handelsinstitut, Köln 1994, ISBN 3-87257-160-5
  • Gschwantner, Martin: Statistische Methoden der Marktforschung, dargestellt am Beispiel einer Kundenzufriedenheitsanalyse im Baumarkt „Hornbach“ in Ansfelden; Innsbruck, Univ., Dipl.-Arb., 2004
  • Haberer, Nina: Junge Frauen im Baumarkt: eine Beurteilung der Kommunikationspolitik aus Kundinnensicht; Wien, Wirtschaftsuniv., Dipl.-Arb., 2005
  • Das „Institut für Freizeitwirtschaft“, München, gibt regelmäßig bedeutende Analysen des DIY-Marktes heraus. Aktuell: „Der deutsche DIY-Markt bis 2020“, „Marktanalyse Do-it-yourself 2007“, „Heimwerker-Monitor DIY-Handel 2003: die 30 größten B+H-Markt-Gruppen im Urteil der Heimwerker“ sowie „Heimwerker-Monitor DIY-Industrie 2007“.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Baumärkte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Baumarkt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Do it yourself In: Neue Zürcher Zeitung vom 17. August 1959, Morgenausgabe, Blatt 4 (im gebührenpflichtigen NZZ-Archiv)
  2. Die Migros Geschichte. Abgerufen am 11. Oktober 2021.
  3. DIY-Branchenzahlen. Abgerufen am 11. April 2022.
  4. EY-Baumarktstudie: Baumärkte in der Strategiefalle. (PDF) Differenzierung der Formate als Chance. In: ey.com. 2005, abgerufen am 3. Dezember 2013.
  5. Umsatz der führenden Baumärkte bis 2020. Abgerufen am 11. April 2022.
  6. Baumärkte retten sich ins Grüne. Neue Strategien sind gefragt. In: orf.at. 22. Juli 2013, abgerufen am 23. Juli 2013.
  7. statista.de: Führende Baumärkte in der Schweiz gemessen an der Anzahl der Filialen in den Jahren 2010 bis 2014, abgerufen am 1. November 2015
  8. Ace International Locations (Memento vom 20. August 2014 im Internet Archive)