Lichterfeld

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Lichterfeld
Koordinaten: 51° 35′ 48″ N, 13° 46′ 42″ O
Höhe: 126 m ü. NHN
Fläche: 20,88 km²
Einwohner: 521 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 25 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1997
Postleitzahl: 03238
Vorwahl: 03531
Lichterfeld aus Richtung Süden gesehen.

Lichterfeld (niedersorbisch Swětłe) ist ein Ortsteil von Lichterfeld-Schacksdorf, einer Gemeinde im südbrandenburgischen Landkreises Elbe-Elster.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lichterfeld liegt etwa fünf Kilometer südöstlich der Kreisstadt Finsterwalde im südlichen Teil des Niederlausitzer Landrückens. Umliegende Ortschaften sind Lieskau im Nordosten, Klingmühl in der Gemeinde Sallgast im Osten, die bereits im Landkreis Oberspreewald-Lausitz liegende Stadt Lauchhammer im Süden sowie Schacksdorf im Nordwesten.

Lichterfeld liegt an den Landesstraßen 60 von Finsterwalde nach Lauchhammer und 61 nach Bronkow.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lichterfeld, Betten, Schacksdorf und Lieskau auf einem Urmesstischblatt (1847)

Urkundliche Ersterwähnung und Deutung des Ortsnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urkundlich erwähnt wurde das Angerdorf Lichterfeld erstmals im Jahre 1474 als Lichtinfeld.[2][3] Bereits 1505 taucht dann der heutige Ortsname Lichterfeld auf. Der Ortsname bedeutet soviel wie Dorf am hellen sonnenbeschienenen Feld.[2] Eingepfarrt war der Ort nach Betten, welches ursprünglich der Superintendentur Großenhain unterstand.[4]

Die Lichterfelder Pechhütte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lichterfeld besaß eine Pechhütte.[3][5] Diese befand sich allerdings etwas südlich des Ortes bei der inzwischen devastierten Ortschaft Gohra, dem späteren Bergheide. Diese Pechhütte wurde bereits im Jahre 1630 erwähnt. Unweit ihres Standortes befand sich auch die Gohraer Pechhütte. Die Lichterfelde Pechhütte kam im Jahre 1898 durch Gebietsanschluss dann ebenfalls zu Gohra.[5][6]

Lichterfelder Mühlengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lichterfeld, Klinkmühl und Gohra auf einem Urmesstischblatt (1847)
Dorfanger von Lichterfeld

Zur Lichterfelder Pechhütte gehörte auch eine Wassermühle. Ihr Standort befand sich einst genau auf der Lichterfelder Gemarkungsgrenze zu Gohra. Diese Wassermühle, die nur einen Gang besaß, taucht auf den historischen Karten von Matthias Oeder (1594) und Balthasar Zimmermann (1600) auf. Auch auf einer Karte von Schenk ist sie im Jahre 1781 noch zu finden. Später erinnerte nur noch die Flurbezeichnung Verfallen Mühlchen an diese Mühle. Der historische Mühlenstandort kam dann 1898 ebenfalls zu Gohra.[6] Eine weitere Wassermühle war die Lapatschmühle, die auch als Buschmühle bezeichnet wurde. Diese nach ihrem einstigen Besitzer benannte Mühle befand sich am Abflussgraben des Lichterfelder Weinbergteichs und wurde schon im Jahre 1575 urkundlich erwähnt. Der spätere Mühlenbesitzer Hans Zwygk (1694) verlegte die Mühle an den später bekannten Standort. Dort verblieb sie lange in Familienbesitz, wobei sich die Schreibweise des Namens im Laufe der Zeit in Zwick änderte. Als letzter Mühlenbesitzer wurde um 1900 ein Eduard Lieske in einer Chronik erwähnt.[6]

Die Familie Zwick hatte am Mühlenstandort Anfang des 19. Jahrhunderts eine Branntweinbrennerei eingerichtet. Außerdem entstanden zu dieser Zeit hier eine Ziegelei, ein neues Wohnhaus und eine Walkmühle. 1865 kamen ein Ölschlag und eine Schneidemühle hinzu.[6]

Des Weiteren befanden sich in Lichterfeld zwei Windmühlen.[3][6] Die bereits in den Jahren 1594 und 1600 in Kartenwerken von Oeder und Zimmermann erscheinen. Um 1700 sollen im Ort sogar vier Windmühlen bestanden haben. Für die Jahre 1875 und 1877 sind noch drei Windmühlen nachweisbar.[6]

Lichterfeld und die Braunkohle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einen wirtschaftlichen Aufschwung erfuhr der Ort mit der Erschließung der umfangreichen Braunkohlevorkommen in der Region ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. Auf Lichterfelder Flur entstanden die Braunkohlegruben Helene und Hellda.[5][3] Die Grube Helene wurde im Jahre 1875 aufgemacht. Ihr Standort befand sich nahe der Lichterfelder Pechhütte an der Gemarkungsgrenze zu Gohra.[5] Ein weiterer Betrieb war die Theresienhütte, die später Namensgeber für den gleichnamigen Gemeindeteil östlich der Ortslage von Lichterfeld wurde. Zwischenzeitlich hatte dieser allerdings bis 1995 den Namen Klinkerwerk.[3]

