William Stanley Haseltine

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William Stanley Haseltine (* 11. Juni 1835 in Philadelphia, PA; † 3. Februar 1900 in Rom, Italien) war ein US-amerikanischer Landschaftsmaler in der Tradition der Düsseldorfer Schule und der Hudson River School.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haseltine wurde als Sohn des erfolgreichen Geschäftsmanns John Haseltine und seiner Frau Elizabeth Stanley Shinn geboren. Kunstsinn wurden ihm sowie seinen Brüdern James Henry Haseltine, einem späteren Bildhauer, und Charles Field Haseltine, dem späteren Gründer der Haseltine Art Galleries, durch die Mutter, die eine Amateur-Landschaftsmalerin war, in die Wiege gelegt. Haseltines Sohn Herbert Chevalier Haseltine (1877–1962)[1] sollte ebenfalls ein Bildhauer werden.[2]

Haseltine absolvierte die Harvard University 1854, wo er 1852 mit einem Studium begonnen hatte, nachdem er zwei weitere Jahre zuvor an der University of Pennsylvania studiert hatte. Kurze Zeit nahm er in Philadelphia Unterricht bei dem deutschen Maler Paul Weber, bei dem er 1853 den Maler William Trost Richards[3] kennenlernte. Im Frühjahr 1855 debütierte Haseltine in einer Ausstellung der Pennsylvania Academy of the Fine Arts. Mit Weber reiste Haseltine im Sommer 1855 nach Düsseldorf, wo er privat bei Andreas Achenbach und Emanuel Leutze studierte. Künstlerische Impulse empfing er ferner durch das Nachwirken Johann Wilhelm Schirmers, der als Professor der Kunstakademie Düsseldorf bis 1854 die dortige Landschaftsmalerei geprägt hatte. 1856 kam auch Richards nach Düsseldorf. 1856/1857 war Haseltine Mitglied des Düsseldorfer Künstlervereins Malkasten, wo sich ein Kreis US-amerikanischer Maler gebildet hatte. Mit Leutze, Albert Bierstadt und Worthington Whittredge unternahm er 1856 eine längere Studienreise an Rhein, Ahr und Nahe und über die Schweiz bis nach Norditalien. Eine weitere Reise führte ihn nach Rom, wo er am 22. April 1857 am „Cervarofest“ des Deutschen Künstlervereins teilnahm, und im Frühjahr 1858 auf die Insel Capri, deren Zauber ihn tief berührt haben soll. Laut seiner Tochter und Biografin Helen Haseltine Plowden (1873–1977) wohnte er auch bei späteren Besuchen immer wieder in einem alten Kloster auf einem Berg. Es hätten Nazarener, welche Haseltine durch Oswald Achenbach, den Bruder seines Lehrers Andreas Achenbach, kennengelernt hatte, für malerische Zwecke entdeckt.

After a Shower, Nahant, Massachusetts, um 1864

Ende 1858 kehrte er in die Vereinigten Staaten zurück, wo er 1860 zum Associate und 1861 zum Vollmitglied der National Academy of Design gewählt wurde.[4] Ab 1859 lebte er eine Zeit in New York City, wo er sich erstmals im Künstlerhaus The Tenth Street Studio Building[5] etablierte, neben Frederic Edwin Church und den ihm aus Düsseldorfer Zeiten bekannten Malerkollegen Bierstadt und Whittredge. Mit Bierstadt teilte er ein Atelier. Von dort aus führten ihn Studienreisen nach Neuengland, an den Delaware River und in weitere malerische Landstriche der US-amerikanischen Ostküste. Besonderes Interesse zeigte er dabei und in der Folgezeit für geologische Formationen und deren Entstehungstheorien, was in der malerisch detaillierten Wiedergabe von Felsstrukturen zum Ausdruck kommt.[6][7] In Malweise und Komposition nahm er in vielen seiner Bilder die später unter dem Begriff Luminism bezeichneten Charakteristika auf.

