Wiltz

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Wiltz
Wappen Karte
Wappen von Wiltz Lage von Wiltz im Großherzogtum Luxemburg
Basisdaten
Staat: Luxemburg
Koordinaten: 49° 58′ N, 5° 56′ OKoordinaten: 49° 57′ 51″ N, 5° 56′ 9″ O
Kanton: Wiltz
Einwohner: 6866 (1. Januar 2018)[1]
Fläche: 39,3 km²
Bevölkerungsdichte: 174,9 Einw./km²
Gemeindenummer: 00005009
Website: www.wiltz.lu
Politik
Bürgermeister: Frank Arndt (LSAP)
Wahlsystem: Proporzwahl

Wiltz (luxemburgisch Wooltz oder Wolz) ist eine Stadt und eine Gemeinde im Großherzogtum Luxemburg und gehört zum Kanton Wiltz, dessen Hauptort sie ist. Sie liegt am gleichnamigen Nebenfluss der Sauer im Nordwesten.

Am 1. Januar 2015 fusionierte die Stadt Wiltz mit der ehemaligen Gemeinde Eschweiler.[2]

Zusammensetzung der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Wiltz besteht aus den Ortschaften:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Der Name Wiltz kommt aus dem Keltischen und bedeutet „am Bach“.[3] Wiltz wurde erstmals 764 urkundlich erwähnt. Es war Sitz der Grafen von Wiltz, einer der ältesten Familien des Luxemburger Landes.[4]

Amadeus von Wiltz wohnte 1214 der Hochzeit Ermesindes bei. Walther von Wiltz schlug sich 1288 in der Schlacht von Worringen mit dem Herzog von Brabant.

Vom Wiltzer Geschlecht stammen die Herren von Befort, Bereldingen und Meysemburg ab.

Bereits im 13. Jahrhundert erhielt die Ortschaft Wiltz Freiheitsbriefe vom Schlossherren. Die Akten verbrannten bei einer Feuersbrunst Ende des 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts. Am 22. Oktober 1437 erneuerte Godart von Wiltz die Freiheitsbriefe. Der Einfluss der Herren von Wiltz vergrößerte sich ständig und erreichte seinen Höhepunkt im 17. Jahrhundert. 1682 zählte der Graf von Wiltz 64 adelige Vasallen auf. Die Wiltzer Damen und Herren gewannen mit steigendem Einfluss immer mehr die Gunst des jeweiligen Herrschers. 1536 erhielten sie den Titel „Baron“. Johann V. wurde 1629 Festungskommandant in Diedenhofen und durfte sich fortan „Graf“ nennen. Er war die schillernde Figur in der Geschichte der Edlen von Wiltz und heute noch im Volksmund als „Grof Jan“ bekannt. 1631 begann er mit dem Bau des heutigen Schlosses, konnte ihn aber wegen der Wirren des Dreißigjährigen Krieges nicht beenden. Ab 1656 hieß die Wiltzer Grafenfamilie de Custine. Theodore François de Paule Joseph de Custine verließ als letzter Graf das Schloss im Jahre 1793 auf der Flucht vor den Republikanern. Er starb am 26. Oktober 1799 in Bamberg und wurde auch dort begraben. Das Leben in der Feudalzeit hatte als Dreh- und Angelpunkt immer das Schloss und die Herrschaft.

Wiltz bildete schon sehr früh eine eigene Pfarrei und wurde bereits vor 1200 Jahren zum Christentum bekehrt.

Nachdem die feudale Abhängigkeit abgeschafft war, traten andere Sorgen und Nöte an ihre Stelle. Die Zwangseinziehung in die französische Armee, die Nötigung seitens der Behörden, die schlechten Lebensbedingungen brachten Unruhe und Unzufriedenheit unter die Bevölkerung.

Das alles führte 1798 zum „Klëppelkrich“, dem Bauernaufstand. Kriege, Friedensverträge, politische Neueinteilungen, Revolten, Krankheiten und Hungersnöte prägten die folgenden Jahre. Wiltz war schon sehr früh industrialisiert. Es waren keine Großindustrien, sondern viele kleine und mittlere Familienbetriebe, die sich mit ihrem Handwerk durchs Leben schlugen. Aber auch in den Arbeiter- und Handwerkerhütten, ebenso wie bei den Bauern und Tagelöhnern des 19. Jahrhunderts war der Hunger stets daheim.