Besuch des Bundeskanzlers Gerhard Schröder (2000)

Letztlich wurden die umfangreichen Braunkohlevorkommen bei Lichterfeld dem Ort fast zum Verhängnis. Die Mächtigkeit des Kohleflözes liegt hier zwischen neun und zwölf Metern. Außerdem ist sie vergleichsweise hochwertig.[7] Anfang der 1980er Jahre begannen südlich des Ortes die Vorbereitungsmaßnahmen zur Erschließung des neuen Tagebaufeldes für den Tagebau Klettwitz-Nord, der den Tagebau Klettwitz ersetzen sollte. Ab 1988 wurde der Tagebau aufgeschlossen und es entstand nahe Lichterfeld ein Montageplatz für die benötigte Großtechnik.[8][9] Lichterfeld verlor einen großen Teil seines Gemeindegebiets durch den Tagebau. Der südlich gelegene Ort Bergheide wurde schließlich devastiert. Noch 1985 lebten hier 290 Einwohner. Im Februar 1991 nahm die Förderbrücke F 60, die als größte bewegliche Arbeitsmaschine der Welt gilt, ihren Betrieb auf und der Tagebau erreichte im Dezember desselben Jahres seine Höchstleistung. Infolge der Wende wurden nun allerdings die Brikettfabriken und Kraftwerke im Raum Lauchhammer geschlossen. Der Bedarf an Rohkohle sank drastisch. Bereits im Juni 1992 wurde die Förderbrücke wieder stillgelegt. Im Dezember 1992 wurde dann schließlich die letzte Kohle im Tagebau Klettwitz-Nord gefördert.[8][9][10]

Die Großtechnik des Tagebaus wurde in andere Tagebaufelder verlegt oder verschrottet. Das Tagebaufeld von Klettwitz-Nord wurde Bergbausanierungsgebiet.[8] Auch die Förderbrücke F 60 sollte verschrottet werden. Sie galt als riesige Investruine. Regionale Initiativen erreichten, dass für die vorgesehene Verschrottung bereits zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel letztlich für den Erhalt der Brücke verwendet wurden. Am 19. Februar 2000 wurde die Brücke einige hundert Meter von ihrem Stilllegungsstandort an ihren heutigen Standort versetzt.[7] Am 1. September 2000 besuchte dann auch der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder Lichterfeld.

Bergheider See (2015)

Am 7. September 2001 begann die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) schließlich mit der Flutung des Restlochs des ehemaligen Tagebaus Klettwitz-Nord und es entstand der Bergheider See, dessen Flutung im Mai 2014 beendet wurde.[11]

Die Lichterfelder Förderbrücke wurde als Besucherbergwerk zu einem der externen Projekte der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover und schließlich ein Projekt der Internationalen Bauausstellung „Fürst-Pückler-Land“ (2000–2010).[12][13] Sie ist heute ein regionaler Besuchermagnet.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung von 1875 bis 1997[14]
Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1875 386 1946 660 1989 445 1995 463
1890 417 1950 665 1990 442 1996 475
1910 588 1964 582 1991 476 1997
1925 557 1971 574 1992 464 1998
1933 497 1981 503 1993 466 1999
1939 515 1985 475 1994 462 2000

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteilvertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 31. Dezember 1997 ist Lichterfeld ein Ortsteil von Lichterfeld-Schacksdorf.[15] Ortsvorsteher ist derzeit Norbert Richter.[16][17]

Administrative Zugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich gehörte Lichterfeld zur Herrschaft Finsterwalde und dadurch später zum kursächsischen Amt Finsterwalde.

Nach den Bestimmungen des Wiener Kongresses im Jahre 1815 gelangte Lichterfeld dann aber vom Königreich Sachsen zum Regierungsbezirk Frankfurt der preußischen Provinz Brandenburg und es entstand 1816 der Landkreis Luckau. 1830 wurde des Amt Finsterwalde aufgelöst und Lichterfeld gemeinsam mit den amtsangehörigen Dörfern Betten, Lindthal, Massen, Naundorf, Nehesdorf und Tanneberg dem Rentamt Dobrilugk zugeordnet. Im Jahre 1848 wurde dann das Rentamt Finsterwalde geschaffen, zu welchem auch Lichterfeld gehörte. 1874 wurde dann allerdings dieses Amt, wie auch das Amt Dobrilugk endgültig aufgelöst. Mit der 1952 in der DDR durchgeführten Gebietsreform kam Lichterfeld zum neu gegründeten Kreis Finsterwalde.

Nach der Wende lag Lichterfeld zunächst im Landkreis Finsterwalde. In Folge der kurze Zeit später erfolgenden Kreisreform in Brandenburg am 6. Dezember 1993 wurde die Gemeinde Lichterfeld dem neu gegründeten Landkreis Elbe-Elster zugeordnet, wo die Gemeinde sich am 31. Dezember 1997 mit der benachbarten Gemeinde Schacksdorf zur Lichterfeld-Schacksdorf zusammenschloss.[18][19][15]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Baudenkmale in Lichterfeld

Nahe Lichterfeld befindet sich südlich der Ortslage das Besucherbergwerk Abraumförderbrücke F60. Die F 60 selbst ist ein eingetragenes technisches Denkmal[20] und dient heute der Erinnerung und Aufarbeitung der langen Bergbaugeschichte in der Region. Die Förderbrücke wird als liegender Eiffelturm (der Lausitz) beworben und zieht jährlich einige tausend Besucher in den Ort. Das Gelände des Besucherbergwerks ist zudem Schauplatz diverser Konzerte und Festivals.[21]

Nahe dem Bahnhof Klingmühl-Lichterfeld steht außerdem eine aus dem Jahre 1898 stammende Villa mit Nebengebäude und Remise unter Denkmalschutz. Bei der Villa handelt es sich um einen zweigeschossigen Fachwerkbau mit Walmdach. Die Remise ist ebenfalls ein zweigeschossiger Fachwerkbau. Sie besitzt ein Pultdach. Beide Gebäude wurden mit gelben Klinkern verblendet.[20]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Lichterfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gemeinde- und Ortsteilverzeichnis des Landes Brandenburg. Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (LGB), abgerufen am 5. Dezember 2020.
  2. a b Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. be.bra Wissenschaft, Berlin 2005, ISBN 978-3-937233-30-7, S. 92.
  3. a b c d e Autorenkollektiv des MUG Brandenburg e.V.: Heimatbuch Landkreis Elbe-Elster. Herzberg 1996, S. 90.
  4. August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen. Band 14. Zwickau 1827.
  5. a b c d Verein der Freunde zur Förderung der Heimatschrift „Finsterwalder Heimatkalender“ (Hrsg.): Die Pechhütten der Region um Finsterwalde. 2008, S. 18 (Sonderheft zum Finsterwalder Heimatkalender).
  6. a b c d e f Manfred Woitzik: „Wer zuerst kommt – mahlt zuerst“ eine Kulturgeschichte der Mühlen im Landkreis Elbe-Elster. Hrsg.: Kulturamt des Landkreises Elbe-Elster. Herzberg 2000, S. 167–168.
  7. a b Matthias Baxmann: Besucherbergwerk „Abraumförderbrücke F 60“ - Brücke aus der Vergangenheit in die Zukunft. In: Kulturamt des Landkreises Elbe-Elster (Hrsg.): Kohle, Wind und Wasser. Ein energiehistorischer Streifzug durch das Elbe-Elsterland. Herzberg/Elster 2001, ISBN 3-00-008956-X, S. 72–88.
  8. a b c Autorenkollektiv: Bergbaugeschichte im Revier Lauchhammer. Hrsg.: Traditionsverein Braunkohle Lauchhammer e.V. Lauchhammer 2003, S. 102–104.
  9. a b Der Tagebau Klettwitz im Onlineprojekt www.ostkohle.de, abgerufen am 19. August 2017
  10. Projekt 2: Besucherbergwerk F60 „Liegender Eiffelturm der Lausitz“, auf www.iba-see2010.de, abgerufen am 20. August 2017
  11. Flutungsstand Brandenburgische Lausitz – LMBV. lmbv.de, abgerufen am 20. August 2017.
  12. Amt Kleine Elster (Niederlausitz) > Gemeinden - Lichterfeld-Schacksdorf auf der Webseite des Amt Kleine Elster
  13. Weltweite Projekte > Lausitzer Leuchttürme - Die Lausitz als Garten auf der Webseite des Deutschen Pavillons zur Expo 2000
  14. Historisches Gemeindeverzeichnis 2005 für Brandenburg statistik.brandenburg.de (PDF)
  15. a b Dienstleistungsportal der Landesverwaltung - Gemeinde Lichterfeld-Schacksdorf
  16. Stand: 20. August 2017
  17. Die Ortsvorsteher im Amt Kleine Elster auf der Homepage Amtes Kleine Elster, abgerufen am 20. August 2017
  18. Zusammenschluss der Gemeinden Lichterfeld und Schacksdorf (Amt Kleine Elster (Niederlausitz)) zu einer neuen Gemeinde Lichterfeld-Schacksdorf. Bekanntmachung des Ministeriums des Innern vom 18. Dezember 1997. Amtsblatt für Brandenburg Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 9. Jahrgang, Nummer 2, 22. Januar 1998, S. 24.
  19. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Elbe-Elster. S. 35
  20. a b Datenbank des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (Memento des Originals vom 9. Dezember 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/bldam-brandenburg.de, abgerufen am 13. August 2017.
  21. Veranstaltungen > Shows/Konzerte auf der Webseite des Besucherbergwerks F60, abgerufen am 19. August 2017