Bei einer Geburt starb 1864 Helen Lane, seine erste Frau, die er 1860 geheiratet hatte. Anfang 1866 heiratete er erneut, seine Freundin Helen Marshall (1836–1926). Marshalls Neffe war der spätere Landschaftsmaler Howard Russell Butler (1856–1934),[8] der sich einige Zeit in Haseltines New Yorker Atelier aufhielt.[9]

Im Mai 1866 übersiedelte Haseltine zusammen mit seiner Familie nach Frankreich. In Paris hatte er Kontakt mit Vertretern der Schule von Barbizon und stellte im Salon aus. Obwohl er erwogen hatte, in der französischen Kunstmetropole zu bleiben, ließ er sich 1869 in Rom nieder. Auch dort gab es eine große Künstlerkolonie, darunter viele Landsleute. In den Jahren 1872 und 1873 gehörte er dem Deutschen Künstlerverein zu Rom an.[10] Mit großem wirtschaftlichen und künstlerischen Erfolg malte er Landschaften, vorrangig für ein US-amerikanisches Publikum. Den Rest seines Lebens verbrachte er weitgehend in Rom, wo den 64-Jährigen im Jahr 1900 durch eine Lungenentzündung der Tod ereilte.

Ein elegantes Atelier und Wohnapartment hatte er 1874 im Palazzo Altieri bezogen. Es entwickelte sich rasch zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt US-amerikanischer Besucher. Bis in die 1890er Jahre avancierte Haseltine zu einer zentralen Figur der internationalen Kunstszene. Von Rom aus unternahm er innerhalb Europas häufig Reisen, etwa nach Sizilien und Venedig, nach Bayern und Tirol, in die Schweiz und die Niederlande, nach Belgien und Frankreich. Für längere Zeit unterbrach er den Romaufenthalt in den 1870er Jahren und im Zeitraum von 1895 bis 1899, um wieder in den Vereinigten Staaten zu wirken. In den Jahren 1873/1874 hatte er im New Yorker Künstlerhaus The Tenth Street Studio Building erneut ein Atelier angemietet. Im Winter 1896 arbeitete er in Boston, und mit seinem Sohn Herbert unternahm er 1899 eine Reise in den amerikanischen Westen und nach Alaska. Als gefragter Kunstexperte und erfolgreicher Künstler wurde er in das Kunstkomitee der World’s Columbian Exposition aufgenommen, die 1893 in Chicago stattfand. Bereits 1864 hatte er dem Komitee angehört, das zur Sanitary Fair in New York eine Ausstellung von Gemälden, Skulpturen, alten Möbeln, Autographen etc. vorbereitete.[11] Außerdem war Haseltine Mitglied in New Yorks Century Association[12] und im Salmagundi Club,[13] im Kunstverein München und in der Accademia di Belle Arti in Rom.[14][15][16][17]

Bestattet wurde Haseltine neben seinen Söhnen Stanley Lane Haseltine (1861–1879) und Charles Marshall Haseltine (1866–1875) auf dem Protestantischen Friedhof Roms.[18][19] Haseltines Tochter Mildred Stanley Haseltine (1879–1946) heiratete 1904 den Prinzen Ludovico Rospigliosi (1881–1917).

