Lone Ranger (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Lone Ranger
Originaltitel The Lone Ranger
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2013
Länge 149 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
JMK 12[2]
Stab
Regie Gore Verbinski
Drehbuch Justin Haythe,
Ted Elliott,
Terry Rossio,
Eric Aronson
Produktion Jerry Bruckheimer,
Gore Verbinski
Musik Hans Zimmer
Kamera Bojan Bazelli
Schnitt James Haygood,
Craig Wood
Besetzung

Lone Ranger (Originaltitel The Lone Ranger) ist ein US-amerikanischer Westernfilm aus dem Jahr 2013, der auf der gleichnamigen Radiosendung und späteren Fernsehserie Die Texas Rangers basiert. Regie führte Gore Verbinski, produziert wurde der Film von Jerry Bruckheimer Films und der The Walt Disney Company, welche über 250 Millionen US-Dollar in Lone Ranger investierte.[3] Premiere feierte Lone Ranger am 27. Juni 2013 in Neuseeland; in den Vereinigten Staaten lief der Film am 3. Juli in den Kinos an und in Deutschland startete der Film am 8. August in den Kinos. Aufgrund der zunächst mäßigen Einspielergebnisse, der hohen Produktionskosten und der zum Teil verheerenden Kritiken gilt der Film als enormer Misserfolg.[4]

Handlung[Bearbeiten]

Der Film spielt in Nordamerika während der Zeit, in der durch den Wilden Westen die ersten Eisenbahnen gebaut wurden, welche die Ostküste und die Westküste verbinden sollten. Eine der Eisenbahnen ist offiziell auf einer Route geplant, die um ein Indianergebiet, das den Indianern vertraglich zugesichert worden war, herumführt. Dieser Umweg würde für die Eisenbahngesellschaft aber länger und teurer, als eine – verbotene – Abkürzung quer durch das Indianergebiet sein.

Der die Bauarbeiten leitende Manager der Eisenbahngesellschaft beabsichtigt, durch eine von seinem Bruder Cavendish angeführte Gruppe von Schwerverbrechern, Farmer aus der Umgebung zu töten und deren Farmen niederbrennen zu lassen, um die Taten den Indianern in die Schuhe zu schieben, sowie um die US-Kavallerie dazu zu bewegen, die Indianer anzugreifen und zu vertreiben. Cavendish ist jedoch bereits wegen anderer Verbrechen (unter anderem Morden an friedlichen Indianern) gefangen genommen worden und soll am Standort der Eisenbahnbauarbeiten gehängt werden. Dazu wird er, in Ketten gelegt, mit der Eisenbahn dorthin transportiert.

Im Gefängniswagon sitzt auch der Indianer Tonto, der seine Ehre und seinen Seelenfrieden wiederherstellen und sich an Cavendish rächen will, weil Cavendish als Tonto noch ein Kind war dessen Stamm überfallen und zahlreiche Stammesangehörige niedergemetzelt hat. Tonto selbst trägt daran eine Mitschuld, weil Tonto, als er noch ein Kind war, den Banditen Cavendish vor dem Verdursten gerettet hat, und ihm mitgeteilt hat, dass und wo im Gebiet seines Stammes Silber zu finden sei. Im Zug mit dem Gefangenenwagon fährt auch der junge Staatsanwalt John Reid mit, der der Bruder des leitenden örtlichen Ranger Dan Reid ist. Der Verbrecher Cavendish wird auf dem Gefangenentransport jedoch von seinen Kumpanen befreit, wobei der junge Staatsanwalt und der Indianer Tonto übertölpelt werden. Beide treffen schließlich am Ort der Eisenbahnbauarbeiten ein, wo der junge Staatsanwalt sich einem Ritt seines Bruders und anderer berittener Gesetzeshüter, den „Rangern“, anschließt, die Cavendish wieder einfangen wollen.