Die Weltkriege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht wurde in Luxemburg der Generalstreik ausgerufen. 21 Luxemburger, unter ihnen 4 Lehrer und 2 Gemeindebeamte aus Wiltz wurden deswegen vom deutschen Okkupanten erschossen. 1945 waren von den 4000 Einwohnern 27 Familien mit 91 Personen umgesiedelt, 15 Männer starben in Konzentrationslagern, 164 Jungen wurden in die deutsche Wehrmacht zwangsrekrutiert, 42 fielen, 15 sind vermisst und 21 kamen verstümmelt zurück.

Die Ardennenoffensive forderte nochmals 50 Menschenleben. Dabei wurden 80 % der Wiltzer Häuser zerstört oder beschädigt. Nach dem Krieg erhielt die Stadt den Titel „Märtyrerstadt“. Das Fátima-Denkmal „op Baessent“ und das Nationale Streikdenkmal erinnern an diese Zeit.

Das Ende der Wiltzer Lederindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wiltz geht die Verarbeitung von Rind- und Kalbshäuten zu Leder bis in das 16. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1868 zählte die Stadt 28 Gerbereien, wovon die beiden größten – Ideal und Lambert – bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts Leder herstellten. Die Schnellgerberei Lambert schloss ihre Tore 1953. Hier arbeiteten zeitweilig bis zu 300 Leute, die hauptsächlich Bodenleder und Riemenware herstellten. Zwischen den zwei Weltkriegen lieferte die Ideal-Lederfabrik Feinleder in alle Welt und beschäftigte um die 1200 Personen. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg lief die Produktion auf Hochtouren, so dass die Ideal eine Zeit lang die bedeutendste Fabrik für Luxusleder in Westeuropa war. Wegen Unrentabilität hörte die Ideal-Lederfabrik am 7. Januar 1961 auf zu bestehen. Als Gründe gelten interne Probleme, Expansion der Kunststoffe und Einschränkung des Handels mit den Ländern des Ostens infolge des Kalten Krieges.

Nach der Schließung fanden einige Belegschaftsmitglieder im niederländischen Oisterwijk in der gleichen Branche einen neuen Arbeitsplatz. Die älteren Leute wurden teilweise vom Luxemburger Staat zu Straßenarbeiten eingesetzt, die jüngeren mussten sich selber nach einer Arbeit umschauen. Sie fanden zum größten Teil einen Job im Süden in der Eisenindustrie oder bei der Eisenbahn.

Fusion mit der Gemeinde Eschweiler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 18. Dezember 2013 erteilte der Gemeinderat dem Schöffenkollegium einstimmig den Auftrag, Fusionsgespräche mit der Gemeinde Eschweiler aufzunehmen. Anlässlich zweier Bürgerforen am 28. und 30. April 2014 warben die Schöffenräte von Wiltz und Eschweiler für ein Referendum, das am 25. Mai stattfand und die Zustimmung der Bürger fand. Am 19. Dezember 2014 trat das Gesetz zur Fusion der Gemeinden Wiltz und Eschweiler in Kraft.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Gemeinde Wiltz

Das aktuelle Wappen wurde 1951 eingeführt. Es zeigt vorne oben einen Löwen auf blau-silber gestreiften Grund, hinten oben einen silbernen Hermesstab auf rotem Grund, vorne unten einen silbernen Anker auf rotem Grund und hinten unten einen goldenen Bienenkorb und sechs goldene fliegende Bienen auf blauem Grund.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Celorico de Basto ist eine Gemeinde im Norden von Portugal. Eine Partnerschaft wurde am 22. Juni 2005 während des „Festes der Freundschaft“ vereinbart.
  • Wiltz unterhält seit dem 28. März 2008 eine Partnerschaft mit Zavidovići, von woher die Mehrheit der bosnischen Einwohner der Stadt stammt.
  • Mit der Stadt Bastnach in Belgien besteht seit dem 16. Juni 2006 ein Freundschaftspakt.

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiltz hat drei Grundschulen und eine Sekundar-Schule, das Lycée du Nord.

Uni Campus Wiltz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2012 gibt es einen eigenständigen Hochschul-Campus mehrerer privater Hochschulen im Wiltzer Schloss. Unter dem Namen „Campus Wiltz“[5] wird ein berufsorientiertes, teilweise auch berufsbegleitendes höhere Studium angeboten.