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: William Stanley Haseltine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helen Haseltine Plowden: William Stanley Haseltine. Frederick Muller, London 1947.
  • Wend von Kalnein (Hrsg.): Die Düsseldorfer Malerschule. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1979, ISBN 3-8053-0409-9, S. 322, 323. (Katalog-Nrn. 89, 90)
  • John Wilmerding: William Stanley Haseltine (1835–1900): Drawings of a Painter. Essay im gleichnamigen Katalog der Ausstellung vom 5. März bis 2. April 1983 bei der Davis & Langdale Company, New York. (Abdruck in: Ressource Library. 16. März 2005 (online))
  • Marc Simpson, Andrea Henderson, Sally Mills: Expressions of Place. The Art of William Stanley Haseltine. Fine Arts Museum of San Francisco, 1992.
  • David Bernard Dearinger (Hrsg.): Paintings and Sculptures in the Collection of the National Academy of Design. Hudson Hills Press, Manchester/ Vermont 2004, ISBN 1-55595-029-9, S. 254 f.
  • Sabine Morgen: Die Ausstrahlung der Düsseldorfer Schule nach Amerika im 19. Jahrhundert – Düsseldorfer Bilder in Amerika und amerikanische Maler in Düsseldorf. (= Göttinger Beiträge zur Kunstgeschichte. Band 2). Edition Ruprecht, 2008, ISBN 978-3-7675-3059-1, S. 672 ff., 797 ff. (Inhaltsverzeichnis, PDF)
  • Bettina Baumgärtel (Hrsg.): Die Düsseldorfer Malerschule und ihre internationale Ausstrahlung 1819–1918. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2011, ISBN 978-3-86568-702-9, Band 1, S. 35, 194, 196, 279, 347, 364, 365, 373, 431, Band 2, S. 385 (Katalog-Nr. 323)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Herbert Haseltine in der englischsprachigen Wikipedia
  2. David Bernard Dearinger (Hrsg.): Paintings and Sculptures in the Collection of the National Academy of Design. Hudson Hills Press, Manchester/Vermont 2004, ISBN 1-55595-029-9, S. 254 f. (online)
  3. William Trost Richards in der englischsprachigen Wikipedia
  4. nationalacademy.org: Past Academicians "H" / Haseltine, William Stanley NA 1861 (Memento des Originals vom 2. April 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nationalacademy.org (abgerufen am 26. Juni 2015)
  5. Tenth Street Studio Building in der englischsprachigen Wikipedia
  6. Paul Anbinder (Hrsg.): Smith College Museum of Art. European and American Painting and Sculpture 1760–1960. Hudson Hills Press, New York/NY 2000, ISBN 1-55595-194-5, S. 170 (online)
  7. Elizabeth K. Allen: Open-air Scetching. Nineteenth-century American Landscape Drawings in the Albany Institute of History & Art. Ausstellungskatalog, Albany/NY 1998, S. 16 (online)
  8. Howard Russell Butler in der englischsprachigen Wikipedia
  9. David Bernard Dearinger, S. 78 (online)
  10. Friedrich Noack: Das Deutschtum in Rom seit dem Ausgang des Mittelalters. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1927, Band 2, S. 241
  11. Ulrich Pohlmann: Die Düsseldorfer Malerschule und die Fotografie. In: Bettina Baumgärtel, Band 1, S. 347.
  12. Century Association in der englischsprachigen Wikipedia
  13. Salmagundi Club in der englischsprachigen Wikipedia
  14. Wend von Kalnein, S. 322.
  15. Kathrin DuBois: William Stanley Haseltine (Katalog-Nr. 322). In: Bettina Baumgärtel, Band 2, S. 385.
  16. David Bernard Dieringer, S. 254 f.
  17. Natalie Spassky (mit Linda Bantel, Doreen Bolger Burke, Meg Perlman und Amy L. Walsh): American Paintings in the Metropolitan Museum of Art. Volume II, Metropolitan Museum of Art, New York 1985, ISBN 0-87099-439-5, S. 397 f. (online)
  18. Angaben zu zona prima auf: Il Cimitero Acattolico, Webseite im Portal cemeteryrome.it, abgerufen am 20. September 2014.
  19. Siehe auch Abbildung von Haseltines Grabmal auf William Stanley Haseltine, Webseite im Portal findagrave.com, abgerufen am 21. September 2014.
  20. Bilderläuterung (Katalog-Nr. 89) bei Wend von Kalnein, S. 323.
  21. Bilderläuterung bei Kathrin DuBois: Das Meer bei Capri, 1875. In: Bettina Baumgärtel, Band 2, S. 385.
  22. Bilderläuterung (Katalog-Nr. 90) bei Wend von Kalnein, S. 323.