Wolfram Weimer

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Wolfram Weimer, 2019

Wolfram Weimer (* 11. November 1964 in Gelnhausen, Hessen) ist ein deutscher Verleger und Publizist. Er war u. a. Chefredakteur der Welt und der Berliner Morgenpost (2000 bis 2002), des von ihm gegründeten Politik-Magazins Cicero (2004 bis 2010) und des Nachrichtenmagazins Focus (2010 bis 2011). Im Jahr 2012 gründete er die Weimer Media Group, in der The European, WirtschaftsKurier, Pardon und Börse am Sonntag verlegt werden.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfram Weimers Vater Alois Weimer war Deutsch- und Religionslehrer[1] in Portugal, wo sein Sohn Wolfram die Deutsche Schule zu Porto besuchte. 1983 verließ er das Grimmelshausen-Gymnasium in Gelnhausen als bester Jahrgangsabiturient Hessens mit dem Notendurchschnitt 1,0.

Weimer studierte Geschichte, Germanistik, Politikwissenschaften und Volkswirtschaftslehre. 1986 erhielt er ein Stipendium der American University (AU) in Washington, D.C., zudem ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung und erwarb 1989 an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main den Grad eines Magister Artiums.[2]

Aus einem Washingtoner Forschungsjahr entstand 1991 die Dissertation (Magna cum laude) über den amerikanischen "Bankenkrieg", veröffentlicht unter dem Titel Die Kontroverse um die Bank of North America 1783–1787. 1998 erhielt Weimer ein Forschungsstipendium des John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien in Berlin.[3]

Während seiner Schulzeit gründete Weimer die Schülerzeitung Schwarzer Elch, schrieb ab 1980 für das Gelnhäuser Tageblatt und ab 1981 für die Main-Kinzig-Nachrichten. Nach seinem Studium arbeitete er als Hospitant bei der dpa in Washington. Weimer war von 1990 bis 1994 Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Frankfurt, von 1994 bis 1998 Korrespondent der FAZ in Madrid, von 1998 bis 2000 stellvertretender Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt in Berlin, von 2000 bis 2001 deren Chefredakteur und von 2001 bis 2002 Doppel-Chefredakteur der Welt und der Berliner Morgenpost.[4][5] Er verließ die Axel Springer AG Ende 2002.

Im Jahr 2003 gewann Weimer das Schweizer Medienunternehmen Ringier für die Idee, von Potsdam aus ein neues deutsches Politik-Magazin zu entwickeln. Das Magazin Cicero erschien zum ersten Mal im April 2004. Weimers erklärte Absicht war es, einen „deutschen New Yorker“ zu schaffen. Er blieb bis Januar 2010 Chefredakteur des Magazins.

Im Herbst 2009 warb der Burda-Verlag Weimer als neuen Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Focus ab,[6] womit er Nachfolger von Helmut Markwort wurde. Focus wurde unter seiner Leitung neu positioniert und startete eine Kooperation mit dem „Economist“.[7] Nach seinem Abschied von Focus gründete Weimer im Jahr 2012 mit der Weimer Media Group einen eigenen Verlag.

Ende 2012 brachte Weimer zum 50. Jubiläum der von 1962 bis 1982 existierenden Satire-Zeitschrift Pardon ein Sonderheft heraus, für das er Beiträge verschiedenster Humoristen zusammentrug.[8]

Derzeit schreibt Weimer für n-tv in seiner wöchentlichen Kolumne Person der Woche.[9] Seit 2015 ist er Verleger des Meinungs- und Debattenmagazins The European.[10]

Weimer ist mit der Verlegerin Christiane Goetz-Weimer verheiratet und hat drei Kinder.

Politische Standpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Umwelt- und Klimaschutzpolitik plädiert Weimer für Wahlfreiheit und positive Anreize. So ist er gegen Steuererhöhungen und will stattdessen alles steuerlich freistellen, was klimafreundlich ist. Zudem spricht er sich gegen eine politische Festlegung auf das Elektroauto aus und will stattdessen den technologischen Weg zur Erreichung von emissionsfreien Fahrzeugen offenlassen. Er sieht Kaliforniens Umweltpolitik als Vorbild.[11][12][13]

In der Ordnungspolitik vertritt er wirtschaftsliberale Positionen. So fordert er die Reduzierung der Staatsquote und umfassende Deregulierung.[14]

In der Integrationsdebatte kritisiert Weimer „naiven“ Multikulturalismus und spricht von einer „Multi-Kulti-Lüge“.[15][16] Weimer bewertet die sogenannte „Rückkehr der Religion“ im Allgemeinen positiv und sieht darin die Chance für eine kulturelle Renaissance des Abendlandes.[17] Die deutsche Nationalhymne hält er für eine „historische Wunde“, weil ihr Verfasser Hoffmann von Fallersleben auch Monarchist, Nationalist und Antisemit war, der mit der ‚Einigkeit‘ der Deutschen „eine judenfreie Einigkeit“ unter Ausschluss der Juden gemeint habe.[18]

In außenpolitischen Fragen spricht er sich gegen die Fortführung des Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan aus.[19]

Beim Thema griechische Finanzkrise riet er im Mai 2012 zu einem schnellen Austritt Griechenlands aus der Eurozone.[20]

Das Klimapaket der Bundesregierung im Jahr 2019 wertet Weimer als „politisch-technisch ganz gut gemacht“, vermisst jedoch einen „positiven Innovationseffekt“.[21]

Weimer kritisiert, dass sich unter den 20 größten Digitalunternehmen der Welt „keine Europäer“ befinden, und fordert eine Kapitaloffensive in innovative Industrien.[22][23]

Öffentliche Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weimer war von 2003 bis Januar 2015 Mitglied im Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb).[24][25]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Kontroverse um die Bank of North America 1783–1787, Dissertation. ISBN 3-631443161, Seitenzahl: 195, (Peter Lang GmbH, 1991)
  • Geschichte des Geldes. (Insel/Suhrkamp, 1992)
  • Mit Platon zum Profit. (FAZ, 1994)
  • Die D-Mark. (Societät, 1996)
  • Deutsche Wirtschaftsgeschichte. (Hofmann&Campe, 1999)
  • Die Sozialisierungsfalle. (FAZ, 1999)
  • Das Netzwerk der Vordenker. (CH.GOETZ, 2004)
  • Credo. Warum die Rückkehr der Religion gut ist. (DVA, 2006)
  • Himmlische Karikaturen. (Gütersloher Verlagshaus, 2008)
  • Andalusien. Ein Reiselesebuch (als Herausgeber), Ellert & Richter Verlag, 2008, ISBN 978-3831903047.
  • Freiheit, Gleichheit, Bürgerlichkeit. Warum die Krise uns konservativ macht. (Gütersloher Verlagshaus, 2009)
  • Heimspiel – Eine alternativlose Realsatire. Quadriga, Köln 2012, ISBN 978-3-86995-031-0.
  • Das konservative Manifest. Zehn Gebote der neuen Bürgerlichkeit. Plassen Verlag, Kulmbach 2018, ISBN 978-3-86470-567-0. Auszüge bei Google Books.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wolfram Weimer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pfarrerin Annette Bassler trifft Dr. Wolfram Weimer, SWR1 Sonntagmorgen vom 14. September 2008@1@2Vorlage:Toter Link/www.kirche-im-swr.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (abgerufen am 11. Februar 2010)
  2. Dr. Wolfram Weimer, Medienanstalt Berlin-Brandenburg – MABB (abgerufen am 11. Februar 2010) (Memento vom 15. Dezember 2008 im Internet Archive)
  3. Lebenslauf bei der Medienanstalt Berlin Brandenburg (Memento vom 15. Dezember 2008 im Internet Archive)
  4. Vita Wolfram Weimer – 29. Oktober 2009
  5. SWR verleiht Hans Bausch Mediapreis an Dr. Weimer und Jacqueline Stuhler Voß würdigt zum zehnjährigen Todestag langjährigen SDR-Intendanten Hans Bausch (abgerufen am 11. Februar 2010)
  6. Medien: Weimer löst Markwort als „Focus“-Chef ab. Abgerufen am 22. Oktober 2019.
  7. "Focus" vereinbart Partnerschaft mit "The Economist". Abgerufen am 22. Oktober 2019.
  8. sueddeutsche.de: Neuauflage von "Pardon" – Vom Teufelchen geritten, 6. Dezember 2012
  9. Person der Woche – Kolumne von Wolfram Weimer. Abgerufen am 16. Dezember 2016.
  10. Köpfe: Wolfram Weimer, Publizist, The European, 30. Januar 2016.
  11. Markus Lanz vom 27. Juni 2019 Zu Gast sind Annalena Baerbock und Robert Habeck... Abgerufen am 22. Oktober 2019 (deutsch).
  12. TV-Kritik zu Markus Lanz (ZDF): Dieser Mann dürfte nie eine Talkshow leiten. 1. Juli 2019, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  13. Habeck und Baerbock im TV-Talk: Lanz-Ansage nach Grünen-Gezicke. Abgerufen am 22. Oktober 2019.
  14. Siehe Wolfram Weimer: Die Sozialisierungsfalle. Warum die soziale Marktwirtschaft wieder entfesselt werden muß, Frankfurt a. M.: FAZ, Verlag-Bereich Buch, 1999
  15. Wolfram Weimer: Die Multi-Kulti-Lüge (Memento vom 3. November 2009 im Internet Archive), Cicero, Dezember 2004
  16. Der kulturelle Dschihad (Memento vom 27. Mai 2007 im Internet Archive), Cicero, Oktober 2006
  17. Siehe Wolfram Weimer: Credo. Warum die Rückkehr der Religion gut ist. München: DVA-Verlag, 2006
  18. Wolfram Weimer: Bodo Ramelow und die Deutsche Nationalhymne. In: The European, 14. Mai 2019, abgerufen am 20. Mai 2019.
  19. Wolfram Weimer: Raus aus Afghanistan, Cicero, April 2008
  20. handelsblatt.com: Sieben Gründe für die Drachme
  21. Markus Lanz 24 09 2019 Frank Thelen, Anja Kohl, Wolfram Weimer, Maria und Thor Braarvig. Abgerufen am 23. Oktober 2019 (deutsch).
  22. https://www.focus.de/kultur/kino_tv/bei-markus-lanz-mein-herz-blutet-investor-frank-thelen-spricht-bei-lanz-klartext_id_11181200.html
  23. Markus Lanz 24 09 2019 Frank Thelen, Anja Kohl, Wolfram Weimer, Maria und Thor Braarvig. Abgerufen am 23. Oktober 2019 (deutsch).
  24. Medienrat Dr. Wolfram Weimer. mabb, abgerufen am 31. Dezember 2015.
  25. Neuer Medienrat für die Medienanstalt Berlin-Brandenburg gewählt. mabb, 17. Dezember 2014, abgerufen am 31. Dezember 2015.
  26. Friedwart Bruckhaus-Förderpreis 1992 (Memento vom 13. März 2017 im Internet Archive)
  27. pr-journal.de: „MediumMagazin“: Die Journalisten des Jahres 2004
  28. Leipziger Medienpreisträger 2007: Dr. Wolfram Weimer (Memento vom 2. Dezember 2009 im Internet Archive) (abgerufen am 11. Februar 2010)
  29. bvmw.de: Mittelstand Media Award 2017 für Verleger Dr. Wolfram Weimer (abgerufen am 17. Januar 2018)