Der Leiter der Ranger ist inzwischen auch misstrauisch gegenüber dem Manager der Eisenbahngesellschaft, da er im Indianergebiet Eisenbahnschienen entdeckt hat. Bei dem Ritt der Ranger, um den entflohenen Häftling Butch Cavendish und seine Bande zu verfolgen, geraten die Ranger aufgrund von Korruption beziehungsweise Verrat eines Reiters in einen Hinterhalt. Die Heckenschützen von Cavendish schießen alle Ranger und den unbewaffneten jungen Staatsanwalt John Reid nieder. Reid scheint jedoch als Einziger nicht tödlich getroffen, sondern lediglich schwer verletzt worden zu sein.

Als der Indianer Tonto die toten Ranger findet und sich an deren Beerdigung macht, wird Reid von einem anscheinend mit spirituellen Kräften ausgestatteten, weißen Pferd namens Silver, das in der Mythologie der Indianer eine Art Orakel, Omen oder Geist zu sein scheint, ausgewählt, und Tonto wird veranlasst, zu versuchen, Johns Leben zu retten, was schließlich auch gelingt.

Der Indianer, der sich für seine toten Stammesbrüder an Cavendish rächen und diesen töten will, sowie der junge Staatsanwalt, der weitere Verbrechen von Cavendish verhindern und ihn verhaften und anklagen will, werden zwar keine Freunde, gehen jedoch ein Zweckbündnis ein, um ihre jeweiligen Ziele zu verfolgen. Der Indianer Tonto rät dem jungen Staatsanwalt, sich zu maskieren, damit die Verbrecher in dem Glauben bleiben, ihn, John Reid, zusammen mit den Rangern getötet zu haben. Cavendish hat jedoch im Eisenbahn-Manager einen mächtigen Verbündeten, wie den beiden erst mit der Zeit allmählich klar wird. Außerdem hat Cavendish die Frau beziehungsweise junge Witwe (Ruth Wilson) von Reids Bruder entführt und in seiner Gewalt, um sie dem Eisenbahn-Manager, der sie attraktiv findet, zuzuführen. John Reid ist jedoch auch in die junge Witwe verliebt, und will sie möglichst lebend befreien, was die Sache für ihn nicht leichter macht. Zudem gelingt es dem korrupten Eisenbahnmanager, den ursprünglich gesetzestreuen leitenden Offizier der örtlichen US-Kavallerie zu korrumpieren, und für seine kriminellen Machenschaften einzuspannen.

Zugleich führt der gewiefte Geschäftsmann auch seine eigenen Arbeitgeber hinters Licht, um durch Gewalt und Drohungen sowie mit Hilfe von Silber aus Indianergebieten selber Eigentümer der zukünftig lukrativen Eisenbahn zu werden. Aus der Bevölkerung erhalten John Reid und Tonto lediglich durch eine Gruppe von Prostituierten, deren Chefin durch Cavendish misshandelt und verstümmelt worden ist, Unterstützung. Die Normalbevölkerung ist Indianern, also auch Tonto gegenüber, feindselig eingestellt, vertraut der US-Kavallerie, und freut sich darüber, dass der Eisenbahnmanager die Infrastruktur verbessert und die Wirtschaft ankurbelt. Abgesehen von dem wundersamen Pferd Silver und dem kauzigem, mit trockenem Humor ausgestatteten Indianer Tonto, ist der „Lone Ranger“, wie der maskierte John Reid (der sich den Ranger-Stern seines toten Bruders angeheftet hat) inzwischen genannt wird, also auf sich allein gestellt.

Die Filmhandlung erzählt viele Jahre später der gealterte Indianer Tonto einem fragenden und neugierigen weißen Schuljungen, der während seines Dialogs mit dem alten Indianer lernt, dass wohl nicht immer alles wirklich so ist, wie es jeweils auf den ersten Blick den Anschein hat.