  • BBI-Lux: Internationales Institut für Hotel- und Tourismus-Management[6]
  • UBI-Lux: Internationales Institut für Business-Management[7]
  • BSI-Lux: Internationales Institut für „Doctorates in Business Administration“ – DBA[8]

BBI und UBI bieten ihre Studienprogramme exklusiv in Englisch an. Das Business Science Institute (BSI) prioritär ebenfalls, bei Bedarf auch in Französisch. Seit September 2017 führt das BSI zudem in Kooperation mit dem luxemburgischen Forschungsinstitut „European Institute for Knowledge and Value Management“ (EIKV) zusätzlich ein deutschsprachiges berufsbegleitendes Promotionsstudium[9] durch.

Die „University for Digital Technologies in Medicine and Dentistry“, eine staatlich anerkannte private Hochschule, hat ihren Sitz und Campus ebenfalls im Schloss Wiltz. Sie bietet berufsbegleitende postgraduale Masterstudien für Digitale Technologien im Gesundheitswesen an.

Inlingua[10] hat eine Antenne im Wiltzer Schloss und bietet dort Sprachkurse an.

Sehenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schloss Wiltz
  • Kulturzentrum Prabbeli
  • Parkanlage Jardin de Wiltz
  • Freizeitpark Kaul
  • Nationalmuseum der Braukunst
  • Gerbereimuseum
  • Museum der Ardennenoffensive 1944–1945

Kulturveranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Wiltzer Festival (Weelzer Festival) ist ein Musik- und Kunstfestival, das jeden Sommer auf dem Gelände des Schlosses Wiltz stattfindet.
  • Das Ginsterfest (Geenzefest)[11] wird seit 1948 jedes Jahr während des Pfingst-Wochenendes veranstaltet. Hauptattraktion des Ginsterfestes ist am Pfingstmontag der Umzug.
  • Auf einem Hügel über Wiltz befindet sich eine Statue der Jungfrau von Fátima zu deren Ehren jährlich an Christi Himmelfahrt eine Prozession mit über 20.000 Teilnehmern stattfindet, die vor allem bei der portugiesischen Bevölkerung Luxemburgs großen Anklang findet. Die Idee zur Prozession der heiligen Jungfrau von Fátima entstand während des Belagerung der Stadt während der Ardennenoffensive, als mehrere Personen im Keller ihres Hauses vor den schweren Bombardements Schutz suchten. Sie schworen, dass sie, falls sie die Nacht überleben sollten, eine Prozession zu Ehren der Jungfrau zu initiieren.[12]
  • Während der Nacht der Lampions wird der Jardin de Wiltz mit seiner Umgebung mit Lichtern dekoriert und die Straßen von Wiltz mit Konzerten und Darbietungen animiert.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wiltz befindet sich der Sitz der Brauerei Simon. Sie wurde 1824 von Georges Pauly gegründet und ist eine der letzten unabhängigen Brauereien Luxemburgs.[13]

Wiltz ist ein internationales Zentrum der Pfadfinderbewegung. In der Umgebung der Stadt befinden sich mehrere Pfadfinderzeltplätze und -gebäude. Zudem befindet sich in Wiltz das „International Scouting One Penny Monument“ zu Ehren von Robert Baden-Powell, dem Begründer der Pfadfinderbewegung.

Wiltz hat eine lokale Radiostation, das Radio LNW.

Töchter und Söhne der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. STATEC Luxembourg – Population par canton et commune 1821–2018 (franz.)
  2. Wort.lu: Fusion von Wiltz und Eschweiler ist perfekt, abgerufen am 5. Januar 2014
  3. [1] (Link nicht abrufbar)
  4. Luxemburger Burgen und Schlösser(PDF; 14 MB)
  5. Hochschul-Campus Wiltz
  6. BI-Lux: Internationales Institut für Hotel- und Tourismus-Management
  7. UBI-Lux: Internationales Institut für Business-Management (Memento vom 30. Juli 2017 im Internet Archive)
  8. Business Science Institute Luxembourg
  9. Berufsbegleitendes Doktoratsstudium von BSI und EIKV in Deutsch und Englisch
  10. Cours de langue au Luxembourg avec inlingua
  11. 62. Wiltzer „Geenzefest“ lockte tausende Besucher an. (Memento vom 14. Juni 2010 im Internet Archive) Tageblatt. Zeitung fir Lëtzebuerg, 24. Mai 2010.
  12. Eine kurze Geschichte der Fatima-Stätte von Wiltz (PDF)
  13. www.industrie.lu

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wiltz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien