Windparks in Schipkau

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Die Windparks in Schipkau sind mehrere Windparks auf der Fläche der ehemaligen Braunkohle-Tagebaue Klettwitz und Klettwitz-Nord im Lausitzer Braunkohlerevier, die zum größten Teil auf dem Gebiet der Gemeinde Schipkau in Brandenburg errichtet worden sind. Die Gemeinde im Landkreis Oberspreewald-Lausitz versteht sich selbst als Innovativer Energieort.[1] Insgesamt 58 Windkraftanlagen in vier einzelnen Windparks sowie eine bedeutende Einzelanlage sind derzeit hauptsächlich auf dem Gebiet des ehemaligen Braunkohle-Tagebaus Klettwitz in Betrieb, der zum großen Teil im Gemeindegebiet liegt. Sie verfügen über eine installierte Gesamtnennleistung von etwa 137 MW. Einer der Windparks war zeitweise der leistungsstärkste in Europa.[2]

Geschichtlicher Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Klettwitz#Geschichte

Der Tagebau Klettwitz auf dem Gebiet der heutigen Windparks wurde zwischen 1949 und 1991 betrieben, wobei eine Fläche von 5.200 Hektar abgebaggert wurde. Ab 1988 wurde der Tagebau Klettwitz-Nord aufgeschlossen, der bedingt durch die Wende und friedliche Revolution in der DDR nicht, wie ursprünglich vorgesehen, bis 2004 betrieben wurde, wodurch es zur vollständigen Devastierung von Klettwitz gekommen wäre. Anschließend begann die Sanierung des Geländes durch die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft.

Die heutigen Windparks wurden ab Ende der 1990er Jahre errichtet und werden sämtlich von der Ventotec GmbH in Leer (Ostfriesland) betrieben. Die große Einzelanlage am EuroSpeedway Lausitz ist im Besitz der Energiequelle GmbH. Es sind vier Eignungsgebiete für die Windkraft mit einer Gesamtfläche von 497 Hektar ausgewiesen.[3]

Beschreibungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windpark Klettwitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Aussichtsturm Hörlitz über den EuroSpeedway Lausitz auf die Windparks Klettwitz Süd (links) und Klettwitz Nord (rechts) vor dem Repowering
Windpark Klettwitz Nord im Juni 2013 nach Abbau einer V66

Der Windpark Klettwitz, der aus den zwei Teilen Klettwitz Nord und Klettwitz Süd besteht, wurde 1999 auf dem nördlichen Teilbereich der Hochkippe des früheren Tagebaus Klettwitz-Nord errichtet. Dabei kamen insgesamt 38 Anlagen des Typs Vestas V66-1.65MW zum Einsatz. Die Anlagen hatten einen Rotordurchmesser von 66 m, eine Nabenhöhe von 78 m, und eine Nennleistung von je 1,65 MW.

Betreiberseitig wurden die benachbarten Eignungsgebiete Klettwitz-Nord und Klettwitz-Süd als gemeinsamer Windpark Klettwitz zusammengefasst. Mit einer Leistung von ca. 63 MW war er zum Zeitpunkt der Einweihung im Jahr 1999 der leistungsstärkste europäische Windpark. Im Jahr 2006 wurde der Windpark um zwei Anlagen des Typs Vestas V90-2MW mit einem Rotordurchmesser von 90 m, einer Nabenhöhe von 105 m, und einer Nennleistung von je 2 MW erweitert.

Im Jahr 2014/15 fand ein Repowering statt, bei dem alle Altanlagen des Typs V66-1.65MW abgebaut wurden; die beiden später errichteten V90-2MW blieben bestehen. Ersetzt wurden sie durch 27 Windkraftanlagen des Typs Vestas V112-3.3MW, womit sich eine Gesamtleistung von 93 MW einschließlich der beiden übernommenen Anlagen ergibt. Durch das Repowering wird der Jahresertrag trotz geringerer Anlagenzahl deutlich ansteigen. Die Betreibergesellschaft erwartet, dass eine V112 trotz der nur verdoppelten Nennleistung einen mehr als vierfach höheren Stromertrag erwirtschaftet als eine der abgebauten V66. Zugleich soll der Schallpegel durch die Erhöhung der Abstände zur Wohnbebauung sinken.[4][5]

Im Oktober 2015 wurden die 27 Anlagen an die John Laing Group verkauft. Eine Erweiterung des Windparks um 15 weitere Windkraftanlagen mit jeweils 3,3 MW befindet sich in der Genehmigungsphase.[6] Fünf weitere Windkraftanlagen des Typs V112-3.3MW wurden Mitte des Jahres 2017 als Süderweiterung in Betrieb genommen.[7]

Windpark Sallgast Süd[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einer Fläche von 104 Hektar westlich des Windparks Klettwitz Nord errichtete Ventotec im Jahr 2004 insgesamt 13 Anlagen des Vestas V80-2MW mit jeweils 80 m Rotordurchmesser, 100 m Nabenhöhe und 2 MW Nennleistung. Die Gesamtnennleistung beträgt 26 MW. Der Windpark befindet sich am Schnittpunkt der Gemarkungen von Klettwitz und der benachbarten Gemeinden Lichterfeld-Schacksdorf und Sallgast im Landkreis Elbe-Elster. Das dazugehörige Eignungsgebiet hat eine Fläche von 140 Hektar.

Windpark Kostebrau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Windpark Kostebrau wurde im Jahr 2000 westlich des Windparks Klettwitz-Süd in der Gemarkung Kostebrau, einem Stadtteil von Lauchhammer, in Betrieb genommen. Er umfasst 6 Anlagen des Typs Vestas V66-1.65MW mit einer Gesamtnennleistung von 9,9 MW auf einem Eignungsgebiet von 71 Hektar.

Windkraftanlage EuroSpeedway Lausitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftaufnahme der E-126 am EuroSpeedway Lausitz

Unmittelbar an der Rennstrecke auf dem früheren Tagebau Meuro an der A 13 wurde 2011–2012 im Rahmen des Projekts Grüner Lausitzring durch die Firma Energiequelle eine Windkraftanlage projektiert und errichtet.[8] Es handelte sich dabei um eine Enercon E-126, den zum Errichtungszeitpunkt leistungsfähigsten Windkraftanlagentyp der Welt. Die Anlage hat einen Rotordurchmesser von 126 m, eine Nabenhöhe von 135 m und eine Nennleistung von 7,6 MW.

Liste der Windparks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktuell bestehende Windparks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezeichnung Baujahr Gesamt-
leistung (MW)
Anzahl WKA Anlagentypen (Zahl) Gemarkung Koordinaten Betreiberfirma
Windpark Klettwitz 2006
2014/15
93,1 29 Vestas V90-2MW (2×)
Vestas V112-3.3MW (27×)
Klettwitz 51° 32′ 50″ N, 13° 52′ 5″ O Ventotec GmbH
Windpark Klettwitz Süderweiterung 2017 16,5 5 Vestas V112-3.3MW (5×) Klettwitz 51° 31′ 14″ N, 13° 52′ 0″ O
Windpark Sallgast Süd 2004 26 13 Vestas V80-2MW (13×) Klettwitz
Lichterfeld
Sallgast
51° 33′ 25″ N, 13° 49′ 58″ O
Windpark Kostebrau 2000 9,9 6 Vestas V66-1.65MW (6×) Kostebrau 51° 32′ 13″ N, 13° 50′ 3″ O
Windkraftanlage EuroSpeedway Lausitz 2011–2012 7,6 1 Enercon E-126 (1×) Hörlitz 51° 32′ 12″ N, 13° 55′ 29″ O Energiequelle GmbH

Repowerte Windparks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezeichnung Baujahr Gesamt-
leistung (MW)
Anzahl WKA Anlagentypen (Zahl) Gemarkung Koordinaten Betreiberfirma
Windpark Klettwitz Nord 1999 34,65 21 Vestas V66-1.65MW (21×) Klettwitz 51° 32′ 46″ N, 13° 52′ 12″ O Ventotec GmbH
Windpark Klettwitz Süd 1999 26,4 16 Vestas V66-1.65MW (16×) Klettwitz
Schipkau
51° 31′ 45″ N, 13° 52′ 16″ O Ventotec GmbH

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gemeinde Schipkau: Innovativer Energeieort. Abgerufen am 30. Mai 2014.
  2. DER SPIEGEL vom 17. Juni 2000: Alternative Energie: Größter Windpark Europas am Netz. Abgerufen am 30. Mai 2014.
  3. Gemeinde Schipkau: Windpark Klettwitz. Abgerufen am 5. Juni 2014.
  4. Repowerter Windpark Klettwitz kehrt zurück unter die deutschen Top Ten. In: IWR, 6. Juli 2015. Abgerufen am 9. Juli 2015.
  5. Der erste Teilabschnitt eines der größten Repoweringprojekte Europas im brandenburgischen Klettwitz steht kurz vor der Fertigstellung. Pressemitteilung von Venotec. Abgerufen am 9. Juli 2015.
  6. Repowering abgeschlossen. Windpark Klettwitz an Briten verkauft. In: Erneuerbare Energien. Das Magazin, 14. Oktober 2015. Abgerufen am 14. Oktober 2015.
  7. Jan Augustin: Neue Anlagen verstärken Klettwitzer Windpark. In: Lausitzer Rundschau. 6. Juni 2017; abgerufen am 31. Juli 2017.
  8. Lausitzer Rundschau vom 15. September 2011: Lausitzring: Weltgrößte Windkraftanlage noch 2011. Abgerufen am 5. Juni 2014.