Hintergrund[Bearbeiten]

Kurz nach Fertigstellung des Drehbuchs (Justin Haythe, Ted Elliott, Terry Rossio und Eric Aronson) wurde Johnny Depp für die Rolle des Tonto bestätigt. Das Make-up und die Maske von „Tonto“ wurden vom Bild I am Crow des Malers Kirby Sattler inspiriert. „Tonto“ bedeutet im Spanischen soviel wie „Narr“, deshalb heißt Tonto in der spanischen Synchronisation „Toro“ („Bulle“). Zunächst wurde der Film dem Regisseur Mike Newell angeboten, ging im September 2010 dann aber an Gore Verbinski, der bereits bei den ersten drei Pirates of the Caribbean-Filmen Regie geführt hatte.[5] Für die Rolle des John Reid/Lone Ranger waren zunächst Brad Pitt und Ryan Gosling im Gespräch, bevor sie schließlich an Armie Hammer ging.[6][7]

Lone Ranger sollte ursprünglich Ende 2012 in die Kinos kommen, aber die Walt Disney Company stoppte im August 2011 die Arbeiten, da ihnen das geplante Budget zu hoch war und es Befürchtungen gab, dass der gewünschte Erfolg ausbliebe. Am Ende des nächsten Monats konnten die Dreharbeiten wieder aufgenommen werden, allerdings wurden einige aufwendige Szenen gestrichen,[8] und der Premierentermin musste auf 2013 verschoben werden.[9]

Lone Ranger wurde in Sunland, beim Monument Valley, in Angel Fire, in Creede, in Hurley, in Lone Pine, in den Albuquerque Studios, am Canyon de Chelly National Monument, in Moab, in Alamosa, in Puerco Valley und in Texas gedreht.[10] Dabei wurde von Februar 2012 an fünf Monate gedreht.[11] Während der Dreharbeiten starb der 48-jährige Wassersicherheitsspezialist Mike Bridger an einem Herzinfarkt.[12]

Bei den Dreharbeiten fiel Johnny Depp vom Pferd und kam dermaßen stark unter die Hufe des Tieres, dass Regisseur Gore Verbinski sich dazu äußerte: „Ich dachte, das überlebt er nicht.“[13] Stattdessen berichtete Verbinski weiter: „Er ist sofort wieder aufgesprungen und drehte weiter.“[13]

Die optische Täuschung, die einen Vogel auf der einen Seite und einen Käfig auf der anderen Seite zeigt, wird von Johnny Depp bereits in Sleepy Hollow gezeigt.

Rezeption[Bearbeiten]

Erfolg[Bearbeiten]

Bei Produktions- und Marketingkosten von mindestens 375 Millionen US-Dollar[14] spielte der Film bis zum 10. Oktober 2013 weltweit etwa 260,00 Millionen US-Dollar ein, davon 89,30 Millionen US-Dollar alleine in den Vereinigten Staaten.[15] Die New York Times schätzte Anfang Juli 2013, dass – nach Teilen der Einnahmen mit den Kinobetreibern – weltweit mindestens 800 Millionen US-Dollar eingenommen werden müssten, um keinen Verlust zu machen.[14]

Im Jahr 2013 wurden bundesweit 1.001.308 Besucher an den deutschen Kinokassen gezählt, womit der Film den 34. Platz der meistbesuchten Filme des Jahres belegte.[16]

Kritiken[Bearbeiten]

Der Film erhielt größtenteils negative Kritiken. Rotten Tomatoes zählte von 142 Rezensionen nur 33 positive (23 %) und fasste den Konsens wie folgt zusammen: „Armie Hammer und Johnny Depp geben zwar ein reizvolles Heldenduo ab, das reicht allerdings nicht, um für das fade Drehbuch, die aufgeblasene Länge und den plärrenden Action-Overkill zu entschädigen.“[17]

„Das Erfolgsteam der Fluch der Karibik-Reihe entscheidet sich bei Lone Ranger für keine Linie und liefert damit den nächsten Riesenflop des Kinojahres. […] Anstatt sich festzulegen, probiert Lone Ranger einfach alles zugleich und strapaziert damit die Geduld seines Publikums.“

David Kleingers, Spiegel Online[4]

„Wo komische und dramatische Elemente in den besten Momenten der Karibik-Filme zu einem freien, wilden Fabulieren verschmolzen, kommen sie in Lone Ranger einander immer wieder ins Gehege. Johnny Depps Figur spiegelt das nochmal im Kleinen. Der Comanche mit der abblätternden Schminke […] ist die Hauptattraktion des Films, und die meisten sitzenden Pointen gehören ihm. Anders als dem unbekümmerten Genre-Wildwuchs Jack Sparrow lastet ihm aber der Anspruch des Drehbuchs und des Schauspielers auf den Schultern, sich nicht nur von früheren Darstellungen der Figur abzugrenzen, sondern auch die Native Americans würdig darzustellen. […] So kann er nie ganz Comedy-Figur und nie ganz „echter“ Indianer werden, und Depps routiniertes Spiel wirkt wie von der Zerrissenheit zwischen beidem ausgebremst.“

critic.de – die Filmseite[18]

„Schiffbruch im Wilden Westen – Fluch der Karibik-Regisseur Gore Verbinski havariert mit seinem spektakulär-tosenden Western-Abenteuer Lone Ranger trotz eines charismatischen Titelhelden, einiger rasanter Einzelszenen und gelegentlicher Kabinettstückchen, denn er bekommt seine Geschichte erzählerisch nie so ganz in den Griff.“

Carsten Baumgardt, Filmstarts.de[19]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Jahr Preis Kategorie Träger Ergebnis
2014 Goldene Himbeere Schlechtester Film Nominiert
Goldene Himbeere Schlechtester Schauspieler Johnny Depp Nominiert
Goldene Himbeere Schlechtestes Prequel, Remake oder Fortsetzung Gewonnen
Goldene Himbeere Schlechteste Regie Gore Verbinski Nominiert
Goldene Himbeere Schlechtestes Drehbuch Justin Haythe, Ted Elliott und Terry Rossio Nominiert
2014 Oscar Beste visuelle Effekte Tim Alexander, Gary Brozenich, Edson Williams und John Frazier Nominiert
Oscar Bestes Make-up Joel Harlow und Gloria Pasqua Casny Nominiert

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung (PDF) der FSK, abgerufen am 18. Jänner 2014
  2. Kennzeichnung der Jugendmedienkommission.
  3. Boris Kit: 'Lone Ranger' Budget Back Up to $250 Million. The Hollywood Reporter, 25. November 2012, abgerufen am 6. August 2013.
  4. a b David Kleingers: Western-Flop "Lone Ranger": 149 Minuten am Marterpfahl. Spiegel Online, 6. August 2013, abgerufen am 6. August 2013.
  5. http://www.deadline.com/2010/09/gore-verbinski-in-talks-to-reteam-with-johnny-depp-on-lone-ranger/ (25. November 2012)
  6. http://www.spielfilm.de/news/11818/the-lone-ranger-ryan-gosling-als-lone-ranger.html (25. November 2012)
  7. http://www.moviejones.de/news/news-armie-hammer-als-lone-ranger_7646.html (25. November 2011)
  8. http://www.moviejones.de/news/news-so-klappt-die-budgetkuerzung-das-wird-im-lone-ranger-geschnitten_8622.html (25. November 2012)
  9. http://www.negativ-film.de/2011/09/the-lone-ranger-disney-nimmt-filmproduktion-wieder-auf (25. November 2012)
  10. http://www.imdb.de/title/tt1210819/locations (25. November 2012)
  11. http://www.imdb.de/title/tt1210819/business (25. November 2012)
  12. http://www.moviepilot.de/news/tragischer-tod-am-set-von-the-lone-ranger-117956 (25. November 2012)
  13. a b Münstersche Zeitung: Leute: Johnny Depp, Aus aller Welt, 24. Juli 2013
  14. a b Brooks Barnes: Masked Lawman Stumbles at the Gate, The New York Times, 7. Juli 2013, abgerufen am 9. September 2013.
  15. The Lone Ranger. Box Office Mojo, 10. Oktober 2013, abgerufen am 23. Oktober 2013.
  16. KINOaktuell: Was ihr wolltet: Münsters Kinojahr 2013, C. Lou Lloyd, Filminfo Nr. 4, 23. – 29. Januar 2014, S. 24f
  17. http://www.rottentomatoes.com/m/the_lone_ranger/ (5. Juli 2012)
  18. Maurice Lahde: Lone Ranger. critic.de - die Filmseite, 20. Juli 2013, abgerufen am 20. Juli 2013.
  19. Carsten Baumgardt: Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion Lone Ranger. Filmstarts.de, abgerufen am 6. August 2013.