Wendigo

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Wendigo (Plural: Wendigowak; dt. „Menschenfresser“) ist der Name eines fiktiven Wesens der Anishinabe-Kultur, speziell der Ojibwa und der Cree. Es soll sich um einen bösartigen und rachsüchtigen Geist handeln, der von Menschen Besitz ergreift, sie in den Wahnsinn treibt und zu Kannibalen macht.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Namen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch wenn stets dasselbe Wesen gemeint ist, so ist der Wendigo unter zahlreichen, divergierenden Lesungen bekannt: Windigo, Wintego, Wendago, Wihtego, Wetigo, Windego, Wintigo, Wintsigo, Windagoo, Windikouk, Weendigo, Wiitigo, Weendegoag, Weendago und Weetigo.[1][2]

Aussehen und Verhalten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Normalerweise wird der Wendigo als anthropomorph beschrieben. Er soll in tiefen, dunklen Wäldern und auf verlassenen Friedhöfen hausen. Wenn er Gestalt annimmt, so soll sein Aussehen etwas an jenes moderner Zombiebeschreibungen erinnern: Seine Haut ist stellenweise schwärzlich verfärbt, als würde sein Fleisch verderben. Sein lippenloser Mund ist mit spitzen Zähnen besetzt, seine Augen stehen markant hervor. Sie sollen wie die Augen einer Eule aussehen, aber völlig blutunterlaufen sein. Seine Füße werden als fast einen Meter lang beschrieben, die Fersen sind auffallend spitz und enden in einem einzelnen, großen Zeh. Seine Hände enden vorgeblich in langen, spitzen Klauen. Der Wendigo ist angeblich so groß, dass er die Spitzen von Bäumen abbeißen kann. Trotzdem soll er sich unglaublich schnell fortbewegen können. Sein Herz soll aus steinhartem Eis bestehen.[3][2]

Der Wendigo soll ein ausdauernder und hartnäckiger Stalker und Häscher sein: er steigt einsamen Wanderern und Jägern nach, bis die Dunkelheit hereinbricht, dann überfällt und frisst er sein Opfer. Er soll aber auch in der Lage sein, entweder mittels mächtiger Zauberei oder durch Besitzergreifung einzelne Menschen in den Wahnsinn zu treiben. Dann bringt er sein Opfer dazu, seine Jagdbegleiter oder gar eigene Familienmitglieder zu töten und ihr Fleisch zu essen (Kannibalismus). In vielen Legenden und Anekdoten lässt der Wendigo jüngst Verstorbene zu Wiedergängern werden, welche er dann gegen lebende Personen losschickt. Weiteren Überlieferungen zufolge finden die Geister getöteter Wendigo-Opfer keine Ruhe und werden oft selbst zu einem Wendigo.[3][2]

Hintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wesen des Wendigo lässt sich den Natur- und Totengeistern zuordnen. Geschichten und Legenden um den Wendigo werden innerhalb der Ojibwa- und Cree-Gemeinden seit Urzeiten überliefert. Die Angst vor dem Wendigo ließ die Indianer stets in kleinen Gruppen losziehen, um in den Wäldern zu jagen. Wann immer ein Stammesbruder von seiner Jagd nicht mehr zurückkehrte, wurde oft der Wendigo verantwortlich gemacht. Der Glaube an Wendigowak war so stark, dass Gesetze und Tabus innerhalb der Indianergemeinden eingeführt wurden, die den Umgang mit vorgeblich Besessenen und Wendigowak regeln sollten. Wenn beispielsweise ein Stammesbruder besessen war, mussten seine Begleiter ihn umgehend töten. Europäische Siedler und Missionare berichteten im frühen 19. Jahrhundert über Exekutionen von angeblich Besessenen in den Gemeinden der Cree, Ojibwa und der Saulteaux. Kindern und Jugendlichen wurden (und werden) Gruselgeschichten über Wendigowak erzählt, um sie zu erziehen und von nächtlichen Alleingängen abzuhalten.[1][3]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romanliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Roman The Wendigo von Algernon Blackwood von 1910 ist die früheste literarische Verarbeitung des Stoffes.
  • Im Roman Friedhof der Kuscheltiere des Schriftstellers Stephen King stellt sich der Antagonist als Wendigo heraus.[4]
  • In "Winterkill" von Josh Ericson (Pseudonym Thomas Jeiers) spielt der Wendigo eine zentrale Rolle.
  • In "Der Monstrumologe und der Fluch des Wendigo" von Rick Yancey jagt der Monstrumologe mit seinem Assistenten Will Henry einen Wendigo.
  • In "Menschenhunger" von Anette Strohmeyer ist die Legende vom Wendigo Hauptthema.
  • Im zweiten Band der "Geschöpfe der Nacht"-Reihe "Wolfsgesang" von Lori Handeland werden die Jäger von Werwölfen mit der Legende des Wendigos und schlussendlich mit einem Wendigo konfrontiert.

Spielfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernsehserien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In einer Episode der TV-Serie Charmed – Zauberhafte Hexen treffen die drei Schwestern auf einen Wendigo.
  • Die zweite Folge der ersten Staffel der TV-Serie Supernatural ist nach dem in ihr vorkommenden Wendigo benannt.
  • In Teen Wolf treffen die Protagonisten auf einen Wendigo.
  • In mehreren Episoden der Serie Sleepy Hollow treffen Crane, Abbie und Jenny von Zeit zu Zeit auf einen Wendigo.
  • In den Träumen und Visionen aus der Serie Hannibal sieht Will Graham neben einem schwarzen Hirsch einen Wendigo.

Computerspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Computerspiel Harveys neue Augen ist der Wendigo eine der Inkarnationen des zentralen Antagonisten.
  • Im Videospiel Until Dawn (2015) treten Wendigowak als zentrale Antagonisten auf.
  • In der Videospiel-Reihe 'Final Fantasy' gibt es in einigen Teilen ein Monster mit dem Namen Wendigo.
  • Im Videospiel Kona existiert ein Buch, das die Sage vom Wendigo beschreibt.
  • Im Videospiel World of Warcraft erscheinen Wendigos im Startgebiet der Zwergen als Gegner. Allerdings in einer anderen Interpretation als das Original.
  • Im Videospiel Fallout 76 ist der Wendigo eine Gegnerart, die auch mit einer Quest verknüpft ist.
  • Im Videospiel The Witcher 3 Wild Hunt bekämpft man einen Wendigo um eine Quest zu erfüllen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sidney L. Harring: White Man's Law: Native People in Nineteenth-century Canadian Jurisprudence (= Osgoode Society for Canadian Legal History-Serie). University of Toronto Press, Toronto 1998, ISBN 0802005039.
  • Margaret Atwood: Strange Things: The Malevolent North in Canadian Literature. Virago, London 2009, ISBN 9781844080823.
  • Christopher R. Fee, Jeffrey B. Webb: American Myths, Legends, and Tall Tales: An Encyclopedia of American Folklore. ABC-CLIO, Santa Barbara 2016, ISBN 1610695682.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Christopher R. Fee, Jeffrey B. Webb: American Myths, Legends, and Tall Tales. S. 1035–1036.
  2. a b c Margaret Atwood: Strange Things. S. 56 – 59.
  3. a b c Sidney L. Harring: White Man's Law. S. 217 – 222, 287.
  4. Stephen King: Friedhof der Kuscheltiere. Roman (Originaltitel: Pet Sematary). Deutsch von Christel Wiemken. Ungekürzte Ausgabe. Ullstein, Berlin 2005, 459 S., ISBN 978-3-548-26310-6.
  5. Wendigo in der Internet Movie Database (englisch)
  6. Wendigo in der Internet Movie Database (englisch)
  7. Wendigo in der Internet Movie Database (englisch)
  8. Wendigo in der Internet Movie Database (englisch)